Wenn einer eine Reise tut

Bekanntlich ist Irland eine Insel und wenn wir verreisen, dann tun wir das bevorzugt mit dem Flugzeug. Es gibt zwar auch die Möglichkeit es den Vorfahren gleichzutun, aber, ich nehme an auf Grund schlechter Erfahrungen, nehmen Iren ungern die Fähren Richtung England oder Frankreich.
Das machen sie höchstens wenn sie ihr Auto lieben und genügend Freizeit besitzen, dass sie im Auto das Festland bereisen. Vielfach machen sie das höchst ungern denn man darf nicht vergessen, Kontinentaleuropäer fahren grundsätzlich auf der „falschen“ Seite.

Nun kommt man von Cork aus nicht überall hin und die Reise beginnt schon vor der Reise, so auch für mich und meine Frau. Nun ist es nicht mehr so, wie vor 150 Jahren, als man mit der Postkutsche mühsam die Stadt verliess, um die grossen Häfen zu erreichen von denen aus Schiffe in die ganze Welt ablegten und Richtung England, oder bevorzugt in die neue Welt ablegten.
Cobh, östlich von Cork gelegen und Dublin waren die Häfen von denen aus Millionen von Iren, manchmal nicht ganz freiwillig, die Insel verliessen, um entweder in den Kolonien ihre Strafen zu Verbüßen, oder in den Vereinigten Staaten ihr Glück zu suchen.
Mein Frau und ich wollten weder das eine, noch das andere sondern lediglich Urlaub in ihrem Heimatland verbringen, also Flüge und Aircoach gebucht und ab ging es in Richtung Dublin. Nun liegt Dublin nicht um die Ecke, sondern 3 1/2 Stunden entfernt, also in den Bus gezwängt und ab ging die Fahrt in’s Ungewisse.

Dummerweise haben Menschen die Angewohnheit, selbst wenn sie alleine reisen, jeweils einen Platz zu belegen, dann gibt es noch die Spezies, die grundsätzlich ihrem Rucksack einen eigenen Sitzplatz gönnen und es partout nicht verstehen, warum ihr Rucksack nun im Gepäckabteil über ihren Köpfen reisen soll, also sassen wir in der letzen Reihe, neben dem Klo, was interessante Einblicke über die Fahrgäste gewährt. Dummerweise war die letzte Bank dreisitzig, so dass ich eingezwängt zwischen meiner Frau und einem Italiener sass, der eine etwas andere Auffassung von Raumgefühl besass. Ich kam mir vor wie der Belag zwischen zwei Sandwichscheiben und konnte mit der Zeit philosophisch nachvollziehen, wie sich eine Salamischeibe fühlen muss wenn sie zwischen zwei Brothälften steckt. Aber nun gut, Opfer müssen gebracht werden und wer weiss für was es gut ist.

So zuckelten wir Richtung Dublin und meine Gedanken wurden unterbrochen vom Italiener, sowie diversen Fahrgästen die die Toilette aufsuchten, meist mit ihren Mobilephones, so als wäre es lebenswichtig Freunde und Bekannte über den Zustand des Magens auf dem laufenden zu halten. „Mama, ich habe ganz schön Kack gemacht, ui das schwankt viellicht, gut dass ich kein Flitzkack machen muss.“ So, oder so ähnlich stelle ich es mir vor, oder so einen Dialog wie, „Schatz weisst Du was? Ich bin schwanger, ja ich sitz grad mit dem Schwangerschaftstest auf der Toilette eines Aircoaches. Was? Ja, ich musste es wissen und konnte nicht warten. Da musste ich einfach auf die Toilette, egal, auch wenn der Bus 150 fährt, das war wichtig! Schatz? Schatz? Aufgelegt der Drecksack.“

Und so erreichten wir unser Ziel mit den letzten Verbliebenen, denn die meisten stiegen in der Dubliner Innenstadt aus. Nachdem wir erst einmal unsere Knochen sortiert und die Muskeln gelockert hatten kam die zweite Etappe unserer Reise, der Ryan Air Check In. Nun muss man wissen, das dies, im späteren Verlauf eine wichtige Rolle spielt, wir also unser Gepäck eingecheckt, wobei die Waage offensichtlich sehr großzügig mit dem Gewicht unseres Gepäcks umging und allen Ernstes behauptete, unsere Koffer hätten das Idealgewicht eines Flugzeugträgers der Nimitzklasse, ohne Zuladung. Die Dame war allerdings sehr freundlich und drückte beide Augen zu, informierte uns, dass das Gate um 19.10 öffnen würde und der Abflug Punkt 19.40 erfolgt.

