Banshee

Denkt man an Irland, dann denkt man froehlich tanzende Menschen, die den ganzen Tag im Pub sitzen, Guiness trinken, lustige Lieder singen -oder auch nicht-, von der Rebellion träumen, rothaarig sind und and kleine Männchen, mit dicken roten Knollnasen, lustigen gruenen Hütchen, einen Topf voll Gold hüten, die sogenannten Leprechauns. An Feen und Elfen.

Nun sitzen wir zwar nicht den ganzen Tag im Pub, die wenigsten sind rothaarig, oder tanzen, aber das mit den Liedern mag stimmen, wie man so schoen sagt, „wo zwei Iren zusammentreffen, bilden sie ein Gesangsduo mit kompletter musikalischer Begleitung.“ Ich glaube nur die Iren sind in der Lage die Thinwhistle zu spielen und dabei zu singen, keine Ahnung wie sie das machen, aber musikalisch sind hier viele. Ich glaube man saugt das mit der Muttermilch ein. Und da es so viele von ihnen gibt, also den Musikern, exportieren wir diese in alle Welt, als „Dubliners“, die Revival Band der Dubliners, das Revival der Revival Band der Dubliners usw. usf. Ok, wir haben da noch mehr, z.B. exportieren wir sie auch als Tanzgruppe. Bringt zwar nicht viel ein und wir werden den Guertel sehr eng schnallen müssen, damit wir unsere Schulden mal abbezahlen, aber man freut sich ja auch ueber Almosen. Auf jeden Fall kommt kein Pub weltweit ohne diese Musiker aus. Selbst in der Arktis wird dieses Modell erfolgreich praktiziert, dauert zwar lange bis man die Floete vom Mund abgetaut hat, aber in der Krise muss jeder Opfer bringen. Darauf kann die irische Regierung jetzt nun wirklich keine Ruecksicht nehmen.

Allerdinsg sind wir auch die Erfinder der Todesfee, oder Banshee, wie man sie hier nennt. Mittlerweile gibt es auch eine Software mit dem Namen, die ist aber huebscher und auch klingt besser.
Reden wir ueber die Banshee, dann reden wir von einer furchtbar haesslichen und alten Frau, angeblich eine einstige Fee -wer’s glaubt, hihi-, die aus dem Hals stinkt wie zwei Wochen Fischkutter und eine Stimme hat, dass selbst die Toten wieder munter werden. Also wirklich das furchtbarste was Irland so zu bieten hat, ausser dem Fruehstueck.
Ausserdem traegt sie immer die gleichen Plünnen und faellt damit in Irland nicht sonderlich auf, ich wuerde sagen, gefuehlte 90% laufen so rum, die anderen sind Ausländer, die wissen wie man sich kleidet. Die meisten Iren erkennt man an den Ausgehanzügen, bevorzugt mit den 3 Streifen, oder Nike, in den Farben der Lieblingsclubs aus der Premier League, oder gleich Brutalpink von Kappa. Dazu Runners, oder am Wochenende gern mal als Presswurst verkleidet auf Stelzen. Wie gesagt, damit wuerde man die Banshee kaum erkennen.
Allerdings, so heisst es, hat sie eine Klagegesang wie eine verrostete alte Luftalarmsirene aus dem 2. Weltkrieg und den stimmt sie bevorzugt an, wenn jemand gestorben ist, oder jemand stirbt. Dabei, so heisst es weiter, leistet sich jeder Clan den Luxus einer eigenen Banshee. Wenn man also weiss, wie gross in Irland die Clans sind, dann kann man sich auch vorstellen, warum sie so abgemagert ist. Sie ist eine vielbeschaeftigte Frau und kommt daher wenig zum Essen.

Vor zwei Wochen hatte ich das Vergnügen die Tante kennen zu lernen. Nach einem langen und harten Arbeitstag, sowie ein paar Pints, schlummerte ich friedlich entspannt in meinem Bett, als ploetzlich ein infernalisches Gekreische, direkt neben meinem Ohr einsetzte. Erst dachte ich ja, die dicke Nachbarskatze waere auf der Glanmire ueberfahren worden und machte die Vorhaenge auf, da ich Naturgemäß sehr neugierig bin -rheinische Dorfgewohnheit halt-, da hing sie direkt vor meinem Fenster und sirente, dass sich mir die Fussnaegel aufrollten. Das wurde mir doch zu bunt und ich machte das Fenster auf.

