The spanish Cloak

Die irische Musik ist sehr reichhaltig, traditionell und vielschichtig, so wie es die Instrumente sind, die man hier verwendet.
Die Thin Whistle, oder auch Tin Whistle, sowie die Geige sind Instrumente die zu jedem Ensemble gehören. Dazu werden hier auch Instrumente wie Banjo, Fidel, das Bodhrán benutzt.

Irische Musik ist sehr traditionell, manche Lieder sehr alt und ein Ire bekommt sie schon mit der Muttermilch eingeimpft, vor allem weil Iren nicht nur sehr Trinkfest sind, sondern auch sehr Sangesfreudig. In manchen Pubs finden regelrechte Sessions statt, d.h. Leute treffen sich dort, die sich nicht kennen, aber da sie die Lieder kennen, koennen sie diese blind spielen.

Eines meiner absoluten Lieblingslieder ist „The Spanish Cloak,“ Auch bekannt als „The Munster Cloak,“ oder einfach „The Cloak.“
Nun hat es nichts mit einer „Kloake“ zu tun, sondern mit einem Kleidungsstueck aus dem 16. und 17. Ihr.
Cloak war ein Mantel, vorne offen und nur am Hals geschlossen. Der spanische Cloak unterschied sich meist davon, dass er nach unten in Glockenform war und eine Modeform im Europa dieser Zeit darstellte. Erst gegen 18tes und 19tes Ihr. wurden die Formen fliessend, so wie sie vor dem 16. Jhr waren. Man koennte Cloak auch als Umhang bezeichnen.

Den Ursprung des Liedes weiss man nicht, auch warum es zwei Bezeichnungen gibt (ich kenne das Lied als „Spanish Cloak“). Die Vermutung steht im Raum, dass, als die Spanier in Irland landeten, die Soldaten diese Kleidung trugen, um sich vor der Kaelte zu schützen und die Bevoelkerung das Kleidungsstueck praktisch und auch schick fand. Da die Spanier in Kinsale landeten, was zur Provinz Munster gehoert und hier auch ihr Ende fanden, duerfte der Mantel in der Provinz Munster verbreitet gewesen und dann in die anderen Provinzen gekommen sein, deswegen auch der Name, so genau weiss man das nicht. Auch wann das Lied entstanden ist gibt es keine genauen Angaben, nur dass es ein Walzer sein soll.
The Cloak wurde von vielen Kuenstlern unterschiedlich interpretiert, wobei die Interpretation zwar nicht mein Favorit ist, ich mag eher die Version der „Fureys“, einer Gruppe aus dem Stadtteil Ballyfermot (dem Problemstadtteil von Dublin),die naeher an das Original kommt, wie die Version der Chieftains, trotzdem aber ist es ein wunderschoenes Lied.

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Teufelszeug

Der Teeverbrauch in diesem Land, ist gefühlt wahrscheinlich hoeher als in England und es gibt Leute die behaupten, die Iren haetten den Tee nach England gebracht, als Strafe fuer die Besatzung und weil man den Briten das Guiness nicht goennte, die Englaender also gezwungen waren, wieder Leute nach Irland zu schicken, um in den genuss eines Guiness zu kommen.
Ist natuerlich Schwachsinn, denn die Inder waren es, die im Rahmen des Commonwealth nach England kamen und in London entweder als Rosenverkäufer arbeiteten, einen Laden aufmachten, der bis 23 Uhr geoeffnet hat, oder ein Restaurant eröffneten, meist mit dem schoenen Namen Bombay.
Da Taxis damals nicht erfunden waren und der Kutschverkehr fest in britischer Hand war, dauerte es noch bis zur Erfindung des Taxis, als die ersten Inder und Pakistaner die Taxis chauffierten.

