Schwiegermutter zu Besuch

Im Vorfeld sprach man von einer „schwierigen Beziehung zwischen den Nachbarn,“ dabei meinte man nicht einen Besuch des suedkoreanischen Staatspraesidenten in Pjoengjang, sondern den zwei Laender mitten in Europa und Besuch einer betagten Monarchin.

Der Besuch Queen Elizabeth II. war soetwas wie der Besuch der verhassten Schwiegermutti in der Stadt.

In der Tat, schaut man sich die irische Geschichte an, bedeutete der Besuch in Irland mehr, als den regelmaessigen Ausflug Berlins nach Paris zu gemeinsamen Kabinettssitzungen.
800 Jahre war die irische Insel vom grossen Inselnachbarn England besetzt, zahllose Iren starben in diversen Aufstaenden bis hin zum Anglo-Irischen Krieg. Viele Iren waren gezwungen, nicht nur nach England zu emigrieren, sondern auch in die USA um der Situation in Irland -gerade im 19. Jhr- zu entfliehen.
Legionen von fremden Maechten sahen Irland als Zentrum ihrer Interessen an, sei es Robert the Bruce, der seinen Bruder Edward nach Irland schickte, um die Ansprueche der schottischen Krone zu untermauern,, auch Spanier und Franzosen tummelten sich in Irland, und sahen in ihrem Abenteuer weniger die irische Sache, als vielmehr den Krieg gegen England. Irland und die Iren war da nur Teil ihrer Interessen.

Irisches Blut allerdings duenkte auch die Schlachtfelder dieser Welt. „Die Iren sind leicht und billig zu ersetzen,“ soll Edward I.(Longshanks) gesagt haben. Dieser Spruch galt ueber Jahrhunderte. Kein Schlacht englischer Interessen, an denen nicht Iren, meist nicht ganz freiwillig, beteiligt waren. Allein im ersten Weltkrieg betrugen die Verluste Irlands 35.000 Soldaten und im zweiten Weltkrieg kaempften etwa 70.000 auf Seiten der Briten, allerdings weiss man nicht wie hoch die Zahl der Gefallenen ist, da Iren aus dem Sueden in den Irish Guards dienten und, um alle Widrigkeiten zu umgehen, zu Nordiren erklaert wurden.
Auch Heute noch gehen viele Iren aus der wirtschaftlichen Lage heraus nach Nordirland und treten dort in die Irish Guards ein. Schaetzungen zufolge duerften ertwa 5% der Angehoerigen aus dem Sueden stammen.

Erwaehnen sollte man auch die zahlosen Iren die von den Englaendern entweder in die Neuen Kolonien, oder nach Australien und Neuseeland deportiert wurden.

Aktuell kommt die wirtschaftliche Abhaengikeit Irlands von England hinzu. Geht man hier einkaufen, dann, so meine persoenliche Schaetzung, kommen bis zu 90% der Waren aus Gross Britannien. Allein Tesco duerfte gut ueber 90% an englischen Waren verkaufen. Und England hat sehr viel Geld in das Land gepumpt, um die wirtschaftliche Lage zu verbessern.
Alles in allem eine schwere Buerde fuer beide Seiten.

Allerdings gelang es der Queen souverain die Klippen zu umschiffen. Die Queen ging gezielt auf die Beziehungen ein und sprach alles an was fuer Iren bitter und schmerzlich ist, Und das hat vielen Iren hier gefallen. Elizabeth nahm kein Blatt vor den Mund und entschuldigte in ihrer Rede nichts, kein Wort von, „ganz leicht habt Ihr es uns ja auch nicht gemacht,“ im Gegenteil. Nordirland klammerte sie bewusst aus, eine sehr weise Entscheidung, denn Nordirland gilt hier als Stachel im Fleisch vieler irischer Befindlichkeiten. Einzig den Friedensprozess in Nordirland sprach sie an, was fuer mich hiess, „am Status Quo Nordirlands wird nicht geruettelt.“

Betrachte ich persoenlich den Besuch, dann kam nicht die Schwiegermutti zu Besuch, sondern die liebe Omi. Wir sind ein sehr kleines Land mit wenigen Einwohnern und ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, aber ich denke dass viele Iren, spaetestens seit dem Besuch der Queen in Cork, insgeheim ihren Royalismus rausgelassen haben.

Einzig die Pseudolinken, die schon so links sind, dass sie rechts wieder durch die Tuer kommen, meinten Bambule machen zu muessen. Dabei vergessen sie folgende Dinge:
1.) Der Krieg ist seit ueber 80 Jahren vorbei
2.) Die Anglo-Irischen Vertraege sind in Beton gegossen. Nur noch grenzdebile Vollpfosten traeumen von einer Fusion der Republik Irland mit den 6 Countys Nordirlands. Vielleicht, irgendwann mal, loesen sich die Grenzen auf und die Nordiren schliessen sich der Republik an. Im Moment eher ausgeschlossen.Da kann die Real IRA, IRA und Sinn Fèin noch so mit den Hufen scharren und die Vollpfosten vom Oranje Orden tiefe Graeben in die Strasse laufen um dagegen zu sein -Auch die Spaten der UDF-.
3.) Auch wenn man es nicht glaubt, die wirtschaftliche Abhaengigkeit von England ist zu gross als dass man sich loesen koennte. Ist zwar bitter, aber die Regierungen Irlands haben das Geld mit vollen Haenden zum Fenster rausgeworfen, anstatt sinnvoll eine Wirtschaftsnation aufzubauen. „Irish Pride“ im Supermarkt ist nicht der Stoff aus dem Legenden geschrieben werden. Und das, was ich in Irland kaufe, ist Made in UK, da beisst die Maus kein Faden ab. So gerne ich „Irish Pride“ kaufe, wuerde ich verhungern, oder nackt rumlaufen.
4.) Bei Deutschen und Oesterreichern sagt man, „Beide trennt die gemeinsame Sprache.“ Das gilt hier im besonderen. Auch wenn das gaelische mehr und mehr gepflegt wird, viele Iren denken man haette eine Halsentzuendung. Sender wie TG4 geniessen ein Schattendasein und werden hoechstens zu besonderen Anlaessen geschaut, aber auch nur mit englischen Untertiteln. Da fuehlt man sich wie in China wo Hanchinesisch uebersetzt wird, damit auch der Rest weiss was laeuft.
5.) Waehrend man die GAA auf allen Kanaelen sieht und als ein Stueck nationaler Identitaet verkauft wird, bekommt man SKY aus England, damit hier die Fussballfans die Premierleague geniessen koennen. Manche Iren erzaehlen bei Guiness, Beamish und Murphy wie stolz sie sind Iren zu sein, und schimpfen ueber die „da drueben,“ tragen aber ein Leiberl von Chelsea, Arsenal oder Manchester. Irische Fussballvereine fristen eher ein Schattendasein und mein Patenkind versucht alles, um die Popularitaet zu steigern.
6.) Es ist eine Schande wenn jede Woche tausende von Iren das Land verlassen um Arbeit zu finden. Die sind hochqualifiziert und gehen in die USA,nach Kanada, Australien, Neuseeland oder, die meisten gehen nach England um Arbeit zu bekommen.
Statt wie die Bloeden auf der Strasse zu stehen und zu bloeken, dabei noch Gardai zu verletzen, sollte man vielleicht mal die Finger aus dem Arsch nehmen und Irland gestalten. Das waere mal eine Aufgabe.

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