Nun hatten wir also noch genügend Zeit bis der Flug abhob und das dumme ist, man wird in der Abflughalle nicht über eventuelle Verspätungen informiert, wir kamen also auf dem Flugdeck an und warfen einen Blick auf die Anzeigetafel. Dort stand, dass der Flug nach Budapest, Abflug 19.40 ein bisschen Verspätung hätte, nichts weltbewegendes und statt 19.40 um 0.25 abfliegen würde. Für irische Verhältnisse eigentlich eine normale Verspaetung, allerdings nicht, wenn man beispielsweise 250 Kilometer von daheim entfernt ist und, sagen wir mal, einen wichtigen Termin hat, dann kann das irische Zeitverständnis eine Katastrophe bedeuten.

Nun war guter Rat teuer, zurück konnten wir nicht mehr und Mitarbeiter von Ryan Air waren nicht ausfindig zu machen. Der Slogan von Ryan Air bekommt hier eine völlig neue Bedeutung, denn wozu sollte man sowas wie einen Informationsschalter besitzen, den man darüber hinaus noch mit völlig unnützen Dingen wie Personal betreiben müsste. An irgendwas muss man ja sparen, sonst könnte man nicht die günstigen Preise anbieten, die nebenbei bemerkt, so günstig auch nicht sind.
Wir steuerten also die nächste Bar an, bestellten was zu trinken und gingen auf die Terrasse, um bei einer Zigarette zu beratschlagen wie es nun weitergeht. Charterflug? Zu teuer, ausserdem hätten wir uns zur Check In Halle durchkämpfen müssen. Motorjacht oder Fischtrawler fiel ebenso, aus den vorgenannten Dingen aus. Wir gingen nocheinmal kurz die Optionen durch, eventuell eine Maschine entführen, einfach einen anderen Flug besteigen und dann unsere Forderungen überbringen, aber da seit dem 11. September 2001 die Sicherheitsvorkehrungen sehr rigide sind und das Montjoy Gefaegnis in Dublin nicht gerade ein Wohlfuehl Palast ist, kamen diese Optionen auch nicht in Frage, also hiess es Warten auf Godot, bzw. auf den Flug. Mittlerweile leerte sich die Halle und zurück blieben eine Handvoll Ungarn in der Diaspora, geduldig wartend auf eine Möglichkeit jemals ihre Heimat wiederzusehen.
Unruhe machte sich breit, als die einzige Bar anfing die Gäste rauszuschmeissen, da man pünktlich um 21.30 schliessen wollte und so ein paar Zecher dabei nur hinderlich waren. Geschäftssinn wäre es gewesen, wenn man die Bar open end offen gehalten hätte, bis auch der Letzte hätte kaum mehr stehen können, aber auf dieses Geschäft verzichtete man lieber und so schob sich der verbliebene Tross Richtung Gate und kehrte ein, in einer weiteren Bar, dessen Besitzer offensichtlich das Geschäft seines Lebens witterte. Wann hat man schon einmal so eine Gelegenheit, also wurde das Personal angewiesen solange offenzuhalten, solange die Maschine nicht da war, koste es was es wolle und sollten die Getränke ausgehen, wurde die Parole ausgegeben, „Heute kennen wir keine Konkurrenz, sollte der Stoff ausgehen, dann sind diese Läden zu plündern, so eine Gelegenheit wie Heute kommt nie wieder.“ Jubel brandete auf unter dem Personal und jeder legte sich eifrig in’s Zeug den Hahn offen zu halten.

