11/09

Heute vor 10 Jahren fand der Angriff auf das Herz und den Puls der freien Welt statt. Am 11/09/2001 wurden die USA das Opfer von Terroristen die nichts mehr hassten, als den „American Way of Life“ und alles wofür es steht.

Der 11/09 war mein letzter Tag in Österreich und bevor ich wieder nach Deutschland fuhr, meldete ich mich auf dem Magistrat der Stadt Maria Enzersdorf in Niederösterreich ab. Ich weiss noch das ich in der Höhe von Amstetten auf der A1 unterwegs war, als der österreichische Sender Oe3 sein Programm unterbrach und zunächst von einem Unfall in New York berichtete. Genau wusste niemand was passiert war, ausser dass offensichtlich ein Sportflugzeug, vermutlich eine Cessna, mit einem der Twin Tower zusammengestossen sei. Erst in der zweiten Meldung berichtete man von einem Passagierflugzeug und vom schwersten Unglück, welches jemals die Stadt getroffen hätte. Ich fuhr auf einen Autobahnparkplatz und lauschte der Sonderberichterstattung aus New York. Kurz nach dem Bericht unterbrach Oe3 sein Programm erneut und eine zweite Maschine traf das World Trade Center in New York. Diesmal sprach aber nicht von einem Unfall sondern zum ersten Mal von einem mutmasslichen Terroranschlag.

Nicht nur der Redakteur, auch ich überlegte, wer um Himmels Willen auf die Idee kommen würde ein Anschlag auszuführen, dazu noch mit einem Flugzeug?
Dann überschlugen sich sich die Berichte und das Programm wurde vollständig unterbrochen.
Kurz hinter der deutschen Grenze wechselte ich auf SWR3 und bekam mit, dass ein Flugzeug auf das Pentagon gestürzt sei und die zivile US-Luftueberwachung eine weitere Maschine vermisse (Flug UA93).
Live berichtete SWR3 vom Einsturz des ersten Gebäudes und ich war so geschockt, dass ich sofort einen Rastplatz anfuhr und dem Radio lauschte. Es war für mich absolut unvorstellbar, dass ein Gebäude wie das World Trade Center einfach so einstürzt, auch wenn es 1993 schon einmal einen Anschlag auf das Gebäude gab.

Etwas von mir entfernt standen US-Soldaten und hörten bei AFN vom Absturz von Flug UA93 in der Nähe von Pittsburgh. Die Soldaten waren aschfahl und eine Soldatin fing an zu weinen.
Mich hat das, was ich an diesem Tag gehört habe, bis in’s Tiefste erschüttert.
Als ich bei meinen Eltern ankam, bei denen ich Quartier genommen hatte, fragten meine Eltern aufgeregt, ob ich schon gehört hätte was passiert sei. Ich sagte ja und sass zusammen mit meinen Eltern vor dem Fernseher, wo die Liveberichterstattung aus den USA den ganzen Tag lief.
Ich gestehe: Es war nicht das erste Mal in meinem Leben, das ich um Menschen geweint habe, die ich nie in meinem Leben getroffen habe. Und es war das zweite Mal in meinem Leben, das ich eine unbändige Wut im Körper hatte. Das erste Mal war am 05.09.1972 als palästinensische Terroristen die israelische Olympiamannschaft in München während der Olympiade als Geiseln nahmen und nicht nur die israelische Olympiamannschaft, sondern auch zwei Polizisten starben.
In die Trauer mischte sich die Wut über diejenigen die nicht nur die USA hassten -die USA, bzw. die World Trade Center standen als Symbol-, sondern die Uns hassten. Unsere Art zu leben, unsere Werte, unser System und kaltblütig den Tod von knapp 3000 Menschen in Kauf nahmen. Mir war es ehrlich gesagt egal wer für diesen Anschlag verantwortlich war, im ersten Moment wäre es mir egal gewesen, wen die USA als Hintermänner einäschern. Die Verbrecher, die dahinter standen, sollten für das, was sie geplant hatten, zur Rechenschaft gezogen werden.

Nach der Trauer über die Opfer kam dann auch die Wut über die Häme mit, in der die Anschläge in den USA beklatscht wurden. Nicht in den Autonomiegebieten, sondern die vielen Europäer die sich unbändig darüber freuten, dass es die USA „auch mal erwischt“ hatte. Dieser unerträgliche Antiamerikanismus brach sich in Kommentaren und Foren bahn. Zwar kannte ich einen gewissen Antiamerikanismus seit Vietnam in Teilen der Linken und seit Ronald Reagan in den Achtzigern, aber diese Art von Antiamerikanismus ging von der Mitte der Gesellschaft aus, und machte auch vor den Medien nicht halt.
Ganz besonders im Visier war George W. Bush. Der Präsident, der gerade mal seit 9 Monaten im Amt war, sollte schlimmer sein als Adolf Hitler. Allein die Tatsache dass George W. Bush ein Sohn von George H. W. Bush war, prädestinierte ihn für viele Europäer zum personifizierten Bösen, und viele wurden nicht müde sämtliche Verfehlungen des jungen Georg W. auszugraben. Egal was es war, ob seine überwundene Alkoholsucht, sein Einsatz in der Nationalgarde statt in Vietnam, oder ein Strafticket wegen Falsch parken. Georg W. war plötzlich das personifizierte Böse. Nicht die Terroristen waren schuldig, nein die USA und ihr Präsident waren persönlich für die Terroranschläge und für überhaupt alles schlechte in der Welt verantwortlich.

