Come to the Bower

Fuer mich persönlich eines der schoensten Lieder ist, „Come to the Bower,“

Will you come to the bower o'er the free boundless ocean 
Where the stupendous waves roll in thundering motion, 
Where the mermaids are seen and the fierce tempest gathers, 
To loved Erin the green, the dear land of our fathers." 
Will you come, will you, will you, will you come to the bower? 

cho: Will you come, will you, will you, will you come to the bower? 

Will you come to the land of O'Neill and O'Donnell 
Of Lord Lucan of old and immortal O'Connell. 
Where Brian drove the Danes and Saint Patrick the vermin 
And whose valleys remain still most beautiful and charming? 

You can visit Benburb and the storied Blackwater, 
Where Owen Roe met Munroe and his Chieftains did slaughter 
Where the lambs skip and play on the mossy all over, 
From those bright golden views to enchanting Rostrevor. 

You can see Dublin city, and the fine groves of Blarney 
The Bann, Boyne, and Liffey and the Lakes of Killarney, 
You may ride on the tide on the broad majestic Shannon 
You may sail round Loch Neagh and see storied Dungannon. 

You can visit New Ross, gallant Wexford, and Gorey, 
Where the green was last seen by proud Saxon and Tory, 
Where the soil is sanctified by the blood of each true man 
Where they died satisfied that their enemies they would not run 
from. 

Will you come and awake our lost land from its slumber 
And her fetters we'll break, links that long are encumbered. 
And the air will resound with hosannahs to greet you 
On the shore will be found gallant Irishmen to greet you.

Die Frage wurde aufgeworfen, um was es in dem Lied eigentlich geht und ehrlich gesagt, es ist schwer zu beantworten.

Nicht mal sicher weiss man, wann das Lied entstanden ist, wahrscheinlich im 19. Ihr und noch wahrscheinlicher von Iren, die Irland verlassen haben und an ihre Heimat zurueck dachten. Schwierig dabei ist den Begriff „Bower“ zu uebersetzen und die wahrscheinlichste Loesung dazu, habe ich in einem alten englischen Buch gefunden, Bower auch fuer einen Garten steht.

Also geht es hier darum, Irland als Garten darzustellen, was auch Sinn macht, denn wer mal hier war, der weiss, dass der Ausdruck „The green Isle“,“ kein mythologisches Gescwaetz ist. Praktisch ist Irland der Garten Eden, ok wir haben nur zwei Jahreszeiten, gebe ich ja zu, trotzdem ist es hier gruen, so ätsch.

Wann und wie das Lied nun auf die Insel kam, oder ob es jemand geschrieben hat, der die Insel verlassen musste, ist nicht bekannt. Im Zuge des englischen Strafrechts, wurden viele Iren deportiert, auf Grund von Nichtigkeiten, so habe ich die Geschichte eines kleinen Jungen gelesen, den man, weil er auf dem Markt in Dublin etwas gestohlen hatte, mit dem Schiff nach Australien deportierte, aehnlich der Geschichte eines Jungen in England um 1870, der mit 12 dort hin kam. Auch verliessen viele Iren die Insel, weil sie der Meinung waren, woanders sei es besser, vor allem waehrend der Kartoffelpest und der grossen Hungersnoete von 1845-1859, als knapp eine Million Iren das Land verliessen und nach England, die USA, Australien, oder Neuseeland auswanderten (einer der groessten Auswandererhaefen war der Hafen in Cobh im Co. Cork).

Ich nehme an, das Luke Kelly, zu dem Zeitpunkt, als er dieses Lied 1980 sang, schwer krank war und 1984 in Folge eines Hirntumors starb, wird dieses Lied wohl das Lied gewesen sein, was ihn bewegt haben dürfte.  Bevor er es auf dem Vienna Folk Festival sang, da sang er es in Cork, wo er das erste Mal zusammenbrach. Ich nehme weiterhin an, Luke wird dieses Lied, so es denn einen Himmel gibt, tausendmal gespielt haben, mit Michael Collins und all den anderen Helden, die dieses Land besitzt.