„Wenn Sie nicht sofort mit dem infernalischen Gejaule aufhören, dann rufe ich die Bullen,“ sagte ich. Worauf sie irgendwas auf gaelisch sagte, was ich natuerlich nicht verstand. „Hoeren Sie“, sagte ich, „entweder wir sprechen Englisch, Deutsch, oder von mir aus Suaheli, vielleicht noch den Dialekt der Einwohner aus dem hinteren Papua Neuguinea. Ich spreche kein Gaelisch!“
Worauf sie mit kraechzender Stimme auf englisch sagte, „Garda! Das heisst die Garda!“
„Mir egal, von mir aus auch die“ erwiderte ich, „wissen Sie eigentlich wie spaet das jetzt ist? Es ist jetzt drei Uhr Nachts und sie schreien wie eine alte Luftsirene kurz vor dem Kollaps!“
„Ja aber ich muss doch,“ kraechzte sie voellig verwirrt.
„Na toll,“ dachte ich, „geistig irre ist sie auch noch, na das kann ja mal heiter werden. Erst den ganzen Tag den Stress und jetzt das.“
„Hoeren Sie,“ wurde ich ärgerlich, „ich hatte einen anstrengenden Tag, ich habe Kopfschmerzen, nicht nur die Beine, sondern auch die Stimmbänder schmerzen. Ausserdem moechte ich ueber meine Blase mich jetzt gar nicht auslassen, von dem vielen Kaffee musste ich sehr viel Pipi machen, wissen Sie eigentlich wie furchtbar das ist und wie anstrengend es ist, wenn man meinen Job hat? Sie machen sich ja mal keine Vorstellung, was ich so den ganzen Tag mache. Und dann schreien sie hier wie ein räudiger Kater in der Brunft. Ich will schlafen, verstehen Sie? Ich brauche meinen Schönheitsschlaf, damit ich morgen wieder fit, flauschig und knuffig bin fuer meine Kollegen und die Kunden! Und jetzt tun Sie mir einen Gefallen und machen Sie endlich einen Schuh, sonst baller ich Ihnen meinen Timberlandstiefel auf den Kopf!“ Und im übrigen sind Sie nicht mal huebsch und Sie stinken, nicht nur aus dem Mund, von dem anderen wollen wir gar nicht erst anfangen, Sie sollten es mal mit Zaehneputzen versuchen und übrigens, Debenhams hat Ausverkauf in der Parfümabteilung, die verkaufen da was, das nennt sich Deo, wuerde Ihren Achseln mal ganz gut tun, Himmel Sie riechen ja, wie zwei Wochen alter toter Wal am Strand von Youghal“

Sie dachte kurz nach und ihr haessliches Gesicht verzog sich, „Ja aber, ich muss doch klagen, verstehen Sie? Der alte Connor O“Brien macht seinen letzten Odem!“
„Was macht der? Ich kenne keinen Connor O’Brien, der wohnt hier nicht. Ich kenne alle Hausbewohner, einen Connor haben wir nicht! Ich haette zwei Dave und einen Richard im Angebot.“
„Connor O’Brien, vom Clan der O’Briens. Ich bin die Banshee des Clans und immer unterwegs,“ wimmerte sie.
„Ja, das tut mir ja jetzt auch sehr leid fuer Sie, dass Sie so beschaeftigt sind, trotzdem haben wir keinen Connor, nicht mal einen O’Brien. Und beides erst Recht nicht. Welche Adresse haben Sie denn in Ihrem iPhone,“ Sie schaute mich fragend an, „Na wo wohnt dieser Connor, Sie muessen doch irgendwie eine Mail bekommen kaben, irgendwas schriftliches werden Sie doch wohl haben, warum Sie mitten in der Nacht unschuldige Leute auf der Lower Glanmire aus dem Schlaf reissen.“

Muehsam kramte die Alte in ihrem Beutel rum, „Grosser Gott, Frauen!“ dachte ich, „die Handtaschen so gross wie ein Kratersee in der Vulkaneifel. Da findet man ja nie was.“
Endlich fand sie einen Zettel, der so winzig war wie ein Dominostein. Mit zitternden Fingern faltete sie ihn auf, was mir wiederum doch ein bisschen leid tat, eine alte Frau so anzumachen, aber ich war nun mal gereizt. Ich bin immer gereizt, wenn ich muede bin, oder hungrig, oder Beides.
Nachdem sie den Zettel auf die Groesse des Irish Examiner ausgefaltet hatte las sie mit klagender Stimme vor, „Connor O’Brien, Summer Hill, No…….“ dann nuschelte sie was.
„Was war das?? Ich hab mich wohl verhoert was? Das ist hier die Lower Glanmire, Summer Hill ist da drüben“ und zeigte den Huegel hoch. „Sie sollten sich mal einen Kompass besorgen! Oder noch besser, einen Stadtplan!“
Sie entschuldigte sich und meinte, dass man nach gut 1000 Jahren, als Banshee in dem Job doch manchmal die Orientierung verliert und das es eventuell besser sei, mal ueber die Angebote der Rentenkasse nachzudenken.
Das fand ich durchaus und erklaerte ihr an welchem Postamt, sie fuer gewoehnlich ihren Rentencheque einloesen kann, „das geht auch in Blackpool,“ sagte ich.

