Drink and Drive

Vorbemerkung: Vor einiger Zeit machte man sich in Kerry Gedanken, so wie das hier im Land ueblich ist, man macht sich naemlich meist Gedanken, ueber das Wetter, das Sozialsystem, das Pubsterben, die Kirche und ob eventuell die Schlangen wiederkommen, jetzt, da St. Patrick nicht mehr da ist. Wobei ich moegliche Touristen beruhigen kann, die Schlangen wuerden entweder erfrieren, oder ersaufen.
Nein, man machte sich in Kerry Gedanken ueber ein elementares Problem, welches in Bayern wahrscheinlich Jubelstuerme ausloesen würde. In Kerry gibt es ein Problem, naemlich das Problem saufender Bauern, die im, ich sage mal irisch-heiteren Zustand (welcher so zwischen Geselligkeit und ausgelassener Froehlichkeit liegt) den Fuehrerstand ihres Traktors entern und dann in heiter ausgelassener Stimmung nach Hause donnern. Natuerlich weiss das auch unsere Garda, die sind ja nicht bloed und kennen ihre Pappenheimer und natuerlich wissen die Farmer, dass die Garda das weiss usw. usw. usw. Also donnert man nicht über die Strasse heim, sondern brummt grad durch den naechsten Weidezaun, parkt seinen Traktor vorm Haus und schlaeft den Rausch aus. Das ist natuerlich ein Problem, denn nicht nur die Kuehe brechen in Panik aus, nein viel schlimmer, die Praemien fuer die Versicherungen koennen steigen, wir haben schliesslich sehr viele Farmer in Kerry und dementsprechend viele Weidezaeune. Also entsann man sich im County, man koenne folgendes machen, man gewaehrt betrunkenen Autofahrern -man wollte die ordinaeren Zecher nicht auslassen, schliesslich haben wir den Gleichheitsgrundsatz- eine Generalamnestie, wenn diese einen besonderen Fuehrerschein machen, praktisch Schlangenlinien auf Befehl fahren. Dafuer bekommen sie einen Drinker aehhhh Trinker, also einen besonderen Fuehrerschein, der es ihnen erlaubt, a.) betrunken zu fahren, aber nur wenn b.) diese folgende Regeln einhalten, nämlich a.) fahren auf Nebenstrassen, um den Verkehr und die Schafe nicht zu gefährden und b.) diese umsichtig fahren, was immer das heissen mag, wenn man auf Grund des Alkohols so schielt, dass man, wenn man vor der Tuer sitzt, im Hinterhof die Huehner zaehlen kann. Mein Freund Ronan sagte, dass bei der Abstimmung im County 4 von 5 fuer diesen Vorschlag gestimmt haben, wobei die Vier Personen Besitzer eines Pubs sind und wahrscheinlich fürchteten, die Zecher bleiben aus. Daraufhin fiel mir folgende Geschichte ein (mit Dank an Diana Kuhn fuer den Geistesblitz in meinem Kopf)

Es war kurz nach Schliessung des Pubs. Padraigh MacAllen versuchte der Landlady noch einen Kuss auf die Wange zu druecken, was diese ablehnte, setzte sich seine Flatcap auf, schwankte froehlich durch die Tuer und warf sich, alkoholgeschwängert, auf den Sitz seines 1935 Ford Treckers. Insgesamt brauchte er diesmal nur vier Versuche, bevor der Schluessel im Schloss steckte und sein Vehikel aechzend und jammernd den Dienst aufnahm. Paddy winkte noch seinen Mitzechern zu, die ebenfalls versuchten auf ihre Maschinen zu klettern, verlor dabei fast das Gleichgewicht, als er kuehn seine Kappe zog und fauchte Richtung Strasse. Froehlich sang er grad „Rocky Road to Dublin“ als er jaeh, knapp 500 Meter hinter dem Pub, von gleissendem Scheinwerferlicht gestoppt wurde. „Scheisse,“ fuhr es ihm durch den Kopf, „die Bullen!“ Mit letzter Kraft konnte er grade noch sein Gefaehrt stoppen und dachte, „scheisse, 50 Meter weiter und ich waere bei Seamus durch den Weidezaum gefahren…Drecksaecke!“ Der Ford tuckerte und Garda Offizier Michael O’Hanlon nahm neben ihm Stellung. „Na Paddy? Mal wieder einen ueber den Durst getrunken? Da ist jetzt aber mal Schluss mit!“
„Hmmmppff,“ war die einzige Reaktion von Paddy. „Na, was haben wir denn getrunken,“ fragte Michael und setzte hinzu, „diesmal haben wir was Neues, einen Alkotester.“