The Wild Rover

Irische Lieder sind in der ganzen Welt bekannt und die „Traditionals“ werden in jedem Pub mit Livemusik, oder von jeder Gruppe dargeboten.

„The Wild Rover“, hier gesungen von den Dubliners, ist so ein Lied. The Wild Rover, welches von irgendeiner deutschen Gruppe mal „an der Nordseeküste“ neu vertont wurde, stammt, laut Wikipedia, aus dem fruehen 19. Jhr. und angeblich als Abstinenzlerlied geschrieben.
Ok, also ich glaube nicht, dass es irgendein Priester hier von der Kanzel geschmettert hat, oder die Orgel das am Sonntag spielte, „Gehe weg von dem Alkohol, er ist Sünde und verdirbt Dich, mein Sohn,“ „Heute Abend bei Larry? Aber sei puenktlich ja?“

Das Lied mag im „The American Songster“ 1845 erschienen sein, aber das Problem beim American Songster ist, dass die Lieder in diesem Buch weit vor der Unabhaengigkeit in die Kolonien kamen und viele Songs, mit neuen Texten, oder einer anderen Melodie, die gesungen, oder gespielt wurden. So auch der „Wild Rover“ dessen Fragmente bis in’s 17 Jhr. zurückreichen. Laut irischen Quellen entstand das Lied um 1730 und wurde von Strassenmusikanten in die Pub’s getragen. Aehnlich wie in England, gab es keinen iTunesstore, oder RTÉ, oder andere Medien.
Die Leute mochten das Lied und pfiffen es vor sich hin und so war es mit dem Rover, er stiefelte durch die Jahrhunderte, vielleicht begleitete er den Easter Rising, möglich dass man ihn auf den Schlachtfeldern in Flandern sang. Niemand weiss es.

So, nun kommt die Frage, worum geht es bei dem Wild Rover, was auch eine Bezeichnung fuer einen Landstreicher hier ist.
Unser Wild Rover hat irgendwie Glueck gehabt, vielleicht die Euro Millions geknackt, dass weiss keiner. Auf jeden Fall hat er Kohle in der Tacshe und erzaehlt halt, wie das vorher ohne Knete war. Moeglicherweise hat er dem leprechaun den Topf mit Gold abgeluchst und ist grad auf dem Heimweg, weil er ist im County Cork und seine Familie im County Antrim. Postkutsche kommt fuer ihn nicht in Frage, typisch, kaum ein paar Guinees in der Tasche, da spart man sich lieber das Geld fuer Bus Éireann und geht zu Fuss.
Dabei erzaehlt man halt was das alles fuer eine Sch… war, als man noch keine Knete hatte und nicht mal die Landlady einem Kredit gewährte. Also holt er diesmal bei der Landlady ein Goldstueck aus der Tasche und die Alte dreht echt ab. Erklaert ihm, er kann alles haben, sie gleich inklusive, was er aber nicht so gern möchte, von wegen Kinder usw. und halt ersta mal schauen, was so geht.
Vor allem moechte er Heim zu Mammie und Papi die halt warten, kennt man ja, beide im Lehnstuhl mit Filzpuschen harren sie dem Filius der sich in der Welt rumtreibt.
Also geht unser Protagonist Heim und bittet die Beiden um Pardon, „war ja alles nicht so gemeint, Entschuldigung, war in der Pubertät, da ist man halt etwas anders….ja auch auch wenn ich als Achtjaehriger abgehauen bin, nun bin ich ja da und Kohle habe ich auch noch, da ist aber mal ganz locker ein Plasma TV drin mit Blue Ray DVD.“

Und dafuer lieben uns die Touristen und jeder irish Pub von Dublin bis Bangalore, fuer unsere Lieder, das Guiness, was hier recht wenig getrunken wird und die Geselligkeit, obwohl kein Ire auf die Idee kommt zu singen, dafuer haben wir unsere Pubs mit Livemusik, wo jeder Tourist hingeht und denkt, wir machen das den ganzen Tag.