Aber das ist eine ganz andere Geschichte. Zurueck zu Irland und zum Tee. Die Iren sind geradezu verrueckt nach Tee und trinken ihn, wenn moeglich mit Milch und Zucker, zu jeder Tages- und Nachtzeit und jeder sich bietenden Gelegenheit. In der Pause, beim Mittag, zum Zähneputzen, in der Sauce, auf dem Klo, also quasi ueberall.
Tee hat bei uns den Stellenwert und die Akzeptanz von Pubs und Alkohol. Wobei ich gaenzlich untypisch bin, ich bevorzuge Kaffee und Kultur aus Wien, wo man entspannt im Kaffeehaus sitzen konnte, einen Braunen, oder eine Melange vor sich hatte und dazu Buchteln und das nach Moeglichkeit im Havelka, der Wiener Institution.

Es gab allerdings eine Zeit in Irland, da eilte dem Tee ein ganz untypischer Ruf voraus, naemlich das Tee eine aehnliche Wirkung wie Cannabis besitzt.
Das natuerlich wollte ich aus erster Hand wissen, ging also zum Tesco und kaufte mir eine Packung Barrys, zahlte am Quickcheckout und ging damit nach Hause.
Daheim angekommen stellte ich die Packung neugierig auf den Tisch, oefnnete sie und schnupperte daran.
Wie erwähnt, ich bin Kaffetrinker. Ich nehme eine Bohne in die Hand, weiss wo die herkommt, wer die gepflueckt hat, wie er heisst, sein Alter, Gewicht und Schuhgroesse und ob er Links- oder Rechtshaender ist. Wenn sich die Finger braun faerben, dann weiss ich, es war ein Hasenkoettel, also bah.

Nun stand es vor mir, das Teufelszeug, und ich überlegte was man damit machen kann. Also uebergoss ich es mit Heisswasser, liess es, wie auf der Packung angegeben, ideal ziehen und trank es. Aber kein Effekt wurde sichtbar, ausserdem liess die Wirkung von 20 Liter Espresso nach. Das war das Einzige, also nahm ich einen zweiten Beutel und liess diesen ueber Nacht im Wasser.
Der Geschmack am naechsten Morgen war bestialisch und meine Zaehne wurden sofort schwarz. Voller Panik dachte ich an Mundfäule und schrubbte mir die Zaehne mit Scheuerpulver.
Den naechsten Beutel machte ich auf und inhalierte den Inhalt durch die Nase, weder der Inhalt, noch der gerollte Tenner, vermochten irgendeinen Zustand zu bewirken.
„Ok,“ dachte ich, „das war also nix, vielleicht muss man das Zeug rauchen?“
Ich drehte mir eine Zigarette, ging damit in den Hinterhof und rauchte das Zeug. Was soll ich sagen, kein Erfolg.

Ich las also den Artikel im Spiegel noch mal durch und wollte wissen, welcher Geistesriese denn auf die Idee kam, Tee mit Cannabis zu vergleichen.
Eine gewisse Mary Leadbeater, ihres Zeichens Autorin und Reformerin, also praktisch die Alice Schwarzer des 19. Jahr., war verantwortlich fuer den ganzen Mist und nicht nur sie, sondern auch noch andere Geistesgrößen.
Diese Reformer waren der Meinung, dass Tee an den schlechten wirtschaftlichen Bedingungen schuld sei und das nur, weil die Landbevoelkerung Tee trank und somit natuerlich auch die Bauersfrauen. Man war der Meinung Tee habe eine rauschwirkung auf die Frauen, so dass sie ihren armen geplagten Maennern kein Abendbrot mehr machten, diese gezwungen waren mit dem Magen auf den Schuhsohlen in’s Bett zu gehen und am naechsten Morgen Saft- und Kraftlos auf dem Feld standen, waehrend ihre Frauen mit einer Selbstgedrehten im Mund und einem Eimer Tee in der Hand im Hof standen, mit der Nachbarin kloenten, die das Gleiche machte, und ihre Maenner vergaßen, die nach einer Woche voellig entkraeftet aus dem Pub getragen werden mussten.

