Man trinkt schwarz

Es ist schon ein paar Jahre her, da machte sich der Vorsitzende der irischen Pubvereinigung im irischen Rundfunk Luft. „Es sei eine Unverschämtheit,“ so wetterte er, „dass die Supermärkte (gemeint waren Tesco, Dunnes und M&S) Bier viel billiger verkaufen und dem heimischen Pubsterben damit Vorschub leisten würden.“
Nur vergass er dabei zu erwähnen, dass die irische Regierung und einige ihrer Massnahmen einen viel größeren Einfluss am Pubsterben hatten, als eine Dose Carling für einen Euro im Tesco.
In der Tat kann ein Besuch im Pub ein Loch in’s Portemonnaie schlagen, denn man darf nicht vergessen, dass ein Pint im Pub je nach Lokal zwischen 3.50 und 5 Euro kostet. Manche Pubs bewerben die Angebote der Woche und haben Plakate vor der Tür auf denen ein Pint Beamish für 3.50 angeboten wird. Alkohol ist bei uns sehr teuer und für eine Dose zahlt man zwischen einem Euro (Carling) und 3.50 (Weihenstephaner), da ist es kein Wunder, dass manche Iren neidisch über das Meer schauen, wenn man ihnen sagt, dass in dem Land wo man her kommt, 20 Flaschen für den gleichen Preis, oder ein wenig mehr zu haben sind. Man mag sich vielleicht über die Qualität Gedanken machen, aber nicht über die Quantität.

Dabei sind es nur zwei Majorbreweries, die sich den heimischen Biermarkt aufteilen. Auf der einen Seite ist das die bei uns ansässige Heineken Brauerei, die neben Heineken einige andere Biere in Lizenz braut und mit Murphys und Beamish zwei hiesige Bierbrauereien geschluckt hat. Auf der anderen Seite ist es die in Dublin ansässige Guiness Brauerei die zum Diageo Konzern gehört. Nicht nur Guinness wird dort gebraut sondern auch Kilkenny -besonders bekannt in Deutschland- und Smithwicks -Kilkenny, der Exportname, wird mittlerweile auch in Irland verwendet, dabei ist es aber kaum günstiger zu bekommen-.

Im Laufe der Jahre aber haben sich hier sogenannte Microbreweries etabliert, die das Bild der Guiniesstrinkenden Nation, wie man uns im Ausland sieht, gerade rücken. Rückblickend für mich, als ich nach Irland kam, hatte ich natürlich auch dieses Bild im Kopf und muss sagen, meine ersten Pints in einem irischen Pub waren Guiness. Nach und nach gesellten sich die heimischen Stouts Beamish und Murphy“s hinzu. Mittlerweile, den irischen Microbreweries sei Dank, bin ich ein Stout und Porterliebhaber geworden. Deswegen steuere ich auch nur einen oder zwei Pubs an. Zum einen das Abbot’s Alehouse, einen Off Licence mit angeschlossenem Pub in der Coburg Street, wo sich meine Freunde Evgenij und Terence um Ihre Gäste kümmern und mit Sachverstand die Unterschiede zwischen den Biersorten erklären, dem Bierhouse, wo mein Freund Ronan arbeitet und von Zeit zu Zeit das Franciscan Well. Eine Brauerei mit angeschlossenem Pub.
Diese Leute und ihr Wissen um gutes Bier machen einen Besuch zum Erlebnis und lassen mich einen Bogen um die üblichen Pubs machen, wo die üblichen Biere, die dem Massengeschmack dienen, verkauft werden. Erst hier in Irland habe ich gelernt, dass besonders Stout und Porter eine Wissenschaft darstellen können und wenn man sich in diese Biersorten verguckt, es sehr spannend ist, die Unterschiede zwischen den Brauereien herauszuschmecken.

Ich werde in der Zukunft einige dieser Brauereien vorstellen und auch die eine oder andere Destillerie vorstellen, die Irlands Alkohollandschaft prägen, dabei ist dann auch die Blackwaterdistillery, wo ein Bekannter von mir Mitbesitzer ist.
Der britische Schauspieler Nigel Lorraine sagte im Film „The Guinea Pig“ von 1948 „Britain is a noble Cinderella, sparsely clad and much interfered with. Britain today is a powerhouse of ideas, experiments, imagination…..“
Richtigerweise könnte man sagen „Ireland today is a powerhouse of ideas, experiments, imagination…..“ Vielleicht weil es genügend Iren gibt, die sich mittlerweile neu orientieren und eingefahrene Wege verlassen und sei es nur in Alkoholischer Hinsicht. Ich bin gespannt, wann die ersten Weingüter sich etablieren, oder independant Ciderproduktionen entstehen und der erste irische Calvados gebrannt wird.

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