Clans

Ich hatte ja schon einmal geschrieben, dass man so den Eindruck hat, dass hier bei uns Jeder Jeden kennt.
Einer meiner Leser meinte in einer Mail an mich, das koenne so nicht sein, also hole ich jetzt mal das irische Geschichtsbuch aus dem Ranzen und waehrend ich das mache, hier ein bisschen Musik von einer Franzoesin ueber unseren Hochkoenig Brian Boru

So, da bin ich wieder. Also, fangen wir mit der irischen Geschichte an und ich hoffe ich langweile Niemanden damit.
Ich denke und das ist klar, dass die Kelten diejenigen waren, die hier auf der Insel Fuss fassten. Eigentlich waere es auch egal, wenn uns die Wikinger beehrt haetten und hier zur Jungsteinzeit aufgeschlagen wären, denn das Clansystem war auch in Norwegen oder bei den Schotten verbreitet, oder Wales. Das heisst, da, wo die Kelten siedelten, hatten sie ihren Häuptling. Das war bei den Germanen, ebenso wie bei den Wikingern nicht anders und erklärt, warum es Caesar gelang, 52 v.Chr. Gallien zu erobern, oder warum er leichtes Spiel hatte in Nordeuropa.
Die konnten sich untereinander nicht leiden und Caesar gelang es genug Auxiliares unter den Germanen zu finden. Ebenso wie er es in Britannia fand, als er, um den keltischen Einfluss zu unterbinden und die Unterstuetzung von den Inseln fuer Gallien zu stoppen, im Sueden der Insel landete. Wobei Caesar wirklich nur einen Puffer errichtete, der vom heutigen Plymouth aus, bis nach Dover reichte. Erst 43 n. Chr. wurde die Insel unter Claudius erobert, da von Britannien aus immer wieder Angriffe gegen roemische Handelsschiffe unternommen wurden.

Zuerueck zu den Clans. In Irland lebten zur Zeit Brians 97 Clans. Jeder dieser Clans hatte ein Oberhaupt, vergleichbar mit Majestix. Jeder tuathahatte seinen Clanchef, oder Koenig, der wiederum war einem Oberbaeren untergeordnet, welcher meist in Wahlen ausgelost wurde, denn hier war es nicht anders als in Magna Germania, Germania inferior, Germania superior, oder Germania Slavica.
Man konnte sich untereinander nicht sonderlich leiden. um also eine gewisse Art von Ruhe zu schaffen, da war es wichtig, dass man sich traf und das uebliche ausdiskutierte. Das ging meist ueber Tage, endete in einer Schlägerei und danach meist im naechsten Pub, weswegen es eine so grosse Anzahl davon gibt.
Da wurde dann meist bei einem Stout, oder Porter nochmal die Frage aufgeworfen, warum denn nun das Schwein, welches den O’Mallys verlustig ging und auf dem Gebiet der O’Flahertys aufschlug, nun zwangsläufig den O’Flahertys gehört. Danach wurde beklagt, dass der Clan der O’Flahertys ja nun die O’Mally’s haette einladen können, zumindest, wenn schon nicht einladen, haette man ja einen Emissaer schicken können.
Dieser haette dann dem Chieftain erklärt, „hör zu, wir haben Eure Sau Hilda geschlachtet, ueber dem Spiess gegrillt und in Minzsauce eingelegt. Die Sau war dermassen zäh, dass unserem Chieftain Finton jetzt noch die Backenzaehne klappern. Das wollten wir Euch nicht antun, sondern haben einen Teil davon den O’Leary’s geschickt, den Hurensoehnen im Norden. Sei froh, dass wir nicht so grausam zu Euch waren.“ Und dann haette man den Emissaer einen Kopf kuerzer gemacht und mit seinem Kopf irish Football gespielt. Den Rest haette man dem anderen Clan zurück geschickt.

