Mythen und Legenden

Es war noch in Deutschland, lange bevor ich nach Irland kam, da habe ich das Buch eines Voelkerkundlers gelesen, der die Insel durchwanderte und Geschichten ueber das „Kleine Volk,“ wie man es hier nennt, sammelte und in Buchform herausbrachte. Das Buch war von einem Englaender und erschien 1907 in London.
Interessant war, das diese, oftmals als putzige Gestalten, bezeichneten Geschoepfe nicht gar so freundlich gesonnen waren.

Nun bin ich auf der Insel und das seit fast 3 Jahren, gesehen habe ich sie bisher noch nicht. Keine Ahnung wo die abgeblieben sind. Interessant ist allerdings, dass laut einer Umfrage eine grosse Zahl der Iren (soweit ich mich entsinne um die 60%) an diese Dinge glaubt und um die 30% selber mal eine Elfe, oder einen Leprechaun getroffen haben will. Was durchaus Sinn macht, wenn ich, wie gestern geschehen, meine Grippe mit einem heissen Whiskey kuriere, dann sehe ich auch so dies und das. Ich nehme also an, dass diese Umfrage unter Pubbesuchern durchgefuehrt wurde. Und da wir hier nicht wenige Pubs haben, kamen halt diese Ergebnisse zu Stande.
Der County Tipperary beispielsweise leistet sich sogar eine eigene Webcam, wo man, wenn einem Fad im Schaedel ist, Tag und Nacht auf der Suche nach ihm verbringen kann.

Angeblich, so wurde berichtet, haben einige Onlinevoyeure ihn sogar gesehen, wie er missmutig aus dem Bau kam, sich am A…llerwertesten kratzte, gegen die Hauswand pinkelte und dann wieder reinging, um seinen Topf mit Gold zu bewachen.
Ich habe mir auch mal den Spass gemacht, das zu beobachten. Da wir hier aber nur gefuehlte zwei Jahreszeiten haben, naemlich Herbst und Fruehling, glaube ich eher, dass man da einen Fuchs erblickte, denn die Haelfte regnet es, oder es ist dunkel, oder Beides.

Unsere Regierung hat sogar, man mag es kaum glauben, Schutzzonen eingerichtet, so z.B. den Ring of Kerry, wo Feen, Elfen und Leprechauns, den ganzen lieben langen Tag tun und lassen koennen was sie möchten. Man muss naemlich wissen, diese kleinen Kobolde haben es faustdick hinter den Ohren. Entweder erschrecken sie harmlose Wanderer, so dass diese in Ohnmacht fallen, oder entfuehren Menschen, also nicht nur Neugeborene, sondern auch eine alte dicke Frau aus Galway, da kennen sie nichts.

So, nun kommt die Frage, was sind die denn nun, diese Gestalten. Wikipedia schreibt zur Entstehung des Leprechauns:

Es wird vermutet, dass der Leprechaun aus der irischen Sagengestalt Lugh entstanden ist, die auch als Schuhmacher bei den Túatha Dé Danann im Lebor Gabála Érenn auftritt. Es wird auch angenommen, dass er Nachkomme des Ham, ein verfluchter Sohn des Noah ist, der in der Anfangszeit der Besiedlung Irlands auf die Insel gekommen sei.

Der Folklorist, dessen Buch ich gelesen habe, schrieb, dass die Einwohner erzaehlen, die Gestalten seien von der Insel „Lemuria“ gekommen, einer Insel weit draussen. Laut einer Sage waere dies eine Insel im Meer, laut einer anderen ein Ort am Himmel.
Auch ueber die Landung in Irland besteht Uneinigkeit, waehrend einer von Ihnen aus seiner Lufgondel auf Irland fiel, heisst es in einer anderen, dass die Luftgondel eine Panne hatte und man hier Notlanden musste und, weil’s hier so toll war, beschlossen hat zu bleiben. Einig ist man sich, dass es ein Luftschiff war. Ist eigentlich voellig bescheuert, wenn man eh auf einer Insel haust extra in Luft zu steigen, aber naja, der Elfen Wille ist ihr Himmelreich, ausserdem war das Buch, wie ich schon erwaehnte, von 1907. Irgendeinen Sinn wird’s schon gehabt haben.

