Dole

Geht es um Irland, dann geht es nicht nur um Touristenidylle, um tanzende Elfen, eifersuechtige Leprechauns und klagende Banshees. Wir sind, wie jedes Land auch, ein Land, das ganz reale Probleme hat.
Eines davon ist das soziale Irland.
Wir haben in Irland, laut Eurostat, eine Arbeitslosenquote von 15,1%, das ist die hoechste Quote seit 18 Jahren bei uns.

Die soziale Absicherung fuer die Arbeitslosen nennt sich bei uns „Jobseeker’s Allowance und Jobseeker’s Benefit,“ oder wie man bei uns sagt, „Dole.“
Dole ist vergleichbar mit Arbeitslosengeld und ALG II, oder wie der Volksmund in Deutschland sagt, Hartz IV. Dabei sind die Unterschiede sehr gross und aergern viele Iren, nicht weil es das gibt, im Gegenteil regt Dole viele dazu an den lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen, während die, die Arbeit in diesem Land haben, fuer die arbeiten, die keine Arbeit haben.
Bei Dole sieht man, wie die Solidaritaet unter den Iren bröckelt, nicht weil man nicht der Meinung ist, man sollte abgesichert sein und Unemployment kann jeden treffen, nein, weil einige, nicht alle, Dole als das sehen, was ihnen ein gewisses Einkommen sichert, ohne dass sie sich uebermaessig anstrengen müssen.
Wir reden nicht ueber viele, denn Arbeitslos sind, auch wenn die Zahl so hoch ist, etwa 490.000, bei einer Population von etwa 5 Mio. schon eine Zahl.

Die Zahlung betraegt 188€ die Woche, Miete betraegt meist 20 quitt, oder man wohnt in einem Haus vom City Council umsonst und hat im Monat rund 752€ Brutto fuer Netto. Dafuer kuemmert sich das City Council, so man in einem Haus wohnt, um alles, von der verlorenen Schraube, bis zum fehlenden Prgramm von RTÉ. Anruf genügt. Und das geht vielen Iren furchtbar auf die Nerven.
Viele Iren arbeiten bei uns zum Mindestlohn und die Workers Union, die eigentlich fuer die Arbeiter da sein sollten, wuerden gerne mit der Regierung die Vereinbarung treffen, dass man den Mindestlohn noch ein bisschen senken kann, was fuer diese Leute bedeuten würde, unter der Armutsgrenze zu arbeiten.

Was mich bei diesem ganzen Dole wundert, es gibt einen Massnahmenkatalog, der von hochtnotpeinlicher Befragung bis oeffentlicher Auspeitschung alles betrifft, wenn man sich den Massnahmen verweigert Arbeit zu bekommen, allerdings werden diese Massnahmen nicht durchgeführt, da die irische Regierung, sowie die Councils die arbeitslose Bevoelkerung nicht verunsichern wollen. Zaghaft versucht man diesen Leuten zu erklaeren, dass, wenn sie nicht mal Laub im Park zusammen kehren, man gezwungen sei, Sanktionen zu ergreifen. Was diese Leute zu einem herzlichen „FUCK OFF YOU BASTARD!!!!“ verleitet und bei dem Mitarbeiter nur den Entschluss zulässt keine Sanktionen einzuleiten.
Geht man durch Knocknahenee, dann erinnern manche Einwohner an die Sozialsatire aus den Niederlanden. Wer erinnert sich nicht an die Flodders, wobei die noch sympathisch waren.

Ein Grossteil der Empfaenger von Dole, grade in Städten, sind einfach nur unterste Schublade und so ueberfleussig wie Gulasch am Aermel und das ist nicht mal meine Meinung. Es ist nervig wenn man nach einer Zigarette angeschnorrt wird und schaut sich den Bittsteller an. Der ist nicht gkleidet wie in Deutschland, Frankreich, Italien, der tschechischen Republik oder Rumänien, wo Zigaretten einen Bruchteil von denen in Irland kosten und man bereitwillig zwei gibt und auf das angebotene Geld verzichtet, wie es mir in Brno passierte und ich mich so dermassen dafuer geschaemt habe, dass man mir 72 Czk geben wollte, was dem Wert einer Schachtel entspricht und umgerechnet 2.80€ sind. Ich schäme mich eher selten, aber in diesem Moment haette ich ihm auch die komplette Schachtel gegeben und auf das Geld verzichtet, da ich weiss, wie es dort ist als Arbeitsloser. So habe ich ihm gesagt, er soll sein Geld einstecken und ihm zwei Zigaretten gegeben, worauf er sich ueberschwenglich bedankt hat. Hier wuerde man Dir vor die Fuesse spucken.
Ausserdem hatte er einen Hund und da geniesst man bei mir einen Sonderstatus.