Derweil sass ich trübsinnig in der Halle und wartete auf meine Frau, sowie die Maschine, die dem Lockruf des Weins gefolgt war und einen Cabernet Sauvignon für den Preis einer Flasche im Tesco genoss. „Aber wenigstens war er gut,“ waren ihre Worte, „fuer den üblichen Verdächtigen aus Chile sehr annehmbar.“
Endlich war es dann soweit und als der Ruf durch die Lautsprecher hallte, das Flugzeug nach Budapest habe endlich den Flughafen Dublin gefunden, da brandete sowas wie verhaltener Jubel auf. Natürlich, wie so üblich, konnten wir nicht in’s Flugzeug, sondern mussten erstmal auf der Treppe warten, bis alles erledigt und wir in’s Flugzeug konnten, Ein Ungar aus der Schlange meinte zu seiner Begleiterin, „in der Zeit hätten wir auch schon fast in Toronto sein können,“ und endlich wurde die Schleuse geöffnet, die uns zum Flugzeug brachte. So ähnlich müssen sich die Kinder Israels gefühlt haben, als Moses sie nach 40 Jahren in der Wüste in’s gelobte Land brachte.

Zum Glück fuer das Personal verzichtete man auf das, was für Ryan Air typisch ist. Es gab keine Verkaufsveranstaltung, nur 10 Bingolose zum Preis von 5, Rheumadecken jetzt im Angebot, Ihre Gesundheit wird’s Ihnen danken, oder nur Heute unser Schnellkochtset.“ Auch wurde verzichtet darauf, den übermüdeten Passagieren Parfum, oder Zigaretten, sowie die übliche Werbebroschüre unterbrochen mit ein paar Werbeinhalten, „Siena im Sommer nur 39€ ab Galway usw.“ anzubieten. Das machte die Sache erträglicher. Und als das Flugzeug landete verzichtete nan auf die übliche Fanfare und die Selbstbeweihräucherung die für Ryan Air bei jeder Landung obligatorisch ist. Nun ja, es wäre auch ein bisschen seltsam ruebergekommen, wenn man auf die Pünktlichkeit hingewiesen hätte, nachdem man gerade 5 Stunden zu spät in Dublin abgeflogen ist.
Endlich in Budapest angekommen, stand die Frage im Raum, wie kommen wir an unseren Zielort und zum Glück war meine Frau vorausschauend und hatte ein Miettaxi bestellt, das uns um 3.30 irischer Zeit am Flughafen erwartete.
Der Fahrer schien etwas übernächtigt, aber fit genug fuer die Fahrt und so konnten wir unsere Odyssee endlich gegen 5.30 irischer Zeit beenden.

Dark Arts

Wie ich in einem vorigen Beitrag schrieb ist Guinness zwar das Stout, oder Porter, mit dem man Irland assoziiert, aber nicht die einzige Brauerei. In den letzten Jahren haben sich bei uns viele sogenannte Microbreweries gegründet, die sehr innovativ neue Wege gehen und hervorragende Porter brauen.

Eine dieser, jungen Wilden, ist die Trouble Brewing Brauerei aus Kill im County Kildare. 2010 überlegten sich die drei Freunde Thomas Prior, Stephen Clinch und Paul O Connor bei einem Pubbesuch, dass es an der Zeit wäre eigenes Bier zu brauen, was nicht nur ihnen, sondern auch anderen besser schmecken würde als das immer gleiche Angebot in den Pubs. Aus dieser Idee ging Trouble Brewing hervor und Dark Arts war eines ihrer Produkte.

Das Problem bei uns ist, dass die Vielfalt an guten Bieren in den Pubs fehlt. Bier ist Massengeschmackstauglich und es ist im Grunde genommen egal in welchen Pub man geht, es gibt vom Fass meist die üblichen Verdächtigen wie Guinness, Miller, Budweiser, Carlsberg, Heineken, Murphy’s, Beamish und Bulmers (Cider). Sollte es etwas billiger sein, dann gibt es Carling vom Fass. Einige Pubs haben sich darauf spezialisiert dieses Bier, so man davon sprechen kann, ihren Gästen anzubieten. Das sind dann zumeist Pubs, die in der Nähe von An Post Filialen liegen und den Dole Empfängern ihr Arbeitslosengeld aus der Tasche ziehen. Eine Dose Carling bekommt man in den Off Licence für einen Euro angeboten was angesichts der Qualität einen Euro zuviel bedeutet.