Da wir nun schon bei dem „O'“, wird es eh interessant jetzt. „O'“ ist, wie das schottisch gaelische „Mac“ eine Bezeichnung und bedeutet Sohn. Also Sohn des Schlagmichtot. Hier wird es jetzt ein wenig kompliziert, wenn wir uns anschauen, wie gross diese Clans denn nun waren. Brian Boru, wie erwaehnt unser Hochkönig, wurde 940 als Brian Mac Cennétig im County Clare geboren. Da wir nun also wissen, dass Mac, ebenso wie O‘, Sohn heisst, weiss man, dass man den anders benennen musste, denn wenn jeder ein Sohn/Tochter des Cennétig ist, dann wird es ein bisschen unübersichtlich. Von Brian Boru heisst es, dieser haette 100 Kinder gehabt, so dass der haeuftigste Name in in Irland O’Brian ist…..ahnen Sie in etwa worauf ich hinaus will?

Ich habe mich gefragt, war es hier so extrem langweilig und bei RTÉ war nie was interessantes, dass die Chieftains nicht viel Abwechslung hatten, ausser maechtig viele Kinder zu zeugen? Waren die keltischen Frauen besonders fruchtbar und schwupps hatte man ploetzlich 100 Kinder? Waren da die Druiden im Spiel und hatten so einen Kloningtrick. Zack, ploetzlich waren aus einem, vier Seamus.
Ich habe keine Ahnung.
Aber und jetzt kommt’s genetisch betrachtet, ist ein Ire, mit einem Anderen Iren über zigtausend Ecken verwandt.
Das heisst fuer Enda Kenny, es koennte eine alte Frau in’s Parlament kommen, Enda mit einem Regenschirm verpruegeln und sagen, „Ich habe schon Deinen Ur-Grossonkel Miéhall 1916 versorgt. Da hat er noch in die Windeln geschissen und Du und Du Deine Spielkumpels kuerzt einer armen alten Frau wie mir die Rente? Und schaemt Euch nicht mal dafür?“ Und verdammt, sie haette Recht damit, also nicht ihn zu verpruegeln, das macht man nicht vor den Anderen, aber mit der Aussage. Selbst wenn der alte Trunkenbold Kieran O’Flaherty in grauer Vorzeit die Fiona aus dem Nachbardorf geheiratet hat.

Natuerlich sind in den Jahrhunderten zig Voelker hier durchgekommen. Arabische Piraten kamen und haben die Doerfer gepluendert und die Bevoelkerung als Sklaven verkauft, nach Island z.B.
Die Wikinger, die sich im Osten ansiedelten. Dann die Angelsachsen und Normannen, die Schotten, Franzosen, Spanier und Deutsche.
Sie alle travelten durch das Land in mehr, oder minder, hehren Absichten. Meist war das Land Aufmarschplatz fuer englische Interessen. Ist ja auch einfacher was Auswaerts kaputt zu machen, als daheim.

Irland mag heute keine Koenige mehr haben und die Clans, die in ihren Raeumen siedelten haben sich zerstreut, so dass O’Mally, neben O’Flaherty wohnt und darunter O’Leary, „Sag mal, mir faellt grad ein, Ihr wart das doch, die unsere Sau Hilda geschlachtet haben, Richtig?“
Woraufhin O’Leary ganz aufgeregt dazwischen ruft, „Ja Richtig! Die Rest der zaehen Sau habt Ihr dann an uns verschenkt! Das war 640, ich erinnere mich noch sehr gut an die Geschichte, als waere es Gestern gewesen!“ Und spuckt O’Flaherty veraechtlich vor die Füße, waehrend O’Mally bedenklich Nahe kommt.

