Busfahrt

Ich nehme an dass Busse in Irland erfunden worden sind und Ihren Siegeszug, als Ueberlandbusse, in die USA angetreten haben, als man noch das Land mit Postkutschen durchreiste, um von Boston in den Wilden Westen zu kommen. Und nicht von ungefaehr sind die Busse in den USA nach den pfeilschnellen Wuffs benannt, waehrend die Busse von Bus Éireann ein Wuff ziert.
Busfahren ist hier sehr beliebt, denn eine Busfahrt von Cork nach Galway ist nicht sehr teuer -ok, man muss unterwegs in eine leere Flasche pinkeln, aber man kommt kostengünstig von A nach B und setzt sich nicht dem Abenteuer aus, mit einem Auto lebend von Cork nach, zum Beispiel, Blackrock zu gelangen, einem Stadtteil von Cork.
Auch mag unser Busbahnhof nicht so gross und unuebersichtlich sein, wie der Busbahnhof an der Grand Central Station in New York, aber er erfuellt seinen Zweck und Wi-Fi ist meist an Board vorhanden, so dass man entspannt und bequem reisen kann.
Die Strecke von Cork nach Waterford kostet zum Beispiel 25€ hin- und zurück, darueber kann man wirklich nicht meckern, auch wenn die Fahrt ca. eine Stunde dauert.

Die Busse fahren pünktlich und kommen puenktlich an. Allerdings gibt es Ausnahmen und das sind die staedtischen Betriebe.
In Dublin, so heisst es, nutzen 26 Buslinien die gleiche Haltstelle, ohne dass diese Busse auch in die gleiche Richtung fahren und es heisst, man muss sich auf die Strasse legen, dass der Bus anhält.
Das haben wir hier natürlich nicht, weil wir in Cork halt sehr fortschrittlich unserer Zeit weit voraus sind. Es genügt, dass man an einer roten Ampel die Eingangstuer eintritt, damit der Busfahrer einem Einlass gewährt. Das duerfte vermutlich auch der Grund sein, warum manche Busse den Charme eines Linienbus aus dem hinteren Himalaya verbreiten.
Beispielhaft ist dabei die Buslinie 202, die von allen Leuten genutzt wird, die nach Knocknahenee müssen. Zuerst einmal gilt es die Reste eines opulenten Mahls von den Sitzen zu kratzen, danach nimmt man sich der gebrauchten Kondome an und stupst elegant mit dem Fuss die volle Windel dem Sitznachbarn auf den Schoss, bevor man sich gemuetlich niederlässt, damit einem die Sitzfeder den Hintern malträtiert.
Der Komfort in manchen Bussen der Linie 202 ist vergleichbar mit einem Linienbus in den Anden, allerdings hat man bei uns den Vorteil, man sitzt allein und muss den Sitz nicht mit 8 Leuten teilen, waehrend der Rest auf dem Dach Zuflucht findet. Ein weiterer Vorteil, niemand haelt einem angebruetete Eier unter die Nase und fragt ob man die mal probieren möchte.
Auch der Zustand der meisten Busse ist besser, wenn naemlich eins bei uns hervorragend funktioniert, dann sind es die Stopptaste und die Bremse. Diese wiederum fuehrt den wissenschaftlich Beweis, dass die Newton’sche These der Erdanziehungskraft belegt ist. Sobald man die Taste drückt und der Fahrer leicht das Bremspedal antippt, schwebt man auf wundersame Weise dem Ausgang entgegen.
Natuerlich muss man aufpassen, dass die Windschutzscheibe nicht der natuerlichen Fallgeschwindigkeit im Wege steht, was dann recht schmerzhafte Folgen hat, nicht nur fuer den Kopf, auch fuer die Versicherung -kaputte Busscheiben sind teuer.