Den Sinn dahinter, warum es Irland schlecht ging, verstanden diese Leute nicht, dass es weniger mit dem Tee, sondern eher mit den Bedingungen zu tun hatte.
Irland war Agrarland, die Laendereien meist von den Landlords gepachtet und die Bedingungen waren, gelinde gesagt, Scheisse. Hinzu kamen Missernten durch die Wetterverhältnisse, also es war ein ziemlich hartes Brot Farmer zu sein. Der Tee hatte da wenig zu tun.

Aber, wie es bei Verschwoerungstheorien so ist, glaubte man im Tee eine ganz grosse Verschwoerung zu sehen, die letztendlich zu Aufstaenden, Revolution und Massenmord fuehren kann und darin gipfelt, dass alles den Bach runtergeht. Also tranken nur die Armen Tee….ok die Reichen auch, mit einem Schluck Whiskey drin, oder aus dem Bauchnabel ihrer Haushälterin. Waehrend Frau Gemahlin das im Stall mit dem Stallburschen machte, hihi.
Nein, man war wirklich der Meinung Tee sei ein Gesoeff fuer Arme, was diese in Lethargie stürzt und frueher oder spaeter zu Aufstaenden und damit zum Ende des britisch Empire.
Zum Glueck hat sich dieser Humbug nicht durchgesetzt, hielt sich aber lange hartnaeckig, was ganz interessant ist, denn die katholische Kirche war der Meinung, Tee sei ein Getraenk, welches die Mahlzeit ersetzen könne und so den Hunger in diesem Land lindern. Zahlreiche Kirchen schenkten nach dem Gottesdienst Tee an ihre Glaeubigen aus.

Nicht Bier und die Pubs waren also fuer diese Reformer ein Albtraum, sondern der arme unschuldige Tee und deswegen trinke ich Kaffee. Tee hat die Angewohntheit zu beruhigen, wuerde ich also den ganzen Tag Tee trinken, der gut durchgezogen ist, dann wuerde ich einschlafen. Als ich meine schwere Grippe hatte und Literweise Tee trank, wie ein Rentner, musste ich nicht nur staendig wie ein Welpe auf die Toilette, sondern war so ruhig, dass man mich fast schon mit Ghandi verwechselt hat.

Mit bestem Dank an Uwe Dorniß fuer den Hattip und den Link aus dem Spiegel

Flakscheinwerfer

Es war im Dezember vor zwei Jahren als ich nach der Spaetschicht zur Busstation ging und feststellen musste, es gibt 3 Optionen fuer mich.
Option 1, waere Erfrieren, das kam aber fuer mich nicht in Frage, da ich a.) zu jung zu dem Zeitpunkt war, ausserdem noch recht frisch dabei, b.) Keinen Schnaps in der Tasche hatte, um mich wenigstens stimmungsvoll in den Tod zu tinken.
Option 2 ar, dass ich einer Irin zwei Sekunden intensiv in die Augen schau, sie 9 Monate schwanger ist und mir fuer 5 Sekunden warm wird. War auch keine gute Option, da .) bei der Schweinekaelte eh niemand unterwegs war, b.) ich nicht unbedingt Alimente zahlen wollte und wahrscheinlich haette ich auch einen Ausweis verlangen müssen. Also kam nur Option 3 in Frage und so stapfte ich los, um einigermassen in die Stadt zu kommen.