Da bleibt dann nur die Frage, „Na Ihr Stricher? Lust auf ein Pint? Ich geb auch einen aus.“
Diese Frage kann Konflikte lösen und es haette den kalten Krieg nie gegeben, haette Churchill mal so unschuldig in die Runde geblickt und gefragt, „Na Ihr Scheisser? Ich geb einen aus.“

Ein Hund ist ein Herz auf vier Beinen

Ein altes irisches Sprichwort besagt, „ein Hund ist ein Herz auf vier Beinen.“
Dieses Sprichwort kam mir in der Kopf, als ich letzte Woche Donnerstag meine Krankmeldung abgab und mit dem Bus runterfuhr in die Stadt.

Nahe dem Kreisverkehr, da lag ein kleiner, braun-weiss gefaerbter Terrier tod am Strassenrand. Noch mit Halsband und Hundemarke. Wahrscheinlich hat ihn ein unachtsamer Autofahrer in Knocknahenee überfahren, moeglich mit Absicht, vielleicht auch nicht, ich weiss es nicht, es ist mir auch egal, weil die meisten dort eh fahren, als waere ihr Leben so langweilig, dass sie Strasse mit einem Renn-Circuit vergleichen, denen ist es egal, ob ein Kind ueber die Strasse geht, oder ein kleiner Hund.

Wie alt der Hund war, dass weiss ich nicht, ich habe ihn gesehen und habe weggeschaut, weil mir der kleine Kerl in der Seele weh tat und ich an meinen Hund denken musste, den man mir 2009 vergiftet hat und es, bis das Gift wirkte, 5 Tage gedauert hat bis mein Hund starb und der Tierarzt nichts machen konnte.
Ich fuehlte mich damals hilflos und alleingelassen. Als mein Hund starb, da wollte ich nur weg aus dem Land und weg von den Menschen. Seit ich in Irland bin, war ich nicht mehr in Deutschland und werde auch nie wieder dorthin, lieber gehe ich in’s Meer. Als meine Mutter starb, mein Bruder starb 2006, mein Vater 2007, da war dieser Hund das letzte was ich besass und der groesste Trost den ich hatte. Weg wollte ich schon davor und ich bin froh, nicht mehr da zu sein.

Als ich den kleinen Hund sah, wie er einsam am Strassenrand lag, da ging mir das durch den Kopf, das Sprichwort, meine Vergangenheit und meine Erfahrung, was den Ungang mit Tieren in diesem Land anbelangt.
Wie ich schon mal erwaehnt habe, ich bin aus tiefstem Herzen Atheist, ich glaube nicht an Gott, oder an sonst eine Macht, die eventuell das Schicksal der Welt lenken könnte, ich besinne mich auf mich, auf das was ich bin und auf das was ich kann, auch wenn es nicht viel sein mag, es hat meinen Kopf lange Jahre oben gehalten. Und mir fiel, als Atheisten, Franz von Assisi ein, so ziemlich der einzige den ich sehr hoch einschätze und vor dem ich sehr tiefen Respekt habe. Franz von Assisi hat geschrieben

Gott wünscht, dass wir den Tieren beistehen, wenn die der Hilfe bedürfen. Ein jedes Wesen in Bedrängnis hat gleiches Recht auf Schutz. Alle Geschöpfe der Erde fühlen wie wir, Alle Geschöpfe der Erde lieben, leiden und sterben wie wir, also sind sie uns gleichgestellte Werke des allmächtigen Schöpfers – unserer Brüder.