Irgendwann, man weiss nicht mehr genau wann das war, beschloss man die Einfuehrung von Busfahrplänen. Was in anderen Laendern selbstverstaendlich ist, dass ist hier eine nette Geste, denn die Abfahrtszeiten erfaehrt man nicht an jeder Busstation und kann nur am Stand der Sonne, falls man diese erblickt in etwa errechnen, wann der naechste Bus kommt. Bei der 202 ist das besonders fatal und ich habe mir extra die Muehe gemacht und bin in die Library gegangen. Rausgefunden habe ich nicht viel, da dies wohl ein Geheimnis ist und immer eins bleiben wird.
Der Fahrplan der Linie 202 faellt unter die Kategorie „Eigenheiten.,“ so wie das Wort „umgehend.“ Es kann sein, dass der Bus um 10 nach 8 abfährt, oder anhält, es kann aber auch sein, dass der Fahrer seinen alten Nachbarn aus Kindertagen trifft und erst mal eine halbe Stunde mit ihm ueber alte Zeiten spricht. Moeglich ist auch dass der Fahrer kein Wechselgeld mehr hat und erst mal in das Einkaufscenter im Merchantsquay geht und bei einer Tasse Kaffee, oder Tee, ganz entspannt im Dunnesstore einen Tenner (Zehner) wechselt und dabei die Spielergebnisse des Rugbywochenendes studiert, ob Munster gegen Leinster gewonnen, oder verloren hat, um sich danach zu ärgern, dass sein Los im Euromillions nicht den Jackpot geknackt hat. Seinen Unmut laesst er dann an den Fahrgaesten aus, da er A.) versucht die verlorene Zeit aufzuholen und B.) Die Bremse geradezu sadistisch einsetzt und sich darueber freut, dass Newton doch Recht hatte.
Und moeglicherweise kommen 3 Busse zur gleichen Zeit, waehrend also im ersten Bus einige Fahrgaeste im Regen auf dem Busdach ausharren, weil sie unbedingt mitmöchten, hat man im zweiten Bus den Luxus, die Fuesse auf die Nachbarbank zu legen, waehrend man im dritten Bus ungestoert auf dem Schoss des Fahrers sitzt, weil man sich sonst sehr einsam fühlt.
Manchmal kommt auch gar kein Bus und das HSE -Irlands Gesundheitssystem-, hat unglaubliche Muehe verzweifelte Fahrgäste, die sich krampfhaft an der Stange der Busstation festhalten, loszumachen, die seit Wochen verzweifelt im stroemenden Regen auf eine Mitfahrgelegenheit warten, und diese bei einem warmen Tee auf dem Weg in’s Krankenhaus ueberzeugen, dass der Bus 202 seit ein paar Wochen nicht mehr fährt, man aber ueber die Gründe, warum das so ist, auch nur spekulieren kann.

Es ist sehr Abwechslungreich in Cork mit dem Bus zu fahren. Ich habe es einmal erlebt, wie der Fahrer froehlich in den Bus rief, „You’re on the Way to Apple, right?“ Worauf wir, ebenso froehlich erwiderten, „Yes!“ Was den Fahrer foermlich in Hochstimmung versetzte und er noch froehlicher zurückrief, „Sorry, i don’t go to the Busstop, you have to leave the Bus here, because i’m late and have to go to the Mahon.“ Daraufhin stoppte er knapp 200 Meter vor dem Gebäude, oeffnete die Tuer und versank in den Sportteil seiner Zeitung.
Man kann also nicht wirklich ueber den Humor mancher Busfahrer meckern.
Auch kann es passieren, dass der Bus eine Rauchfahne wie ein abgeschossener Jagdbomber hinter sich herzieht und aechst, piepst und pfeift wie eine Raumstation kurz vor dem Absturz. Wenn man dann mitbekommt, dass der Fahrer sich bekreuzigt, dann weiss man, dieser Bus ist kurz vor dem „Out of Service“ und man richtet sich gedanklich schon mal auf den langen Marsch ein. Das habe ich bisher zweimal mitbekommen und ist nicht wirklich angenehm, wenn man am Fuss des Huegels schon dem Motor des Busses gedanklich eine Kugel durch den Motorblock jagt wie einem braven Pferd, nachdem es sich den Huf gebrochen hat.

Leider beginnt seit ein paar Monaten ein neuer Trend. Bus Éireann bemueht sich, dass die Abenteuerstrecke nach Knocknahenee geregelt wird. Das heisst, neue Busse werden eingesetzt, Busfahrer mit Irvineambitionen, die eine Busfahrt vom Huegel in’s Zentrum in 3 Minuten bewaeltigen, sind nicht mehr da und werden durch altgediente Veteranen ersetzt, die alles können: Geld annehmen, Fahrschein ausdrucken, mit Padraic diskutieren, waehrend er Ihnen ein Ohr abkaut, obwohl in jedem Bus der Hinweis gilt, „Nicht waehrend der Fahrt mit dem Fahrer sprechen,“ und dabei puenktlich sind. Und das in einem modernen Bus, teilweise mit Internet.
In Rom konnte man, trotz aller Bedenken, die Spaghetti in jedem Bus vom Boden essen, so klinisch rein war der und puenktlich wie die Schweizer SBB. Ich denke diesen Rang wird die 202 irgendwann erreichen und es ist vorbei mit dem Abenteuer, mitten in Europa Zustaende zu erleben wie in Zentralafrika.

Ich muss ehrlich gestehen, da ich vorhabe laenger hier in Irland zu bleiben, wird mir das wohl sehr fehlen.
Ich glaube ich unterhalte mich mal mit Bus Éireann, so geht es ja wohl gar nicht.

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