Ich weiss nicht, wer meiner Leser den Film „Unheimliche Begegnung der 3. Art“ von Steven Spielberg gesehen hat, wo der Hauptdarsteller auf diesen ominoesen Berg zuwandert und man sieht so dieses Licht, oder noch besser, „Saving Grace,“ wenn Abends die Beleuchtung im Gewaechshaus fuer den Hanf angeht.
So in etwa war es bei mir, als ich Richtung Supervalue ging und dann nach rechts, Richtung City Gaol, abbiegen wollte.
Ploetzlich war da dieses Flutlicht und ich war dermassen geblendet, dass sich bei mir fast die Netzhaut ablöste. Voellig blind torkelte ich durch die Strasse und waere beinahe ueber einen Hund gestolpert, der ebenfalls die Orientierung verloren hatte. Gemeinsam schafften wir es einigermassen die Strasse runterzukommen bis, ja, bis wir die quitschenden Bremsen hörten und knapp einen Zentimeter vor uns ein Wagen zum stehen kam. Der Fahrer stieg aus, hielt sich die Haende vor’s Gesicht umnd brüllte, „FUCK! WHAT’S GOING ON????? DO WE HAVE WAR AGAIN????!!!!!“ Ich bruellte zurueck und schrie, dass es nur ein Adventslicht sei. Woraufhin er brüllte, „FUCK, A WANKER IN DUBLIN CAN READ HIS FUCKING NEWSPAPER WITHOUT A LIGHT!!!!“
Daraufhin liess er das Auto stehen und tastete wie ein Blinder ohne Stock durch die Strasse.
Ich habe nie wieder was von ihm gehört, moeglicherweise hat ihn auf der Hauptstrasse ein Auto überrollt, geblendet von dem gleissenden Licht.

Ich zumindest habe mich blinselnd von dem Hund verabschiedet, der mit leicht schwankenden Gang den Huegel runterging, waehrend ich tastend die Blarneyroad erreichte und, als ich wieder sehen konnte, vor dem Lancaster Gate stand, voellig entgegengesetzt zu der Richtung, wo ich eigentlich hin musste.

Ich war mal vor langer Zeit in London und wollte einen Bekannten besuchen, es war in etwa die gleiche Zeit. Als ich ihn fragte, in welchem verdammten Stadtteil er wohnt, gab er mir die Adresse und meinte, dass ich vom hellsten Haus aus nur zwei Strassen nach Rechts müsste. Voellig easy, ich war blind und meinte nur, „Alter, Ihr braucht nicht mal eine Strassenbeleuchtung,“ worauf er meinte, „Wir muessen Teerpappe vor die Fenster nageln, sonst koennen wir nicht mal schlafen, so hell ist es.“

Geht es um Advent und alles was damit zusammenhängt, dann denkt man, dass nur die Amerikaner voellig Irre sind was das betrifft. Dann stellt man ueberrascht fest, dass auch die Englaender so sind, bis man nach Irland kommt.
Hier uebertrifft man sich ebenso was den Contest, „innigste Adventsbeleuchtung,“ betrifft, denn ein anderer Begriff faellt mir grad nicht ein.
Hier habe ich immer meine Sonnenbrille griffbereit, denn auch manche Iren erzeugen, wenn sie ihre Adventsbeleuchtung einschalten, die Wattzahl einer mittleren Kleinstadt. Ich habe keine Ahnung wie sie die 300 Gigawatt and Strom erzeugen und ich mutmasse ja mal, dass sie einen selbstgebauten Atomreaktor in der Kueche haben. Wer sonst koennte die Kosten unseres Stromversorgers decken, wenn nicht auf illegalen Wegen.
Das, was hier so mancher Haushalt waehrend der Adventszeit erzeugt, reicht mal eben locker aus, dass auf der Insel Aran niemand gezwungen ist, im Scheine einer flackernden Trankerze, die er muehsam aus dem Tran eines Fisches gemacht hat, seine Pullover zu stricken, sondern mal eben eine Produktion in gleissendem Licht aufzuziehen und genuegend Strom fuer die Webstuehle besitzt.

