Pirates of the Caribbean irish

Nachdem ich gestern kurz Eddy und Annie vorgestellt habe, wende ich mich mal Walter Kennedy zu.
Walter Kennedy:
Von Walter ist nur bekannt, dass er in Irland geboren wurde, aber nicht wo. Walter, ein Tausendsassa vor dem Herrn, trat in die Royal Navy ein, als England mal wieder einen Streit mit Spanien hatte und die Spanier mal wieder Richtung England segelten, um es den Briten mal so richtig zu zeigen.
Was genau er an Bord gemacht hat ist unbekannt, vielleicht hat er die Planken geschrubbt, oder dem Kapitaen den Ruecken, so genau weiss man das nicht. Irgendwann aber ist er halt mit anderen Dingen in Beruehrung genommen, naemlich Geschichten und Alkohol. Ob das an Bord war, oder in einer ordinaeren englischen Hafenkneipe in Plymouth ist nicht bekannt.
Auf jeden Fall soll er auf „Richard ohne Zähne“ getroffen sein. Ein Aufschneider und Geschichtenerzähler wie er im Buche steht. Richard, der gerne behauptete, er habe die Zaehne verloren, als er eine Kugel, abgefeuert von Henry Morgan, mit den Zaehnen aufgefangen haben will, gab gerne gegen ein Pint Ale, oder Rum, seine Geschichten zum Besten, wie er mit Morgan und Every gezecht haben will und Geld verprasst und wieviel Frauen er gehabt hat als Pirat, in jedem Hafen mindestens zwei. Und abgehauen sei er ja nur, weil eine Eifersüchtig wurde. Deswegen sei er jetzt da und naja, ein bisschen knapp bei Kasse.
Natürlich war Walter Feuer und Flamme, besonders als der Alte ihm eine Karte gab, mit einem angeblichen Schatz, den er ihm für ein paar Guinees überlassen würde. Sofort willigte unser Held in den Deal ein, während der Alte schon die nächste Schatzkarte aus seiner abgewetzten Jacke holte und zum naechsten Tisch wankte. „Hast Du grad mal eine Minute, ich will Dir da was erzählen, selbst erlebt. Die Zähne, ja pass acht.“
Dabei hatte Richard die Zähne bei einer ganz ordinaeren Wirtshausschlaegerei im Seven Stars in Plymouth verloren. Die weiteste Reise war nach Plympton, zu seinem Onkel Ebeneezer und die Geschichten kannte er nur vom Hoersensagen, aber zeichnen konnte er gut.

Walter heuerte nun auf einem Schiff an, was ihm seinem Ziel, der Karibik, naeher brachte. Exotische Frauen, exotischer Schnaps, noch exotischere Abenteuer, ab 1830 ging man zur Fremdenlegion, ueber 100 Jahre vorher segelte man um den halben Globus um zu erkennen, dass die Frauen auch ueberall gleich sind und das Ale auch nicht anders schmeckt, als im Pub um die Ecke. Das allerdings wusste Walter ja noch nicht als er sich aufmachte.
Der Kapitaen, in Ermangelung eines guten Navigators, kam die abstruse und wahnwitzige Idee, Walter zum Chefnavigator zu befördern, der im Brustton der Ueberzeugung meinte, ohne ihn haette die britische Admiralitaet nicht mal den Hafenausgang vom Kriegshafen in Plymouth gefunden und waere wahrscheinlich in der Ostsee gelandet, wenn er, Walter, nicht die Sache an sich genommen hätte.
Natuerlich stimmte das nicht. Ich will ihm nicht Unrecht tun, aber Walter war Navigationstechnisch ein Stümper, der nicht mal den Polarstern vom Mond unterscheiden konnte. O-Ton Walter, „Ich wusste jetzt aber mal gar nicht, dass der Mond ploetzlich so klein geworden ist, bei uns daheim war der viel Größer.“
Mit viel Glueck und Zwischenstationen in New York, Montreal, Rio de Janeiro, Buenos Aires und Madison in Wisconsin, gelang es ihm 1718 endlich und nach wiederholten Anlauf Jamaica zu erreichen, wobei er den Hafen ganz knapp verfehlte und auf dem Hope Mountain -der seither diesen Namen hat- das Schiff auf Grund setzte.
Uebergluecklich ueber diesen Umstand verliess die Mannschaft fluchtartig das Schiff und auch der Kapitaen suchte das Weite, so dass Walter zu seinem eigenen Schiff kam.
Walter, davon überzeugt, dass das Glück mit dem Tuechtigen ist, machte sich gleich auf die Suche nach seinen Helden.
Die allerdings weilten schon im Piratenhimmel, oder der Piratenhölle, wo immer das Schicksal sie hingefuehrt haben mag und Walter sass einsam und allein in einer Kneipe und leerte einen Becher nach dem Anderen. Dabei, wie das bei Iren halt so ist, erwachsen Trotz und Heimweh. Trotz, jetzt erst Recht nicht aufzugeben, Heimweh nach den gruenen Huegeln Irlands.
Also suchte er, obwohl stolzer Jachtbesitzer, nach einer neuen Bleibe und wurde bei Woode Rogers fündig -ja ja, ich weiss was regelmaessige Leser jetzt unken werden, ich kann auch nix dafür, dass das alles zu der Zeit passierte-, auf jeden Fall war er erst auf der Buck und dann auf die Royal Rover.
Bevor er auf die Royal Rover wechselte fiel er auf der Buck schon unangenehm auf und meuchelte, mit anderen, den Kapitän. Angeblich war man nicht mit den Sanitaeren Bedingungen einverstanden und der Kapitaen war auch nicht so verhandlungsgeschickt, dass er seiner Mannschaft, ausgestattet mit Schlagkraeftigen Argumenten in Form von Hieb- und Stichwaffen , etwas haette entgegen setzen koennen und sich seinem Schicksal, von einem Degen erdolcht zu werden, still fügte.

