Michael Collins

Irische Geschichte ist, wie die Geschichte jedes Landes, meist recht kompliziert und blutig, ok hoechstens die Geschichte der Schweiz, oder Liechtensteins dürfte ruhig und beschaulich verlaufen sein, was die Ruhe und die Ausgeglichenheit der Schweizer erklärt.

Hier bei uns, da ging es etwas anders zu. Wie man weiss, war Irland fast 800 Jahre Teil des Empire und Schauplatz diverser Konflikte. Wenn nicht die Iren rebellierten, was sie sehr haeufig machten, dann zogen andere Voelker ueber die Insel, nicht fuer irische Interessen, sondern fuer ihre eigenen.

Spricht man mit Iren ueber die Geschichte dieses Landes, dann faellt ein Name sehr häufig, Michael Collins.
Michael Collins ist in Irland der Nationalheld, egal ob Gegner, oder Anhänger, Michael wird oft heraufbeschworen und so mancher Ire, wie mein Freund Declan sagt, „I wish Michael would be here, he would rebuild the Country.“

Ich habe die Biographie und ein paar andere Buecher ueber Collins gelesen und muss sagen, ich war Beeindruckt. Er war nicht nur eine charismatische Persönlichkeit, Collins war auch pragmatisch, was den Anglo-Irish Contract anbetraf, selbst wenn er bei der Unterzeichnung sagte, „ich habe Heute mein Todesurteil unterschrieben.“
Collins ging davon aus dass, sollten die Englaender abgezogen sein, man sich Gedanken ueber ein Irland vom Norden bis zum Sueden machen koennte. Dass der Buergerkrieg und das Attentat auf ihn verhinderte, dass hatte er natuerlich nicht bedacht.

Michael Collins wurde am 16. August in Clonakilty geboren, natuerlich in unserem County. Michael war ein Kind der Zeit, als hier in Irland, gegen Ende des 19. Jhr. das „Celtic Revival“ war. Die Zeit, als man begann sich auf seine traditionellen Wurzeln zu besinnen.
Man las irische Dichter, lernte in an seinen freien Tagen irisch, ging ausschliesslich in irische Clubs und war Mitglied in ihnen, wie z.B. Irish Republican Brotherhood. Acuh Collins war Mitglied im IRB und soielte Hurling in der GAA, die um 1884 entstand, im Zuge des irischen Bewusstseins.
Die GAA wollte den Sport „irisch“ machen was bei Hurling ja kein Problem war, aber irish Football, nun gut.

Wie viele Iren verliess Collins, in der Hoffnung auf einen Job, als knapp 16 Jaehriger die Insel und lebte bei seiner Schwester in London. Dort bekam er einen Job in einem Postoffice und verkehrte, wie die meisten Iren, in irischen Emigrantenzirkeln.
In London kam er in Kontakt mir einem Mitglied des IRB, der auch aus dem County Cork kam und auch in der GAA aktiv war. Er ueberzeugte Collins doch Mitglied des IRB zu werden, was Collins 1909 auch machte.

Politisch, oder agitatorisch faellt Collins nicht auf. Vermutlich ging er seiner Arbeit nach, traf sich danach mit den anderen Iren und man diskutierte die Zukunft Irlands.
Anfang 1916 kehrte er auf Initiative des IRB nach Irland zurueck und war involviert in den Easter Rising als einer der Kommandeure, ausgehend vom Dublin General Post Office. Nach der Zerschlagung des Easter Rising wurde Collins, als einer der wenigen Kommandeure, nach Wales interniert, während andere kurz danach von der britischen Armee in Dublin exekutiert wurden.
Im Internierungslager traf er auf Mitglieder von Sinn Féin und auf Éamon de Valera, einem der fuehrenden Koepfe Sinn Féins. de Valera nutzte Collins Beliebtheit unter den Inhaftierten und beide wurden Freunde, was sich fuer Collins als fatal erweisen sollte.
Dezember 1916 kehrte Collins nach Irland zurueck und wurde fuehrendes Mitglied der Sinn Féin im County Cork.
Nachdem die Englaender Wahlen in Irland zuliessen, stellte sich Collins zur Wahl fuer das Dáil Éireann in Dublin und gewann mit grosser Mehrheit einen Platz im Abgeordnetenhaus.

Waehrend des Unabhaengigkeitskrieges von 1919-1921 war er Finanzminister der provisorischen Regierung, Chef des Geheimdienstes der IRA (die zwoelf Apostel) und, als de Valera in die USA reiste, um Unterstützung fuer die irische Sache zu bekommen, praktisch Oberhaupt, vergleichbar mit einem Taoiseach.
Collins war die Schluesselfigur und fuer die Briten der Staatsfeind No.1, wie Vincent McDonnell in seinem Buch, „Michael Collins Most wanted Man,“ schreibt. Insgesamt 10 Grant wurden fuer die Ergreifung, oder Ermordung von Collins ausgesetzt, ohne dass jemand irgendein Wort gegenueber den Englaendern fallen liess und Collins waehrend dieser Zeit vom Untergrund aus agierte und zwischen dem County Cork und Dublin hin- und her wechselte.