Man ueberbietet sich regelrecht und beargwoehnt misstrauisch den Nachbarn. „Schau mal Hellen, dieser Mistkerl von Liamm wie er in die Garage geht, ich wette mein linkes Bein, dass der Hurenbock dieses Jahr nicht nur die Weihnachtskrippe auf’s Dach schafft, sondern auch die Arche Noah. Und die Ochsen aesst er diesmal von innen mit LED Lampen ausleuchten. Der Sausack, er war schon in der Schule so und seine Eltern ebenfalls!“
Um also den Nachbarn zu ueberbieten muss selbst eBay herhalten und in der Tat findet man dort ein paar Flakscheinwerfer Volkssturm44, sowie Scheinwerfer der Marke Dover 41 in 1A Zustand zu einem akzeptablen Preis inklusive Lieferung.
Die werden geordert, das Problem der Stromversorgeung mit 24, in Reihenschaltung, verlinkten Autobatterien, die man bei O’Liam’s Second Hand DIY guenstig erstanden hat, überbrückt. Den Rest der Stromversorgung besorgen zwei Bueroklammern, ein bisschen Kaugummi und Aluminiumpapier. Das wird hat im dritten Pol drapiert, „Da passiert schon nix,“ und dann macht man sich daran, es seinem Nachbarn zu zeigen.

Zum Glueck ist unser Stromkraftwerk auf diese Eventualitäten trainiert, ich vermute sie trainieren mit unseren Army Rangern irgendwo auf der Insel.
Sonst haette es schon Katastrophen gegeben. Aber selbst wenn das Level in den roten Bereich geht und unsere Kraftwerke foermlich die Backen blasen und man die Turbinen links und rechts rauskommen sieht, bislang ist noch nichts passiert.

Das koennte sich aber ändern, da ein, wie es heisst, Bauer in Antrim einen Eintrag im Guinessbuch der Rekorde sucht, sein Vorschlag, Biogas in Reihenschaltung. 24 Kueher hintereinander auf der Weide, das wuerde unseren Elektrikkonzern revolutionieren und unseren Adventsapologten, die Advent in ein ein Inferno verwandeln, mit ihrer Lichtorgie, den Stress mit dem Stromerzeuger vermeiden. Vielleicht leuchten die Kuehe zur Adventszeit auch die Adventsgeschichte, soweit ich weiss standen auch Rindviecher in dem Stall in Betlehem, aber was weiss ich schon 😉

Michael Collins

Irische Geschichte ist, wie die Geschichte jedes Landes, meist recht kompliziert und blutig, ok hoechstens die Geschichte der Schweiz, oder Liechtensteins dürfte ruhig und beschaulich verlaufen sein, was die Ruhe und die Ausgeglichenheit der Schweizer erklärt.

Hier bei uns, da ging es etwas anders zu. Wie man weiss, war Irland fast 800 Jahre Teil des Empire und Schauplatz diverser Konflikte. Wenn nicht die Iren rebellierten, was sie sehr haeufig machten, dann zogen andere Voelker ueber die Insel, nicht fuer irische Interessen, sondern fuer ihre eigenen.

Spricht man mit Iren ueber die Geschichte dieses Landes, dann faellt ein Name sehr häufig, Michael Collins.
Michael Collins ist in Irland der Nationalheld, egal ob Gegner, oder Anhänger, Michael wird oft heraufbeschworen und so mancher Ire, wie mein Freund Declan sagt, „I wish Michael would be here, he would rebuild the Country.“

Ich habe die Biographie und ein paar andere Buecher ueber Collins gelesen und muss sagen, ich war Beeindruckt. Er war nicht nur eine charismatische Persönlichkeit, Collins war auch pragmatisch, was den Anglo-Irish Contract anbetraf, selbst wenn er bei der Unterzeichnung sagte, „ich habe Heute mein Todesurteil unterschrieben.“
Collins ging davon aus dass, sollten die Englaender abgezogen sein, man sich Gedanken ueber ein Irland vom Norden bis zum Sueden machen koennte. Dass der Buergerkrieg und das Attentat auf ihn verhinderte, dass hatte er natuerlich nicht bedacht.