Sie entschuldigte sich noch einmal fuer die Stoerung meiner Nachtruhe.Ich warnte sie noch, es ruhig angehen zu lassen, denn nicht jeder waere so geduldig wie ich und erzaehlte ihr, dass die Einwohner in Knocknahenee eine Banshee einfach so, aus Jux und Dollerei am Bonfirenight in Brand gesteckt haben. Das erschrak sie dann doch und sie versprach ruhiger zu klagen.
Ich wuenschte ihr noch was und meinte, bezüglich ihrer Rente, solle sie sich mal melden und ich schau im Internet nach, bei knapp 1000 Jahren Berufserfahrung wuerde eine stattliche Rente abfallen.
Sie bedankte sich artig und wir wuenschten uns noch alles Gute und sie wuenschte mir noch eine gute Nacht, dann sie schwebte den Huegel hoch, wo sie wahrscheinlich die Anwohner aus dem Schlaf warf.
Auf jeden Fall versprach sie mir beim Abschied auch fuer mich zu klagen, was ich wiederum sehr fair fand, denn wer hat schon seine eigene Banshee, vor allem wenn er keinem Clan angehört und war doch recht geschmeichelt, pff, was die Leute immer sagen, so schlecht sind diese Banshees auch nicht.

Aber Sachen gibt’s,die gibt’s gar nicht. Vor allem dass man sich jetzt nicht mal mehr auf die Leute aus den Legenden verlassen kann, die Lower Glanmire mit Summerhill zu verwechseln, Mann, Mann, Mann. Nicht mal auf unsere Mystik ist mehr Verlass, weit ist es gekommen mit Irland, aber wenigstens klagt sie irgendwann mal fuer mich, echt nett.

Rebelcounty

Cork gilt in Irland als das Rebelcounty. Fragt man nach den Gründen, warum das so ist, erhaelt man verschiedene Aussagen. Ich denke, selbst viele Einwohner im County wissen nicht warum, sind aber stolz darauf und machen Werbung damit.
Es gibt sogar eine Website die an eine Zeit erinnert, als Cork wirklich eine sozialistische Republik war, wenn auch nur fuer eine kurze Zeit.

Eine Antwort, warum Cork nun das Rebelcounty ist, bezieht sich auf Perkin Warbeck, einem englischen Hochstapler, der 1491 in Cork weilte und von hier aus seinen Anspruch auf die englische Krone geltend machen wollte. Leider verstarb der gute Perkin eines nicht ganz natuerlichen Todes 1499, was aber weniger mit seinen Ambitionen, sondern mit seinen weiteren Aktivitaeten zusammenhängt und offensichtlich auf wenig Gegenliebe stiess, da man zu der Zeit eine andere Vorstellung von Gewalt hatte und es mit Menschenrechten nicht so genau nahm.

Eine andere Antwort war der Easter Rising 1916, als irische Nationalisten den Aufstand gegen die Briten in Dublin starteten. Von Cork aus, waren ca. 1200 Volunteers Richtung Dublin unterwegs, was eigentlich auch nicht den Nimbus erklaeren würde, vor allem, wenn man sich die irische Geschichte anschaut, dann waren andere Counties durchaus rebellischer als es die Einwohner von Cork waren. Selbst die Spanier, oder die Franzosen, die in Kinsale und Cobh landeten stiessen auf wenig Gegenliebe.
Vielleicht waere noch Anne Bonny, die beruehmte Piratin, die in Kinsale geboren wurde, zu nennen.

Alle Erklaerungen entsprechen nicht den Tatsachen, einzig der Name The People’s Republic bringt die Erklärung. Dazu muss man einen Ausflug in die Geschichte des Countys, sowie die Geschichte Irlands machen.
Nachdem Easter Rising und dem 1. Weltkrieg, begann eine Neuausrichtung in Irland.
Die Englaender setzten Irland auf die Agenda und dachten darüber nach, da die Iren Waffen aus Deutschland erhalten hatten, wie man die irische Frage loesen sollte. Unter anderem gestattete man Irland ein Parlament zu.
1919 brach dann der Anglo-Irish War aus, der von 1919 bis 1921 dauerte und in einem Waffenstillstand am 6. Juli endete. England hatte nicht wirklich Lust weiter einen Krieg zu führen, gegen ein Volk, dass seinerseits bereit war, notfalls einen weiteren Waffengang zu proben, da die Engländer, besonders durch die Einheiten aus dem County Cork, schwere Verluste hatten.
Also bot man den Iren grosszuegig einen Vertrag ueber einen irischen Freistaat an.

