Unsinnige Vergleiche

Es ist schon eine Weile her, da las ich in einer deutschen Tageszeitung den Artikel eines Journalisten, der sich in der Aussage verstieg, dass man durchaus den Konflikt im Nahen Osten, mit dem Konflikt in Nord-Irland vergleichen könne, schliesslich seien auf beiden Seiten religioese Fanatiker am Werk.
Diese Sternstunde deutschen Journalismus musste ich erst mal nachwirken lassen. Zeigte der Artikel doch eins, wie voellig dumm manche Jpurnalisten sind, nicht nur in deutschen „Qualitätsblättern“ und was Zeitungen nicht alles tun, um die Auflagen zu steigern. Ich habe eh bei manchen Journalisten den Eindruck, dass sie in ihrer warmen Redaktionsstube sitzen und manche Laender ausschliesslich von der Landkarte hinter ihrem Ruecken kennen, und ueber die Politik der Länder, ueber die sie schreiben, soviel Ahnung haben, wie ein Erdmaennchen vom Eier legen. Wie der Verschwörungsjournalist Matthias Broeckers kurz nach dem 11/9 in einem Interview zu seinem Buch ueber den Terroranschlag in den USA freimuetig bekannte, „wozu soll ich denn in den USA recherchieren? Ich brauch daheim nur auf dem Sofa sitzen und in’s Internet schauen.“ Stimmt, kann man dazu nur sagen. Manche Eintraege im Internet sind geradezu die Brutstaette der totalen geistigen Verblödung, besonders wenn man sich in einschlaegigen Foren umschaut.

Offensichtlich hatte es Eingangs erwaehnter Journalist auch nicht so mit Politik, oder dem Studium der besagten Regionen, aber wahrscheinlich haette er den gleichen Mist so, oder aehnlich, in die Tastatur getippt. Schliesslich werden sie mit Computern bewaffnet und keiner zerreisst nach Korrektur ihren digitalen Würfelhusten und schickt sie erst mal in die Abendschule, wo sie vielleicht noch etwas lernen können.
Vergleicht man beide Regionen miteinander, dann haben sie soviel gemeinsam, wie ein Braunbaer mit einer Stachelbeere. Vom Namen her aehnlich klingend -bis auf die Schreibweise- ansonsten voellig unterschiedlich.

Waehrend der Staat Israel mit Nachbarn leben muss, die sich nichts sehnlicher wuenschen, als diesen Staat von der Landkarte zu radieren, leben Nord-Irland und die Republik Irland in vertrauter Nachbarschaft. Und auch die IRA, oder die UDF kann man nicht mit den Parteien im Nahen Osten vergleichen.
Die Radikalislamistische Hamas im Gaza hat nichts besseres zu tun, als seinen Nachbarn permanent mit Raketen zu beschiessen (seit 2001 wurden insgesamt 12.000 Qassam Raketen auf israelisches Gebiet abgefeuert, nebst Moersergranaten), falls sie nicht mit Raketen schiessen, dann machen sie Paraden, wo schon die Kleinsten als Maertyrer verkleidet durch die Strassen laufen und zum Hass erzogen werden. Und falls auch da mal Ebbe herrscht, dann werfen sie ihre Kontrahenten der Fatah von Hausdächern, so geschehen im Buergerkrieg zwischen Hamas und Fatah, als beide um die Oberhand im Gaza kämpften. Daneben gedeiht die Bevoelkerung im Gaza prächtig, dank Viagra und anderen Dingen, finanziert durch die UNRWA und z.B. die EU.
Die Radikalislamistische Hiz’bullah im Libanon drangsaliert, nicht nur wie die Hamas, ein ganzes Volk, wobei die libanesische Regierung still hält, weil sie lange genug Buergerkrieg im Libanon hatte. „Die Schweiz des Nahen Ostens“ wie der Libanon in den Sechziger und Anfang der Siebziger Jahre genannt wurde, versank ab 1975 in einen fast 20 Jahre dauernden Buergerkrieg. Es verwundert also nicht, wenn die Regierung in Beirut versucht im Sueden des Landes nicht allzusehr aufzufallen, obwohl das ein voellig falscher Schritt ist, aber es ist nicht meine Aufgabe Beirut zu erklaeren was besser ist.

