Religion

Es ist nicht lange her, da verweigerten irische Aerzte einer schwangeren Frau, die unter offensichtlichen Komplikationen ber der Schwangerschaft litt, die Abtreibung mit den Worten, „wie stellen Sie sich das vor? Das koennen wir nicht, wir sind ein katholisches Land.“
Savita Halappanavar musste 31jaehrig sterben, weil die behandelnden Aerzte die Religion hoeher werteten, als das Leben dieser jungen Frau, die, haette man den Foetus entfernt, haette gerettet werden können.

Der Fall der jungen Frau zeigt, in welchem Dilemma wir in diesem Land leben. Am 10 November stimmte Irland in einem Referendum ueber eine Verfassungsaenderung ab. Darüber, dass man Kindern mehr Rechte einraeumen sollte und dem Staat erlauben, staerker in die Familien zu intervenieren, falls die Kinder dort kein, ihren Beduerfnissen entsprechendes, Aufwachsen haben.
Es ist nicht das Referendum an sich, nein, es ging auch um Adoption, was die katholische Kirche dazu veranlasste bestimmen zu wollen, dass Adoption nicht mit der Bibel vereinbar ist. Und gegen den Willen Gottes wäre, wie ich einer Broschuere entnahm die man bei uns durch den Briefkasten warf.
Da keine Internetadresse, oder sonstiges zu finden war weiss ich nicht, wer der ominoese Verfasser ist, aber ich kenne mittlerweile die Kirche in diesem Land und die Meinung zu einigen Themen.

Die katholische Kirche in diesem Land masst sich an bestimmen zu wollen, was mit der Bibel vereinbar ist und was nicht und irische Aerzte fuegen sich lieber dem Bischof von Dublin, als einer Frau das Leben zu retten.
Und das ist ein Problem hier. Irische Zeitungen greifen den Islamismus an und was falsch daran ist, haben aber Angst davor sich die Finger bei der Kirche zu verbrennen, auch wenn sie mutiger werden, oder die Regierung eine Kommission einsetzt um die Verfehlungen irischer Priester zu untersuchen, die sich mit Hilfe des Vatikans nach Rom absetzen und dort Heiligenfiguren abstauben und damit der irischen Justiz entzogen werden.

Marx schrieb, „Religion ist Opium fuer das Volk,“ viele Iren haben einen Dauerrausch vom Weihrauch. Wobei mir Lenins Satz in „Sozialismus und Religion“ besser gefallen hat,

„Wer sein Leben lang schafft und darbt, den lehrt die Religion Demut und Geduld im irdischen Leben und vertröstet ihn auf den himmlischen Lohn. Wer aber von fremder Hände Arbeit lebt, den lehrt die Religion Wohltätigkeit hienieden; sie bietet ihm eine wohlfeile Rechtfertigung für sein Ausbeuterdasein und verkauft zu billigen Preisen Eintrittskarten zur himmlischen Seligkeit. Die Religion ist das Opium für das Volk. Die Religion ist eine Art geistigen Fusels, in dem die Sklaven des Kapitals ihr Menschenantlitz, ihren Anspruch auf ein auch nur halbwegs menschenwürdiges Dasein ersäufen.“

Die Leute rennen hier der Kirche foermlich die Tueren ein und ich bin jedesmal erstaunt, wieviel junge Leute dorthin gehen. Was hat der Pfarrer ihnen zu sagen? Sowas wie waehrend der Kartoffelpest im 19. Jhr. dass die Leute ja selbst an ihrem Schicksal Schuld sind und Gott ein grosses Strafgericht vorbereitet? Falls es sowas wie einen Gott gibt, dann hat der ganz andere Sorgen als hier den Stoepsel zu ziehen.
Ich denke mal die irischen Sorgen sind weniger dramatisch als eine Flut in Haiti, darueber sollten die Leute mal nachdenken und sie sollten, vor allem die Regierung, mal darueber nachdenken. Und die Aerzte sollten am Besten den Beruf an den Nagel haengen, wenn sie die Kirche hoeher bewerten, als Aeskulap, dem sich jeder Mediziner auf der Welt verpflichtet fühlt. Dieser haette die Aerzte mit dem Stab aus dem Krankenhaus rausgepruegelt.

Zum Glueck gibt es noch vernuenftige Menschen in diesem Land, die sich aufbäumen und ich hoffe dass die Regierung das Gleiche macht und die Aerzte vor Gericht kommen, wo man sie nach irdischem Recht bestraft und nicht, weil die Kirche dass so wünscht, freispricht.

