Diaspora

500.000 Auslaender leben, laut dem Census von 2011, mittlerweile in Irland.

Wenn man bedenkt, dass rund 4.5 Mio. Menschen in diesem Land leben eine ganze Menge. Es entspricht in Etwa der Zahl der Arbeitslosen in Irland, die mit 308.000 Personen etwa 14.3% entspricht.
Dabei nimmt die Gruppe der Osteuropäer den groessten Anteil ein und davon sind die Polen die groesste Gruppe. Dabei sind die Polen auch fleissig wie die Bienchen. Man findet sie in den Supermärkten, wo sie Regale auffuellen, oder an der Kasse sitzen, im Hotel- und Gaststaettengewerbe und in den Krankenhäusern, sowie Altersheimen. Polen findet man überall in den Strassen der irischen Städte.
Auf mich wirken sie wie die Gastarbeiter in Deutschland in den 70er Jahren, sie machen die Arbeiten, fuer die sich die Deutschen zu fein waren und die Iren zu fein sind. Sie sind nett, freundlich, zuvorkommend und zurückhaltend. Geradeso wie die Leute aus Südeuropa, die in Deutschland ihr Leben aufbauten. Und ebenso wie die Leute aus Südeuropa, haben auch die Polen ihre Laeden hier, wo man ein kleines bisschen Heimat finden kann. Ok, die tuerkischen und italienischen Laeden waren fremd und exotisch und mit dem Spanischen Garten in Bad Godesberg gab es etwas, wo die Diplomaten in Bonn sich fuehlen konnten, wie daheim. Mit Bananenblättern, englischer Marmelade und Yorkshirepudding, Rootbeer usw. usw, bis die tuerkischen Laeden mit Baklava, Boerek, Ayran und Yufka kamen. Als Junge stand ich Stunden mit meinem Freund Tufan in diesen Laeden und war erstaunt ueber die diversen Gerueche und die Freundlichkeit der Besitzer, wenn sie uns Kindern Suesswaren anboten die man nie zuvor gekostet hatte, oder den Alten zusah, wie sie Mokka mit tuerkischen Honig gesuesst tranken. Dazu hingen die Bilder der Tuerkei an der Wand, oder einer dieser billig schwuelstigen Teppiche mit Istanbul, oder Ankara.
Wie oft war ich in italienischen Laeden und lernte, was meine Vorfahren kochten, die halt nicht Koenigsberger Klopse kannten, keinen Schwarzwaelder Schinken und keine Bratkrtoffeln Bauernart, sondern die Mediterrane, oder Tiroler Küche.

An all das erinnern mich diese polnische Läden, an meine Kindheit in Deutschland, an die Plakate der NPD und an das was mir meine Oma beigebracht hat. Und wir alle, egal ob Polen, Deutsche, Ungarn, oder Franzosen leben in diesem Land, weil wir den Vorteil haben, mehrsprachig zu sein. Etwas, was die Firmen schätzen. Wir sprechen mehrere Sprachen, weil es fuer uns voellig selbstverstaendlich ist und weil wir das in der Schule gelernt haben. Wir koennen uns mit den Iren in englisch unterhalten, reden mit englischen Kunden und wechseln danach in unsere Landessprachen. Wir sind, um es pathetisch zu umschreiben, Legionäre. Wir sind, mit einer grossen Anzahl von Iren, die jeden Morgen in’s Buero gehen, diejenigen, die den irischen Staat am Leben halten und den Iren, die keinen Job finden, den Dole finanzieren.
Gaebe es uns nicht, ich bin überzeugt, das irische System wuerde kollabieren, denn wir arbeiten und zahlen unsere Steuern hier, damit eine stattliche Anzahl von Iren mit ihren Nikerunnern und Hoodies durch die Gegend laufen koennen und jeden Donnerstag vor dem Postoffice stehen.
Das groteske ist, viele Auslaender die hier arbeiten, sind irischer als viele Iren selbst. Sie identifizieren sich mit dem Land und seiner Gesellschaft. Sie sind stolz darauf, dass Irland ihnen eine Chance geboten hat ihr Leben zu gestalten. Sie jammern nicht ueber die Gesellschaft, oder ueber den Staat, sie sind in ihren Communities, und davon gibt es viele, reden in ihren Sprachen, aber ab Monatg stehen sie auf der Matte und machen ihren Job, als Reinigungskraft, als Agent am Telephone usw.

Vielen Iren missfaellt das. Viele Iren kennen Auslaender nur als Touristen die ein paar Wochen hierbleiben, ihr Geld hierlassen und dann wieder verschwinden. Nur gibt es viele Auslaender die nicht einfach wieder verschwinden. Wuerden sie das und wuerden die Firmen aus Irland verschwinden, dann haette der Staat ein massives Problem, denn die irische Verfassung schreibt vor, das jeder Ire das Recht auf Unterstuetzung hat. Man ist als Ire nicht mal gezwungen zu arbeiten, bekommt aber trotzdem jede Unterstützung. Ansonsten gilt die Vorgabe, dass man zwei Jahre in diesem Land gearbeitet haben muss, damit auch nur einen Cent erhält. Trotzdem gehen vielen Iren, besonders die Jungen, die Auslaender aggressiv an wenn es um Geld oder Zigaretten geht. Natuerlich sind Zigaretten in diesem Land sehr teuer und beginnen bei 7.95€ fuer eine Packung. Sie schaemen sich nicht mal zu erwaehnen, dass sie Iren sind und vergessen dabei, dass Iren rund 800 Jahre auf den Schlachtfeldern dieser Welt geblutet haben, oder das Iren, besonders waehrend der Hungersnot 1845 zu Tausenden gestorben sind, oder das Land verlassen mussten, auf dass diese Leute ja so unglaublich stolz sind. Geht man auf sie nicht ein, dann fragen sie, was man gegen Iren, oder gegen Corcaighs hat, dass man ihnen keine Zigarette, oder einen Euro gönnt. Provokativ behaupten sie, dass man ihnen die Arbeitsplaetze wegnimmt. Wenn man fragt, was fuer Sprachen sie sprechen, oder was sie fuer eine Ausbildung haben, hoert man recht wenig.
Nur 26.000 Iren sprechen französisch. Und nur 2700 sprechen Deutsch. Das irische Schulsystem begleitet einen bis man 13 ist, ob man in der Lage ist lesen und zu schreiben zu können, das ist dem Schulsystem so wichtig, als ob in der Wueste Gobi ein Sandsturm tobt. Manche Iren sind nicht mal in der Lage ihren Namen schreiben zu können und Paul Williams schreibt in seinem Buch Crimewars ueber einen der groessten Mobster, die wir in Irland hatten, „er konnte nicht mal 3×3 multiplizieren und hatte nach 13 Jahren immer noch eine Lese- und Rechtschreibschwäche, sowie Schwierigkeiten in Mathe und scheiterte schon, wenn man ihn mit 50g Marihuana losschickte. Aber eins kann man ueber ihn sagen, er war brutaler als die Hölle.Und wusste wie er nach Oben kommt.

Wir sind da, wir leben hier in der Diaspora, wir unterstuetzen die irische Wirtschaft und wir unterstuetzen uns, wenn wir im polnischen Laden einkaufen. Uns bekommt man nicht weg und es waere fuer die irische Gesellschaft ratsam, uns zu akzeptieren. Wir sind die Gastarbeiter die das machen, was Iren nicht machen wollen, oder weil wir halt Multilingual unterwegs sind und die Firmen uns brauchen. Wir sind, wie ein ehemaliges Magazin aus Belgien, „The Soldiers of Fortune.“

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