Ein Hund ist ein Herz auf vier Beinen

Ein altes irisches Sprichwort besagt, „ein Hund ist ein Herz auf vier Beinen.“
Dieses Sprichwort kam mir in der Kopf, als ich letzte Woche Donnerstag meine Krankmeldung abgab und mit dem Bus runterfuhr in die Stadt.

Nahe dem Kreisverkehr, da lag ein kleiner, braun-weiss gefaerbter Terrier tod am Strassenrand. Noch mit Halsband und Hundemarke. Wahrscheinlich hat ihn ein unachtsamer Autofahrer in Knocknahenee überfahren, moeglich mit Absicht, vielleicht auch nicht, ich weiss es nicht, es ist mir auch egal, weil die meisten dort eh fahren, als waere ihr Leben so langweilig, dass sie Strasse mit einem Renn-Circuit vergleichen, denen ist es egal, ob ein Kind ueber die Strasse geht, oder ein kleiner Hund.

Wie alt der Hund war, dass weiss ich nicht, ich habe ihn gesehen und habe weggeschaut, weil mir der kleine Kerl in der Seele weh tat und ich an meinen Hund denken musste, den man mir 2009 vergiftet hat und es, bis das Gift wirkte, 5 Tage gedauert hat bis mein Hund starb und der Tierarzt nichts machen konnte.
Ich fuehlte mich damals hilflos und alleingelassen. Als mein Hund starb, da wollte ich nur weg aus dem Land und weg von den Menschen. Seit ich in Irland bin, war ich nicht mehr in Deutschland und werde auch nie wieder dorthin, lieber gehe ich in’s Meer. Als meine Mutter starb, mein Bruder starb 2006, mein Vater 2007, da war dieser Hund das letzte was ich besass und der groesste Trost den ich hatte. Weg wollte ich schon davor und ich bin froh, nicht mehr da zu sein.

Als ich den kleinen Hund sah, wie er einsam am Strassenrand lag, da ging mir das durch den Kopf, das Sprichwort, meine Vergangenheit und meine Erfahrung, was den Ungang mit Tieren in diesem Land anbelangt.
Wie ich schon mal erwaehnt habe, ich bin aus tiefstem Herzen Atheist, ich glaube nicht an Gott, oder an sonst eine Macht, die eventuell das Schicksal der Welt lenken könnte, ich besinne mich auf mich, auf das was ich bin und auf das was ich kann, auch wenn es nicht viel sein mag, es hat meinen Kopf lange Jahre oben gehalten. Und mir fiel, als Atheisten, Franz von Assisi ein, so ziemlich der einzige den ich sehr hoch einschätze und vor dem ich sehr tiefen Respekt habe. Franz von Assisi hat geschrieben

Gott wünscht, dass wir den Tieren beistehen, wenn die der Hilfe bedürfen. Ein jedes Wesen in Bedrängnis hat gleiches Recht auf Schutz. Alle Geschöpfe der Erde fühlen wie wir, Alle Geschöpfe der Erde lieben, leiden und sterben wie wir, also sind sie uns gleichgestellte Werke des allmächtigen Schöpfers – unserer Brüder.

Irland ist ein durch und durch katholisches Land, wenn der Taxifahrer nicht die Mutter Maria und das Kreuz am Innenspiegel hat und sich vor jeder Kirche bekreuzigt, dann rennt er in die Morgenadacht. Und nicht nur er geht dahin, viele Iren gehen dahin. Ich weiss nicht, ob ein Pfarrer auch ueber Tiere spricht, ich glaube es eher weniger. Ich weiss nicht ob irgendein Ire Assisi kennt, oder ihn eher fuer eine Spirituosenmarke aus Italien hält. Ich denke den meisten ist er egal, weil nicht mal sein Pfarrer was davon gehoert hat und glaubt das koennte der neue Beauftragte vom Vatikan sein, der fuer die Heiligenbildchen in Irland zuständig ist.