Danke an Florian Hannemann fuer den Hattip

Pirates of the Caribbean irish

Nachdem ich gestern kurz Eddy und Annie vorgestellt habe, wende ich mich mal Walter Kennedy zu.
Walter Kennedy:
Von Walter ist nur bekannt, dass er in Irland geboren wurde, aber nicht wo. Walter, ein Tausendsassa vor dem Herrn, trat in die Royal Navy ein, als England mal wieder einen Streit mit Spanien hatte und die Spanier mal wieder Richtung England segelten, um es den Briten mal so richtig zu zeigen.
Was genau er an Bord gemacht hat ist unbekannt, vielleicht hat er die Planken geschrubbt, oder dem Kapitaen den Ruecken, so genau weiss man das nicht. Irgendwann aber ist er halt mit anderen Dingen in Beruehrung genommen, naemlich Geschichten und Alkohol. Ob das an Bord war, oder in einer ordinaeren englischen Hafenkneipe in Plymouth ist nicht bekannt.
Auf jeden Fall soll er auf „Richard ohne Zähne“ getroffen sein. Ein Aufschneider und Geschichtenerzähler wie er im Buche steht. Richard, der gerne behauptete, er habe die Zaehne verloren, als er eine Kugel, abgefeuert von Henry Morgan, mit den Zaehnen aufgefangen haben will, gab gerne gegen ein Pint Ale, oder Rum, seine Geschichten zum Besten, wie er mit Morgan und Every gezecht haben will und Geld verprasst und wieviel Frauen er gehabt hat als Pirat, in jedem Hafen mindestens zwei. Und abgehauen sei er ja nur, weil eine Eifersüchtig wurde. Deswegen sei er jetzt da und naja, ein bisschen knapp bei Kasse.
Natürlich war Walter Feuer und Flamme, besonders als der Alte ihm eine Karte gab, mit einem angeblichen Schatz, den er ihm für ein paar Guinees überlassen würde. Sofort willigte unser Held in den Deal ein, während der Alte schon die nächste Schatzkarte aus seiner abgewetzten Jacke holte und zum naechsten Tisch wankte. „Hast Du grad mal eine Minute, ich will Dir da was erzählen, selbst erlebt. Die Zähne, ja pass acht.“
Dabei hatte Richard die Zähne bei einer ganz ordinaeren Wirtshausschlaegerei im Seven Stars in Plymouth verloren. Die weiteste Reise war nach Plympton, zu seinem Onkel Ebeneezer und die Geschichten kannte er nur vom Hoersensagen, aber zeichnen konnte er gut.

Walter heuerte nun auf einem Schiff an, was ihm seinem Ziel, der Karibik, naeher brachte. Exotische Frauen, exotischer Schnaps, noch exotischere Abenteuer, ab 1830 ging man zur Fremdenlegion, ueber 100 Jahre vorher segelte man um den halben Globus um zu erkennen, dass die Frauen auch ueberall gleich sind und das Ale auch nicht anders schmeckt, als im Pub um die Ecke. Das allerdings wusste Walter ja noch nicht als er sich aufmachte.
Der Kapitaen, in Ermangelung eines guten Navigators, kam die abstruse und wahnwitzige Idee, Walter zum Chefnavigator zu befördern, der im Brustton der Ueberzeugung meinte, ohne ihn haette die britische Admiralitaet nicht mal den Hafenausgang vom Kriegshafen in Plymouth gefunden und waere wahrscheinlich in der Ostsee gelandet, wenn er, Walter, nicht die Sache an sich genommen hätte.
Natuerlich stimmte das nicht. Ich will ihm nicht Unrecht tun, aber Walter war Navigationstechnisch ein Stümper, der nicht mal den Polarstern vom Mond unterscheiden konnte. O-Ton Walter, „Ich wusste jetzt aber mal gar nicht, dass der Mond ploetzlich so klein geworden ist, bei uns daheim war der viel Größer.“
Mit viel Glueck und Zwischenstationen in New York, Montreal, Rio de Janeiro, Buenos Aires und Madison in Wisconsin, gelang es ihm 1718 endlich und nach wiederholten Anlauf Jamaica zu erreichen, wobei er den Hafen ganz knapp verfehlte und auf dem Hope Mountain -der seither diesen Namen hat- das Schiff auf Grund setzte.
Uebergluecklich ueber diesen Umstand verliess die Mannschaft fluchtartig das Schiff und auch der Kapitaen suchte das Weite, so dass Walter zu seinem eigenen Schiff kam.
Walter, davon überzeugt, dass das Glück mit dem Tuechtigen ist, machte sich gleich auf die Suche nach seinen Helden.
Die allerdings weilten schon im Piratenhimmel, oder der Piratenhölle, wo immer das Schicksal sie hingefuehrt haben mag und Walter sass einsam und allein in einer Kneipe und leerte einen Becher nach dem Anderen. Dabei, wie das bei Iren halt so ist, erwachsen Trotz und Heimweh. Trotz, jetzt erst Recht nicht aufzugeben, Heimweh nach den gruenen Huegeln Irlands.
Also suchte er, obwohl stolzer Jachtbesitzer, nach einer neuen Bleibe und wurde bei Woode Rogers fündig -ja ja, ich weiss was regelmaessige Leser jetzt unken werden, ich kann auch nix dafür, dass das alles zu der Zeit passierte-, auf jeden Fall war er erst auf der Buck und dann auf die Royal Rover.
Bevor er auf die Royal Rover wechselte fiel er auf der Buck schon unangenehm auf und meuchelte, mit anderen, den Kapitän. Angeblich war man nicht mit den Sanitaeren Bedingungen einverstanden und der Kapitaen war auch nicht so verhandlungsgeschickt, dass er seiner Mannschaft, ausgestattet mit Schlagkraeftigen Argumenten in Form von Hieb- und Stichwaffen , etwas haette entgegen setzen koennen und sich seinem Schicksal, von einem Degen erdolcht zu werden, still fügte.

