Banshee

Denkt man an Irland, dann denkt man froehlich tanzende Menschen, die den ganzen Tag im Pub sitzen, Guiness trinken, lustige Lieder singen -oder auch nicht-, von der Rebellion träumen, rothaarig sind und and kleine Männchen, mit dicken roten Knollnasen, lustigen gruenen Hütchen, einen Topf voll Gold hüten, die sogenannten Leprechauns. An Feen und Elfen.

Nun sitzen wir zwar nicht den ganzen Tag im Pub, die wenigsten sind rothaarig, oder tanzen, aber das mit den Liedern mag stimmen, wie man so schoen sagt, „wo zwei Iren zusammentreffen, bilden sie ein Gesangsduo mit kompletter musikalischer Begleitung.“ Ich glaube nur die Iren sind in der Lage die Thinwhistle zu spielen und dabei zu singen, keine Ahnung wie sie das machen, aber musikalisch sind hier viele. Ich glaube man saugt das mit der Muttermilch ein. Und da es so viele von ihnen gibt, also den Musikern, exportieren wir diese in alle Welt, als „Dubliners“, die Revival Band der Dubliners, das Revival der Revival Band der Dubliners usw. usf. Ok, wir haben da noch mehr, z.B. exportieren wir sie auch als Tanzgruppe. Bringt zwar nicht viel ein und wir werden den Guertel sehr eng schnallen müssen, damit wir unsere Schulden mal abbezahlen, aber man freut sich ja auch ueber Almosen. Auf jeden Fall kommt kein Pub weltweit ohne diese Musiker aus. Selbst in der Arktis wird dieses Modell erfolgreich praktiziert, dauert zwar lange bis man die Floete vom Mund abgetaut hat, aber in der Krise muss jeder Opfer bringen. Darauf kann die irische Regierung jetzt nun wirklich keine Ruecksicht nehmen.

Allerdinsg sind wir auch die Erfinder der Todesfee, oder Banshee, wie man sie hier nennt. Mittlerweile gibt es auch eine Software mit dem Namen, die ist aber huebscher und auch klingt besser.
Reden wir ueber die Banshee, dann reden wir von einer furchtbar haesslichen und alten Frau, angeblich eine einstige Fee -wer’s glaubt, hihi-, die aus dem Hals stinkt wie zwei Wochen Fischkutter und eine Stimme hat, dass selbst die Toten wieder munter werden. Also wirklich das furchtbarste was Irland so zu bieten hat, ausser dem Fruehstueck.
Ausserdem traegt sie immer die gleichen Plünnen und faellt damit in Irland nicht sonderlich auf, ich wuerde sagen, gefuehlte 90% laufen so rum, die anderen sind Ausländer, die wissen wie man sich kleidet. Die meisten Iren erkennt man an den Ausgehanzügen, bevorzugt mit den 3 Streifen, oder Nike, in den Farben der Lieblingsclubs aus der Premier League, oder gleich Brutalpink von Kappa. Dazu Runners, oder am Wochenende gern mal als Presswurst verkleidet auf Stelzen. Wie gesagt, damit wuerde man die Banshee kaum erkennen.
Allerdings, so heisst es, hat sie eine Klagegesang wie eine verrostete alte Luftalarmsirene aus dem 2. Weltkrieg und den stimmt sie bevorzugt an, wenn jemand gestorben ist, oder jemand stirbt. Dabei, so heisst es weiter, leistet sich jeder Clan den Luxus einer eigenen Banshee. Wenn man also weiss, wie gross in Irland die Clans sind, dann kann man sich auch vorstellen, warum sie so abgemagert ist. Sie ist eine vielbeschaeftigte Frau und kommt daher wenig zum Essen.

Vor zwei Wochen hatte ich das Vergnügen die Tante kennen zu lernen. Nach einem langen und harten Arbeitstag, sowie ein paar Pints, schlummerte ich friedlich entspannt in meinem Bett, als ploetzlich ein infernalisches Gekreische, direkt neben meinem Ohr einsetzte. Erst dachte ich ja, die dicke Nachbarskatze waere auf der Glanmire ueberfahren worden und machte die Vorhaenge auf, da ich Naturgemäß sehr neugierig bin -rheinische Dorfgewohnheit halt-, da hing sie direkt vor meinem Fenster und sirente, dass sich mir die Fussnaegel aufrollten. Das wurde mir doch zu bunt und ich machte das Fenster auf.

