City Gaol

Besucht man die Stadt Cork und bucht eine Tour, dann haelt der Bus mit 99,9% Wahrscheinlichkeit vor dem City Gaol in Cork. Nicht nur, damit man trockenen Fusses etwas besichtigen kann -Der Bus ist oben offen, es regnet also rein und da es bei uns fast immer regnet, ist es unangenehm oben zu sitzen, obwohl, unten auch, wenn das Wasser im Inneren steigt-, naja, wie dem auch sei, der Bus wird dort anhalten.

Das City Gaol, ist ein imposantes Gebäude und wurde, nachdem man das alte Gaol an der Northgate Bridge schloss, 1824 eröffnet. Der Grund war eigentlich pragmatischer Natur, man wollte nicht unbedingt ein Gefaegnis mitten in der Stadt haben, aber es sollte nach Moeglichkeit so liegen, dass man die Gefangenen nicht zu weit transportieren musste. Ausserdem sollte das Gefaengnis den damals geltenen Regeln entsprechen. Man mag es zwar kaum glauben, aber nachdem sich unter anderem auch Benjamin Franklin mit der Frage beschaeftigt hat, wie ein modernes Gefaegnis aussehen muss, was letztendlich im Eastern State Penitentiary, war man auch in England der Meinung, man muesste den Gefaegnisbau ueberdenken.
Also wurden die Regeln geaendert und man wollte, dass man sowenig Guards wie moeglich benoetigte, um eine grosse Anzahl an Gefangenen ueberwachen zu können.

Betritt man das Gaol und geht in den Zellentrakt, dann sieht man sehr schnell, wie man sich das vorstellte. Der Zellentrakt hat drei Stockwerke und ist so angelegt, dass man von ganz oben die Zellen ueberblicken kann, auch wenn die Gefangenen vor die Tuer konnten, hatte man einen kompletten Überblick.
Weiter legte man aussen Gasleitungen und war so in der Lage jeweils zwei Zellen gleichzeitig zu beleuchten. Jeden Morgen ging ein Waerter und entzuendete das Licht, was er jeden Abend ausloeschen konnte. Die Bedingungen in dem Gefaegnis waren auf jeden Fall den damaligen Zeiten entsprechend.

Frauen, Maenner und Kinder wurden gemeinsam hier eingesperrt und der Satz, „Moderner Strafvollzug“ hatte eine voellig andere Bedeutung. Tausende warteten in den Zellen, bis sie nach Cobh gebracht wurden, von wo aus sie nach Australien, oder Neu Seeland deportiert wurden, um ihre Strafe Abzubüßen. Man hatte auch wenig Probleme damit, dass Frauen in den Zellen gebaren und mit dem Saeugling dort blieben, bis sie ihre Strafe verbuesst hatten.
Allerdings galt das City Gaol auch als Novum in dem Sinne, dass ein Katholik Gefaegnisdirektor war. Die englische Krone achtete penibel darauf, dass alle höheren Aemter mit Protestanten besetzt wurden, weil man der Meinung war, Protestanten waeren prinzipiell vertrauenswuerdiger und wuerden England weniger Sorgen bereiten als ein Katholik.
Dabei waren es protestantische Priester, die waehrend der grossen Hungersnot 1845-1849 Massenspeisungen organisierten, oder Gelder, was sie von der Mutterkirche erhielten, an beduerftige irische Familien verteilten -Liam O’Flaherty beschrieb die Zeit in seinem Roman „Famine“ (Aktueller Titel „Zornige gruene Insel“)-

Auf jeden Fall wurde das Gefaegnis bis 1921 genutzt und danach, waehrend nocheinmal waehrend des Bürgerkrieges, als Leute der IRA dort waehrend des Buergerkrieges von 1922 bis etwa 1923 dort inhaftiert wurden. Unruehmliche Geschichte machte das Gaol bei der ersten Hinrichtung 1828, als die Fallhoehe falsch berechnet wurde und die arme Seele eine dreiviertelstunde an der Aussenmauer hin- und her schwang, wobei ihm das Seil den halben Kopf abschnitt und 1922, als IRA Haeftlinge sich vom obersten Stockwerk nach unten stürzten. Wobei auch nicht bekannt ist wieviel Häftlingen waehrend sie dort inhaftiert waren, nach Ende des Buergerkrieges ausserhalb der Mauern ohne Urteil, um ein Exempel zu statuieren, exekutiert wurden. Die exakten Zahlen schwanken zwischen 120-200 extralegalen Hinrichtungen. Man darf dabei nicht vergessen, dass der Buergerkrieg in Irland ein dunkles Kapitel war und es hat extrem lange gebraucht, bis sich das Verhaeltnis untereinander normalisierte, schliesslich ist dies ein kleines Land mit etwa 4.5 Mio. Einwohnern.

Danach war das Cork City Gaol die erste Radiostation und wer einmal nach Cork kommt, der sollte sich das Gaol anschauen, damit er einen Einblick in die Geschichte bekommt

Cork City Gaol
Spooky Place
Liste der Executionen in Cork, die meisten fanden in Gallow’s Green statt

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