Irischer Sommer

Letzte Woche stand ich vor dem Touristladen auf der Grand Parade -nicht zu verwechseln mit der Loveparade- und dort hing ein Bild im Schaufenster, das einen strahlenden Sommerhimmel ueber dem Meer zeigte.
Natuerlich habe ich mich gewundert und gefragt wo das sei. „Das ist in Kerry aufgenommen worden,“ wurde mir mitgeteilt. „Wann war das?“ Fragte ich, „Vor, oder nach der Gruendung des irischen Freistaates?“
Nein, das war letzten Monat,“ wurde ich beschieden.

Vor zwei Jahren, als ich nach Irland kam, da hatten wir in der Tat einen sehr schönen und langen Sommer. Der war auch letztes Jahr schlagartig vorbei. Ok, wir hatten ein paar schoene Tage und aeltere Iren erinnern sich noch mit Wehmut an die langen Sommerabende 1956.
Dieses Jahr allerdings ist von Sommer nicht viel zu sehen und ich koennte glatt in ein Wettbuero gehen und mein Geld auf gefuehlte 12 Tage Sonnenschein setzen. Damit waere ich wohl der Gewinner, denn bisher gab es nicht viel vom „Irischen Sommer.“
Koennte man nackt laufen, dann braeuchte man eigentlich nur Shampoo und Duschgel, damit wuerde man eine Menge Zeit auf dem Weg zur Arbeit sparen und koennte, ich sage mal, 10 Minuten laenger schlafen.
Nicht von ungefaehr gibt es Iren die sagen, „Ich glaube der Sommer ist jetzt da, der Regen ist waermer geworden.“

Es gibt Menschen, die verdienen mit Verschwoerungstheorien eine ganze Menge Geld. Beliebt ist dabei die These zur Mondlandung 1969. Das ist natuerlich quatsch, denn Apollo 11 war wirklich auf dem Mond, ich war als Stepke live dabei, aber koennte es nicht sein, dass das irische Touristoffice selber eine Verschwoerung aufgezogen hat, um Touristen oder auch mich anzulocken?
Was ist, wenn diese ganzen Spots, die im irischen Fernsehen laufen und Werbebotschaften in der Bild der Frau ueber Irland in Kalifornien gedreht wurden?
Ich war ja schliesslich auch ueber das Klischee überrascht, dass es in Irland durchschnittlich mehr regnen soll, als im Regenwald von Neuguinea. Selbst als Destination Truth vor zwei Jahren in Kerry war hat es vom Flughafen Dublin, bis zum Ring of Kerry geschuettet wie aus Eimern und Josh Gates zu der Aussage verleitet, „das ist also der beruehmte irische Sommer.“
Dabei, wie schon erwähnt, hatten wir ein echt gutes Wetter. Vielleicht hat das irische Touristoffice einfach eine gigantische Hoehensonne ueber Irland hochgezogen und musste diese, aus Geldmangel, still legen? Schliesslich stecken wir hier noch mitten in der Krise und bekanntlich verlassen viele Leprechauns fluchtartig die Insel, so dass Touristen wochenlang im stroemenden Regen vor verlassenen Hoehlen sitzen und auf den kleinen Mann mit der gruenen Kleidung und der dicken roten Knollnase warten.

In Waterford hat man erst letztens zwei deutsche Touristen vor dem Ertrinken gerettet, die seit Wochen vor einem Fuchsbau ausgeharrt hatten und beinahe vom Flutregen, der sich waehrend sie schliefen in ihre geoeffneten Muender stürzte, ertränkt.
Man sagt hier zwar mit stoischer Ruhe, „Ach hier bei uns, da regnet es nie, es frischt nur von Zeit zu Zeit auf und heute halt ein bisschen stärker,“ bevor man in die Garage geht und die Sandsaecke holt, um das Haus wasserfest abzusichern. Ist aber stolz auf seinen Sommer, denn man hat schon schlimmeres gesehen, z.B. den Sonnenbrand, nachdem es hier mal 25 Grad gab.

Alte irische Sagen erzaehlen, es wuerde immer dann regnen, wenn „das kleine Volk,“ also die Feen und Kobolde ueber die Menschen erzuernt wären. Ich glaube den Mist natuerlich nicht, habe aber vorsorglich eine Mail an meinen Taoiseach Enda Kenny geschrieben, er soll da jetzt bloss keinen Mist machen und ja auf die Forderungen der Feengewerkschaft eingehen. Die koennen zum Wohl der Tourismusindustrie nicht mehr arbeiten, bei weniger Lohn und VHI waere vielleicht mal eine tolle Sache, zum Arzt muessen die ja auch mal. Komischerweise hat er sich bisher noch nicht gemeldet, dafuer war der Regen heute Abend gefuehlte 0,5 Grad wärmer. Ich denke er hat da noch mal mit denen gesprochen.

Apropos: Ich weiss natuerlich auch, warum die Banshee, unsere Todesfee, so eine unglaublich infernalische Stimme hat wenn sie ihren Klagegesang anstimmt. Durch den Regen, dem sie staendig ausgesetzt ist, sind ihre Stimmbaender verrostet 🙂

So und jetzt gehe ich mich einfetten, bevor ich in mein Bett schlüpfe, da perlt der Regen so schoen ab 🙂

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