„Wenn Sie nicht sofort mit dem infernalischen Gejaule aufhören, dann rufe ich die Bullen,“ sagte ich. Worauf sie irgendwas auf gaelisch sagte, was ich natuerlich nicht verstand. „Hoeren Sie“, sagte ich, „entweder wir sprechen Englisch, Deutsch, oder von mir aus Suaheli, vielleicht noch den Dialekt der Einwohner aus dem hinteren Papua Neuguinea. Ich spreche kein Gaelisch!“
Worauf sie mit kraechzender Stimme auf englisch sagte, „Garda! Das heisst die Garda!“
„Mir egal, von mir aus auch die“ erwiderte ich, „wissen Sie eigentlich wie spaet das jetzt ist? Es ist jetzt drei Uhr Nachts und sie schreien wie eine alte Luftsirene kurz vor dem Kollaps!“
„Ja aber ich muss doch,“ kraechzte sie voellig verwirrt.
„Na toll,“ dachte ich, „geistig irre ist sie auch noch, na das kann ja mal heiter werden. Erst den ganzen Tag den Stress und jetzt das.“
„Hoeren Sie,“ wurde ich ärgerlich, „ich hatte einen anstrengenden Tag, ich habe Kopfschmerzen, nicht nur die Beine, sondern auch die Stimmbänder schmerzen. Ausserdem moechte ich ueber meine Blase mich jetzt gar nicht auslassen, von dem vielen Kaffee musste ich sehr viel Pipi machen, wissen Sie eigentlich wie furchtbar das ist und wie anstrengend es ist, wenn man meinen Job hat? Sie machen sich ja mal keine Vorstellung, was ich so den ganzen Tag mache. Und dann schreien sie hier wie ein räudiger Kater in der Brunft. Ich will schlafen, verstehen Sie? Ich brauche meinen Schönheitsschlaf, damit ich morgen wieder fit, flauschig und knuffig bin fuer meine Kollegen und die Kunden! Und jetzt tun Sie mir einen Gefallen und machen Sie endlich einen Schuh, sonst baller ich Ihnen meinen Timberlandstiefel auf den Kopf!“ Und im übrigen sind Sie nicht mal huebsch und Sie stinken, nicht nur aus dem Mund, von dem anderen wollen wir gar nicht erst anfangen, Sie sollten es mal mit Zaehneputzen versuchen und übrigens, Debenhams hat Ausverkauf in der Parfümabteilung, die verkaufen da was, das nennt sich Deo, wuerde Ihren Achseln mal ganz gut tun, Himmel Sie riechen ja, wie zwei Wochen alter toter Wal am Strand von Youghal“

Sie dachte kurz nach und ihr haessliches Gesicht verzog sich, „Ja aber, ich muss doch klagen, verstehen Sie? Der alte Connor O“Brien macht seinen letzten Odem!“
„Was macht der? Ich kenne keinen Connor O’Brien, der wohnt hier nicht. Ich kenne alle Hausbewohner, einen Connor haben wir nicht! Ich haette zwei Dave und einen Richard im Angebot.“
„Connor O’Brien, vom Clan der O’Briens. Ich bin die Banshee des Clans und immer unterwegs,“ wimmerte sie.
„Ja, das tut mir ja jetzt auch sehr leid fuer Sie, dass Sie so beschaeftigt sind, trotzdem haben wir keinen Connor, nicht mal einen O’Brien. Und beides erst Recht nicht. Welche Adresse haben Sie denn in Ihrem iPhone,“ Sie schaute mich fragend an, „Na wo wohnt dieser Connor, Sie muessen doch irgendwie eine Mail bekommen kaben, irgendwas schriftliches werden Sie doch wohl haben, warum Sie mitten in der Nacht unschuldige Leute auf der Lower Glanmire aus dem Schlaf reissen.“

Muehsam kramte die Alte in ihrem Beutel rum, „Grosser Gott, Frauen!“ dachte ich, „die Handtaschen so gross wie ein Kratersee in der Vulkaneifel. Da findet man ja nie was.“
Endlich fand sie einen Zettel, der so winzig war wie ein Dominostein. Mit zitternden Fingern faltete sie ihn auf, was mir wiederum doch ein bisschen leid tat, eine alte Frau so anzumachen, aber ich war nun mal gereizt. Ich bin immer gereizt, wenn ich muede bin, oder hungrig, oder Beides.
Nachdem sie den Zettel auf die Groesse des Irish Examiner ausgefaltet hatte las sie mit klagender Stimme vor, „Connor O’Brien, Summer Hill, No…….“ dann nuschelte sie was.
„Was war das?? Ich hab mich wohl verhoert was? Das ist hier die Lower Glanmire, Summer Hill ist da drüben“ und zeigte den Huegel hoch. „Sie sollten sich mal einen Kompass besorgen! Oder noch besser, einen Stadtplan!“
Sie entschuldigte sich und meinte, dass man nach gut 1000 Jahren, als Banshee in dem Job doch manchmal die Orientierung verliert und das es eventuell besser sei, mal ueber die Angebote der Rentenkasse nachzudenken.
Das fand ich durchaus und erklaerte ihr an welchem Postamt, sie fuer gewoehnlich ihren Rentencheque einloesen kann, „das geht auch in Blackpool,“ sagte ich.

Sie entschuldigte sich noch einmal fuer die Stoerung meiner Nachtruhe.Ich warnte sie noch, es ruhig angehen zu lassen, denn nicht jeder waere so geduldig wie ich und erzaehlte ihr, dass die Einwohner in Knocknahenee eine Banshee einfach so, aus Jux und Dollerei am Bonfirenight in Brand gesteckt haben. Das erschrak sie dann doch und sie versprach ruhiger zu klagen.
Ich wuenschte ihr noch was und meinte, bezüglich ihrer Rente, solle sie sich mal melden und ich schau im Internet nach, bei knapp 1000 Jahren Berufserfahrung wuerde eine stattliche Rente abfallen.
Sie bedankte sich artig und wir wuenschten uns noch alles Gute und sie wuenschte mir noch eine gute Nacht, dann sie schwebte den Huegel hoch, wo sie wahrscheinlich die Anwohner aus dem Schlaf warf.
Auf jeden Fall versprach sie mir beim Abschied auch fuer mich zu klagen, was ich wiederum sehr fair fand, denn wer hat schon seine eigene Banshee, vor allem wenn er keinem Clan angehört und war doch recht geschmeichelt, pff, was die Leute immer sagen, so schlecht sind diese Banshees auch nicht.

Aber Sachen gibt’s,die gibt’s gar nicht. Vor allem dass man sich jetzt nicht mal mehr auf die Leute aus den Legenden verlassen kann, die Lower Glanmire mit Summerhill zu verwechseln, Mann, Mann, Mann. Nicht mal auf unsere Mystik ist mehr Verlass, weit ist es gekommen mit Irland, aber wenigstens klagt sie irgendwann mal fuer mich, echt nett.

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