Michael Collins wurde am 16. August in Clonakilty geboren, natuerlich in unserem County. Michael war ein Kind der Zeit, als hier in Irland, gegen Ende des 19. Jhr. das „Celtic Revival“ war. Die Zeit, als man begann sich auf seine traditionellen Wurzeln zu besinnen.
Man las irische Dichter, lernte in an seinen freien Tagen irisch, ging ausschliesslich in irische Clubs und war Mitglied in ihnen, wie z.B. Irish Republican Brotherhood. Acuh Collins war Mitglied im IRB und soielte Hurling in der GAA, die um 1884 entstand, im Zuge des irischen Bewusstseins.
Die GAA wollte den Sport „irisch“ machen was bei Hurling ja kein Problem war, aber irish Football, nun gut.

Wie viele Iren verliess Collins, in der Hoffnung auf einen Job, als knapp 16 Jaehriger die Insel und lebte bei seiner Schwester in London. Dort bekam er einen Job in einem Postoffice und verkehrte, wie die meisten Iren, in irischen Emigrantenzirkeln.
In London kam er in Kontakt mir einem Mitglied des IRB, der auch aus dem County Cork kam und auch in der GAA aktiv war. Er ueberzeugte Collins doch Mitglied des IRB zu werden, was Collins 1909 auch machte.

Politisch, oder agitatorisch faellt Collins nicht auf. Vermutlich ging er seiner Arbeit nach, traf sich danach mit den anderen Iren und man diskutierte die Zukunft Irlands.
Anfang 1916 kehrte er auf Initiative des IRB nach Irland zurueck und war involviert in den Easter Rising als einer der Kommandeure, ausgehend vom Dublin General Post Office. Nach der Zerschlagung des Easter Rising wurde Collins, als einer der wenigen Kommandeure, nach Wales interniert, während andere kurz danach von der britischen Armee in Dublin exekutiert wurden.
Im Internierungslager traf er auf Mitglieder von Sinn Féin und auf Éamon de Valera, einem der fuehrenden Koepfe Sinn Féins. de Valera nutzte Collins Beliebtheit unter den Inhaftierten und beide wurden Freunde, was sich fuer Collins als fatal erweisen sollte.
Dezember 1916 kehrte Collins nach Irland zurueck und wurde fuehrendes Mitglied der Sinn Féin im County Cork.
Nachdem die Englaender Wahlen in Irland zuliessen, stellte sich Collins zur Wahl fuer das Dáil Éireann in Dublin und gewann mit grosser Mehrheit einen Platz im Abgeordnetenhaus.

Waehrend des Unabhaengigkeitskrieges von 1919-1921 war er Finanzminister der provisorischen Regierung, Chef des Geheimdienstes der IRA (die zwoelf Apostel) und, als de Valera in die USA reiste, um Unterstützung fuer die irische Sache zu bekommen, praktisch Oberhaupt, vergleichbar mit einem Taoiseach.
Collins war die Schluesselfigur und fuer die Briten der Staatsfeind No.1, wie Vincent McDonnell in seinem Buch, „Michael Collins Most wanted Man,“ schreibt. Insgesamt 10 Grant wurden fuer die Ergreifung, oder Ermordung von Collins ausgesetzt, ohne dass jemand irgendein Wort gegenueber den Englaendern fallen liess und Collins waehrend dieser Zeit vom Untergrund aus agierte und zwischen dem County Cork und Dublin hin- und her wechselte.

