Teufelszeug

Der Teeverbrauch in diesem Land, ist gefühlt wahrscheinlich hoeher als in England und es gibt Leute die behaupten, die Iren haetten den Tee nach England gebracht, als Strafe fuer die Besatzung und weil man den Briten das Guiness nicht goennte, die Englaender also gezwungen waren, wieder Leute nach Irland zu schicken, um in den genuss eines Guiness zu kommen.
Ist natuerlich Schwachsinn, denn die Inder waren es, die im Rahmen des Commonwealth nach England kamen und in London entweder als Rosenverkäufer arbeiteten, einen Laden aufmachten, der bis 23 Uhr geoeffnet hat, oder ein Restaurant eröffneten, meist mit dem schoenen Namen Bombay.
Da Taxis damals nicht erfunden waren und der Kutschverkehr fest in britischer Hand war, dauerte es noch bis zur Erfindung des Taxis, als die ersten Inder und Pakistaner die Taxis chauffierten.

Aber das ist eine ganz andere Geschichte. Zurueck zu Irland und zum Tee. Die Iren sind geradezu verrueckt nach Tee und trinken ihn, wenn moeglich mit Milch und Zucker, zu jeder Tages- und Nachtzeit und jeder sich bietenden Gelegenheit. In der Pause, beim Mittag, zum Zähneputzen, in der Sauce, auf dem Klo, also quasi ueberall.
Tee hat bei uns den Stellenwert und die Akzeptanz von Pubs und Alkohol. Wobei ich gaenzlich untypisch bin, ich bevorzuge Kaffee und Kultur aus Wien, wo man entspannt im Kaffeehaus sitzen konnte, einen Braunen, oder eine Melange vor sich hatte und dazu Buchteln und das nach Moeglichkeit im Havelka, der Wiener Institution.

Es gab allerdings eine Zeit in Irland, da eilte dem Tee ein ganz untypischer Ruf voraus, naemlich das Tee eine aehnliche Wirkung wie Cannabis besitzt.
Das natuerlich wollte ich aus erster Hand wissen, ging also zum Tesco und kaufte mir eine Packung Barrys, zahlte am Quickcheckout und ging damit nach Hause.
Daheim angekommen stellte ich die Packung neugierig auf den Tisch, oefnnete sie und schnupperte daran.
Wie erwähnt, ich bin Kaffetrinker. Ich nehme eine Bohne in die Hand, weiss wo die herkommt, wer die gepflueckt hat, wie er heisst, sein Alter, Gewicht und Schuhgroesse und ob er Links- oder Rechtshaender ist. Wenn sich die Finger braun faerben, dann weiss ich, es war ein Hasenkoettel, also bah.

Nun stand es vor mir, das Teufelszeug, und ich überlegte was man damit machen kann. Also uebergoss ich es mit Heisswasser, liess es, wie auf der Packung angegeben, ideal ziehen und trank es. Aber kein Effekt wurde sichtbar, ausserdem liess die Wirkung von 20 Liter Espresso nach. Das war das Einzige, also nahm ich einen zweiten Beutel und liess diesen ueber Nacht im Wasser.
Der Geschmack am naechsten Morgen war bestialisch und meine Zaehne wurden sofort schwarz. Voller Panik dachte ich an Mundfäule und schrubbte mir die Zaehne mit Scheuerpulver.
Den naechsten Beutel machte ich auf und inhalierte den Inhalt durch die Nase, weder der Inhalt, noch der gerollte Tenner, vermochten irgendeinen Zustand zu bewirken.
„Ok,“ dachte ich, „das war also nix, vielleicht muss man das Zeug rauchen?“
Ich drehte mir eine Zigarette, ging damit in den Hinterhof und rauchte das Zeug. Was soll ich sagen, kein Erfolg.

Ich las also den Artikel im Spiegel noch mal durch und wollte wissen, welcher Geistesriese denn auf die Idee kam, Tee mit Cannabis zu vergleichen.
Eine gewisse Mary Leadbeater, ihres Zeichens Autorin und Reformerin, also praktisch die Alice Schwarzer des 19. Jahr., war verantwortlich fuer den ganzen Mist und nicht nur sie, sondern auch noch andere Geistesgrößen.
Diese Reformer waren der Meinung, dass Tee an den schlechten wirtschaftlichen Bedingungen schuld sei und das nur, weil die Landbevoelkerung Tee trank und somit natuerlich auch die Bauersfrauen. Man war der Meinung Tee habe eine rauschwirkung auf die Frauen, so dass sie ihren armen geplagten Maennern kein Abendbrot mehr machten, diese gezwungen waren mit dem Magen auf den Schuhsohlen in’s Bett zu gehen und am naechsten Morgen Saft- und Kraftlos auf dem Feld standen, waehrend ihre Frauen mit einer Selbstgedrehten im Mund und einem Eimer Tee in der Hand im Hof standen, mit der Nachbarin kloenten, die das Gleiche machte, und ihre Maenner vergaßen, die nach einer Woche voellig entkraeftet aus dem Pub getragen werden mussten.

Den Sinn dahinter, warum es Irland schlecht ging, verstanden diese Leute nicht, dass es weniger mit dem Tee, sondern eher mit den Bedingungen zu tun hatte.
Irland war Agrarland, die Laendereien meist von den Landlords gepachtet und die Bedingungen waren, gelinde gesagt, Scheisse. Hinzu kamen Missernten durch die Wetterverhältnisse, also es war ein ziemlich hartes Brot Farmer zu sein. Der Tee hatte da wenig zu tun.

Aber, wie es bei Verschwoerungstheorien so ist, glaubte man im Tee eine ganz grosse Verschwoerung zu sehen, die letztendlich zu Aufstaenden, Revolution und Massenmord fuehren kann und darin gipfelt, dass alles den Bach runtergeht. Also tranken nur die Armen Tee….ok die Reichen auch, mit einem Schluck Whiskey drin, oder aus dem Bauchnabel ihrer Haushälterin. Waehrend Frau Gemahlin das im Stall mit dem Stallburschen machte, hihi.
Nein, man war wirklich der Meinung Tee sei ein Gesoeff fuer Arme, was diese in Lethargie stürzt und frueher oder spaeter zu Aufstaenden und damit zum Ende des britisch Empire.
Zum Glueck hat sich dieser Humbug nicht durchgesetzt, hielt sich aber lange hartnaeckig, was ganz interessant ist, denn die katholische Kirche war der Meinung, Tee sei ein Getraenk, welches die Mahlzeit ersetzen könne und so den Hunger in diesem Land lindern. Zahlreiche Kirchen schenkten nach dem Gottesdienst Tee an ihre Glaeubigen aus.

Nicht Bier und die Pubs waren also fuer diese Reformer ein Albtraum, sondern der arme unschuldige Tee und deswegen trinke ich Kaffee. Tee hat die Angewohntheit zu beruhigen, wuerde ich also den ganzen Tag Tee trinken, der gut durchgezogen ist, dann wuerde ich einschlafen. Als ich meine schwere Grippe hatte und Literweise Tee trank, wie ein Rentner, musste ich nicht nur staendig wie ein Welpe auf die Toilette, sondern war so ruhig, dass man mich fast schon mit Ghandi verwechselt hat.

Mit bestem Dank an Uwe Dorniß fuer den Hattip und den Link aus dem Spiegel

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