Bloggen gegen Zensur

Was leider bei all der Trauer über den Anschlag von Paris untergegangen ist, ist das Urteil gegen den saudischen Internet-Aktivisten Raif Badawi, dessen einziges Verbrechen darin besteht, dass er auf seiner Internetseite „Liberal Saudi Network“ das Vorgehen der Religionspolizei kritisiert. Dieses „Verbrechen“ brachte ihm eine Anklage wegen „Beleidigung des Islams“ ein, verbunden mit 10 Jahren Haft, sowie 1000 Peitschenhieben.
Es ist nicht das erste Mal und wird auch nicht das letzte Mal sein, dass Blogger, nur weil sie Kritik an den Zuständen üben, sich im Würgegriff der Justiz wiederfinden.

Die ägyptischen Blogger Alaa Abdel Fatah und Maikel Nabil Sanad können ein Lied davon singen, was es heisst, die Aufmerksamkeit der Obrigkeit zu erregen. Sanad brachte seine Bloggerei einen Aufenthalt in einer psychiatrischen Einrichtung, sowie 3 Jahre Haft ein.
Auch in China werden systemkritische Blogger per Gesetz verfolgt, wenn man sie nicht für eigene Ziele einsetzen kann. Wang Gongquan ist ein Blogger, der 2013 wegen seinen Auesserungen im Internet, festgenommen wurde.
Und es gibt viele Wangs, überall in den Ländern, in denen Menschenrechte und freie Meinungsäußerung mit Füssen getreten werden. Und das ist das Problem mit dem bloggen.
Blogger sind keine homogene Masse wie Journalisten und sie sind auch nicht vernetzt, das können sie auch nicht, denn Bloggen ist quasi ein Internettagebuch und die Themen sind so verschieden, wie Sandkörner am Strand.
Niemand nimmt Anstoss daran, wenn jemand ein niedliches Katzenbild auf seinem Blog postet, ausser vielleicht Alf. Niemand regt sich über ein Käsekuchen Rezept auf, höchstens der Käsekuchen, aber wenn Du einen politischen Blog betreibst und Kritik an Zuständen übst, dann hast Du bestenfalls irgendwelche Blödmänner die Dir im Kommentarbereich den Tag versauen und schlimmstenfalls, wenn Du im falschen Land bloggst, die Polizei in der Tür.

Während meiner Zeit in Deutschland war ich Blogtechnisch sehr aktiv und einigermassen bekannt. Mein Blog war bis 2008 in China erreichbar und wurde geblockt, als ich einen kritischen Artikel über die Olympischen Spiele und die Lage in Tibet veröffentlicht hatte. Man konnte die Uhr stellen, wie lange es dauerte, bis mich die chinesischen Behörden blockierten.
Man muss sich das mal überlegen, da ist ein Blog irgendwo auf der Welt und wird quasi geblockt, weil es einem Land, oder besser den Behörden eines Landes nicht passt, was dieses Blog schreibt oder veröffentlicht. Und, das kommt noch hinzu, war keineswegs so Berühmt, dass die Sätze eine ganze Nation auf die Strasse brachten. Nun hat mich das nicht gestört und ich habe weiter geschrieben. Gelernt habe ich aber und das behalte ich bei, ich schreibe nicht unter meinem Namen, sondern unter Pseudonym. Ich bin nicht so verrückt und habe keine Lust, dass man meinen Namen im Internet lesen kann, oder das, wie 2006, irgendwelche Fanatiker bei mir vor der Wohnung stehen, nur weil einem die Beiträge nicht passen.
Mir geht es dabei noch gut und ich muss sagen, dass mir nicht viel passieren kann, im Gegensatz zu den Bloggern, die sich kritisch ausessen und eine gewissen Bekanntheit erlangt haben die es mit sich bringt, dass Behörden sich für sie interessieren.

Ich bin oft gefragt worden, ob es was bringt, Blogs von Leuten wie Stefan Herre oder den Infokriegern zu verbieten. Meiner Meinung nach bringt es nicht viel und würde nur die Bekloppten, die solchen Blogs folgen, stärker zusammenschweissen. Man soll sie nicht verbieten, aber man sollte Ihnen in Beiträgen entgegen treten. Und man sollte viel stärker Solidarität zeigen, wenn Blogger für ihre Meinung mit einem Bein im Knast stehen.
Wenn im Westen der Staatsanwalt klingelt, dann meistens weil man in seinen Beiträgen jenseits der Verfassung steht, ein Papier, was man in einer Demokratie gar nicht hoch genug schätzen kann, wenn in Ländern wie Saudi Arabien der Staatsanwalt klingelt, dann wegen harmloser kritischer Aesserungen, die dem Establishment nicht genehm sind und dagaen sollte man sich mit Leuten wie Raif Badawi solidarisieren. Wir haben dazu die Möglichkeit, ob es was bringt mag eine andere Frage sein, aber zumbindest ist eine Möglichkeit den Leuten zu zeigen, „dass das Wort stärker ist als das Schwert“ und, was ganz wichtig ist, dass diejenigen, die sich permanent negativ gegen alles ausessern und ihre dämlichen Verschwörungstheorien verbreiten, endlich erkennen, dass sie das in demokratischen Ländern tun können, ohne irgendwelche Nachteile zu haben.

Ich finde es ist wieder an der Zeit sich solidarisch zu erklären und sich kritisch zu Äußern, denn dieses Privileg habe ich und hoffentlich sehen die Behörden in Saudi Arabien ein, dass man getrost auf ihre Reaktion nach dem Anschlag in Paris scheissen kann, wenn sie im Namen der Religion friedliche Blogger verfolgen.

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