Natuerlich erregte das den Unmut Rogers, der eh von seinen Schweinekumpels die Nase voll hatte, vor allem hatten die ihn damals ausgelacht und schwor Rache an Walter und den Anderen. Walter wiederum hatte die Nase voll und wollte heim. Er hatte genug vom Pirat spielen, Klo teilen mit 40 anderen, kotzen ueber die Reeling usw.
Also bastelte er sich flugs eine eigene lustige Fahne und beschloss, mit der Royal Rover heimzusegeln. Den Kapitaen ueberzeugte er damit dass er diesem erklärte…, aber das wissen wir schon.
Statt also in Antrim zu landen, landete er Nahe Edinburgh.

Walter, euphorisch seiner vermeintlich Kenntnisse sprang von Bord und trat dem naechstbesten Cottage die Tuer ein, woraufhin der Besitzer fuerchterlich erschrak und mit Schaukelstuhl umfiel, waehrend Walter ihm, trunken von Glück, um den Hals fiel und schrie, „Alter ich bin wieder da!!!! Endlich in Irland.“
Der Hausbewohner liess ihn bei sich uebernachten und brachte ihn am naechsten Morgen zur oertlichen Polizeistation mit dem Hinweis, dass der nicht ganz Dicht sei und meinte beim Hinausgehen, „Ach ja, draussen an der Kueste liegt ein Schiff mit lauter Verrückten.“

Haette Walter mal nicht geschwaenzt und ordentlicher beim Navigationsunterricht aufgepasst, dann wäre ihm das nicht passiert. Logischerweise kamen er und seine Mitreisenden nach London. Man warf ihnen illegale Einwanderung vor, Schmuggel usw. usw.
Haette alles glimpflich ausgehen können, wenn nicht ein Zellenkumpel ihn im Zwielicht wiedererkannt und unbedingt verpetzen musste, als Mitverschwoerer auf der Buck.
Manchmal ist das Leben schon grausam und es kam, wie es kommen musste. Walter wurde nicht wegen illegaler Einwanderung angeklagt, sondern ploetzlich wegen Piraterie und Mitmeuchelei. Damals war man in England, was das betraf, nicht so zimperlich und verurteilte den armen Walter zum Tode, der am 21 Juli 1721 auf den Execution Docks gehaengt wurde.

Und so kann’s gehen, haette Walter nicht auf den alten Saufkopf in Plymouth gehört, in Navigation besser aufgepasst und sich nicht mitreissen lassen, dann waere er zufrieden in Irland gestorben. Aber nein, man muss ja immer ein Querkopf sein.

Ps.: Nachdem ich die Geschichte von Walter Kennedy gelesen habe, fand ich ihn eigentlich ganz sympathisch und finde es schade wie er geendet ist, da er allem widerspricht, was man von den Piraten gelesen und gehoert hat. Walter Kennedy war ein gaenzlich untypischer Pirat. Vor allem war er nicht mal sonderlich erfolgreich in seinem Tun und schaut man sich sein Alter an, als er starb, wuerde ich sagen, dass er mit 26 Jahren voellig unreif war und wahrscheinlich gar nicht abschaetzen konnte, was fuer Folgen sein Tun und Handeln hatten.
Rueckblickend wuerde ich sagen, dass Walter ein Kind seiner Zeit war und wahrscheinlich, dass laesst sich nicht beurteilen, leicht beeinflussbar. Haette er wenigstens viele Schiffe gekapert, oder waere er gaenzlich skrupellos gewesen, mein Mitleid hielte sich in Grenzen, aber das war er nicht. Es ist nicht mal gesichert, ob und wie weit er an der Ermordung des Kapitaens der Buck beteiligt war. Es ist nicht mal sicher ob er als Kapitaen, oder als Navigator die Royal Rover nach England brachte, nicht mal ist sicher und wenn man die Zeit kennt, ob sein Mitgefangener sich nicht einfach einen Vorteil davon versprach Walter als einen der Taeter zu beschuldigen. Damals war es nicht üblich, besonders bei Piraterie, die Fakten zu studieren, es ging nur darum Piraten, oder vermeintliche Piraten zu bestrafen und Walter Kennedy ist ein typisches Beispiel.

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