Hier ist es so, dass man aggressiv getacklet wird, man sich die Leute anschaut und feststellt, sie haben einen Hoodie von Nike, Le Coque Sportif, Adidas usw. Dazu halt noch die Runners und man weiss, dass man jeden Morgen zur Arbeit geht, egal ob als Ausländer, oder als Ire und diesen Leuten ihr Einkommen finanziert. Dabei weiss man, wenn man nicht zwei Jahre in Irland gearbeitet hat bekommt man gar nichts, nur Iren bekommen Geld, oder die Benefits. Und das nervt Iren und das nervt auch mich, die permanent angesprochen werden, „Do you have a Fag?“ und dabei ihr Billigbier trinken und einen Hoodie von ADIDAS tragen. Und vor allem stolz auf ihr Schicksal sind.
Es gibt wirklich kein Land, nicht das Land in dem ich gelebt habe und nicht die Länder, wo ich gelebt habe, die so waren wie hier und wie das Irland Lexikon schreibt, „Dabei ist die Schwelle zur Gewaltbereitschaft erstaunlich niedrig, so dass man passiv bleiben sollte.“, die ist zwar in der Tat sehr niedrig, aber bei meiner Größe ist mir noch nie was passiert, vor allem habe ich festgestellt, dass wenn ich auf Deutsch fluche, diese Leute den Schwanz einkneifen, ganz einfach weil sie nicht wissen, ob man freundlich ist, oder ihnen das Genick bricht.

Auf jeden Fall wird Dole weiter Gespraechsthema bleiben.

2 Kommentare zu „Dole

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  1. Als ich den Titel las, dachte ich zuerst an Ananas-Dosen und Bananen 🙂 Aber das konntest Du nicht ernsthaft als Inhalt beschreiben….und ich hatte recht 🙂

    Das Problem ist, dass es egal ob Aufschwung oder nicht, es nicht genügend ordentlich bezahlte Arbeit für alle geben wird. Die einfachen Tätigkeiten werden meistens nach Asien oder neuerdings Nordafrika ausgelagert. Die hochqualifizierten haben Ihre Jobs, nur die Mittelschicht wird immer weniger und rutscht ab in Hartz4 oder DOLE.
    Da ist eine Lösung gefragt. In Deutschland ab es ja schon mal die Diskussion um ein bedingungsloses Grundeinkommen. Das ist aber wieder eingeschlafen. Wäre aber die richtige Richtung meiner Meinung nach. Das damit aber auch eine moralische Diskussion notwendig ist, ist klar. Aber das scheut unsere Politik, wie der Teufel das Weihwasser! Sind ja erstmal wieder Wahlen in 2013….und das Merkelchen will ja nochmal 4 Jahre 😦

    1. Hallo Uwe,

      ich weiss, nur hier ist es etwas anders. Natuerlich gibt es nicht genuegend Arbeit fuer alle und viele gut ausgebildete Iren verlassen die Insel, weil sie hier keine Arbeit finden.
      Eins der Probleme liegt aber darin, weil, egal ob Iren, Engländer, oder Amerikaner, der Meinung sind, die ganze Welt spricht englisch.
      Irland hat sich seine Probleme selbst gescahffen. Statt nachhaltig zu wirtschaften, als „Celtic Tiger,“ hat man die Kohle mit vollen Händen zum Fenster rausgeworfen. Infrastruktur, wie sie in anderen Laendern geschaffen wurde, hat es hier nicht gegeben. Man hat sich als Wirtschaftsnation gefeiert, „das irische Wirtschaftswunder,“ was im wesentlichen darin bestand, Gelder der EU zu nehmen, Anreize fuer Investoren zu schaffen und sich ansonsten auf Hausbau und Landwirtschaft zu konzentrieren.
      Die Investoren, wie Apple, Pfizer, Amazon, Ebay, Google, Blizzard und wie sie alle heissen kamen auf die Insel. Die dachten aber keineswegs daran, „irish Jobs for irish People zu schaffen,“ sondern von Irland aus den europaeischen Markt zu bedienen und das klappt nun mal nicht mit Iren, die ausser englisch vielleicht noch gaelisch sprechen.
      Das andere „Problem“ war, dass viele Osteuropaer nach Irland kamen, weil es zuviel Jobs und zuwenig Iren gab, bzw. das Phaenomen herrschte, man ist sich zu gut bei Burger King hinter dem Tresen zu stehen.
      Die Osteuropaer sind fleissig wie die Bienchen, unglaublich nett und freundlich. Im CUH habe ich nur zwei irische Krankenschwestern getroffen, von denen ich das sagen keonnte, obwohl ich denke, dass die irischen Krankenschwestern auch sehr nett sind.