Der Leprechaun, oder in der Kurzform auch „leppi“ oder Paddy genannt, ist ein griesgraemiger kleiner Gnom (hihi, da fallen mir jetzt auf Anhieb einige ein), immer Ton in Ton gekleidet, naemlich Grün, was die Tarnung einfacher macht und, Achtung jetzt kommt’s, nennt einen Topf voll Gold sein Eigen.
Ja sie haben richtig gelesen, Leppi koennte mit einem Topf unseren gesamten Staatshaushalt sanieren, das macht er aber nicht, weil so bescheuert ist er nun auch wieder nicht.
Das Gold soll er angeblich von den Elfen bekommen haben, weil er ihr persoenlicher Haus und hofschuhmacher ist. Natuerlich, wie das bei Legenden so ist, bekommt Leppi fuer jedes Paar Schuhe das er fertigt, ein Goldstueck. Und da unsere Sagengestalten das stolze Alter von 300 Jahren erreichen, kann man in etwa erahnen was der Typ im Laufe der Zeit an Kohle einstreicht.
Dummerweise sind unsere Elfen nicht so wie eine Frau, ihnen reicht nur ein paar Schuhe, waehrend eine Frau ein ganzes Schuhgeschaeft ihr Eigen nennen -und das pro Saison.
Also muessen die Treter auch verdammt gut sein und eine Menge aushalten.
Wenn Leppi also ein Goldstueck bekommt, dann packt er das in seinen Topf und da er ziemlich geizig ist, Banken nicht vertraut -irischen Banken wuerde ich auch nicht mehr vertrauen, nach meinen Erfahrungen mit Ulster- und auch von Frauen nichts hält, ist er Sagenhaft reich. Ich wuerde sagen reicher als Dagobert Duck und der gilt schon als die reichste Ente der Welt.

Es heisst, man wuerde diesen Topf voll Gold nur dann erhalten, wenn man das Geheimnis des Leprechauns kennt und weiss wo er wohnt. Vage Angaben wie, „aaeehhh koennte es sein, dass Du im Haus No. 35 in der Connollyroad in Dublin wohnst? Naehe der Heuston Station?“ reichen da nicht, da muss man schon praeziser sein und manch einer verlaesst sich da ganz auf Google Maps und Streetview.
Wenn der Gnom der hochnotpeinlichen Befragung nicht standhaelt und von sich aus sagt wo er wohnt, „Alter hoer auf, ich wohne O’Mallys Industrial Estate in Dungarvan,“ dann gibt er aus Scham, weil dem Fuessekitzeln nicht stand gehalten hat, seinen Topf raus.
Besser ist es aber, wenn man ihm einen Gefallen tut, mal eine Kippe ausgibt, oder ein Pint im Pub, oder sagt, „Mann siehst Du verhungert aus, komm, ich nehm Dich mit in’s Fish Wife auf der MacCurtain, meinem Lieblingsfischladen,“ dann bekommt man von ihm eine Goldmuenze geschenkt, die, laut der Legende, wieder zu einem zurückkommt.

Geruechte besagen, dass unsere Regierung unserem „Army Ranger Wing“ den Auftrag gegeben haben soll, diesem Zwerg den Garaus zu machen, damit die Schulden bezahlt werden können, wundern wuerde mich das nicht, erst Schutzzonen einrichten und dann die Army Ranger reinjagen und die Jungs sind fucking awesome. Ich denke, ich werde mal zum Erhalt dieser liebenswerten Gnome eintreten, ich brauch naemlich auch Geld, selbst wenn ich gut verdiene.

Kommen wir nun zu den anderen Gestalten, den Feen und Elfen.
Die sind, anders als beim Herrn der Ringe, sehr klein, von zartwuechsiger Gestalt, haben milchfarbene Haut und meist rote, oder rotblonde Haare und blaue, oder gruene Augen. Die kann man, im Gegensatz zum Leprechaun sehr haeufig in der irischen Gesellschaft sehen. Als ich hier ankam und meine erste Begegnung mit Concern hatte, da traf ich auf einen weiblichen Volunteer, der genau dieses Aussehen hatte. Sie war sehr hübsch, hatte allerdings, wie viele Iren, Sommersprossen.