Zurück aber zu einem meiner Lieblings Porter. Mit Dark Arts kam ich 2011 in Berührung, als mein Stammpub Dark Arts vom Fass angeboten hat. Es riecht nach frisch geröstetem Kaffee und dunkler Schokolade.Der Geschmack von Sckolodae verstärk sich auf dem Gaumen, wo Dark Arts seine unglaubliches Aroma verstärkt. Nicht so strak gehopft, dafür dunkel und kräftig im Geschmack. Ein wirklich tolles Porter und, man muss es so sagen, die Jungs haben sich wirklich Gedanken gemacht, was die Gestaltung der Flasche und der Pint Gläser betrifft.

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Das Comicmotiv, bei Dark Arts die Voodoo Puppe, ist ein Element, dass die Produkte von Trouble Brewing kennzeichnet und die Innovation zeigt, die die jungen irischen Brauer antreibt gute Biere und damit verbunden gute Porter auf den Markt zu bringen. Es muss nicht immer Guinness sein, wenn man ein gutes Porter schätzt, dann lohnt es sich die Augen offen zu halten und Pubs zu besuchen, die mit der Gewohnheit gebrochen haben, Biere für ein Massenpublikum anzubieten.

Und, was viel wichtiger ist, die lokalen Braueren und Supermärkte zu stärken, die in den letzten Jahren entdeckt haben, dass es auch eine Welt ausserhalb St. James Gate gibt.
Sollte man nach Cork kommen, dann lohnt sich ein Besuch im Abbot’s Alehouse,oder im Bierhaus wo neben Dark Arts einige andere Biere, sowie diverse andere Spirituosen, auf ihre Entdeckung warten.

Sláinte!!

Teenation

Es war im Jahre 1780 als eine englische Karavelle die ersten zarten Teepflanzen nach Irland und damit den Iren ihr Nationalgetränk brachte.

Man unterstellt den Iren ja immer dass Guinness, oder Whiskey das Nationalgetränk wären, aber das sind bösartige Gerüchte. Fakt ist, die Iren sind Europameister im Teeverbrauch und bringen es in dieser Kategorie auf 4,6 Kg pro Kopf. Das ist mehr als die Engländer, die ja immerhin als die Teenation gelten.

Tee ist in Irland so beliebt, dass sich im 19. Jhr. ein paar Verwirrte zusammenfanden und den Tee als Ursache für den schlechten Zustand der irischen Wirtschaft verantwortlich machten. Der Tee wurde als ein Getränk des Teufels angesehen und wie in den USA, während der Prohibition, so wurde zumindest hier in Irland versucht den Tee zu verbieten. Die Anschuldigungen dieser, um es vorsichtig zu formulieren, Eiferer, waren, dass Tee die Menschen verwahrlosen lässt und die Männer quasi verhungern müssten, wenn sie nach langer schwerer Arbeit heim kämen und ihre Frauen im Teerausch vorfänden. Angeblich würden sich die Frauen dem Teekonsum hingeben und hätten keine Zeit sich um den Haushalt zu kümmern. So absurd diese Anschuldigungen auch waren, so wurde doch der Teekonsum in diesem Land empfindlich beeinträchtigt. Natürlich ist es Blödsinn wenn behauptet wird, dass erst in den Zwanziger Jahren der Teekonsum wieder Fahrt aufnahm weil sich Teehäuser erst in dieser Zeit etabliert hätten. Man muss nicht unbedingt ein Teehaus gründen, wäre dem so, dann hätte es vor der Firma Teekanne keinen Teekonsum in Deutschland gegeben und Friesen, die ihren Tee traditionell mit Milch und Kluempjes trinken, gar nicht gewusst was sie verpassen.