Die irischen Vertreter, Arthur Griffith, Michael Collins, Robert Barton, Eamonn Duggan und George Gavan Duffy, reisten im November 1921 zu den Verhandlungen nach London, nachdem Eamon de Valera sich einfach abmeldete.
Die Iren hatten ueber folgende Punkte nachzudenken:
1.) Die Briten ziehen sich aus einem Teil Irlands zurück
2.) Irland ist als Freistaat Teil des Commonwealth und der Herrscher ueber Irland ist der englische Koenig, sein Vertreter ist ein Hochkommissar. Dafuer hat Irland ein eigenes Parlament und eigene Vertreter
3.) Mitglieder des Dáil muessen nicht nur auf den Freistaat, sondern auch auf den Monarchen einen Treueeid schwören.
4.) Nordirland kann binnen eines Monats aus dem Freistaat austreten und Teil der britischen Krone sein. (Zu England gehoeren als Verwaltungsprovinz)
5.) Falls Nordirland austritt, wuerde eine Kommission den Grenzverlauf zwischen dem Freistaat und Nordirland regeln.
6.) Grossbritannien behaelt die Kontrolle ueber die irischen Häfen.
7.) Die zu berechnenden Verbindlichkeiten muessen gegenueber der britischen Krone vom irischen Freistaat bezahlt werden.
8.) Der Vertrag steht ueber einer irischen Verfassung.

Man gab den irischen Vertretern Zeit, sich bis zum 6. Dezember 1921 zu entscheiden und, sollte man sich nicht einigen, drohte man mit einer Fortsetzung des Krieges, auch wenn England zu der Zeit ganz andere Sorgen hatte, aber man wollte Irland, gerade Nordirland, nicht ohne Not aus der Hand geben.

Die irische Delegation kabelte die Bedingungen nach Dublin und erhielt ein scharfes „Nein,“ von de Valera. Da die Zeit drängte und andere Politiker in Dublin die Sache eher pragmatisch sahen, kam man zu der Ueberlegung, dass Nordirland, auf Grund seiner Größe, gar nicht ueberleben könne und man den Vertrag irgendwann neu verhandeln kann, wenn die Briten erst weg sind, also unterschrieb man, obwohl Collins sagte, „Mit meiner Unterschrift habe ich gerade mein Todesurteil unterzeichnet.“

In Irland spaltete sich das Land in Befuerworter und Gegner des Vertrags, dabei spielte die IRA eine sehr grosse Rolle, da sich die IRA als die Waechterin Irlands verstand. Dabei vergassen viele der Kommandeure, dass die irische Bevölkerung nicht gluecklich mit dem Vertrag ware, die ueberwiegende Mehrheit dem Vertrag aber zustimmten, im Gegensatz zum irischen Dáil, wo der Vertrag mit knapper Mehrheit angenommen wurde. Die Kommandeure der IRA, die zum Zeitpunkt der Abstimmung in Dublin weilten, waren geteilt in Pro- und Antitreaty. Gerade die Kommandeure aus dem Süden und Westen lehnten den Vertrag ab, waehrend der Norden dem Vertrag eher zugeneigt war und eine grosse Anzahl der IRA Leute in die neugegruendete „Free State Army“ eintraten.

Die Kommandeure der 1st Cork Brigade gehörten zu denen, die den Vertrag strikt ablehnten und das Volk abstimmen lassen wollten.
Nachdem im Februar 1922 das Four Courts in Dublin von Vertragsgegnern besetzt wurde, verlagerten sich die Ereignisse in den Sueden und Westen Irlands.
Mehrere Ereignisse sind fuer den Nimbus, dass Rebelcounty zu sein, verantwortlich. Zum einen, die Ablehnung der IRA Kommandeure zum Vertrag, dann, im Februar 1922, begannen die Arbeiter der irischen Bahn im County Cork ihren Streik und richteten, nach russischem Vorbild, Sovjets in Munster ein.
Die lokalen Kommandeure der IRA, sandten im Februar, nach der Besetzung in Dublin, 100 Mann nach Limerick.
Damit war Cork und das County isoliert trotz der Besuche von de Valera und Michael Collins.

Im April enterten Maenner der 1. Cork Brigade den Frachter Upnor, der von Cobh aus Waffen zurueck nach England bringen sollte, auf hoher See und erbeuteten dabei 400 Gewehre, 40 Maschinengewehre und tausende Schuss Munition.
Die Regierung in London war ausser sich, aber noch nicht bereit den Waffenstillstand zu brechen.
Am 27. April verschwanden vier britische Soldaten, die in Macroom von der IRA verhoert wurden. Die Soldaten wurden als Spione liquidiert und verscharrt.
London sandte eine Einheit, die noch in Irland stationiert war, nach Macroom, um die Soldaten zu suchen, da man den Verlust recht schnell mitbekam. Nachdem die Lage kurz vor der Eskalation stand, entschloss man sich in London die Suche aufzugeben.
Ausschlaggebend duerfte der Mord am englischen Feldmarschall Sir Henry Wilson gewesen sein der letztendlich zum Buergerkrieg führte und zur Schlacht um Cork.
Wilson wurde in London von Mitgliedern der IRA vor seinem Haus erschossen und die Regierung in London setzte der irischen Regierung ein Ultimatum die Besetzung des Four Court zu beenden und im Rest der Republik fuer Ordnung zu sorgen. Sollte das nicht der Fall sein, so würden das englische Truppen übernehmen.