Es heisst ueber die Elfen, dass sie, wenn sie nicht Wanderer erschrecken, oder Leute verführen, den lieben Langen Tag tanzen, oder lustige Lieder spielen.
Als ich das gehaoert habe, da ging mir als erster Gedanke durch den Kopf, „wie bescheuert ist das denn?“. Man muss sich das mal vorstellen, die leben 300 Jahre und denen ist so fad, dass sie ausschliesslich nur singen und Tanzen. Machen die denn nichts Sinnvolles, wie Essen, oder so?
Es gibt eine Legende, dass die Tochter eines Farmers so huebsch gewesen sein soll, dass sich ein Elf in sie verliebt hat. Der ist dermassen rattig geworden, dass er Tagelang auf der Lauer lag und nichts gegessen hat, weil ihn die Dauerlatte daran hinderte an den Kuehlschrank zu kommen. Also hat er sich überlegt, „Irgendwie muss ich die Alte kriegen, aber ständig haengt ihr nutzloser Vater um sie rum.“
Also hat er sich Schlafpulver besorgt, ich habe mir von erfahrenen Experten sagen lassen, das Zeug nockt einen fuer gut 50 Jahre aus. Sämtlicher Strom weg, wir reden hier schliesslich von Elfen, nicht von irgendeinem Apotheker. Und das hat er dem ahnunglosen alten Mann in’s Stout gekippt, als er am Abend von seiner lieben Tochter ein wunderbares und leckeres irish Stew bekam und dazu leckere, mit Liebe fuer ihren Papi zubereitete Mash Potato. Der ahnungslose, unschuldige Eoin ist also in den Schlaf gefallen und der Elf hat sich von hinten an die wundervoll liebreizende Fiona rangemacht, auf seiner daemlichen Floete gespielt und sie mit seinen Schielaugen in Trance versetzt. Fiona, wie eine Labormaus auf LSD, ist wie im Rausch in seine Hoehle gefolgt, wo er sie aber mal so richtig…aeeehhh, nein nicht das, was jetzt einige Leser denken. Er hat sie an den Herd gestellt, weil der Blindbaer konnte naemlich nicht kochen und seine Eltern haben gesagt, „wenn Du was essen willst, dann musst Du Dir eine Frau suchen.“

30 Jahre, so heisst es, ist sie im Dauerausch vor sich hin gelaufen. Jedesmal, wenn sie anfing klar zu werden, hat er die Floete ausgepackt. Aber irgendwann geht sowas mal vorbei und das war, als ihr Entfuehrer mal weg musste, gerade als er wiederkam, da wachte sie auf und ihre ersten Gedanken waren, „Scheisse wo bin ich und scheisse, wer ist der Gnom?“ Fiona war so schlau und hat sich einfach weiterhin auf Droge präsentiert. Fuer ihn Puddings gemacht und irish Stew und Fish und Chips und Mash Potatos. Dabei ueberlegte sie, wie sie aus dieser ehelichen Hoelle fliehen koennte, denn das Rollenverstaendnis von dem Elf, lief ihrem Rollenverstaendnis voellig diametral zuwider. Vor allem stellte sie fest, das sie auch noch zwei Kinder hatte. Der Drecksack hatte nicht mal gefragt.
Also beschloss sie, „ich gehe mal zu der Zaubertante vom zweiten Stock.“
Man muss wissen, die Elfenburgen sind unterirdisch bei uns, ein Huegel zwar, aber der geht ziemlich in die Erde, was auch ganz pragmatisch/praktische Gruende hat. Waere schon blöd, wenn man ein Haus in Dublin, Cork, Waterford, oder Tiperrary bewohnt und die Nachbarn fragen sich, „was sind denn das fuer Hippies? Hellen? Hast Du das gesehen? Die lungern den ganzen Tag auf der Treppe rum und wie komisch die aussehen?“ Nein da hat sowas schon einen entscheidenden Vorteil, vor allem kann man ja nicht staendig durch die Stadt laufen und alle Leute in Schlaf versetzen.

