Rebelcounty

Cork gilt in Irland als das Rebelcounty. Fragt man nach den Gründen, warum das so ist, erhaelt man verschiedene Aussagen. Ich denke, selbst viele Einwohner im County wissen nicht warum, sind aber stolz darauf und machen Werbung damit.
Es gibt sogar eine Website die an eine Zeit erinnert, als Cork wirklich eine sozialistische Republik war, wenn auch nur fuer eine kurze Zeit.

Eine Antwort, warum Cork nun das Rebelcounty ist, bezieht sich auf Perkin Warbeck, einem englischen Hochstapler, der 1491 in Cork weilte und von hier aus seinen Anspruch auf die englische Krone geltend machen wollte. Leider verstarb der gute Perkin eines nicht ganz natuerlichen Todes 1499, was aber weniger mit seinen Ambitionen, sondern mit seinen weiteren Aktivitaeten zusammenhängt und offensichtlich auf wenig Gegenliebe stiess, da man zu der Zeit eine andere Vorstellung von Gewalt hatte und es mit Menschenrechten nicht so genau nahm.

Eine andere Antwort war der Easter Rising 1916, als irische Nationalisten den Aufstand gegen die Briten in Dublin starteten. Von Cork aus, waren ca. 1200 Volunteers Richtung Dublin unterwegs, was eigentlich auch nicht den Nimbus erklaeren würde, vor allem, wenn man sich die irische Geschichte anschaut, dann waren andere Counties durchaus rebellischer als es die Einwohner von Cork waren. Selbst die Spanier, oder die Franzosen, die in Kinsale und Cobh landeten stiessen auf wenig Gegenliebe.
Vielleicht waere noch Anne Bonny, die beruehmte Piratin, die in Kinsale geboren wurde, zu nennen.

Alle Erklaerungen entsprechen nicht den Tatsachen, einzig der Name The People’s Republic bringt die Erklärung. Dazu muss man einen Ausflug in die Geschichte des Countys, sowie die Geschichte Irlands machen.
Nachdem Easter Rising und dem 1. Weltkrieg, begann eine Neuausrichtung in Irland.
Die Englaender setzten Irland auf die Agenda und dachten darüber nach, da die Iren Waffen aus Deutschland erhalten hatten, wie man die irische Frage loesen sollte. Unter anderem gestattete man Irland ein Parlament zu.
1919 brach dann der Anglo-Irish War aus, der von 1919 bis 1921 dauerte und in einem Waffenstillstand am 6. Juli endete. England hatte nicht wirklich Lust weiter einen Krieg zu führen, gegen ein Volk, dass seinerseits bereit war, notfalls einen weiteren Waffengang zu proben, da die Engländer, besonders durch die Einheiten aus dem County Cork, schwere Verluste hatten.
Also bot man den Iren grosszuegig einen Vertrag ueber einen irischen Freistaat an.

Die irischen Vertreter, Arthur Griffith, Michael Collins, Robert Barton, Eamonn Duggan und George Gavan Duffy, reisten im November 1921 zu den Verhandlungen nach London, nachdem Eamon de Valera sich einfach abmeldete.
Die Iren hatten ueber folgende Punkte nachzudenken:
1.) Die Briten ziehen sich aus einem Teil Irlands zurück
2.) Irland ist als Freistaat Teil des Commonwealth und der Herrscher ueber Irland ist der englische Koenig, sein Vertreter ist ein Hochkommissar. Dafuer hat Irland ein eigenes Parlament und eigene Vertreter
3.) Mitglieder des Dáil muessen nicht nur auf den Freistaat, sondern auch auf den Monarchen einen Treueeid schwören.
4.) Nordirland kann binnen eines Monats aus dem Freistaat austreten und Teil der britischen Krone sein. (Zu England gehoeren als Verwaltungsprovinz)
5.) Falls Nordirland austritt, wuerde eine Kommission den Grenzverlauf zwischen dem Freistaat und Nordirland regeln.
6.) Grossbritannien behaelt die Kontrolle ueber die irischen Häfen.
7.) Die zu berechnenden Verbindlichkeiten muessen gegenueber der britischen Krone vom irischen Freistaat bezahlt werden.
8.) Der Vertrag steht ueber einer irischen Verfassung.

Man gab den irischen Vertretern Zeit, sich bis zum 6. Dezember 1921 zu entscheiden und, sollte man sich nicht einigen, drohte man mit einer Fortsetzung des Krieges, auch wenn England zu der Zeit ganz andere Sorgen hatte, aber man wollte Irland, gerade Nordirland, nicht ohne Not aus der Hand geben.