Tee wurde in grossen Mengen während des Easterrising an die Rebellen ausgeschenkt und es heisst, dass ein heisser Tee die gleiche Wirkung wie Miraculix‘ Zaubertrank gehabt hätte. Natürlich weiss keiner ob das mit der Wirkung stimmt, aber ohne den Tee wäre wohl der Freistaat nicht entstanden.
Heinrich Böll, der einige Zeit in Irland lebte und auf Achill Island ein Cottage besass, wo er sein „Irisches Tagebuch“ schrieb, notierte über die irische Eigenheit, „Immer länger wurde die Schlange vor dem Schalter, wo es den Nektar Westeuropas in großzügigen Portionen um billiges Geld gab: Tee; als wären die Iren bemüht, unbedingt auch diesen Weltrekord, den sie knapp vor England halten, nicht preiszugeben. Fast zehn Pfund Tee werden jährlich pro Kopf in Irland verbraucht: ein kleines Schwimmbassin voll Tee also muß in jedem Jahr durch jede irische Kehle laufen.” Daran hat sich bis heute nichts geändert, ohne Tee geht in Irland gar nichts, nicht mal die Busse.

Das Leben würde stillstehen, wenn man den Iren ihre Teepausen verbieten würde. Böse Zungen behaupten, dass die Unions (Gewerkschaften) nur zu dem Zweck gegründet wurden, um die Einhaltung der Teepausen zu überwachen, was natürlich Quatsch ist, aber wenn ein Ire seine Teepause nicht einhalten kann und gezwungen ist diese zu verlegen, dann hört jeglicher Spass auf. Tee ist hier nicht einfach nur ein Getränk, Tee ist eine Lebenseinstellung.
Selbst in Krankenhäusern bekommt man nur Tee, Kaffee gibt es, wenn überhaupt, ganz versteckt in einem Glas und es ist Instant Kaffee den man anbietet wohingegen Tee in Behältern aufbewahrt wird, die die Größe von Swimming Pools haben und wenn die Teezeit kommt, dann ertönt weit hinter dem Bassin die Frage, „Cup of Tea my Dear?“
Dazu werden dann Kekse gereicht, sowie die obligatorische Milch, die natürlich nicht in Portionspackungen ist, wie ordinäre Kafeesahne, sondern in feinstem Porzellan darauf wartet den Tee zu verfeinern, selbst wenn es nur ein Teebeutel ist, der in der Tasse schwimmt.

Diese Teepausen werden zelebriert und sollte es ein Vorgesetzter wagen die Teepausen zu unterbrechen, dann hat das ernsthafte Konsequenzen, für den Vorgesetzten. Aber das machen sie nicht, denn Vorgesetzte sind meist Iren und ein Teil dieser Teekultur, also sitzt der CEO einer irischen Firma mit seinen Angestellten zusammen und beteiligt sich am Klatsch und Tratsch der stattfindet, denn Iren sind auch ein Stück weit neugierig und welche Zeit passt besser als dese. Da wird dann genüsslich erzählt das Mary mit Padraigh ausgeht, obwohl dieser mit Joyce verheiratet ist, woraufhin alle traurig den Kopf schütteln und Joyce bedauern. Oder das Fiona schon zum fünften Mal schwanger ist und mal wieder keiner weiss, wer der Vater ist. Daraufhin wiegen alle das Haupt und sagen, „ja ja, wie seltsam das Leben doch manchmal sein kann,“ daraufhin kommt dann die Frage ob es noch eine Tasse Tee sein darf, „ja gerne mit Milch“ und ob noch ein Keks gewünscht wird.
Sobald die Pause beendet ist gehen die Angestellten gemeinsam in die Küche, waschen ihre Tassen ab und begeben sich wieder an den Arbeitsplatz und der Chef darf wieder ganz Chef sein.

Es heisst, dass bei uns viele Verbrecher überführt wurden, weil die Garda wert auf die Teepausen legt und dass das die einzige Möglichkeit ist, wo die Verbrecher ganz im Vertrauen mit dem Beamten reden. Selbst die Beichte wird bei einer guten Tasse Tee abgenommen und statt Wein gibt es irish Blend beim Abendmahl, während der Pfarrer von der Kanzel predigt, dass Jesus noch leben könnte hätte man damals schon den Wert des Tees erkannt.
Irland könnte die groesste Wirtschaftsnation sein, wenn nur der Tee nicht wäre.