Die Beschiessung des Four Court schliesslich, fuehrte zu einer Linie von Tipperary bis Waterford und teilte Irland.

In Cork, so schreibt John Borgonovo in seinem Buch „The Battle for Cork,“, herrschte eine Mischung aus Anarchie und Gelassenheit. Waehrend die Einwohner von Cork mehrheitlich hinter dem Vertrag standen, uebernahm die IRA quasi die Stadt, richtete, um der Anarchie Einhalt zu gebieten, eine provisorische Regierung ein, mit Polizei, Council und eigene Steuern. Zwang Geschäfte, die auf Grund der Zustaende die Tueren schlossen, zum aufmachen, uebte Kontrolle ueber die Zeitungen in Cork aus und praegte eigenes Geld, sowie eigene Briefmarken. Cork war quasi seine eigene Hauptstadt und wie es heisst, „die wahre und bessere Hauptstadt.“
Nach dem Beschuss des Four Court und dem beenden der Besetzung, begann die Free State Army die Rebellenstaedte zu befreien.
Cork wurde vollstaendig im August 1922, unter dem Jubel der Bevoelkerung erobert und die „Republic of Cork“ beendet.

Die Ereignisse im Jahr 1922 duerfen wohl die Erklaerung liefern. Cork ist auch ein Beispiel dafür, dass Nachbarn gegen Nachbarn kämpfen. Die Maenner des 4. Battalion der 1. Cork Brigade, deren Hauptguartier in der Blarneystreet war, kaempften geschlossen auf Seiten der Free State Army, da sie waehrend des Anglo-Irish War die meisten Verluste hatten, war man dort fuer den Vertrag und sah keine Veranlassung wieder in einen Krieg gegen den grossen Nachbarn zu ziehen.
Die Ereignisse in Cork wirkten lange nach und ich denke man kann einiges im Verhalten der Iren verstehen, vor allem sieht man einiges aus der Zeit, wenn man mit offenen Augen durch Cork geht.

irische Zeitangaben

Iren gehen sehr Blumenreich mit der englischen und der gaelischen Sprache um. Man koennte auch sagen, man bewundert die blumige Romantik der anglo-irischen Sprachwendung, wenn sie von einem Iren gebraucht wird.

Natuerlich fluchen Iren, ich wuerde nicht sagen alle, wie ein Bierkutscher der Guinessbrauerei auf dem Weg nach Croke Park, aber im allgemeinen sind ihre Begruessungen und Verabschiedungen ein Beispiel der Sprachaesthetik, wie man eine Sprache verwenden kann.
Ein freundlisches „Thanks a million,“, ueberreicht von einer kleinen rothaarigen Kassiererin bei Dunnes, Tesco, oder Supervalue laesst einen innerlich das Taschentuch schneuzen. Und das nur, weil man eine Gurke fuer 99 Cent gekauft hat.
Auch ein „All the Best,“ wenn man eine Packung Zigaretten kauft laesst den Lungenkrebs gleich in einem viel besseren Licht erscheinen.
Ja die Iren sind freundlich, wenn sie es wollen, was bei Zeitangaben immer fraglich ist.