Die irische Delegation kabelte die Bedingungen nach Dublin und erhielt ein scharfes „Nein,“ von de Valera. Da die Zeit drängte und andere Politiker in Dublin die Sache eher pragmatisch sahen, kam man zu der Ueberlegung, dass Nordirland, auf Grund seiner Größe, gar nicht ueberleben könne und man den Vertrag irgendwann neu verhandeln kann, wenn die Briten erst weg sind, also unterschrieb man, obwohl Collins sagte, „Mit meiner Unterschrift habe ich gerade mein Todesurteil unterzeichnet.“

In Irland spaltete sich das Land in Befuerworter und Gegner des Vertrags, dabei spielte die IRA eine sehr grosse Rolle, da sich die IRA als die Waechterin Irlands verstand. Dabei vergassen viele der Kommandeure, dass die irische Bevölkerung nicht gluecklich mit dem Vertrag ware, die ueberwiegende Mehrheit dem Vertrag aber zustimmten, im Gegensatz zum irischen Dáil, wo der Vertrag mit knapper Mehrheit angenommen wurde. Die Kommandeure der IRA, die zum Zeitpunkt der Abstimmung in Dublin weilten, waren geteilt in Pro- und Antitreaty. Gerade die Kommandeure aus dem Süden und Westen lehnten den Vertrag ab, waehrend der Norden dem Vertrag eher zugeneigt war und eine grosse Anzahl der IRA Leute in die neugegruendete „Free State Army“ eintraten.

Die Kommandeure der 1st Cork Brigade gehörten zu denen, die den Vertrag strikt ablehnten und das Volk abstimmen lassen wollten.
Nachdem im Februar 1922 das Four Courts in Dublin von Vertragsgegnern besetzt wurde, verlagerten sich die Ereignisse in den Sueden und Westen Irlands.
Mehrere Ereignisse sind fuer den Nimbus, dass Rebelcounty zu sein, verantwortlich. Zum einen, die Ablehnung der IRA Kommandeure zum Vertrag, dann, im Februar 1922, begannen die Arbeiter der irischen Bahn im County Cork ihren Streik und richteten, nach russischem Vorbild, Sovjets in Munster ein.
Die lokalen Kommandeure der IRA, sandten im Februar, nach der Besetzung in Dublin, 100 Mann nach Limerick.
Damit war Cork und das County isoliert trotz der Besuche von de Valera und Michael Collins.

Im April enterten Maenner der 1. Cork Brigade den Frachter Upnor, der von Cobh aus Waffen zurueck nach England bringen sollte, auf hoher See und erbeuteten dabei 400 Gewehre, 40 Maschinengewehre und tausende Schuss Munition.
Die Regierung in London war ausser sich, aber noch nicht bereit den Waffenstillstand zu brechen.
Am 27. April verschwanden vier britische Soldaten, die in Macroom von der IRA verhoert wurden. Die Soldaten wurden als Spione liquidiert und verscharrt.
London sandte eine Einheit, die noch in Irland stationiert war, nach Macroom, um die Soldaten zu suchen, da man den Verlust recht schnell mitbekam. Nachdem die Lage kurz vor der Eskalation stand, entschloss man sich in London die Suche aufzugeben.
Ausschlaggebend duerfte der Mord am englischen Feldmarschall Sir Henry Wilson gewesen sein der letztendlich zum Buergerkrieg führte und zur Schlacht um Cork.
Wilson wurde in London von Mitgliedern der IRA vor seinem Haus erschossen und die Regierung in London setzte der irischen Regierung ein Ultimatum die Besetzung des Four Court zu beenden und im Rest der Republik fuer Ordnung zu sorgen. Sollte das nicht der Fall sein, so würden das englische Truppen übernehmen.

Die Beschiessung des Four Court schliesslich, fuehrte zu einer Linie von Tipperary bis Waterford und teilte Irland.

In Cork, so schreibt John Borgonovo in seinem Buch „The Battle for Cork,“, herrschte eine Mischung aus Anarchie und Gelassenheit. Waehrend die Einwohner von Cork mehrheitlich hinter dem Vertrag standen, uebernahm die IRA quasi die Stadt, richtete, um der Anarchie Einhalt zu gebieten, eine provisorische Regierung ein, mit Polizei, Council und eigene Steuern. Zwang Geschäfte, die auf Grund der Zustaende die Tueren schlossen, zum aufmachen, uebte Kontrolle ueber die Zeitungen in Cork aus und praegte eigenes Geld, sowie eigene Briefmarken. Cork war quasi seine eigene Hauptstadt und wie es heisst, „die wahre und bessere Hauptstadt.“
Nach dem Beschuss des Four Court und dem beenden der Besetzung, begann die Free State Army die Rebellenstaedte zu befreien.
Cork wurde vollstaendig im August 1922, unter dem Jubel der Bevoelkerung erobert und die „Republic of Cork“ beendet.

Die Ereignisse im Jahr 1922 duerfen wohl die Erklaerung liefern. Cork ist auch ein Beispiel dafür, dass Nachbarn gegen Nachbarn kämpfen. Die Maenner des 4. Battalion der 1. Cork Brigade, deren Hauptguartier in der Blarneystreet war, kaempften geschlossen auf Seiten der Free State Army, da sie waehrend des Anglo-Irish War die meisten Verluste hatten, war man dort fuer den Vertrag und sah keine Veranlassung wieder in einen Krieg gegen den grossen Nachbarn zu ziehen.
Die Ereignisse in Cork wirkten lange nach und ich denke man kann einiges im Verhalten der Iren verstehen, vor allem sieht man einiges aus der Zeit, wenn man mit offenen Augen durch Cork geht.

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