Vor ein paar Jahren sass ein Wächter im IBM Hauptgebäude im amerikanischen Armonk und schaute von Zeit zu Zeit gelangweilt von einem Monitor, auf dem die IBM Aktivitäten weltweit angezeigt wurden, auf seinen Fernseher wo ein Spiel der New York Yankees gegen die Boston Red Sox lief. Die Yanks erzielten gerade einen Homerun als eine Sirene ertönte und dem Wachmann seine Tasse Kaffee fast aus der Hand fiel.
Die Europavertretung in Dublin leuchtete tief Rot und der Wachmann griff in Panik zum Telefon, um seine Vorgesetzten zu informieren, dass sich gerade in Europa eine Katastrophe ereignen würde.

Was war passiert? Die Antwort ist ganz einfach, dass System hatte entdeckt, dass in der Europazentrale in Irland die Produktivität in den Keller gerauscht war, also schickte man ein Team auf die Insel, um rauszufinden, was die Ursachen dafür sein mögen.
Kaum angekommen, verschaffte sich das Team Zugang zum Gebäude und musste feststellen, dass eine gewisse Lethargie bei den Angestellten herrschte. Sofort erstattete man Bericht in die USA und bekam Order herauszufinden, warum die Produktivität eingebrochen war und fand ziemlich schnell die Antwort. Man hatte das obere und mittlere Management durch Amerikaner ersetzt, die natürlich nicht die Kultur der Teepausen kannten und als erste Massnahme diese abgesetzt hatten. Nun war guter Rat teuer, schliesslich hatte man es nicht mit Amerikanern zu tun und befragte als erstes die Manager. Der CEO jammerte, „diese Iren, sind für nichts zu gebrauchen ohne ihren Tee…Staendig müssen sie dieses furchtbare Gebräu trinken, zu jeder Tages und jeder Nachtzeit.“ Ein Manager berichtete, dass er häufiger beobachtet hätte wie sich Angestellte zu gewissen Zeiten einfach vom Arbeitsplatz entfernt hätten. Wenn er sich auf die Suche nach ihnen machte, so seien diese spurlos irgendwo im Gebäude verschwunden. Ein anderer erzählte, dass man dieses Ritual Teepause nennen würde, er hätte dies zufällig in der Kantine mitbekommen, als er sich unerkannt unter die Angestellten mischte.

Nun beschloss man in den USA das Undenkbare, man befragte die Angestellten, was denn in ihren Augen getan werden müsse, damit die Produktivität wieder ansteigt und holte sich Hilfe von aussen in Form von Mitgliedern der Union. Frank O’Bride und Seamus McMillian brachten ein grosses Flipchart, sowie eine halbstündige Powerpoint Präsentation mit und erklärten den Leuten aus den USA bei einer guten Tasse Tee das Geheimnis der irischen Teekultur. Dabei schenkten sie reichlich Barry’s Tea aus einem 50 Liter Fass aus und reichten dazu Kekse, um den Amerikanern das Ganze verständlich zu machen. Ihr Fazit war kurz und knapp, „um die Produktivität wieder zu steigern ist es wichtig, dass man Iren in’s Management holt. Bei einer guten Tasse Tee und einem Gespräch während der Teepause hat man die besten Einfälle, schliesslich waren es Iren die die erste Raummission zu einem Erfolg gemacht hätten. Bei einer Tasse Tee, meine Herren, berechneten sie die genaue Flugbahn der Rakete.

Und so kam es, dass IBM sich Iren als Manager in die Firma holte, die Teepausen einführte, sowie Verträge mit Teefirmen aushandelten, damit ein gewisser Nachschub an Tee vorhanden war. Lokale Molkereien lieferten das nötige Quantum an Milch, so dass die Produktivität wieder anstieg.