Paddy schaute missmutig von seinem Traktor und meinte, „Was Du und Dein nichtsnutziger Freund getrunken habt, das weiss ich nicht. Schaemst Du Dich eigentlich nicht harmlose Farmer mitten in der Nacht zu erschrecken? Schon als Kind hast Du mit Deiner Schleuder meinen Kuehen Steine auf den Arsch geschossen und Dich kenne ich doch auch,“ dabei zeigte er auf den zweiten Gardai, „bist Du nicht der kleine Finton? Der Sohn vom alten Fitzpatrick? Meine Mutter hat Deinem Alten die Rotznase geputzt und jetzt haltet Ihr Wegelagerer mich auf, bei St. Patrick, dass ich das noch erleben muss, gerade bei Euch Rotzluemmeln.“
Michael wurde jetzt foermlich „Sir,“ sagte er, „Sir, ich muss Sie bitten vom Traktor zu steigen und uns zum Wagen zu begleiten,“ dabei wuchs er auf 1,90.
Paddy grunzte, machte seinen Trecker aus, kletterte umstaendlich von seinem Gefährt, fiel fast lang auf die Strasse und gewann grade noch das Gleichgewicht wieder. Dabei rueckte er seine Flatcap grade und zog seine grobe Wolljacke glatt. Schwankend folgte er Michael zum Auto, wurde von diesen angewiesen am Vorderrad des Polizeiwagens stehen zu bleiben und Finton hielt ihm ein Geraet unter die Nase, „blas mal hier rein Onkel Paddy und solange bis ich Stop sage.“
„Ich sollte Dir den Arsch versohlen,“ meinte dieser, blies und mit einem pfeifenden Geräusch schmolz der Alkotester in der Hand Fintons
„Ha!“ schrie Michael, „das wird Teuer, ich lag schon so lange auf der Lauer um Euch zu kriegen, das wird Teuer!!!“

Man nahm den armen und bedauernswerten Paddy mit auf die Gardastation und klingelte den naechsten Veterinär, was anderes war grad nicht greifbar, fuer einen Bluttest aus dem Bett. Der Wachhabende blickte Paddy an, startete dann seinen Computer und fragte, „Na Paddy? Was hast Du denn getrunken?“
„Na, was weiss ich, ein paar Kerrystout, so 12-15 Pints werden es schon gewesen sein, ein paar Shots wenn’s hochkommt.“
Waehrend der Wachhabende das Protokoll ausfuellte erledigte der Veterinaer seine Arbeit und nahm Paddy die erforderliche Menge Blut ab. „Ergebnis kommt Morgen,“ lallte er, schwankte nach draussen und warf sich hinter das Volant seines Opels.
„Der war mit dabei,“ raunte Paddy, was der Wachhabende mit einem Schulterzucken quittierte. Paddy schneuzte sich die Nase, dann stand auch schon seine Frau in der Tür, die man natuerlich ueber den Vorfall informiert hatte.
Mary war hochrot und polterte los, „Jesus, Maria und Joseph, Padraigh MacAllen, wie oft habe ich Dir gesagt, Du sollst nicht trinken, was, um Himmels Willen sollen die Nachbarn sagen und wie soll ich das, bei St. Patrick und allen Heiligen, unserem Pfarrer erklären?“
„Was willst Du ihm erklären?“ Meinte Paddy, „der war ja mit dabei und schlaeft grad auf der Rueckbank seines Wagens seinen Rausch aus.“ Dabei grinste er. „Der hat gesagt, wer trinkt ist Gott näher, also haengt er ihm quasi auf dem Schoss,“ und lachte.