Und die Orthodoxen und Ultraorthodoxen in Israel sitzen, wenn sie nicht gerade in der Knesset rumhängen, in irgendwelchen Gebetsschulen ueber dem Talmud und der Thora. Boykottieren die Regierung in Jerusalem, weil sie der Meinung sind der Staat in dem sie leben, sei nicht ihr Staat, kaufen ganze Haeuserzeilen in Tel Aviv, da sie keine Steuern zahlen müssen, sehr zur Freude der saekularen Israelis (was Juden, Christen und Muslime einbezieht), oder beschimpfen ihre Nachbarn in Me’a Sche’arim, einem Stadtteil von Jerusalem, und kleben Schmaehschriften gegen ihren Nachbarn Yossi, gegen die Regierung, oder gegen sonstwen an die Häuserwände. Die haben gar keine Zeit fuer religoes gefaerbte Konflikte gegen die Nachbarn im Ausland, geschweige denn zum Raketen bauen. Vor allem nicht am Shabbat, da haben sie alle Haende voll zu tun ihren Landsleuten saemtliche Vergnuegen zu verbieten, wie z.B. Bus fahren. Das machen sie durch Protest und sprengen den Bus nicht in die Luft.

Kommen wir nun zum „religioesen Konflikt“ in Irland. Die IRA war praktisch der bewaffnete Arm im Kampf um die irische Unabhängigkeit und ging, nach dem Anglo-Irish War, in der Free State Army auf.
Die IRA in Nord-Irland war lange Jahre, nach der Unabhaengigkeit der Republik Irland, inaktiv. Selbst als 1932 der grosse Protest in Staedten wie Belfast, oder Derry ausbrach und die Arbeiter gemeinsam gegen die wirtschaftlichen Bedingungen auf die Strasse gingen, da blieben die IRA Aktivisten daheim. Bei dem grossen Protest zogen Katholiken und Protestanten gemeinsam marodierend durch die Strassen.

Die IRA wurde erst Anfang/Mitte der Fuenfziger Jahre aktiv und versuchte in Grenzscharmuetzeln gegen die Republik Irland, die Regierung in Dublin ohne Erfolg herauszufordern. Das Kalkuel der IRA ging nicht auf und es gab keinen Konflikt wie zwischen Indien und Pakistan, da die Armee die Grenzen dicht machte und die Engländer, mit Hilfe der Nachrichtendienste, das ganze beendete.
Die amerikanische Journalistin Claire Sterling schrieb in ihrem Buch ueber die „Netzwerke des Terrors“ 1982, „die IRA war nie eine religiöse, oder politisch interessierte Gruppe. Ihre Fuehrer wussten mit Politik, oder den Ideen der sozialistischen Revolution ueberhaupt nichts anzufangen. Anfangs war die Sovietunion ganz begeistert von Nordirland, hoffte sie doch mit Hilfe der IRA auf ein Kuba vor Europas Haustür und unterstuetzte die IRA mit Waffen, welche ueber die Blockstaaten, wie die CSSR, an irische Kuesten geliefert wurden. Die Euphorie wandelte sich schnell, als Kommandeure der IRA sagten, „was soll der politische Mist? Wir wollen keinen Sozialismus, wir wollen die Englaender raus haben. Ideologie bringt uns kein Essen auf den Teller. Wir haben das Geld, Ihr habt die Waffen.“ Und der Rest war egal.“
Immerhin wurden Mitglieder der IRA in Terrorcamps im Nahen Osten ausgebildet und der mittlerweile, zum Glueck, verblichene Gaddafi unterstuetze die IRA mit Geld und Waffen, das war in den Siebziger Jahren.

Die IRA rief auch nicht an und sagte den Radiostationen, „Im Namen des Vaters, des Sohns und des heiligen Geists sind wir verpflichtet die Protestanten auszulöschen! Tod allen Protestanten!!“
Genausowenig meldete sich die UDF nach einem Mord und sagte, „Tod allen Katholiken!“
Der Konflikt war immer nationalistisch geprägt.
Selbst der Rassismus gegenueber den Menschen, die aus der Republik nach Nord-Irland gingen, um Arbeit zu finden und die bei der Arbeitssuche und in den Schulen diskrimiert wurden war nicht religiös sondern rassistisch und erinnerte eher an eine Form der Apartheid. Man hielt die Katholiken fuer Bloed und zurückgeblieben, nicht weil sie Katholiken waren, sondern weil sie aus der Rublik kamen. Man glaubte, wenn nichts im Radio kam, oder der Gottesdienst langweilig war, dass sie sich wie die Hamster vermehren. Die Menschen hatten sehr zu leiden unter dem Klima, vor allem weil sie aus wirtschaftlicher Not in den Norden gingen und dort wie Menschen zweiter Klasse behandelt wurden. Ein religioeser Konflikt blieb aus.