Ich hatte ja schon den Begriff umgehend an Hand meiner Erfahrung mit irischen Aerzten erklaert. Es gibt hier in Irland nicht nur diesen Zeitbegriff, nein man ist auch sehr erfinderisch was die Auslegung betrifft.
Nehmen wir zum Beispiel den Begriff Morgen und praezisieren ihn durch „Morgen Nachmittag.“, dann geht es schon in die Hose. Nicht weil Morgen Nachmittag abstrakt waere, nein weil der Begriff in Irland eine Zeitspanne von 10 Jahren bedeuten kann. Es koennte eine Zeitspanne von 12 Uhr (Lunch) bis 21 Uhr (Pub) meinen, es koennte der Morgen 2014 gemeint sein, am Nachmittag in einer Zeit zwischen 12 und 21 Uhr.
Irische Handwerker nutzen gerne diese Auslegung und fragen dann, „Wann genau, welcher Tag und wieviel Uhr, vor- oder Nachmittags?“ Selbst wenn Sie praezise antworten, „Ich erwate Dich morgen Nachmittag, 15:30 am Nachmittag, irischer Zeit, praeziser Dublin Time,“ stellen Sie sich darauf ein, dass er nicht kommt, weil das zu praezis, also unmenschlich ist und seiner Planung eventuell diametral engegen steuern koennte. Deswegen erfreuen sich bei Auslaendern in Irland DIY’s sehr grosser Beliebtheit. Mancher Buchhalter, der fuer eine auslaendische Firma in Irland taetig ist hat so seine zweite Berufung gefunden. Es heisst, dass ein Controller aus Tallahassee in Florida, der fuer eine Inkassofirma in Miami taetig ist, die ihren Firmensitz in Tralee hat und der zwei linke Haende sein Eigen nennt, aus einem Reihenhaus ein Schloss im Tudorstil gemacht hat, nur durch seine Besuche im DIY und seine Erfahrungen mit irischen Handwerkern.
Deswegen haben wir hier sehr viele Polen, da man sich auf die, was die ungefaehre Zeitangabe betrifft, in 99% der Faelle verlassen kann.

Um ein Beispiel zu geben. Im letzten Dezember machte ich einen Termin bei meinem Arzt. Claire, die Sprechstundenhilfe sagte zu mir, „Sei am 02. Januar um 08:15 da. Nuechtern und sei puenktlich!“ Nun muss man wissen, dass es bei uns Bank Holidays gibt. Diese Feiertage wurden so gelegt, dass wenn der 01. Januar auf einen Sonntag faellt, am 02 Januar ein Feiertag ist, oder anders, wenn der 01. Mai am Donnerstag gefeiert wird, dann ist am Montag in der Woche darauf Bank Holiday. Um sicherzugehen fragte ich nach, „Du bist sicher, am 02. Januar um 08:15 am Bank Holiday.“
„Ja,“ sagte sie, deswegen fragte ich, „auch wenn Ihr erst um 9 Uhr aufmacht?“ und sie sagte, „Ja, bitte sei puenktlich, wir warten nicht gerne.“
Ich war am 2. Januar um 08:15 puenktlich da, was mir als Rheinlaender und Langschlaefer sehr schwerfaellt. Es war dunkel, es regnete und ich musste dringend auf Klo, wer nicht da war, das waren sie. Da im Umkreis von 300 Km alles geschlossen war und mir langsam die Blase platzte, zueckte ich mein iPhone, keiner antwortete, warum auch…..an einem Bank Holiday.
Zwei Wochen spaeter rief die Praxis an. „Wo warst Du?“ kam es vorwurfsvoll. „Wann?“ fragte ich. „Am Montag?“ kam es zurueck. „Welchen Montag? Den Montag am Anfang dieser Woche, oder den 2. Januar, als ich um 08:15 puenktlich da war, weil Claire es gesagt hat und es war keiner da, es war kalt, es regnete, ich musste auf Klo und es war dunkel,……ich fuerchte mich im Dunkeln und es waren Gestalten unterwegs.“ Meine Stimme hatte den Unterton eines Eisbergs am Ende, was aber keinen Eindruck machte, denn froehlich schallte es mir entgegen, „Na macht nichts, ruf einfach nochmal an und wir machen einen neuen Termin.“

Beim zweiten Mal war es das Gleiche. Der Termin war 8:30, die Praxis macht um 9 auf, wohlgemerkt um 9 irischer Zeit. Natuerlich sollte auch diesmal schon der Arzt da sein, wer war da? Ich! Was hatte zu? Die Praxis, ich also wieder mein iPhone rausgekramt und angerufen, diesmal war aber mein Arzt da, „Wer ist da? Ich bin’s, Wolfram! Bist Du es Wolfram? Was machst Du hier? Wir machen doch erst um 9 auf! Ich weiss Paul, Claire hat gesagt ich soll um 8:30 kommen, laesst Du mich rein, oder muss ich mir einen Molotovcocktail besorgen?“
Paul schaute sehr ueberrascht, schaute auf mich und dann nach oben und meinte, „Ich versteh Euch Deutsche wirklich nicht, es regnet doch und Ihr kommt zu jeder Zeit die man Euch vorgibt, unglaublich.“

Mittlerweile regiert bei mir, was das Private anbetrifft, der alte Trott, arbeitstechnisch habe ich mich auch von meinen rheinischen Gewohnheiten verabschiedet und bin ueberpuenktlich, aber als gefuehlter Ire, da bin ich aber sowas von. Sollten Sie nach Irland kommen, dann koennen wir gerne eine Zeit ausmachen, ich werde versuchen es einzurichten, dass ich Sie puenktlich treffe, sollte es nicht Morgen sein, dann Morgen nach dem EM Endspiel 2016, seien Sie bitte praezise, wann ich genau da sein soll, da fuer uns die Zeitangaben relativ sind und eine ungefaehre Zeiteinschaetzung darstellen.