Mary wischte sich die Traenen aus den Augen, steckte das Taschentuch ein und zog ihren Mann heim. Fuer die naechsten 6 Monate hoerte Paddy nichts, weder von der Garda, noch von Gericht, noch sonstwas, bis eine Einladung vom County Kerry im Briefkasten lag, mit der Aufforderung, sich in der Bezirkshauptstadt Tralee zu melden. Paddy tat, wie ihm geheissen, und tuckerte in seinem Vauxhall zum Bezirksamt der Stadt Tralee, wo man ihm eröffnete, wenn er seinen Lebenstil so weiterfuehren moechte, dann braeuchte er einen neuen Führerschein, und zwar, so der Verwaltungsbeamte, den fuer Trinker. Paddy legte also seine Pruefung im Vollrausch ab, brummte 24 Pylonen auf 10 Meter ueber den Haufen, machte eine 180 Grad Wende-Vollbremsung auf einem Bierdeckel, stolperte beim Gehtest ueber die Fahrbahnmarkierung und schlug lang hin, was ein paar Abzüge gab, bekam aber letztendlich doch das begehrte Papier und faehrt seitdem, nach Schliessung zur Sperrstunde seines Stammpubs, froehlich mit „Whiskey in the Jar“ auf den Lippen, heim. Und wenn die Garda an der Strasse steht, dann winkt Paddy froehlich mit seinem Führerschein, dreht ihnen eine lange Nase, faellt fast aus dem Sitz wenn er kuehn seine Kappe schwingt und brummt seinem Nachbarn durch den Weidezaun, wenn er heimfährt.

Und die Moral von der Geschicht‘? Bei uns ticken die Uhren anders 🙂

In diesem Sinne
Céad Mile Fáilte

Jaehrlicher Wahnsinn

Es gibt Feiertage, da bricht immer der kollektive Wahnsinn aus, Weihnachten und Ostern. Ich kann mich noch erinnern, ein Jahr, bevor meine Mutter starb, schickte sie mich an einem Ostersamstag eine Kleinigkeit kaufen.
Meinen Einwand, dass an Ostersamstag halb Deutschland im Supermarkt sein werde, liess sie nicht gelten. Also nahm ich meinen Hund und das Auto, wuenschte meiner Mutter noch ein langes Leben und machte mich auf die beschwerliche Reise in den Supermarkt.
Ich habe, fuer eine Kleinigkeit, anderthalb Stunden dort verbracht und vor meinem inneren Auge sah ich, wie mein Hund einen qualvollen Tod im Auto stirbt, allein, ohne mich, dehydriert, verhungert. Oder sie mit letzter Kraft das Rueckfenster eintritt und die Haenchenbraterei auf dem Parkplatz stürmt und die letzten Schweinshaxen isst, um wieder zu Kraeften zu kommen.
Der Gipfel war dann, als meine Mutter mich anrief und fragte, „Gott, was dauert das denn so lang? Bist Du zum einkaufen nach Koeln gefahren?“
Ich stand Kilometer von der Kasse entfernt und es versteht sich von selbst, an diesem Wochenende haben Betzi, mein Hund und ich nicht mehr mit meiner Mutter geredet. Betzi war stinksauer, allerdings auch ein Opportunist und als meine Mutter ihr diesen Markknochen hinhielt, da konnte sie natuerlich nicht widerstehen, hat sich aber trotzdem abgewandt.

Nun lebe ich bekanntlich seit fast 3 Jahren in Cork und ich weiss, es ist bei uns noch schlimmer als in einer Großstadt. Bekanntlich haben wir 118.912 Einwohner und sind damit nach Dublin die zweitgroesste Stadt in Irland.
Jedes Jahr bricht hier der Wahnsinn aus und als wir den grossen Schnee 2010 hatten, da sahen einige Einzelhandelsbetreiber schon das Ende Irlands voraus. Nicht wegen dem Schnee, sondern weil die irischen Staedte bekanntlich Probleme damit haben ihren Pflichten nachzukommen und die potenziellen Kaeufer nicht die Moeglichkeit hat Dunnes, Debenhams und Penneys zu besuchen, damit sie ein paar Eure fuer die Lieben daheim dalassen konnten. Es war naemlich schweineglatt und der Schnee wurde nicht, oder nur teilweise geräumt, weil man in Irland nicht wusste, ist das ungefaehrlich, oder schickt der Himmel Kokain.

