Baukunst

Iren sind stolz auf ihre Tradition in der Baukunst und viele Iren ruehmen sich Constructor zu sein, was sich am besten mit der Kathedrale von Chartres erklaeren lässt, die ja Heute noch steht.
Wahrscheinlich waren Iren damit beschaeftigt die Steine zu polieren, oder haben anderweitige Aufgaben wahrgenommen, also keinen Stein gesetzt, und alles andere den Franzosen überlassen.

Schaut man sich die „Baukunst“ der Iren auf ihrer Insel an, dann kann man nur die Haare raufen und als Deutscher ist man geneigt zu der Aussage, „wuerde die Bauaufsicht vorbeikommen, die wuerden gleich die Abrissbirne mitbringen.“
In Irland gilt der Spruch „Was nicht passt, wird passend gemacht,“ voellig zu Recht.
Mein Haus, in dem ich wohne, ist, wie schon erwähnt, von 1895. Ich weiss nicht wer das Haus gebaut hat, vielleicht waren es Iren, vielleicht aber auch Wanderarbeiter aus Liverpool, so genau weiss man das nicht, was ich aber weiss ist, dass, um eine gewisse Form der Isolierung zu bekommen, man irgendwann hingegangen ist und von innen Pressspan angebracht hat. Es hat immer einen lustigen Hall, wenn ich an die Wand klopfe und das Gefuehl habe, ich koennte ein Loch in die Wand hauen.
Hier baut man nach dem Prinzip, „pi mal Daumen.“

Selbst wenn man die modernen Haeuser betrachtet, da findet man eine Tuer und glaubt, dahinter ist ein Abstellraum, aber weit gefehlt, entweder befindet sich dort ein ueberdimensionierter Wasserboiler, der aussieht wie „Little Boy,“, ein Gastank, oder eine Kombination aus Beiden.
Kommen wir zurueck zu meinem Haus und der Versuch einer Gasversorgung. In der Kueche hängt ein abenteuerliches Gebilde an der Wand, was nicht nur fuer Warmwasser, sondern auch fuer unseren Herd sorgt. Irgendwie war man der Meinung, es waere vielleicht nicht schlecht, wenn man darauf verzichtet die Bewohner im Schlaf zu töten, sondern das Gas nach aussen zu bringen, also hat man kurzerhand eine Leitung nach aussen gelegt. In regelmaessigen Abstaenden zischt diese Leitung wie ein islaendischer Geysir.
Seit ueber zwei Jahren wundere ich mich darüber, dass das Haus noch nicht in die Luft geflogen ist. Aber irgendwie scheint’s zu funktionieren.

Vor ein paar Jahren beschloss unsere Regierung, nachdem irische Wissenschaftler herausgefunden hatten, dass unser Oekobau, nicht mal den Blechhuetten im Amazonasdjungel gleicht, dass man Bauwilligen und stolzen Eigenheimbesitzern ein Bonmot bietet, damit diese ihre Haeuser nach EU Standard nachrüsten -Irland ist, was Oekologie betrifft, 15 Jahre hinter Griechenland zurück-
Das Ergebnis war, die Regierung blieb auf der Kohle sitzen und nur wenige haben ihre Haeuser isoliert, oder sonstwie modernisiert.
Hier heizt man dafuer, dass es auf der Strasse flauschig warm ist und man drinnen sich in den Pullover von Aran kuschelt, oder gleich mit den Haustieren in’s Bett geht, damit man nicht friert.

Was das andere betrifft, es ist absolut ein Wunder, wenn man einen englischen Boiler, mit englischen Zoll, in ein System integriert, dass auf dem kontinentaleuropaeischen System beruht. Da wird dann hier ein Flansch gesetzt, dort eine Muffe integriert und unten kommt die Loetlampe zum Einsatz. Und wenn der Boiler streikt, och na ja, dann hat man halt mal zwei Wochen kein warmes Wasser. Ruft man voellig entnervt den Landlord an, dann hoert man foermlich das Schulterzucken, denn der Bastard sitzt grad in Spanien und verprasst Deine Miete, wobei er unter einer tadellos funktionierenden Dusche steht und Dir sagt, „uups, das tut mir leid, ich besorg Dir umgehend einen Klempner, oder noch besser, kennst Du Seaun? Ach nicht, seine Schwester ist solo, die kannst Du ja mal in’s Kino einladen, dann kommt er schneller.“

Es wird hier noch lange dauern bis man den Baustandard senegalesischer Lehmhuetten erreicht, das Ziel hatte sich die Regierung gesetzt. Allein sowas simples wie eine „Einhandmischbatterie“ stellt ein unloesbares Problem dar. Entweder man hat einen Regler, um sich die Finger zu verbrennen, oder das System ist so unzuverlässig, dass man nach dem pinkeln auf’s Haendewaschen verzichtet.
Von daher ueberlegt man zweimal, ob man jemandem die Hand gibt, oder nicht.
Man findet, ich wuerde sagen 99%, in den Haushalten zwei Hähne, einen fuer Heisswasser, wo man sich nach zwei Sekunden die Haende verbrüht und einen fuer Kaltwasser.
Keine Ahnung warum das so ist, hier ist es normal.

Manche Tueren sind so schief eingebaut, dass man sie nur mit einem beherzten Fusstritt schliessen kann. Beschwert man sich, dann kommt die typische Antwort, „Gott, ich weiss gar nicht warum Du Dich so aufregst, sie schliesst doch, oder nicht? Und passen tut sie auch.“
Selbst ein Thermofenster wird als Errungenschaft moderner europaeischer Baukunst deklariert, wenn der Regen einem nicht gleich in den Mund läuft, sondern die Wand runter, weil das Fenster nicht richtig schliesst.
Aergerlich ist es deswegen, weil die Mieten sehr hoch sind und man dann doch einen gewissen Standard erwartet, ansonsten koennte man auch in einem Zelt wohnen, was wahrscheinlich besser ist, denn nicht nur habe ich die lustigen Wasserlinien an der Decke, sondern von Zeit zu Zeit auch Schimmel an der Wand. Derry ist da pragmatisch, der streicht alles mit Innenfarbe, selbst das Haus, weil’s billiger ist.
Das Oberlicht habe ich seit Wochen nicht mehr benutzt, ich mag nicht mit dem Haus in die Luft fliegen und glaube, die braune Farbe im Lampenschirm koennte Wasser sein. Und aus dem Physikunterricht weiss ich, Wasser in Verbindung mit Strom ist keine so gute Kombination.

Vielleicht lernen die Iren von den polnischen Handwerkern die man hier reingeholt hat, damit die, statt die Hände ueber dem Kopf zusammenschlagen, den Iren vielleicht mal erklären, warum sie ueberall in Europa unterwegs sind und die Altstadt von Honfleur sanieren. Die St. Adalbert Kirche in Krakau, erbaut im 10. Ihr. steht immer noch wie eine Eins.

Danke an Anika Mantey fuer den Hattip ueber die Baukunst.

Ein Kommentar zu „Baukunst

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