Rule Britannia

Ueber das Verhaeltnis zwischen Irland und England zu schreiben ist schwierig. Wir waren fast 800 Jahre vom Nachbarland im Osten dominiert. Zahllose Iren haben fuer englische Interessen die Schlachtfelder dieser Welt mit ihrem Blut gedüngt. Tausende Iren wurden in die neuen Laender deportiert und mussten die irische Heimat hinter sich lassen. Viele Buecher und Lieder beschaeftigen sich mit dieser Zeit, ob Liam O’Flaherty, oder Dramatiker wie Sean O’Casey, der nach London in die Diaspora ging, da man ihn hier nicht mehr haben wollte und der einsam und verbittert 1964 in London starb -fuer mich persoenlich uebrigens der groesste Dramatiker Irlands, ich liebe seine Buecher und Kurzgeschichten. James Joyce schrieb Ulysses in Paris und sein Werk „Dubliners“ ist das Werk eines Vertriebenen. Ich habe Dubliners so oft gelesen, dass ich die Geschichten schon auswendig kannte. Man spuert Joyce‘ Liebe fuer seine Heimat in jeder Zeile, besonders wenn man in diesem Land lebt. Irland verkoerpert eine gewisse Art der Antithese in allem was hier statt findet. Fuer mich ist Irland, trotz seiner Unabhaengigkeit ein zerissenes Land auf der Suche nach seiner Identität. Manchmal ist es schade, wenn man sich sich das alles anschaut und ich denke der irische Nationalstolz entwickelte sich nicht Ende des 19. Ihr. oder zwischen 1916 und der Gruendung des irischen Freistaates, sondern in der Zeit, als man Gelder von der EU bekam und der „Celtic Tiger“ anfing zu wachsen. Statt sich mit diesem Bewusstsein eine Identitaet zu schaffen, schaffte Irland und damit seine Bürger das Geld mit vollen Haenden aus dem Fenster zu werfen.
Irland war wie ein Sozialhilfeempfänger, der ploetzlich und ueber Nacht in der Lotterie den Jackpot knackte. Statt nachhaltig zu wirtschaften hiess es in Irland nur, „Was kostet der Scheiss?“ Geld spielt keine Rolle.

Was nun das Verhaeltnis zu England betrifft. Irland hat sich nie nachhaltig von England entfernt. Andere Laender des ehemaligen Commonwealth haben sich komplett vom Mutterland entfernt, wie Kanada, Neuseeland, oder Australien, oder ehemalige Länder wie Kenia, Indien, Pakistan sind eigene Wege gegangen. Australien, Kanada, oder Neuseeland moegen als Oberhaupt die Queen haben, aber sie sind dermassen eigenständig, dass sie sich eigene Fahnen, ohne Bezug auf England und ein eigenes Oberhaupt goennen können. Irland ist den Sonderweg gegangen und der Krieg gegen England, sowie der Bürgerkrieg als Folge davon, sollten den irischen Freistaat komplett von England abspalten.
Schaut man sich Irland an, dann ist das Gegenteil der Fall.

Man wundert sich, wenn Iren einen auf der Strasse anschnorren und schwaermen wie stolz sie sind, Iren zu sein. Mal abgesehen davon dass man sich, egal wie besoffen man ist, einfach schaemen sollte. Worauf ist man stolz? Dass man England eine Stange Geld schuldet? Dass Cork aussieht wie ein Arbeiterviertel in Manchester, Liverpool, oder Newcastle?
Die USA haben zwar 250 Jahre Zeit gehabt ihren Staat zu gruenden, aber die USA haben so radikal den Bruch vollzogen dass man sich wundert, wenn jemand sagt, die USA waren mal Kolonie, wenn man es nicht besser weiss. Australien ist so englisch wie Russel Crowe in seinen Filmen. Selbst die Schotten sind als Teil Englands eigenständiger als es mancher Ire selbst.
Wenn man in England war und das Land kennt, dann hat man den Eindruck, man ist in England. Nichts unterscheidet sich hier, ausser vielleicht die Landschaft und dass die Schilder zweisprachig sind, dazu muss man nicht unbedingt nach Irland, in Wales findet man das auch.

