Von Heiligen und Menschen

Ich habe es schon einmal geschrieben, abgesehen von Italien ist Irland für mich das mit Abstand katholischste Land das ich kenne.
Auch wenn Skandale und Skandaelchen die katholische Kirche Irlands begleiten, so ist doch der Glaube im Land tief verwurzelt.
Unerschütterlich wandern die Iren Woche für Woche in die Kirchen und beten inbrünstig um ihr Seelenheil. Selbst wenn sie nicht in die Kirche gehen, Jesus, oder irgendein anderer aus der unerschöpflichen Heiligenfamilie der letzten Tausend Jahre, hängt als Bild an der Wand, oder steht als kitschiger Staubfänger auf den Kommoden des Landes.

Hier in Cork gibt es auch entsprechende Shops für das seelische Heil, in Form von Büchern, Heiligenbildchen, Figuren, oder Rosenkränze in schmuddeligen Strassen und dazugehörigen Häusern angeboten, schliesslich kam Jesus ja auch in einem Stall in Bethlehem und nicht in einer Villa im Tudorstil zur Welt. Für jeden Tag gibt es auch den dazugehörigen Sinnspruch aus der Bibel gratis dazu. Ich kenne diese Läden aus Orvieto, wo in der Nähe des Domes Devotionalienlaeden wie Pilze aus dem Boden schossen und allerlei Tand an die Touristen verkauften

Der wichtigste Heilige Irlands ist dabei St. Patrick, oder Padraigh, der Nationalheilige der irischen Insel. Dabei ist Paddy strenggenommen gar kein Ire, sondern ein Einwanderer aus Wales. Es heisst, dass er die Schlangen von der Insel vertrieb, was eigentlich Quatsch ist, es gab nämlich schon damals keine Schlangen, die er hätte vertreiben können, was der Lage Irlands geschuldet ist und wie Spötter behaupten, dem irischen Wetter. Entweder wären sie ertrunken, oder erfroren.Im letzten Jahr rief sogar PETA zum Boycott des St. Patrick’s Day -eines der höchsten irischen Feste- auf, da PETA der Meinung war, das der Heilige quasi einen Massenmord begangen hat.
Ueber Patrick ist auch wenig bekannt. Einige Quellen sagen, dass er der Sohn eines römischen Offiziers war, der als Missionar nach Irland kam. Andere Quellen besagen, er wäre als Sklave von irischen Piraten verschleppt worden und hätte, während er Schafe hütete zum christlichen Glauben gefunden. Wobei man wissen muss, dass England wiederholt das Ziel irischer Piraten war, die von ca. 450 bis etwa 900 n. Chr. englische Küstenstädte und römische Handelsschiffe in der irischen See plünderten.
Laut den Legenden kam er um 432 nach Irland und begann die Iren zu missionieren, wie man sieht, mit Erfolg.
Der Grund für seine Beliebtheit dürfte wahrscheinlich in Luke Wadding’s Wirken begründet sein. Wadding, ein Franziskaner Mönch aus Waterford, war ein glühender Nationalist -Quasi ein antiker Piusbruder-. Während seiner Zeit in Rom reifte in ihm der Plan den Iren eine nationale Identifikation zu stiften, um so die Iren gegen die Engländer zu einen und Irland zu befreien. Die meisten Iren kannten die Legenden um St. Patrick und Wadding’s Kalkül beruhte darauf.
Dabei wäre ein anderer Heiliger viel besser geeignet, aber leider ist er etwas in Vergessenheit geraten.