Irland ist ein durch und durch katholisches Land, wenn der Taxifahrer nicht die Mutter Maria und das Kreuz am Innenspiegel hat und sich vor jeder Kirche bekreuzigt, dann rennt er in die Morgenadacht. Und nicht nur er geht dahin, viele Iren gehen dahin. Ich weiss nicht, ob ein Pfarrer auch ueber Tiere spricht, ich glaube es eher weniger. Ich weiss nicht ob irgendein Ire Assisi kennt, oder ihn eher fuer eine Spirituosenmarke aus Italien hält. Ich denke den meisten ist er egal, weil nicht mal sein Pfarrer was davon gehoert hat und glaubt das koennte der neue Beauftragte vom Vatikan sein, der fuer die Heiligenbildchen in Irland zuständig ist.

Waere ich hier Pfarrer, ich denke ich waere wie Don Camillo und wuerde den Leuten aber ganz gewaltig in den Arsch treten. Ich wuerde die Augiasstaelle hier ausmisten und die Leute Tag und Nacht verpruegeln, die ihre Tiere wie den letzten Dreck behandeln.
Hier machen die Leute morgens die Tuer auf und lassen ihre Hunde auf die Strasse, der Rest interessiert sie nicht und ich denke, die Besitzer von dem kleinen Hund interessiert nicht mal dass er tod und einsam irgendwo am Strassenrand liegt. Wahrscheinlich sagen sie sich, „Der Bastard ist gar nicht heimgekommen, na ja, wahrscheinlich hat er irgendsoeine kleine Hure gefunden und buegelt die grade, soll mir auch Recht sein, sind wir den kleinen Klaeffer endlich los.“
Jeden Tag, wenn ich an dem Gelaende vorbeikomme, wo die Traevellers wohnen, dann hoere ich das Gejaule von Hunden und das ist kein fröhliches Gejaule wie man es kennt, wenn man selber lange Hundebesitzer war.
Es ist ein offenes Geheimnis bei uns, dass die Traveller nicht nur Pferde züchten, die sie auf dem Pferdemarkt in Dublin und woanders verkaufen, sie zuechten auch Hunde fuer Hunderennen und fuer Hundekämpfe. Das bringt hier sehr viel Geld und davon leben sie. Jeder weiss das, man spricht darueber nicht. Pferde wie Hunde werden gequaelt und gedemuedigt. Will man ein Pferd haben, dann sind sie durchaus bereit und verkaufen es Dir fuer 50 quitt, wohl wissend dass aus dem Pferd eh nichts wird. Kein Sieger, kein Olympiateilnehmer, nichts, hoechstens wartet der Schlachthof.
Die Traveller sind eine Minderheit in Irland ausgestattet mit Rechten wie eine aussterbende Rasse. Die Regierung haetschelt und pflegt sie, sehr zum Unmut der meisten Iren, und nicht mal der Mob legt sich mit ihnen an. Man will mit ihnen nichts zu tun haben, also leben sie in ihren Camps, zuechten Pferde und Hunde und lassen sich verwahrlosen, wobei ich gestehen muss, ich hatte noch nie Probleme mit Ihnen, was wohl daran liegt, dass ich a.) die meisten Iren überrage, b.) meinen gelangweilten Blick auflege, c.) trotzdem mit Ihnen rede und d.) anscheinend Interesse wecke, besonders auf Grund meiner Schuppenflechte am Arm die sie meist neugierig begutachten und wissen wollen, was das ist.
Manchmal, wenn ich auf der Strasse eine Zigarette rauche, dann halten sie an und fragen, ob ich eines ihrer Pferde gesehen habe, was ich durch Kopfschuetteln verneine. Das ist nicht mal gelogen, denn bei der Masse an Pferden die sie haben, waere es unmoeglich zu sagen, „Ach ja, den Klepper meint Ihr, klar, den habe ich auf dem Weg zum Lidl gesehen, hatte zwei leere Tueten im Maul und meinte, er muesse fuer Euch noch Schnaps und Bier holen gehen. Hat mich noch um ein paar Quitt angeschnorrt.“
Ich hoffe es bleibt auch so, diese friedlich-unheimliche Koexistenz.