Busfahrt

Ich nehme an dass Busse in Irland erfunden worden sind und Ihren Siegeszug, als Ueberlandbusse, in die USA angetreten haben, als man noch das Land mit Postkutschen durchreiste, um von Boston in den Wilden Westen zu kommen. Und nicht von ungefaehr sind die Busse in den USA nach den pfeilschnellen Wuffs benannt, waehrend die Busse von Bus Éireann ein Wuff ziert.
Busfahren ist hier sehr beliebt, denn eine Busfahrt von Cork nach Galway ist nicht sehr teuer -ok, man muss unterwegs in eine leere Flasche pinkeln, aber man kommt kostengünstig von A nach B und setzt sich nicht dem Abenteuer aus, mit einem Auto lebend von Cork nach, zum Beispiel, Blackrock zu gelangen, einem Stadtteil von Cork.
Auch mag unser Busbahnhof nicht so gross und unuebersichtlich sein, wie der Busbahnhof an der Grand Central Station in New York, aber er erfuellt seinen Zweck und Wi-Fi ist meist an Board vorhanden, so dass man entspannt und bequem reisen kann.
Die Strecke von Cork nach Waterford kostet zum Beispiel 25€ hin- und zurück, darueber kann man wirklich nicht meckern, auch wenn die Fahrt ca. eine Stunde dauert.

Die Busse fahren pünktlich und kommen puenktlich an. Allerdings gibt es Ausnahmen und das sind die staedtischen Betriebe.
In Dublin, so heisst es, nutzen 26 Buslinien die gleiche Haltstelle, ohne dass diese Busse auch in die gleiche Richtung fahren und es heisst, man muss sich auf die Strasse legen, dass der Bus anhält.
Das haben wir hier natürlich nicht, weil wir in Cork halt sehr fortschrittlich unserer Zeit weit voraus sind. Es genügt, dass man an einer roten Ampel die Eingangstuer eintritt, damit der Busfahrer einem Einlass gewährt. Das duerfte vermutlich auch der Grund sein, warum manche Busse den Charme eines Linienbus aus dem hinteren Himalaya verbreiten.
Beispielhaft ist dabei die Buslinie 202, die von allen Leuten genutzt wird, die nach Knocknahenee müssen. Zuerst einmal gilt es die Reste eines opulenten Mahls von den Sitzen zu kratzen, danach nimmt man sich der gebrauchten Kondome an und stupst elegant mit dem Fuss die volle Windel dem Sitznachbarn auf den Schoss, bevor man sich gemuetlich niederlässt, damit einem die Sitzfeder den Hintern malträtiert.
Der Komfort in manchen Bussen der Linie 202 ist vergleichbar mit einem Linienbus in den Anden, allerdings hat man bei uns den Vorteil, man sitzt allein und muss den Sitz nicht mit 8 Leuten teilen, waehrend der Rest auf dem Dach Zuflucht findet. Ein weiterer Vorteil, niemand haelt einem angebruetete Eier unter die Nase und fragt ob man die mal probieren möchte.
Auch der Zustand der meisten Busse ist besser, wenn naemlich eins bei uns hervorragend funktioniert, dann sind es die Stopptaste und die Bremse. Diese wiederum fuehrt den wissenschaftlich Beweis, dass die Newton’sche These der Erdanziehungskraft belegt ist. Sobald man die Taste drückt und der Fahrer leicht das Bremspedal antippt, schwebt man auf wundersame Weise dem Ausgang entgegen.
Natuerlich muss man aufpassen, dass die Windschutzscheibe nicht der natuerlichen Fallgeschwindigkeit im Wege steht, was dann recht schmerzhafte Folgen hat, nicht nur fuer den Kopf, auch fuer die Versicherung -kaputte Busscheiben sind teuer.