Nach dem Waffenstillstand zwischen England und dem Irish Free State, war Collins einer der Verhandlungsführer. Collins, der ebenso wie die Anderen darauf vertraute, dass de Valera der Kommission beitrat sah sich ploetzlich in einer ziemlich schlechte Ausgangslage.
Der Vertrag, den man ihnen vorlegte, bedeutete im Grunde genommen das Todesurteil fuer alle, denn keiner in Irland waere bereit gewesen die Bedingungen zu akzeptieren. Ausserdem, und das war die Falle, hatten sie nur wenige Tage Zeit den Vertrag zu unterzeichnen, andernfalls haette England den Krieg fortgesetzt, zumal es in eine Zeit fiel, als die Engländer einen Hauptteil ihrer Truppen im Norden der Insel konzentriert hatten, also Veteranen aus dem ersten Weltkrieg.
Collins telegraphierte die Bedingungen nach Dublin in der Hoffnung, dass de Valera und die Uebrigen zustimmen wuerden. Die unmissverständliche Antwort aus Dublin lautete, „Wir werden dem Vertrag unter keinen Umstaenden zustimmen.“

Mit der Pistole an der Brust und dem Dolch im Rücken blieb ihnen nichts anderes übrig, als den Vertrag zu unterschreiben. Andernfalls hätte es noch laenger Krieg gegeben.

Hier zeigt sich der Pragmatismus Collins.
Seine Hoffnung bestand darin, dass der Vertrag vom Dáil ratifiziert werden muesste, d.h. wenn man den Dáil auf seine Seite zieht, dann besteht eine winzige Chance auch die Kommandeure der IRA auf die Seite der Befuerworter zu bekommen und da Zeit ein taktisches Mittel ist, bestuende die Möglichkeit dass man die Provinzen im Norden auch bekommt und somit ein Irland von Ulster bis Munster.
Collins hatte, trotz seiner Erfahrung, die IRA als politisches Instrument voellig unterschätzt, bsonders die Militaerfuehrer im Sueden des Landes, die es partout nicht einsahen, dass sie a.) einem Knebelvertrag zustimmen sollten und b.) Keinen Einfluss mehr in einer neuen Republik hätten.
Nicht nur fuehrte der Vertrag zu Befuerwortern und Gegnern, schlimmer, er spaltete die IRA, die als politischer und militaerischer Arm den Krieg gegen England führte.
Wie Sunzu im Buch „Von der Kunst des Krieges“ schrieb, „Halte die Armee hinter Dir. Sei es durch Angst und Schrecken, oder als Teil des Systems. Ohne Armee bist Du nackt.“
Das hat er nicht bedacht und das Land geriet in einen Buergerkrieg zwischen Nord und Süd, wobei man Collins keinen Vorwurf machen kann. Nachblickend betrachtet waere es so oder so dazu gekommen.

Am 22. August 1922, als der Buergerkrieg noch tobte und die Free State Army in der Provinz Münster unter anderem in Cork die Rebellen bekämpfte, geriet Collins in Béal na mBláth in einen Hinterhalt, als IRA Kaempfer mitbekamen, dass Collins Verwandte im County Cork besuchte. Collins starb an einer Kopfwunde, weil so ein Affe auf ihn geschossen hat.

Persoenlich betrachtet und das ist voellig subjektiv, nach allem was ich ueber ihn gelesen habe, bin ich zutiefst ueberzeugt, dass mit ihm ein anderes Irland entstanden wäre. Michael Collins mag ein Kind seiner Zeit gewesen sein, aber auf Grund all der Erfahrungen die er gemacht hat bin ich überzeugt, er haette Irland anders gestaltet. de Valera war ein Opportunist, auch wenn er in der Historie im Buch ueber Fianna Fáíl, das ich gelesen habe, in einem glanzvollen Licht erscheint. Collins haette Irland komplett neu gestaltet und Churchill den Stinkefinger gezeigt bezueglich Sanktionen.
Collins haette hoechstens die Neutralitaet zu Gunsten der USA aufgegeben und wahrscheinlich Irland nach amerikanischen Vorbild gestaltet. Michael Collins suchte den kompletten Bruch und vielleicht gaebe es wirklich ein Irland von Ulster bis Munster, ohne dass das Land wie eine Kopie Englands wirkt