Natuerlich erregte das den Unmut Rogers, der eh von seinen Schweinekumpels die Nase voll hatte, vor allem hatten die ihn damals ausgelacht und schwor Rache an Walter und den Anderen. Walter wiederum hatte die Nase voll und wollte heim. Er hatte genug vom Pirat spielen, Klo teilen mit 40 anderen, kotzen ueber die Reeling usw.
Also bastelte er sich flugs eine eigene lustige Fahne und beschloss, mit der Royal Rover heimzusegeln. Den Kapitaen ueberzeugte er damit dass er diesem erklärte…, aber das wissen wir schon.
Statt also in Antrim zu landen, landete er Nahe Edinburgh.

Walter, euphorisch seiner vermeintlich Kenntnisse sprang von Bord und trat dem naechstbesten Cottage die Tuer ein, woraufhin der Besitzer fuerchterlich erschrak und mit Schaukelstuhl umfiel, waehrend Walter ihm, trunken von Glück, um den Hals fiel und schrie, „Alter ich bin wieder da!!!! Endlich in Irland.“
Der Hausbewohner liess ihn bei sich uebernachten und brachte ihn am naechsten Morgen zur oertlichen Polizeistation mit dem Hinweis, dass der nicht ganz Dicht sei und meinte beim Hinausgehen, „Ach ja, draussen an der Kueste liegt ein Schiff mit lauter Verrückten.“

Haette Walter mal nicht geschwaenzt und ordentlicher beim Navigationsunterricht aufgepasst, dann wäre ihm das nicht passiert. Logischerweise kamen er und seine Mitreisenden nach London. Man warf ihnen illegale Einwanderung vor, Schmuggel usw. usw.
Haette alles glimpflich ausgehen können, wenn nicht ein Zellenkumpel ihn im Zwielicht wiedererkannt und unbedingt verpetzen musste, als Mitverschwoerer auf der Buck.
Manchmal ist das Leben schon grausam und es kam, wie es kommen musste. Walter wurde nicht wegen illegaler Einwanderung angeklagt, sondern ploetzlich wegen Piraterie und Mitmeuchelei. Damals war man in England, was das betraf, nicht so zimperlich und verurteilte den armen Walter zum Tode, der am 21 Juli 1721 auf den Execution Docks gehaengt wurde.

Und so kann’s gehen, haette Walter nicht auf den alten Saufkopf in Plymouth gehört, in Navigation besser aufgepasst und sich nicht mitreissen lassen, dann waere er zufrieden in Irland gestorben. Aber nein, man muss ja immer ein Querkopf sein.

Ps.: Nachdem ich die Geschichte von Walter Kennedy gelesen habe, fand ich ihn eigentlich ganz sympathisch und finde es schade wie er geendet ist, da er allem widerspricht, was man von den Piraten gelesen und gehoert hat. Walter Kennedy war ein gaenzlich untypischer Pirat. Vor allem war er nicht mal sonderlich erfolgreich in seinem Tun und schaut man sich sein Alter an, als er starb, wuerde ich sagen, dass er mit 26 Jahren voellig unreif war und wahrscheinlich gar nicht abschaetzen konnte, was fuer Folgen sein Tun und Handeln hatten.
Rueckblickend wuerde ich sagen, dass Walter ein Kind seiner Zeit war und wahrscheinlich, dass laesst sich nicht beurteilen, leicht beeinflussbar. Haette er wenigstens viele Schiffe gekapert, oder waere er gaenzlich skrupellos gewesen, mein Mitleid hielte sich in Grenzen, aber das war er nicht. Es ist nicht mal gesichert, ob und wie weit er an der Ermordung des Kapitaens der Buck beteiligt war. Es ist nicht mal sicher ob er als Kapitaen, oder als Navigator die Royal Rover nach England brachte, nicht mal ist sicher und wenn man die Zeit kennt, ob sein Mitgefangener sich nicht einfach einen Vorteil davon versprach Walter als einen der Taeter zu beschuldigen. Damals war es nicht üblich, besonders bei Piraterie, die Fakten zu studieren, es ging nur darum Piraten, oder vermeintliche Piraten zu bestrafen und Walter Kennedy ist ein typisches Beispiel.