Irgendwann, man weiss nicht mehr genau wann das war, beschloss man die Einfuehrung von Busfahrplänen. Was in anderen Laendern selbstverstaendlich ist, dass ist hier eine nette Geste, denn die Abfahrtszeiten erfaehrt man nicht an jeder Busstation und kann nur am Stand der Sonne, falls man diese erblickt in etwa errechnen, wann der naechste Bus kommt. Bei der 202 ist das besonders fatal und ich habe mir extra die Muehe gemacht und bin in die Library gegangen. Rausgefunden habe ich nicht viel, da dies wohl ein Geheimnis ist und immer eins bleiben wird.
Der Fahrplan der Linie 202 faellt unter die Kategorie „Eigenheiten.,“ so wie das Wort „umgehend.“ Es kann sein, dass der Bus um 10 nach 8 abfährt, oder anhält, es kann aber auch sein, dass der Fahrer seinen alten Nachbarn aus Kindertagen trifft und erst mal eine halbe Stunde mit ihm ueber alte Zeiten spricht. Moeglich ist auch dass der Fahrer kein Wechselgeld mehr hat und erst mal in das Einkaufscenter im Merchantsquay geht und bei einer Tasse Kaffee, oder Tee, ganz entspannt im Dunnesstore einen Tenner (Zehner) wechselt und dabei die Spielergebnisse des Rugbywochenendes studiert, ob Munster gegen Leinster gewonnen, oder verloren hat, um sich danach zu ärgern, dass sein Los im Euromillions nicht den Jackpot geknackt hat. Seinen Unmut laesst er dann an den Fahrgaesten aus, da er A.) versucht die verlorene Zeit aufzuholen und B.) Die Bremse geradezu sadistisch einsetzt und sich darueber freut, dass Newton doch Recht hatte.
Und moeglicherweise kommen 3 Busse zur gleichen Zeit, waehrend also im ersten Bus einige Fahrgaeste im Regen auf dem Busdach ausharren, weil sie unbedingt mitmöchten, hat man im zweiten Bus den Luxus, die Fuesse auf die Nachbarbank zu legen, waehrend man im dritten Bus ungestoert auf dem Schoss des Fahrers sitzt, weil man sich sonst sehr einsam fühlt.
Manchmal kommt auch gar kein Bus und das HSE -Irlands Gesundheitssystem-, hat unglaubliche Muehe verzweifelte Fahrgäste, die sich krampfhaft an der Stange der Busstation festhalten, loszumachen, die seit Wochen verzweifelt im stroemenden Regen auf eine Mitfahrgelegenheit warten, und diese bei einem warmen Tee auf dem Weg in’s Krankenhaus ueberzeugen, dass der Bus 202 seit ein paar Wochen nicht mehr fährt, man aber ueber die Gründe, warum das so ist, auch nur spekulieren kann.

Es ist sehr Abwechslungreich in Cork mit dem Bus zu fahren. Ich habe es einmal erlebt, wie der Fahrer froehlich in den Bus rief, „You’re on the Way to Apple, right?“ Worauf wir, ebenso froehlich erwiderten, „Yes!“ Was den Fahrer foermlich in Hochstimmung versetzte und er noch froehlicher zurückrief, „Sorry, i don’t go to the Busstop, you have to leave the Bus here, because i’m late and have to go to the Mahon.“ Daraufhin stoppte er knapp 200 Meter vor dem Gebäude, oeffnete die Tuer und versank in den Sportteil seiner Zeitung.
Man kann also nicht wirklich ueber den Humor mancher Busfahrer meckern.
Auch kann es passieren, dass der Bus eine Rauchfahne wie ein abgeschossener Jagdbomber hinter sich herzieht und aechst, piepst und pfeift wie eine Raumstation kurz vor dem Absturz. Wenn man dann mitbekommt, dass der Fahrer sich bekreuzigt, dann weiss man, dieser Bus ist kurz vor dem „Out of Service“ und man richtet sich gedanklich schon mal auf den langen Marsch ein. Das habe ich bisher zweimal mitbekommen und ist nicht wirklich angenehm, wenn man am Fuss des Huegels schon dem Motor des Busses gedanklich eine Kugel durch den Motorblock jagt wie einem braven Pferd, nachdem es sich den Huf gebrochen hat.

Leider beginnt seit ein paar Monaten ein neuer Trend. Bus Éireann bemueht sich, dass die Abenteuerstrecke nach Knocknahenee geregelt wird. Das heisst, neue Busse werden eingesetzt, Busfahrer mit Irvineambitionen, die eine Busfahrt vom Huegel in’s Zentrum in 3 Minuten bewaeltigen, sind nicht mehr da und werden durch altgediente Veteranen ersetzt, die alles können: Geld annehmen, Fahrschein ausdrucken, mit Padraic diskutieren, waehrend er Ihnen ein Ohr abkaut, obwohl in jedem Bus der Hinweis gilt, „Nicht waehrend der Fahrt mit dem Fahrer sprechen,“ und dabei puenktlich sind. Und das in einem modernen Bus, teilweise mit Internet.
In Rom konnte man, trotz aller Bedenken, die Spaghetti in jedem Bus vom Boden essen, so klinisch rein war der und puenktlich wie die Schweizer SBB. Ich denke diesen Rang wird die 202 irgendwann erreichen und es ist vorbei mit dem Abenteuer, mitten in Europa Zustaende zu erleben wie in Zentralafrika.

Ich muss ehrlich gestehen, da ich vorhabe laenger hier in Irland zu bleiben, wird mir das wohl sehr fehlen.
Ich glaube ich unterhalte mich mal mit Bus Éireann, so geht es ja wohl gar nicht.