Geht man in die Shops, dann kann man sagen, dass 99% der Waren aus UK kommen. Geht man durch die Strassen, dann fuehlt man sich, wie schon erwähnt, in englischen Arbeitervierteln wieder. Die Badezimmer sind englisch, kein vernünftig denkender Mensch hat einen Heiss- und einen Kaltwasserhahn, das findet man nur in England. Irland ist das einzige Land in Europa, wo man seine elektrischen Geräte ohne Probleme in einem englischen B&B in Stratford upon Avon betreiben kann.
Es gab zwar mal im Laufe der 40er und 50er Jahre Überlegungen, dass man den Strassenverkehr ändert, dabei ist es aber geblieben. Uebernommen hat man UK 2.2 und das 1 zu 1.
Wir haben eine eigene Hymne und Fahne, mehr nicht.
Alles bei uns ist britisch und wenn man irisch sein möchte, dann geht man zu Gaelic Football und Hurling, weint bei der Hymne, die vor jedem Spiel erklingt und schwoert wie irisch man ist. Danach schaut man auf SKY Spiele aus der Premier League. Man traegt voller Stolz die Jerseys von Manchester, Liverpool, Chelsea, oder wenn man den gaelischen Touch möchte, von Celtic. Unsere Teams, immerhin sind die Bohemians eins der aeltesten Fussballteams der Welt, die vergisst man einfach. Dafuer heult man wieder wenn unsere Nationalmannschaft sich im Aviva Stadion, oder bei der EM abschlachten lässt.
Wir haben an jeder Ecke Fish & Chips, dass soll unser Nationalessen sein, dabei haben wir Irish Stew und Mash. Man sucht verzweifelt in Irland ein gutes Irish Stew und ich behaupte mal einfach frech, dass meine Mutter, wohlgemerkt Deutsche, ein besseres Stew machte, als mancher Ire, der sein in UK produziertes Essen in die Microwelle schiebt.
Pride Irish heisst, „wir machen gute Burger und gute Fish & Chips.“ und sie schaemen sich nicht mal dafür, dass sie besoffenen „stolzen Iren“ Fish & Chips und Burger verkaufen, die das Ganze mit „Salt&Vinegar“ in sich reinschaufeln. Kein Mensch der klar bei Verstand ist macht das, aber hier fragt man, „You want Salt&Vinegar?“ und einen seltsam anschauen wenn man antwortet, „Please just Salt, i’m not a Idiot and now how to eat!“ So pervers ist keiner, aber sie merken es nicht mal und erklaeren wie toll es ist Ire zu sein.

800 Jahre sind Iren auf der Welt verblutet. Sie haben sich deportieren lassen. Haben fuer ihre Freiheit einen hohen Preis bezahlt. Sie haben sich im Buergerkrieg gegenseitig getötet und sie haben Michael Collins getötet, den man hier feiert, wie sonst keinen. Dabei sind sie britischer als es ihnen lieb ist und schwaermen wie irisch sie sind. Ich denke alle die irischen Helden, die sie verehren, wuerden im Grabe rotieren. Haette Michael Collins die Möglichkeit gehabt Irland zu gestalten, ich denke er haette das Land nach US-Vorbild gestaltet und Irland waere moderner, fortschrittlicher und wirklich irischer. Stattdessen ist Irland ein englischer Wurmfortsatz auf den man noch stolz ist. Mich macht das oft genug traurig aber auch oft wütend, weil ich die irische Geschichte kenne und dieses Land wirklich sehr gerne mag. Manchmal wuerde ich gerne diese pseudoirischen Patrioten einfach nur schuetteln und fragen worauf sie sich was einbilden. Ihre Vorfahren haben soviel fuer ihre Freiheit gelitten, sind fuer nichts gestorben und diese Idioten sind stolz Iren zu sein und haben haben von ihrer Geschichte und dem Land soviel Ahnung wie eine Kuh von der Atomkraft. Und manchmal habe ich den Eindruck, ich lebe in einem Land, dass von Idioten bewohnt und regiert wird. Und manchmal beschleicht mich der Verdacht, es waere besser, wenn unser Taoisech darum bittet, wieder in den Commonwealth aufgenommen zu werden.

Aber auf mich hoert ja keiner

2 Kommentare zu „Rule Britannia

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  1. Hi W.,

    toll, wie Du als „Immigrant“ den Stolz auf Irische Werte beschreiben kannst. Respekt! Und wie Du sehr genau Deine neue Heimat beobachtest.
    Hab ich Dir schon gesagt, dass ich Deine Postings mag? 🙂

    Bei einem Satz musste ich schmunzeln: „Und manchmal habe ich den Eindruck ich lebe in einem Land, dass von Idioten bewohnt und regiert wird.“ Das ist nicht nur in Irland so!!!!! 😉

    Viele Grüße nach Cork!

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