Vor zwei Jahren da sass vor unserem Gebaeude, in dem ich arbeite, eine Hündin ich wuerde sagen ein Border-Collie Mix. Sie war voellig verwahrlost. Getroffen habe ich sie, als ich mir eine Zigarettenpause goennte und auf sie aufmerksam wurde. Vorsichtig ging ich zu ihr hin und in die Knie.
Freundlich kam sie auf mich zu als ich sie ansprach und liess sich von mir anfassen. Sobald ich aufhörte, da nahm sie die Pfote und holte sich meine Hand, oder legte ihren Kopf unter meine Hand und warf die hoch, dann kam sie noch näher, schaute mich mit ihren wunderschoenen Augen an und legte mir ihren Kopf an die Brust.
Leider musste ich wieder rein und wusste nicht was ich machen sollte. Ich konnte sie ja nicht mit in’s Gebaeude nehmen, was haette ich sagen sollen? „Ach die, ja die arbeitet hier als Sicherheitswuff, ja ja, die ist immer vor dem Serverraum. Was heisst Ihr kennt die nicht, seid Ihr bescheuert? Ihr muesst doch den Hund kennen, die heisst doch,…na gleicht faellt’s mir ein…nee Betty war’s nicht…ach kommt schon Leute macht keinen Scheiss, das ist nicht lustig.“
Also hoffte ich, dass sie nach meiner Schicht noch da war. Das war sie natuerlich nicht, also machte ich mich auf den Weg und suchte die Gegend ab.
Als ich ich heimkam musste ich zum ersten Mal seit langem weinen, weil ich diesen Hund verloren hatte.
Die naechsten Tage suchte ich die gesamte Gegend ohne Erfolg ab. Ich weiss nicht was aus diesem Hundemaedchen wurde. Vielleicht wurde sie überfahren, vielleicht ist sie, aus Resignation heraus, zuerueck zu ihren Besitzern. Ich weiss es nicht und wahrscheinlich wuerde mir das Wissen darüber das Herz brechen. Ich hoffe einfach nur, dass sie jemanden gefunden der das Sprichwort kennt und ernst genommen hat.

Ich unterstuetze in Irland ein paar Gesellschaften monatlich. Das ist Concern, das ist Barnados, die Kinderstiftung, Irish Dogs for disabled, daneben unterstuetze ich von Zeit zu Zeit Simon und den Pferdegnadenhof. Und natuerlich habe ich immer ein paar Geldmuenzen bei mir fuer die ganzen Gesellschaften. Ich mag, wie man mir in Deutschland mal vorwarf, ein zynisch-sarkastischer Mistkerl sein, dafuer aber mit einem sozialen Gewissen, der weiss, wenn er nicht hilft, da es keinen Gott gibt, wird es auch sonst niemand tun, wobei ich sagen muss, die Iren sind, was das betrifft anders. Ich denke nur wenige Menschen spenden soviel wie es die Iren tun. Vielleicht weil es der Pfarrer von der Kanzel gerufen hat keine Ahnung.
Ich handele nach dem juedischen Grundsatz

“…whoever saves a life, it is considered as if he saved an entire world.” Maimonides

Es gibt zwei Dinge die ich abgrundtief verachte, das ist, wenn man Kindern oder Tieren Gewalt antut, dann habe ich auch kein Problem damit Gewalt auszuüben und es hat mich mit Genugtuung erfüllt, als ich heute im Radio gehoert habe, dass ein Kinderschaender, der jahrelang im Mantel seines Priesteramtes Maedchen geschaendet hat, unter anderem ist ein 15 Jähriges Maedchen schwanger geworden und ihr Kind wurde direkt nach der Geburt zur Adoption freigegeben, zu 4 Mio. € Schadensersatz und in einem anderen Fall zu 700 Grant Schadensersatz verurteilt wurde. Ich hoffe die Kirche kommt dafuer auf. Geld genug hat sie ja