Man übertraf sich förmlich darin zu behaupten, das die Terroristen gar nicht anders konnten als die USA zu attackieren, schliesslich seien sie Menschen der 3. Welt von den USA unterdrückt. Die Tatsache das es sich um Leute aus der Oberschicht handelte interessierte niemanden, und wenn, dann waren das die modernen Che Guevaras der 3. Welt, die stellvertretend für die Hungernden den Krieg nach Amerika trugen.
Es dauerte auch nicht sehr lang da krochen die ersten selbsternannten „Experten“ unter ihren Steinen hervor und verbreiteten die abstrusesten Verschwörungstheorien, sehr zur Freude derer, die es ja eigentlich schon immer gewusst hatten, sich das aber nie auszusprechen trauten. Gerade in Deutschland fanden Typen wie Broeckers, Wisnewski und von Buelow auf eine breite Anhängerschaft die ihre Bücher kauften und wie eine Bibel vor sich hertrugen.

Broeckers, der quasi ueber Nacht zum Star der Verschwörungsliteratur avancierte, erklärte in einem Interview, dass er gar nicht vor Ort recherchieren müsse, sondern im Internet alles finden würde, um die Anschläge in den USA erklären zu können. Vorher hatte er noch fleissig gekifft um sein Buch über Hanf schreiben zu können, genügten ihm nun Google, Yahoo und andere Seiten um den Anschlag als „Inside Job“ zu deklarieren, was natürlich begierig aufgegriffen wurde, schliesslich hatten die USA ja schon Pearl Harbor selbst inszeniert. Wen stört es schon, wenn die Verschwörungen zu Pearl Harbor längst widerlegt sind.
Geradzu trotzig wurde die Meinung verteidigt, die USA sind neben die Israelis das Böse in der Welt und wer Gegenteiliges dazu erklärt, der sei halt ein Teil des Systems, was immer das heissen mag.
Wisnewski konnte seine verschwurbelten Theorien nicht nur in Büchern, sondern sogar im Auftrag des WDR verbreiten. Unglaublich aber wahr, finanzierte ein Sender aus Rundfunkgebühren diesen Müll und verteidigte das noch gegenüber seinen Kritikern. Erst als die Gegenbeweise Überhand nahmen und der WDR in Erklärungsnot geriet, da trennte man sich von seinem „Experten.“
Wisnewski wurde nicht nur für die Anhänger dieser Theorien zum Märtyrer. Selbst im bürgerlichen Lager witterte man eine „Riesensauerei“ gegenüber einem „integren“ Journalisten. Natürlich stand für viele fest wer hinter dieser Aktion steckt. Wenn nicht die CIA, oder andere amerikanische Geheimdienste, dann zumindest das State Department in Washington und die Lakaien in Berlin knickten ein.

Der 11.09 und alles was danach kam liessen in mir den Entschluss reifen, Deutschland zu verlassen. Bisher hatte ich zwar nie viel von Deutschland gehalten, aber dieses Ereignis war für mich, ehrlich gesagt, zuviel.
Menschen, bei denen ich nie gedacht hätte wie dumm sie eigentlich sein können, geiferten förmlich vor Erregung, das die USA getroffen wurden und dass soviel Menschen starben. Vor allem war für mich als Liberalen erschreckend, dass ausgerechnet diejenigen, die sich gerne als Liberale bezeichneten und die USA für die Wiege des Liberalismus hielten, dieser Antiamerikanismus durchbrach.

Der Psychoanalytiker Zwi Rex schrieb mal, „Die Deutschen werden den Juden Auschwitz nie verzeihen.“ in Bezug auf den 11.09 hätte er es ergänzen können, „und den Amerikanern nicht den D-Day.“
An diesem Tag zeigten nicht nur grosse Teile in Europa, sondern auch in Deutschland, wie Abgrundtief der Hass gegen die USA ist und wie sehr man sich über die Opfer des Anschlages gefreut hat.
Vielleicht wäre es für Amerika nach Pearl Harbor besser gewesen, wenn sie sich ausschliesslich im Pazifik aufgehalten und nicht auch noch Europa von der Nazidiktatur befreit hätten. Damit avancierten sie, neben Israel, zum meistgehassten Staat auf diesem Planeten.
Für mich und nachdem ich nun nicht mehr in Deutschland lebe, ist dieser Jahrestag mit ein Grund keinen Fuss mehr nach Deutschland zu setzen. Dafür habe ich den Amerikanern, besser den Veteranen zu viel zu verdanken.

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