Pubs

In Irland, so heisst es, gibt es mehr Pubs als Einwohner. Allein in Shandon, meiner ersten Adresse in Cork, hatten wir etwa 8 Pubs, wovon nur noch zwei Funktionsfaehig und in Betrieb waren.
Fuer die Nachbarn war es sehr praktisch und ein beliebter Sport „Pubhopping“ zu betreiben, da beide Pubs direkt nebeneinander lagen.
Dieses „Pubhopping“ geht in etwa so: Man trifft Seamus, Nihall, Derry, Mike und Brian im einen Pub, stellt aber fest, dass Angus, James und Declan im anderen Pub „next Door“ hängen. Nun ist es absolut und essentiell notwendig, dass man am sozialen Leben teilnimmt, sprich, dass man mitbekommt, ob Fiona nun ihren ersten Zahn hat, oder Eoin endlich seinen Schulabschluss. Ausserdem muss man wissen, wie geht es der werten Gemahlin, der Oma, dem Opa und ueberhaupt den zahlreichen Familienmitgliedern -In meinem Haus wohnt jemand, der hat sage und schreibe 18 Geschwister, die er nicht mal alle dem Namen nach kennt. Als sein Vater starb und er zur Beerdigung heim fuhr, da wird er sie wohl mit Bruder 5, Schwester 7, oder Cousin 23 angeredet haben. Wie er mir freimuetig gestand; „i had no fucking Idea, who all these People are, i’ve never ever heard about them, or ever see them in my whole entire Life and St. Patrick is my Witness (wie wir merken, Iren sind aehnlich den Italienern, ein Heiliger muss vorkommen)-
Also geht man in Pub No.1, bestellt sein Pint, schwaetzt mit dem Landlord und seinen Bekannten, geht dann raus, was sehr praktisch ist, da man nur draussen rauchen darf, betritt Pub No.2 und bestellt dort sein Pint, redet mit dem Landlord seinen Bekannten und erinnert sich, dass in Pub No.1 nicht nur ein Pint wartet, sondern auch die Kumpels, der Landlord etc. ausserdem koennte das Bier schal werden, was bei Murphys, Beamish und Guiness eher ausgeschlossen ist. Also sagt man, dass man mal eben eine rauchen geht, berechnet die Zeit fuer 2 Zigaretten -alles muss ausgiebig genossen werden- und entert unterdessen Pub No.1, wo man mit lautem „Hallo“ begrüßt wird und meist schon das zweite Pint wartet, denn in Irland ist es so, dass der erste Freund die Runde eroeffnet und danach reihum ein Pint geordert und bezahlt wird, was natuerlich maechtig in’s Geld geht, wenn man mit 20 Leuten da ist.

Manchmal geht man pragmatisch an die Sache ran, nimmt sein Pint mit nach draussen, damit es nicht schal wird, was allerdings nicht gern gesehen ist, da die Garda penibel darauf achtet, dass draussen nicht getrunken wird, stellt sein Pint auf die Fensterbank, quatscht mit seinen Kumpels, bei einer Zigarette, und laeuft dann wieder in den naechsten Pub.
Meister in dieser Form des Pubhopping, bringen es locker auf 5 Pubs ueber Cork verteilt. Das heisst, sie starten in Shandon, nehmen das Franciscan Dwell mit, welches in einer ganz anderen Richtung liegt, schaffen es von dort in’s Sheldon, oder Sin’e, halten sich zu einem kurzen Plausch im Sextant auf und wiegen sich zur Music, um danach ueber die South Mall wieder nach Shandon zu gelangen. Auf diese Weise legen sie mal locker am Abend eine Marathonstrecke hin.
Der Nachteil ist, hier bei uns schliessen die Pub’s sehr zeitig, so dass meist Druckbetankung angesagt ist, damit man in moeglichst kurzer Zeit, moeglichst schnell blau wird und moeglichst viel Informationen bekommt, die man am naechsten Morgen eh wieder vergessen hat. Aber Hauptsache, man hat sich mal wieder gesehen und neue Informationen ausgetauscht.

Ps.: Einer meiner Stammpubs, das „Last Station View“ macht es clever, kurz nach 11 macht man zu, stellt um 20 nach 11 die Aschenbecher auf den Tresen und dann wird gebechert bis zum fruehen Morgen. Falls die Garda klopft, was selten vorkommt, verhalten sich alle Gäste mucksmaeuschenstill und die Landlady oeffnet mit verwuschelten Haaren die Tür, waehrend wir uns, wie im Leben des Brian, an den unmoeglichsten Stellen aufhalten. Einer liegt sogar im Auffangbehelter des Billardtisches mit einem Ball im Mund. Von meinem Landlord Derry heisst es, er sei der Meister der Mimik, er soll angeblich in der Lage sein und einen Zierbrunnen darstellen können. Mist, warum klopft die Garda nie, wenn ich mal da bin 😦

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