St. Brendan, Schutzpatron der Schiffer, wurde etwa 484 wahrscheinlich in Annagh geboren und erlangte in Europa Berühmtheit durch die „Navigatio Sancti Brendani“, einem Reisebericht der erzählt, wie St. Brendan und seine 12 Gefährten die Reise über den Ozean machten und wahrscheinlich sogar als erste Europäer lange vor den Wikingern und Columbus Amerika entdeckt haben. Am 16. Mai 1976 machte sich der britische Abenteurer Timothy Severin in einem Curragh auf und stach von der Mündung des Brendon Creeks auf, um die Legende entweder zu bestätigen, oder zu widerlegen und kam bis nach Amerika. Theoretisch wäre es also möglich gewesen, dass der irische Marco Polo die Küste vor New York entdeckt hat. Nur ist St. Brendan im Gedächtnis der Iren wenig präsent und seine Navigatio kennen auch nur wenige, vor allem ist es das Verdienst eines Australiers, der die Navigation aus dem Lateinischen in’s englische übersetzte. Ich weiss nicht mal, ob seine Abenteuer auf dem Lehrplan irischer Schulen stehen. Bei den Schiffern jedenfalls, da geniesst er einen hohen Stellenwert.

Das bringt uns zum dritten wichtigen Heiligen und zum Schutzheiligen von Cork, Saint Finbarr, dem das Verdienst zukommt, von Katholiken und Protestanten gleichermassen verehrt zu werden. Finbarr wurde wahrscheinlich um 550 in Bandon Co. Cork als Lochn geboren und erhielt den Namen Fionhbarr (Blondschopf) offensichtlich während seines Studiums im County Kilkenny. Finbarr war, wie alle irischen Heiligen, ein Außergewöhnlicher Mann und besass offensichtlich den typisch irischen Sturschaedel. Von ihm wird berichtet, dass er die Sümpfe um Cork trocken legte, die Stadt erbaute und als sie ihm doch nicht als geeignet erschien, er sein Kloster auf Spike Island erbaute. Da Legenden kaum nachprüfbar sind kann es so gewesen sein, oder auch nicht. Fakt zumindest ist die Besiedlung von Spike Island im 7. Jahrhundert und bei Ausgrabungen fand man auch Reste eines Klosters aus dieser Zeit. Da Finbarr um 623 starb also durchaus im Bereich des Möglichen. Der Keltologe Pádraig Ó Rain allerdings hält es für wahrscheinlicher, dass Finbarr nie gelebt hat, sondern auf eine keltisch-irische Gottheit zurückgeht, die schlicht und ergreifend im Zuge der Christianisierung Irlands vereinnahmt wurde. Wenn man die Kirchengeschichte kennt, dann macht das durchaus Sinn.

Ein Ire hat es allerdings nie in den kirchlichen Olymp geschafft, obwohl er durchaus die Anlagen dazu gehabt hätte, aber vielleicht liegt es auch daran, das Brian Boru sich nicht wirklich als Heiliger eignet. Dabei war Boru der erste Ire, der die Clans unter sich einigen konnte und 1005 Ard-Ri auf dem Tara, dem heiligen Berg (eher Hügel) der Iren gekrönt wurde. Danach gab es keinen Hochkönig mehr, ausser Edward Bruce, der Bruder von Robert Bruce, der 1318 meinte, dass er sich zum Hochkönig ausrufen müsste, damit Schottland in der irischen Erbfolge einen Fuss in die Tür bekommt.
Nun hat wahrscheinlich Brians Einigung mit Maél Sechnaill über die Aufteilung Irlands dazu geführt, dass er nicht mal in die Nähe einer Seligsprechung kam, denn Maél kam aus Armagh, was im Norden der Insel liegt und somit Nordirland, sowie englisches Gebiet ist. Aber das ist wohl eher unwahrscheinlich denn Brian ist im Gedächtnis der Iren sehr präsent. Angeblich, so heisst es, seien die irischen Freiheitskämpfer 1916 mit Brian’s Boru March in den Kampf gezogen, was wenig glaubhaft ist. Zum Heiligen hat es nie gereicht.

Ich weiss natürlich nicht was diese Heiligen zu den Skandalen der katholischen Kirche in Irland sagen würden, ebensowenig weiss ich um die Reaktionen, allerdings weiss ich, dass viele Iren am Wochenende wieder in die Kirche gehen und sich von Fr. Seamus und Liam den Segen abholen. Danach stehen sie im Pub, schimpfen über Gott und die Welt und dass endlich Schluss sein müsste mit Kirche, sowie mit den ganzen Skandalen die das Land, zwar nicht erschüttern, aber einen Bericht in den Abendnachrichten bei RTÉ wert sind.

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