Irlands tote Kinder

Vor einiger Zeit ging eine Meldung um die Welt, die so ungeheuerlich klang, dass man sie zunächst nur für eine bösartige Unterstellung halten konnte.

Die Historikerin Catherine Corless veröffentlichte einen Artikel in dem sie schrieb, dass in den katholische Heimen für ledige Mütter in Galway ca. 800 Säuglinge ermordet und verscharrt wurden. Eine Suche daraufhin brachte in der Tat die Erkenntnis, dass auf dem Grund, des ehemaligen Bon Secour Heimes, die Überreste von Säuglingen gefunden wurden, die man dort in den Jahren zwischen 1925-1961 verscharrt hatte.
Der englische Independent schrieb daraufhin vom „Irish Holocaust“ und dunklem Kapitel der irischen Geschichte.
Die Ankündigung unseres Taoiseach Enda Kenny, eine Untersuchungskommission einzuberufen, zeigt aber nur in welchem Dilemma und Teufelskreis sich die katholische Kirche in Irland befindet, die sich gleich bemühte zu betonen, dass eine Aufklärung schwierig sein dürfte, da die meisten der dort tätigen Nonnen, ihrerseits längst vor dem Schöpfer stehen, so als wolle man die Schuld nur weit genug von sich schieben.

Dabei wird bei all dem Geschrei geflissentlich vergessen, dass dies nur ein weiterer Punkt in den Skandalen und Skandaelchen der katholischen Kirche ist, die hier in Irland, mit Hilfe der Regierungen, schalten und walten konnte wie es ihr beliebte. Die katholische Kirche hatte und hat mehr Einfluss auf das tägliche Leben, als in irgendeinem anderen Land und trotz der sinkenden Kirchenbesucher sind die Iren, in meinen Augen, noch katholischer als Spanier und Italiener zusammen genommen.
Während in Italien der Einfluss der Kirche zurück gedrängt werden konnte, ist er hier, nach wie vor ungebrochen.
Irland leistet sich sogar den Luxus und besitzt einen Paragraphen zur Bekämpfung der Blasphemie, was wohl dem konstanten Einfluss geschuldet, den die Kirche hier geniesst.

Die Frage, woher dieser Einfluss kommen mag, lässt sich wahrscheinlich mit der Geschichte des Landes erklären, sowie die Lage als Insel.
Einfluesse von aussen kamen durch die englische Besatzung. Nachdem Heinrich VIII sich von Rom losgesagt hatte und sich am 3. November 1534 mit seinem Act of Supremacy im Parlament durchsetzen konnte, schwand der Einfluss der katholischen Kirche in England. Die feindliche Haltung Heinrichs gegenüber den Katholiken in England schwappte auch nach Irland über und dürfte für einen stärkeren Zusammenhalt der Iren mit der Kirche gesorgt haben.
Irische Bischöfe unterstützten die nationalen Bestrebungen Irlands, so zum Beispiel Michael Logue, Patrick Joseph O’Donnell und John D’Alton, was wiederum dazu führte, dass die Kirche zu mehr Einfluss kam, was Irland bis Heute belastet.

Aufkeimende Gerüchte beispielsweise über Missbrauch an Kindern, wurden von der Regierung geschickt verdrängt, oder, wie im Falle der Ryan-Kommision eher halbherzig unterstützt. Und auch beim Murphy Bericht verlief die Aufklärung nur schleppend. Es schien, als hätte die Regierung gar kein Interesse daran, dass die katholische Kirche in Misskredit kommen könnte, schliesslich genoss die Kirche eine hervorgehobene Stellung in Irland von 1937 bis 1973.

Die Toten der Grossen Hungersnot von 1845 hätten zwar nicht vermieden werden können, da verschiedene Ursachen dazu führten, aber die Kirche hat eine unrühmliche Rolle waehrend der Jahre gespielt. Liam O’Flaherty beschrieb in seinem Buch „Famine“, dass die protestantischen Pfarrer den Leuten mit Armenspeisungen halfen und Lebensmittel in England für die Notleidende Bevölkerung sammelten, während die katholischen Pfarrer vom grossen Gottesgericht, das über Irland gekommen wäre, von den Kanzeln wetterten. Natürlich waren es nicht alle Priester, aber einige bereicherten sich an der Bevölkerung.
Geschadet hat das der Kirche nicht, zeigt aber, wie tief der Katholizismus im Denken verhaftet ist.

Meiner Meinung nach sind die Leichenfunde nicht das Ende der katholische Kirche in Irland, trotz der Prognosen. Die Kirche geniesst trotz allem weiterhin das Vertrauen vieler Iren, die sich nicht vorstellen können, dass ihr Father Seamus nicht nur den Katechismus mit den Kindern lernt und Sister Mary nicht nur gute Absichten mit den schwangeren Mädchen im Sinn hat.

1000 Jahre Katholizismus in Irland lassen sich nicht von heute auf morgen negieren und es bleibt zu hoffen, dass es nicht weitere 1000 Jahre braucht, bis der Einfluss der Kirche auf das Leben der Iren ein Ende hat.

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