Zurueck zu Fiona, die ging also zu der Zauberin und fragte nach einem Schlafmittel, Kopfschmerzen und so, ausserdem meinte sie, dass der Typ ihr auf die Nerven geht mit seinem staendigen Antatschen und meinte, sie waere ja kein irish Wolfshound, dem man staendig den Kopf streicheln müsste. Daraufhin gab die Frau ihr ein Pulver und meinte, sie muesse das bei Mondlicht einnehmen, von wegen Nebenwirkungen und so.
Fiona tat, wie ihr geheissen und kippte das dem Elf in den Morgentee. Verruehrte das mit Milch und Zucker, damit man nicht den schalen Geschmack mitbekommt und servierte ihm das mit den Worten, „Schau mal Hasi, ich hab was Feines fuer Dich. Lecker Teechen!“
Der Elf, der wahscheinlich dachte, dass sei Viagra, stuerzte den Tee runter und fiel augenblicklich in’s Koma -Schlag auf den Kopf ist nichts dagegen.

Das war Fiona also gelungen, das Problem, was sie hatte, das war aus dem Affenstall auch rauskommen. Sie hat sich also kurzerhand die Kinder geschnappt und ist schnurstracks zum Tor marschiert, wo die Wachen sie natuerlich aufhielten -Es geht nicht nur bei anderen Sagen dramatisch zu.
Fiona, nicht auf den Mund gefallen, sagte den Wachen, ihr sei ein bisschen unwohl, leide an Klaustrophobie und bräuchte auch mal ein bisschen Luft, schliesslich sind 30 Jahre fuer einen Menschen, bei der schlechten Lueftung nicht gerade sehr gut fuer den Teint und ausserdem wuerde das riechen wie in einem Pumakaefig. Woraufhin Waechter No. 1 die Nase in die Luft streckte, schnueffelte und meinte, „stimmt, riecht hier wirklich nicht wie Channel No.5,“ also machte er das Tor auf und Fiona konnte raus in die Abendluft. Draussen verabschiedete sie sich von den Kindern mit den Worten, „Ihr habt zwei Möglichkeiten, entweder ich pack Euch in die staatliche Fürsorge, oder Ihr geht zurück,“ woraufhin sich die Kinder fuer Möglichkeit 3 entschieden haben und nach Island abgehauen sind.

Fiona rannte schnell wie der Blitz zu ihrer Farm und zu ihrem Vater, wo es nach 30 Jahren aussah wie Kraut und Rüben. Die Kühe, voellig verwahrlost, die Schweine, voellig verwahrlost und ueber die Schafe will ich erst gar nicht mal schreiben, die sahen schlimmer aus wie Rastafaris, weil sie halt niemand gescheert hat.
Und als sie das Farmhaus betrat….ich glaube das erspare ich dem Leser jetzt mal besser, da waere sonst Kotzen angesagt bei dem Schimmel auf dem Stew.
Auf jeden Fall hat sie ihren Vater geschüttelt, aber der wollte nicht aufwachen, also hat sie ihn aus dem Haus und in das Mondlicht gezogen und sobald das Mondlicht seine Nase kitzelte, da musste er furchtbar niesen und wachte auf.
-Mir faellt grad auf, wie hat der eigentlich ausgesehen? Wie ein ordinaerer Hoehlengnarf?-

Auf jeden Fall dachte der, er haette grade mal einen Tag geschlafen, bis Fiona ihm klar machte, dass 30 Jahre vergangen seien, als er in’s Koma fiel und sie in Gefangenschaft. Daraufhin fingen beide an zu weinen und machten sich dann erst mal an die Arbeit das Chaos zu beseitigen.
Fiona heiratete dann einen Kaufmann aus Dublin und lebte gluecklich und zufrieden bis an’s Ende ihrer Tage und besuchte ihren Papi Regelmäßig.

Was aus dem Elf geworden ist, dass weiss man nicht, vielleicht ist er geplatzt, oder die Dosis von dem Schlafmittel war so stark, dass er immer noch auf einer rosa Wolke sitzt, ich will das jetzt auch gar nicht wissen.

Deswegen meide ich halt Huegel im irischen County, ich weiss nicht was da ist. Es koennen harmlose Werkuehe und Werschafe sein, es kann ein Angusrind sein, oder ein Rabe mit einer Traube im Schnabel. Es kann aber auch sein, dass Elfen um mich rum tanzen und mir das gleiche Schicksal blueht wie Fiona und ich von einem Elf…aeeehhh einer Elfin verfuehrt werde, weil fuer erstes waere ich nicht zu haben, nicht nur weil ich Hetero bin, sondern weil ich einem Elf nicht die Nase brechen möchte.

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