Letztes Jahr ging es, da wir bekanntlich keinen Schnee hatten, dafuer aber Regen und teilweise Temperaturen im zweistelligen Bereich. Dafuer war die Menge beachtlich, aber, wie es so kommt, es gibt fuer alles eine Steiegrung und die war dieses Jahr.
Vielleicht lag es an der Times und ihrem Artikel, „The Celtic Tiger is awake,“ vielleicht an der Kirche, moeglicherweise gaben ganz profane Gruende den Ausschlag, auf jeden Fall hatte man das Gefuehl ganz Irland lebt im County Cork.Vergessen die Krise von 2008, vergessen die Zurückhaltung, zu der unser Taoiseach aufgerufen hat, in diesem Jahr heisst die Devise, „Feuer Frei!!!“

Es bgeann am Donnerstag, als ich mich dummerweise dazu entschloss, dem Rat eines Freundes zu folgen und Champions aufzusuchen.
Man muss wissen, ich trage Basecaps. Ich trage diese Muetzen Tag und Nacht, ausser beim schlafen und duschen und, seitdem sich jemand aufregte, setze sie mittlerweile auch beim Essen ab, was mir schon schwer genug fällt. Kurz, ich liebe Basecaps.
Allerdings liebe ich Basecaps von amerikanischen Sportteams und da bevorzugt, Bears, Tigers und Red Sox. Man bekommt sie nicht in Cork, man bekommt sie auch nicht in Irland, also weicht man auf New York aus, oder pluendert bei Guineys, wenn sie zufaellig Caps von Boston und Indians haben.

Aber zurück. Mein Freund meinte, sie haetten bei Champions (Wir haben in etwa soviel Sportgeschaefte wie Pubs und Kirchen) Caps aus der NFL, MBA, NBA und NHL und ich solle mal schauen gehen.
Gesagt, getan, ich also da rein, mich an der Menge vorbei zu dem Regal geschlichen und geschaut, was sie denn so haben, ausser New York, Liverpool, Manchester, Chelsea und Celtic. Als Liverpool Fan haette ich ja, aber nein, ich nahm eine Boston Kappe und natuetrlich, die obligatorische New York, obwohl ich auch Pittsburgh Pirates haette nehmen können, aber die mag ich noch weniger als die Yanks.
Also nahm ich zwei Kappen und reihte mich in eine Schlange ein, schliesslich und das ist irische Tradition, selbst wenn die Leute bis nach Waterford stehen, zwei Kassen muessen reichen. Wuerde man alle Kassen aufmachen, koennte das nur fuer Unruhe in der lokalen Bevoelkerung sorgen und 96.3 FM dazu ermutigen eine Rundsage ueber den Aether zu machen.
Ich stand also da und beobachtete die beiden Maedchen vor mir, in ihrem typischen Outfit, weißes Sweatshirt die eine, pinkes die Andere. Natuerlich von ADIDAS, nur zu unterscheiden von den Pants, Pink und Weiß.
Waehrend die eine Freundin mal einen Ausflug machte und ein Top in der Trendfarbe Pink und Groesse S anschleppte, wusste die Andere nicht, ob es so vorteilhaft wäre. Die Frage stand im Raum Pink wuerde ja die schwarzen Haare ganz gut unterstreichen, aber ob die Groesse „S“ 1,56 und 70 Kilo vorteilhaft unterstreichen, sei dahingestellt. Also wurde das Teil wieder weg gebracht.