Mit viel gutem Willen und einer gehoerigen Portion Unwissen kann man den grenzdebilen Ian Paisley mit Hassan Nasrallah, dem Fuehrer der Hiz’bullah, vergleichen. Da muss man aber dann schon sehr dumm sein.
Ian Paisley, 1926 geboren, mag zwar Pfarrer sein, sein Engagement in der Politik war aber nie religioeser Natur. Wenn man sich die Muehe macht und Ian Paisleys Reden studiert (mühselig) stellt man fest, dass seine ganze Intention nicht religiös, sondern Unionistisch war. In keiner Rede spricht er davon, dass Nord-Irland von Gott gewollt und Queen Elizabeth von Gott eingesetzt wurde. Paisley war und ist ein Trottel, aber er bemuehte keine Floskeln aus der Bibel.
Ebenso ist der Oranier Orden und der ganze Zinober zum Jahrestag der Gründung, 12. Juli 1690, nicht religioes motiviert. Natuerlich sollte man den Deppen mit Dachlatten den Arsch versohlen, weil der Orden und der Umzug eine einzige Provakation sind, die auch bei vielen Protestanten in Nord-Irland keine Unterstuetzung finden und die, genauso wie Katholiken, genug von der Gewalt haben.
Ein Grund warum die IRA sich vom bewaffneten Kampf lossagte und eigentlich ein krimineller Haufen ist, ebenso wie die Real IRA, die keine wirklich politischen Ziele verfolgt.

Auch die Sinn Féin ist keine religoese Partei, sondern eine zutiefst Nationalistische, die sich selber als „Sozialistisch“ bezeichnet (lachhaft), Sinn Féin ist eine Ansammlung von Weltfremden „Neinsagern“ unter Fuehrung von Garry Adams mit Antisemitischen Anwandlungen und Aussagen. Viele Mitglieder dieser Partei sind, wie auch in der Vergangenheit, Gemischtreligioes. Es ging und geht nicht um katholisch oder protestantisch, es geht um irisch, oder nicht, um eine Insel.

Ein Zitat von Fontane passt sehr gut,„Gegen eine Dummheit die gerade in Mode ist, kommt keine Klugheit auf.“ Bei manchen Menschen und einigen Journalisten passt ein Zitat von Dieter Nuhr viel besser, „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten.“

Aber vergleichen laesst sich Irland ja mit allem, da fallen mir jetzt mal so ganz spontan folgende Beispiele ein:
Nordkorea: „Die Drohung Nordkoreas gegenueber der UNO kann man vergleichen mit der Weigerung der Sinn Féin gegenueber den Sparmassnahmen der irischen Regierung, „Klar, wir haben zwar die EU Zahlungen verprasst, aber hey, man kann einem nackten Mann nicht in die Tacshe greifen.“
Tibet: „Man kann die Unruhen in Tibet durchaus mit dem bewaffneten Kampf der IRA vergleichen, beide kaempfen fuer die Unabhaengigkeit ihres Landes und den Anschluss an irgendwas.“
Dem Klimawandel: „Die Pole schmelzen, genauso wie das Eis im Bailey’s.“

Aber Spass Beiseite, um es nochmal ganz klar zu machen. Im Nahen Osten wirken Kraefte denen die dort lebenden Menschen ein Dorn im Auge sind und die ein Land ausradieren möchten, samt Inhalt. Und es ist ihnen egal, ob das Juden, Christen, oder Muslime sind. Denen ist nicht nur das Land ein Dorn im Auge, sondern auch die Lebensweise dieser Menschen. Das sind Leute die den Koran im Buecherregal haben, die aber keine Ahnung davon haben, was in dem Buch steht. Die auch keine Ahnung haben, oder es ablehnen, wie modern die Welt ist. Homosexualitaet ist keine Krankheit, sondern normal. Frauen sind keine eigene Spezies, sondern unterscheiden sich in der Physiognomie. Ansonsten sind sie ganz normale Menschen. Andere Ansichten, oder eine andere Religion ist eine voellig normale Sache. Diese Leute glauben sie sind der Nabel der Welt, sie haengen Homosexuelle an Baukraenen auf, glauben eine Frau muss sich verhuellen und dem Mann Untertan sein, andere Ansichten und Religionen muss man verfolgen. Diese Zeit hatten wir in Europa schon mal und man kann diese Menschen nur mit dieser Zeit vergleichen und nicht mit Irland und man kann diese Menschen nicht mit kulturellen Eigenheiten entschuldigen.
Es liegt an uns die Rechte von Homosexuellen zu schuetzen, obwohl das Quatsch ist, weil es so normal wie nur was ist, die Rechte von Frauen, was auch Quatsch ist, weil Frauen sollten generell gleichberechtigt sein in einer modernen Gesellschaft, sich weder verhuellen noch einem Mann Untertan sein (man sollte da eher dem Mann den Arsch versohlen der so denkt) und die Rechte von Andersdenkenden.
Wer das mit kulturellen Eigenheiten erklaeren möchte, der hat nicht alle Tassen im Schrank. Und er hat nicht alle Tassen im Schrank wenn er religioese Fanatiker mit dem Nord-Irlandkonflikt vergleicht.

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