Nach dem Waffenstillstand zwischen England und dem Irish Free State, war Collins einer der Verhandlungsführer. Collins, der ebenso wie die Anderen darauf vertraute, dass de Valera der Kommission beitrat sah sich ploetzlich in einer ziemlich schlechte Ausgangslage.
Der Vertrag, den man ihnen vorlegte, bedeutete im Grunde genommen das Todesurteil fuer alle, denn keiner in Irland waere bereit gewesen die Bedingungen zu akzeptieren. Ausserdem, und das war die Falle, hatten sie nur wenige Tage Zeit den Vertrag zu unterzeichnen, andernfalls haette England den Krieg fortgesetzt, zumal es in eine Zeit fiel, als die Engländer einen Hauptteil ihrer Truppen im Norden der Insel konzentriert hatten, also Veteranen aus dem ersten Weltkrieg.
Collins telegraphierte die Bedingungen nach Dublin in der Hoffnung, dass de Valera und die Uebrigen zustimmen wuerden. Die unmissverständliche Antwort aus Dublin lautete, „Wir werden dem Vertrag unter keinen Umstaenden zustimmen.“

Mit der Pistole an der Brust und dem Dolch im Rücken blieb ihnen nichts anderes übrig, als den Vertrag zu unterschreiben. Andernfalls hätte es noch laenger Krieg gegeben.

Hier zeigt sich der Pragmatismus Collins.
Seine Hoffnung bestand darin, dass der Vertrag vom Dáil ratifiziert werden muesste, d.h. wenn man den Dáil auf seine Seite zieht, dann besteht eine winzige Chance auch die Kommandeure der IRA auf die Seite der Befuerworter zu bekommen und da Zeit ein taktisches Mittel ist, bestuende die Möglichkeit dass man die Provinzen im Norden auch bekommt und somit ein Irland von Ulster bis Munster.
Collins hatte, trotz seiner Erfahrung, die IRA als politisches Instrument voellig unterschätzt, bsonders die Militaerfuehrer im Sueden des Landes, die es partout nicht einsahen, dass sie a.) einem Knebelvertrag zustimmen sollten und b.) Keinen Einfluss mehr in einer neuen Republik hätten.
Nicht nur fuehrte der Vertrag zu Befuerwortern und Gegnern, schlimmer, er spaltete die IRA, die als politischer und militaerischer Arm den Krieg gegen England führte.
Wie Sunzu im Buch „Von der Kunst des Krieges“ schrieb, „Halte die Armee hinter Dir. Sei es durch Angst und Schrecken, oder als Teil des Systems. Ohne Armee bist Du nackt.“
Das hat er nicht bedacht und das Land geriet in einen Buergerkrieg zwischen Nord und Süd, wobei man Collins keinen Vorwurf machen kann. Nachblickend betrachtet waere es so oder so dazu gekommen.

Am 22. August 1922, als der Buergerkrieg noch tobte und die Free State Army in der Provinz Münster unter anderem in Cork die Rebellen bekämpfte, geriet Collins in Béal na mBláth in einen Hinterhalt, als IRA Kaempfer mitbekamen, dass Collins Verwandte im County Cork besuchte. Collins starb an einer Kopfwunde, weil so ein Affe auf ihn geschossen hat.

Persoenlich betrachtet und das ist voellig subjektiv, nach allem was ich ueber ihn gelesen habe, bin ich zutiefst ueberzeugt, dass mit ihm ein anderes Irland entstanden wäre. Michael Collins mag ein Kind seiner Zeit gewesen sein, aber auf Grund all der Erfahrungen die er gemacht hat bin ich überzeugt, er haette Irland anders gestaltet. de Valera war ein Opportunist, auch wenn er in der Historie im Buch ueber Fianna Fáíl, das ich gelesen habe, in einem glanzvollen Licht erscheint. Collins haette Irland komplett neu gestaltet und Churchill den Stinkefinger gezeigt bezueglich Sanktionen.
Collins haette hoechstens die Neutralitaet zu Gunsten der USA aufgegeben und wahrscheinlich Irland nach amerikanischen Vorbild gestaltet. Michael Collins suchte den kompletten Bruch und vielleicht gaebe es wirklich ein Irland von Ulster bis Munster, ohne dass das Land wie eine Kopie Englands wirkt

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