Ich unterdessen wurde in meinen Ueberlegungen je unterbrochen, als ich darueber sinnierte, warum es eigentlich keine internationalen irischen Models gibt, denn unglaublich schoene Frauen haben wir ja und hing grad bei der Frage, ob es an den Runners liegt die sie tragen und mit High Heels eine Gefahr fuer die Allgemeinheit darstellen, als mich ploetzlich eine Frau von der Seite anmachte. „Do you wait in this Queue?“
Jaeh aus meinen Gedanken gerissen sagte ich, „Nah, waiting for Santa Claus….Sure i’m waiting in this Queue, can’t you see it?“
Woraufhin sie irgendwas vor sich herbrabbelte, von wegen wie Scheisse das alles ist, nur zwei Kassen, den ganzen Tag schon wegen den Enkeln auf den Beinen und bla und Blubb, dann stellte sie sich einfach vor mich, wie das hier in Irland normal ist, warum sollte man sich an’s Ende stellen, schliesslich ist das ganze Leben schon schwer genug und überhaupt, die Krise, die scheiss Deutschen, der Euro usw. usw. Und ach ja, man hat ja den Opa 1916 verloren, nicht beim Easter Rising, Gott bewahre, Opa war immer vorsichtig, der wurde vom Blitz erschlagen als er die Kuehe melken wollte.
Also stand sie da, blickte hasserfuellt hinter sich und zischte, dass wir Jungen es immer so Eilig haetten und keine Ruecksicht auf die Alten nehmen. Dabei hatte ich nicht mal gesagt, nur, dass ich in der Schlange stehe und warte und nicht zu den Leuten gehöre, die anderen Leuten in die Einkaufstaschen steigen, nur weil man wartet, sondern einen gewissen Absatnd hält, aber das ist in Irland voellig unnormal, Koerperkontakt ist hier erwünscht, weswegen junge Maedchen sehr schnell schwanger werden, wenn sie in der Schlange stehen.

Hinter mir stand dann so eine alte Zippe und schlug mir permanent die Einkaufstaschen gegen die Schenkel und meinte wir sollten uns mal ein bisschen beeilen, sie wolle hier schliesslich nicht die Rente verbringen. Als ich mich umdrehte konnte ich niemanden sehen, was nicht sehr verwunderlich ist, da ich mit meiner Größe leider die meisten Iren überrage und mich immer freue, wenn ich Gespraeche mit Iren auf Augenhoehe fuehren kann.
Ich haette am liebsten unter mich geballert und der alten Hippe eine verpasst. Wahrscheinlich hat sie ihr verwoehnter Enkel dazu genötig ihm, oder ihr, zu Weihnachten ein neues Manchester, Arsenal, oder Chelsea Jersey zu schenken. Dabei sollten manche Iren mal endlich unsere Teams supporten, wie Cork City, oder die Bohemians aus Dublin, immerhin einer der aeltesten Fussballclubs in Irland.Aber die sucht man hier vergeblich und wenn ich Sachen von meinem Fussballclub kaufe, den ich unterstuetze, dann gehe ich zu Carrol’s der einzige Store, der Sachen vom Cork City Footballclub hat, ein Verein, dessen Mitbesitzer ich bekanntlich seit 2010 bin.
Auf jeden Fall liess ich mir die Schenkel blau knallen und hoerte mir die Kommentare von hinten an, dass frueher ja eh alles viel besser gewesen ist. Ja, frueher habt Ihr auch nur Kuehe, Schweinchen, Huehnchen, irish Stew und Schaefchen gehabt und seit von der Insel nach New York, oder Liverpool geflohen, waehrend der Rest sich von den Pfarrern hat zumuellen lassen, jeden Sonntag. Bis die EU Euch aufgepaeppelt hat, Ihr mal wirklich was vernuenftiges getan habt und Fianna gewählt, die dann die Gesetze liberalisiert haben, so dass die Firmen hierher kamen, weil sie nicht anders konnten und Fine Gael in der Krise steckte. Was auch fuer Fianna mal ein Quantensprung war.
Na ja, gefuehlt waren meine Schenkel schwarz, bis die Kassiererin ihre Konversation beendet hatte -man hat halt Zeit fuer ein Schwaetzechen bei uns, „Und mit der Familie alles ok? Was macht Finton“ Oh, haben Sie schon unsere Voucheraktion gesehen? Wir haben jetzt auch die Neue Cashbackcard, sieht schick aus.“- und ich an die Reihe kam, begruesst mit dem obligatorischen, „Thank’s a Million for shopping at Champions.“
„Yeah right!“ Ich hatte gefuehlte tausend blaue Flecken am Oberschenkel.

