Irisches Gold

Wenn man über die irische Wirtschaft spricht, dann kann man manchmal etwas trübsinnig werden.

Produziert wird zwar in Irland, hauptsächlich landwirtschaftliche Güter und die werden, wenn sie nicht in Irland für teuer Geld verkauft werden, in die ganze Welt exportiert.
Guinness, das gleichbedeutend mit Irland steht, kennt man. Wenn man dem Guinness Spot glauben darf, sogar im hintersten Amazonasbecken.

Daneben siedeln sich ausländische IT-Firmen gern auf der grünen Insel an, der Größte Arbeitgeber dieser Branche ist die Firma Apple, die seit 1979 ihre Europavertretung in Cork hat und dabei ist die Marke von 4000 Mitarbeiter zu überschreiten.

Egal wo man in Cork hinspuckt, man kann fast sicher sein einen Mitarbeiter der Firma Apple zu treffen. Aber darueber soll hier jetzt nicht die Rede sein.
Es gab eine Zeit in Irland, da war Cork die bedeutenste Metropole eines landwirtschaftlichen Produkts und ich übertreibe nicht wenn ich behaupte, dass Millionen Menschen dieses Produkt täglich genossen haben, oder als Kinder damit aufgewachsen sind.

Die Rede ist von der Butter, oder präziser von Kerrygold. Kerrygold ist ein Kind des Irish Dairy Board, welche als Marketingorganisation 1961 gegründetwurde und 1962 erblickte Kerrygold das Licht der Welt. Erst in Irland und dann, ab den siebziger Jahren, eroberte die Butter im goldenen Packpapier den Rest der Welt. Tanzende Kühe waren ein Markenzeichen von Kerrygold und auch meine Mutter war ein glühender Anhänger irischer Butter.
Kartoffeln schmeckten ohne Kerrygold nicht und deutsche Butter kam dafür nicht in Frage, schliesslich war das eine Frage des Geschmacks und deutsche Butter war als Beilage zur Kartoffel nicht zu gebrauchen. Kurz um es mit meiner Mutter zu sagen, „mit deutscher Butter schmecken die Kartoffeln nicht nach ihm und nicht nach ihr.“ Punkt, da gab es keine Kompromisse, egal was sich die deutsche Milchindustrie einfallen liess.

Natürlich sitzt der Irish Dairy Board in Dublin und nicht in Cork wo eigentlich……, ja damit beginnt die eigentliche Geschichte des Siegeszug.
Die Butterboerse in Cork war quasi die Wallstreet des Butterhandels im ausgehenden 19.Jhr und weit bis in die fünfziger Jahre hinein.
Von Cork wurde gesalzene Butter bis nach Papua Neuguinea verschifft und überall im englischen Kolonialreich war die gesalzene Butter aus dem County Cork als Delikatesse geschätzt.
Restaurants und Feinkostläden, die etwas auf sich hielten, hatten diese Leckerei für ihre Kunden im Angebot. An Butter aus Cork kann man einfach nicht vorbei und eine Legende besagt, dass ein Lebensmittelladen in New York für eine reiche Kundin extra die Butter bestellt haben soll, weil die alte Dame ganz verrückt danach war und, wenn der Besitzer des Geschäfts händeringend auf die Lieferung wartete, lieber auf Butter verzichtete und das Brot trocken ass. Würde sie heute noch leben, dann müsste sie wohl nicht Wochen- oder monatelang auf die Butter warten denn die USA sind einer der größten Handelspartner von Kerrygold.

Der Butterhandel, der seinen Anfang so um das 18. Jhr. hatte und ursprünglich die Soldaten Ihrer Majestät versorgte, hat der Stadt Cork einen immensen Wohlstand beschert und ist im Stadtbild Corks immer noch sichtbar.
Die Butterboerse, die längst ihre Pforten geschlossen hat steht in Shandon, gegenüber vom Firkin Crane, dessen Name auf die alte Masseinheit Firkin zurückzuführen ist. Eigentlich eine Masseinheit für Bier wurde das Firkin auch für die Butter genutzt und wird fälschlicherweise als englische Masseinheit bezeichnet, was allerdings nicht ganz richtig ist. Das Firkin wurde in Cork extra für den Butterhandel erfunden und Landwirte die an der Börse handeln wollten, konnten das nur mit diesen Firkins machen. Nur wer ein Rollsiegel hatte, konnte seine Butter auch verkaufen und Zuwiderhandlungen zogen drakonische Strafen nach sich. Den Butterinspektoren entging keine Unregelmäßigkeit und sie wurden praktisch handverlesen um diesen Job zu machen.

Aus dem gesamten County und darueberhinaus, brachte die Landwirte ihre Butter nach Cork und diese wiederum wurde vom Cork Harbour, der zeitweilig bis zu 15.000 Menschen beschäftigte, in alle Welt verschifft.

Diese Zeiten sind heute vorbei. Es gibt keine Butterbörse mehr und keine Butterbarone, das einzige, was an die Zeit lebhaft erinnert ist das Crane, welches gebaut wurde, um dem irischen Emporkömmling die grosse Kultur nahezubringen. Heute haben wir die Heineken Brauerei in Cork, die so ziemlich alles in Lizenz braut was mit Hopfen in Berührung gekommen ist und Schuld daran ist dass die Murphys Brewery -eines der schönsten Gebäude in Cork- ein Dornröschen Dasein geniesst. Murphy’s und Beamish werden bei Heineken gebraut und dann an die Pubs weltweit geliefert, wobei ich sagen muss, dass unsere heimischen Stouts und Porter immer noch besser sind als Guinness – aber lange nicht so gut wie die Microbreweries.
Vorbei die Zeiten des Dallas Irlands und willkommen die Zeiten wo internationale Firmen das Schicksal der irischen Insel bestimmen.

Moegen sie uns noch lange erhalten bleiben.

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