      Was nun Dole betrifft und warum viele Iren sauer sind, das ist wie gesagt nicht dass es das gibt, keine Frage, was viele Iren stoert ist, dass es keine Sanktionen gibt, dass die Councils wahre „Dole-Ghettos“ aus dem Boden gestampft haben, in die kein klar denkender Ire nach Einbruch der Dunkelheit geht, nicht mal die Garda geht da rein, sondern schickt die Armed Support Unit.
      Und selbst Einwohner aus Knocknahenee fuehlen sich unwohl in ihrem Stadtteil. Mir sagte der Verkaeufer aus dem Off Licence, der dort geboren und aufgewachsen ist, es waere der schoenste Stadtteil von ganz Vor, aber die 10% Idioten die dort leben, haben alles kaputt gemacht. Und es ist egal ob Du nach Moyross, Ballyfermont, Knocknahenee, oder den Patrick’s Hill raufkraxelst.
      Wuerde und Anstand bei Arbeitslosen findest Du hier nur bei wenigen. Die meisten haben sich in ihrem Leben eingerichtet weil es schön, warm und bequem ist. Der irische Staat zahlt ja dafür. Sie lallen Dich auf der Strasse wegen Zigaretten, oder Geld an und sind nicht gerade sehr freundlich und fuehlen sich beleidigt, wenn Du es verneinst. Dann beschimpfen sie Dich und lallen Dich zu, dass Du sie nicht respektieren würdest. Mein Onkel sagte, in Bezug auf die NS-Zeit, „Dummheit und Stolz, wachsen aus einem Holz,“ das trifft auf die Mehrzahl dieser Leute zu. Sie sind respektlos, hoch aggressiv und fuehlen sich noch im Recht. Als hier in Cork ein spanischer Tourist getoetet wurde, da meinten die Taeter noch zynisch, sie fuehlten sich von seinem Akzent provoziert. Natuerlich gibt es das woanders auch und natuerlich sind rassistisch motivierte Straftaten in anderen Laendern keine Seltenheit, wir sind aber sehr klein. Wenn bei uns ein Lehrer in Limerick am hellichten Tag mitten auf der Hauptverkehrsstrasse niedergestochen wird, dann berichtet RTÉ am Abend. Und wenn die Taeter gefasst werden, dann bereuen sie ihre Tat nicht einmal.
      Aeltere Iren erinnern sich noch mit Wehmut an die Zeit in den 60er Jahren, als man die Haustuer auflassen konnte und das Auto nicht abschloss. Diese Zeiten sind vorbei und die Regierung, statt die Leute zu schuetzen, kapituliert, oder investiert Geld in Landwirtschaftsschulen und feiert das als Innovation. Ich frage mich was die Fiánna sich da hat einfallen lassen? Sollten wir alle irischen Farmer enteignen und LPG’s aufmachen? Glaubte Fiánna, dass der Rest von Europa keine Landwirtschaft hat? Keinen Kaese, kein Yoghurt, kein Fleisch, kein Gemuese produziert? Manchmal macht mich das unglaublich wütend, weil ich mag das Land und die Leute, ich bin gern hier und ich werde auch nicht gehen, aber ich frage mich was wird. Selbst wenn das Times Magazin unseren Taoiseach auf dem Titelbild hat und schreibt, „Der Celtic Tiger erwacht wieder.“
      Der war immer da, nur die Probleme der hohen Arbeitslosigkeit begannen vor ein paar Jahren, schon 2002 gab es Anzeichen, und die Kriminalitaet ist schon in den 90er Jahren sprunghaft angestiegen. Das haette mal zu denken geben sollen.
      Das sind so einige Probleme mit denen wir zu tun haben und ganz ehrlich, bedingungsloses Grundeinkommen hier in Irland? Da wearen in den Problembezirken aber die Alkohollaeden jeden Abend leer.

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