Am Samstag trieb mich dann der Hunger, sowie die Vorbereitungen fuer Heiligabend, aus dem Haus.
Nun ist die Gasse, die in Richtung zum Tesco fuehrt sehr alt und nicht sehr breit, ich schaetze mal um die 3 Meter, das heisst also auf diesen 3 Metern ballt sich der gefuehlte County Cork rund 500.000 Menschen und natürlich, wie koennte es auch anders sein, Touristen. Ich liebe es ja immer wieder, wenn meine Mitbürger ausgerechnet in dieser Gasse anhalten, um ein Schwaetzchen zu halten, ist ja sonst auch niemand unterwegs, ausser die Population von Dublin.
Und natürlich, wie kann es auch anders sein, einer dieser Turis muss unbedingt ein Photo von der Gasse machen und bleibt einfach stehen, so dass er praktisch einen Massenunfall verursacht. Natuerlich stoerte ihn das nicht, nein irgendwie fand er es lustig.
Man ist also gezwungen fuer alle Mitzudenken, damit man Unfaelle vermeidet, ganz besonders, wenn man dann den Tesco betritt, wo offensichtlich 1000 Leute beschlossen hatten sich im Skyshop einzudecken und eine Schlange bis zur Tescokasse reicht. Also beschloss man, damit die Stimmung auch recht kuschelig wird, eine Frau im Rollstuhl mitten im Gang stehen zu lassen, warum auch woanders und so schob man sich im Schritt fuer Schritt in den Tesco, wobei man sagen muss, dort verlor sich alles und, was man nur bei Tesco findet, alle Kassen waren besetzt, so dass man auch schnell wieder raus kam.

Es ist schon schwer genug, wenn man fuer sich denken muss, schwieriger wird es, wenn man fuer seine Mitbuerger das Denken uebernehmen muss und dazu dann noch diverse Organsitaionen die Zeit nutzen, damit sie genuegend Geld zum ausgeben haben.
Bei uns ist es so, dass gemeinnuetzige Vereine keine Unterstuetzung bekommen und seit unsere Regierung die sozialen Ausgaben nocheinmal reduziert hat, gibt es manche Organisationen, besonders die, die sich um Behinderte und Pflegebeduerftige kümmern, es besonders schwer haben ihren Service aufrecht zu erhalten.
Eine Organisation, deren Namen ich regelmaessig vergesse, ist jedes Jahr um die Weihnachtszeit unterwegs. Offensichtlich koennen sie auf die Schulen zugreifen und so stehen gelbgekleidete junge Menschen in Battalionsstaerke an strategisch guenstigen Punkten in Cork und halten Dir ihre Sammelbuechse unter die Nase. Manche, die nicht schnell genug sind, sehen aus wie russische Generäle mit den ganzen gelben Buttons an der Brust, die sie, nachdem sie ihren Obolus entrichtet haben, an die Jacke geheftet bekommen.
Nun heisst es nicht, dass man mit diesem „Stempel“ sicher wäre, denn schliesslich wollen die anderen auch noch was haben und mich erinnert der Button eher an das Signal fuer die Mitvolunteers, „Achtung der Typ hat Kohle in der Tasche, zur Pluenderung freigegeben.“
Und so sieht man verzweifelte Menschen, die versuchen den diversen Organisationen aus dem Weg zu gehen und dummerweise in die Seitengassen flüchten, nicht’s ahnend, dass diese Organisationen ihre Volunteers in speziellen Bootcamps schulen, wo sie so nuetzliche Dinge lernen wie, „Denkt an den Feind Kinder. Diese nutzlosen Spender sind schlau und versuchen durch die Seitengassen zu entkommen, deswegen ist das oberste Ziel, eine Phalanx in den Seitengassen zu bilden. Seamus, zeige uns auf der Karte mal die wichtigsten Ausweichpunkte in Cork….., genau Seamus und genau da erwartet Ihr sie. So Kinder und jetzt geht raus und schnappt sie Euch.“

Zum Glueck findet der Wahnsinn nur an Ostern und Weihnachten statt. Ich allerdings habe fuer meinen Teil beschlossen, ich kaufe dieses Jahr schon im Juli ein und bunker das Zeug fuer Weihnachten, aber wie das so ist, irgendwas vergisst man immer und stuerzt sich wieder in’s Getümmel, um danach mit zerissenen Klamotten und blauen Flecken nach Hause zu kommen, glücklich, dass man noch am Leben ist.