Waere ich hier Pfarrer, ich denke ich waere wie Don Camillo und wuerde den Leuten aber ganz gewaltig in den Arsch treten. Ich wuerde die Augiasstaelle hier ausmisten und die Leute Tag und Nacht verpruegeln, die ihre Tiere wie den letzten Dreck behandeln.
Hier machen die Leute morgens die Tuer auf und lassen ihre Hunde auf die Strasse, der Rest interessiert sie nicht und ich denke, die Besitzer von dem kleinen Hund interessiert nicht mal dass er tod und einsam irgendwo am Strassenrand liegt. Wahrscheinlich sagen sie sich, „Der Bastard ist gar nicht heimgekommen, na ja, wahrscheinlich hat er irgendsoeine kleine Hure gefunden und buegelt die grade, soll mir auch Recht sein, sind wir den kleinen Klaeffer endlich los.“
Jeden Tag, wenn ich an dem Gelaende vorbeikomme, wo die Traevellers wohnen, dann hoere ich das Gejaule von Hunden und das ist kein fröhliches Gejaule wie man es kennt, wenn man selber lange Hundebesitzer war.
Es ist ein offenes Geheimnis bei uns, dass die Traveller nicht nur Pferde züchten, die sie auf dem Pferdemarkt in Dublin und woanders verkaufen, sie zuechten auch Hunde fuer Hunderennen und fuer Hundekämpfe. Das bringt hier sehr viel Geld und davon leben sie. Jeder weiss das, man spricht darueber nicht. Pferde wie Hunde werden gequaelt und gedemuedigt. Will man ein Pferd haben, dann sind sie durchaus bereit und verkaufen es Dir fuer 50 quitt, wohl wissend dass aus dem Pferd eh nichts wird. Kein Sieger, kein Olympiateilnehmer, nichts, hoechstens wartet der Schlachthof.
Die Traveller sind eine Minderheit in Irland ausgestattet mit Rechten wie eine aussterbende Rasse. Die Regierung haetschelt und pflegt sie, sehr zum Unmut der meisten Iren, und nicht mal der Mob legt sich mit ihnen an. Man will mit ihnen nichts zu tun haben, also leben sie in ihren Camps, zuechten Pferde und Hunde und lassen sich verwahrlosen, wobei ich gestehen muss, ich hatte noch nie Probleme mit Ihnen, was wohl daran liegt, dass ich a.) die meisten Iren überrage, b.) meinen gelangweilten Blick auflege, c.) trotzdem mit Ihnen rede und d.) anscheinend Interesse wecke, besonders auf Grund meiner Schuppenflechte am Arm die sie meist neugierig begutachten und wissen wollen, was das ist.
Manchmal, wenn ich auf der Strasse eine Zigarette rauche, dann halten sie an und fragen, ob ich eines ihrer Pferde gesehen habe, was ich durch Kopfschuetteln verneine. Das ist nicht mal gelogen, denn bei der Masse an Pferden die sie haben, waere es unmoeglich zu sagen, „Ach ja, den Klepper meint Ihr, klar, den habe ich auf dem Weg zum Lidl gesehen, hatte zwei leere Tueten im Maul und meinte, er muesse fuer Euch noch Schnaps und Bier holen gehen. Hat mich noch um ein paar Quitt angeschnorrt.“
Ich hoffe es bleibt auch so, diese friedlich-unheimliche Koexistenz.

Vor zwei Jahren da sass vor unserem Gebaeude, in dem ich arbeite, eine Hündin ich wuerde sagen ein Border-Collie Mix. Sie war voellig verwahrlost. Getroffen habe ich sie, als ich mir eine Zigarettenpause goennte und auf sie aufmerksam wurde. Vorsichtig ging ich zu ihr hin und in die Knie.
Freundlich kam sie auf mich zu als ich sie ansprach und liess sich von mir anfassen. Sobald ich aufhörte, da nahm sie die Pfote und holte sich meine Hand, oder legte ihren Kopf unter meine Hand und warf die hoch, dann kam sie noch näher, schaute mich mit ihren wunderschoenen Augen an und legte mir ihren Kopf an die Brust.
Leider musste ich wieder rein und wusste nicht was ich machen sollte. Ich konnte sie ja nicht mit in’s Gebaeude nehmen, was haette ich sagen sollen? „Ach die, ja die arbeitet hier als Sicherheitswuff, ja ja, die ist immer vor dem Serverraum. Was heisst Ihr kennt die nicht, seid Ihr bescheuert? Ihr muesst doch den Hund kennen, die heisst doch,…na gleicht faellt’s mir ein…nee Betty war’s nicht…ach kommt schon Leute macht keinen Scheiss, das ist nicht lustig.“
Also hoffte ich, dass sie nach meiner Schicht noch da war. Das war sie natuerlich nicht, also machte ich mich auf den Weg und suchte die Gegend ab.
Als ich ich heimkam musste ich zum ersten Mal seit langem weinen, weil ich diesen Hund verloren hatte.
Die naechsten Tage suchte ich die gesamte Gegend ohne Erfolg ab. Ich weiss nicht was aus diesem Hundemaedchen wurde. Vielleicht wurde sie überfahren, vielleicht ist sie, aus Resignation heraus, zuerueck zu ihren Besitzern. Ich weiss es nicht und wahrscheinlich wuerde mir das Wissen darüber das Herz brechen. Ich hoffe einfach nur, dass sie jemanden gefunden der das Sprichwort kennt und ernst genommen hat.

Ich unterstuetze in Irland ein paar Gesellschaften monatlich. Das ist Concern, das ist Barnados, die Kinderstiftung, Irish Dogs for disabled, daneben unterstuetze ich von Zeit zu Zeit Simon und den Pferdegnadenhof. Und natuerlich habe ich immer ein paar Geldmuenzen bei mir fuer die ganzen Gesellschaften. Ich mag, wie man mir in Deutschland mal vorwarf, ein zynisch-sarkastischer Mistkerl sein, dafuer aber mit einem sozialen Gewissen, der weiss, wenn er nicht hilft, da es keinen Gott gibt, wird es auch sonst niemand tun, wobei ich sagen muss, die Iren sind, was das betrifft anders. Ich denke nur wenige Menschen spenden soviel wie es die Iren tun. Vielleicht weil es der Pfarrer von der Kanzel gerufen hat keine Ahnung.
Ich handele nach dem juedischen Grundsatz

“…whoever saves a life, it is considered as if he saved an entire world.” Maimonides

Es gibt zwei Dinge die ich abgrundtief verachte, das ist, wenn man Kindern oder Tieren Gewalt antut, dann habe ich auch kein Problem damit Gewalt auszuüben und es hat mich mit Genugtuung erfüllt, als ich heute im Radio gehoert habe, dass ein Kinderschaender, der jahrelang im Mantel seines Priesteramtes Maedchen geschaendet hat, unter anderem ist ein 15 Jähriges Maedchen schwanger geworden und ihr Kind wurde direkt nach der Geburt zur Adoption freigegeben, zu 4 Mio. € Schadensersatz und in einem anderen Fall zu 700 Grant Schadensersatz verurteilt wurde. Ich hoffe die Kirche kommt dafuer auf. Geld genug hat sie ja

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