Es gibt hier auf der Insel 3 Majorbrands, die tagtäglich dafür sorgen, dass das tägliche irische Leben nicht stockt. Da wäre einmal die Firma Barry’s aus Cork, und dessen Onlinestore die 500 Beutel Kartons bis in den hintersten Winkel der Welt verschickt, damit Iren in der Diaspora ein Gefühl von Heimat haben. Dann ist das Bewley’s, Irlands älteste Kaffeerösterei und einer meiner Lieblingskaffees, aber auch Hersteller diverser Teesorten für den heimischen Geschmack und als letzte, die Firma Lyon’s Tea, mittlerweile teil von Unilever, die angeblich ein geheimes Forschungslabor haben, wo sie sich neue Teablends ausdenken. Daneben tummeln sich noch diverse andere Firmen, sowohl einheimische als auch ausländische, die den täglichen Teebedarf decken.

Nun ist es natürlich ein Gerücht, dass die Iren Tee zu und in allem verwenden. Es gibt keine Teacookies, keine Teacigarettes und Tee wird auch nicht in der irischen Küche verwendet, nicht mal die Teeblätter.

Wenn man mich fragt…nein ich bin immer noch kein Liebhaber von Tee. Ich trinke mal ganz gerne von Zeit zu Zeit einen Tee und kam während meiner Zeit im Krankenhaus mit dem Getränk, sowie der Zeremonien in Verbindung und habe mich dabei auch am klatsch und Tratsch mit mir völlig unbekannten Leuten beteiligt, bin aber nicht damit, wie viele Ausländer, infiziert worden. Fakt ist allerdings, dass man hier besser Tee, als Kaffee trinken sollte, ausser in den zahlreichen Kaffees, denn eine Kafeekultur besitzen die Iren nicht und daheim trinken sie, wenn überhaupt, löslichen Kaffee, wovon sie viel zu wenig in die Tasse machen, so dass man immer einen Blümchen Kaffee trinkt.
Sollten Sie mal nach Irland kommen, oder das Land besuchen, dann sollten sie sich an diese Rituale gewöhnen, die für Ausländer, besonders für Deutsche, manchmal schwer nachvollziehbar sind.

Schwul zu sein..

..bedarf es wenig, meinte einst der Comiczeichner Ralf Koenig, der mit seinen Comics über das normale leben der Homosexuellen berühmt und dessen Comic „der bewegte Mann“ verfilmt wurde. Obwohl der Paragraph 175, der Homosexualität in Deutschland unter Strafe stellte und erst 1994 aus dem StGB ersatzlos gestrichen wurde, herrschten und herrschen in Deutschland gegenüber Irland paradiesische Zustände und seit Monaten herrscht hier ein Streit zwischen Gegnern und Befürwortern der „offenen Ehe.“

Während fast überall in Europa kein Problem darstellt, wenn zwei Menschen eine Gleichgeschlechtliche Ehe eingehen, ist hier die Zeit stehen geblieben und man erachtet die Liebe zwischen zwei Männern oder zwei Frauen immer noch als widerwärtig. Konservative Geistliche wettern von den Kanzeln wie gross die Sünde wäre und es wäre für Irland das Armageddon sollte das Referendum, welches im Sommer abgehalten wird, ein Erfolg sein.
Ganze Legionen, so befürchten sie, würden die Standesämter im ganzen Land stürmen und, schlimmer noch, könnten viele Dinge in Anspruch nehmen, z.B. eine Pension bekommen, wenn der Partner stirbt.

Noch mal angeheizt wurde die Debatte, als sich der irische Gesundheitsminister Leo Varadkar im Jänner als schwul geortet hat. Während es in Irland ein Erdbeben bedeutete erklärte die Irish Times, dass es ausserhalb Irlands keinen Hund hinter dem Ofen vorlockt und listete 16 europäische Politer auf, die entweder schwul oder lesbisch sind und sich offen dazu bekennen. Für unsere Gegner war das natürlich kein Argument und sie unternehmen alles mögliche, damit der Status quo erhalten bleibt. Wie absurd die Vorwuerfe gegen Schwule sind zeigt beispielsweise die Alliance for the Defence of the Family and Marriage (ADFAM). Auf einem Kongress in Dublin zeigten sie ein Flugblatt mit der Behauptung das Homosexualität Krebs verursachen würde. Und die DUP (Democratic Unionist Party) in Nordirland behauptete, dass schwule Männer Kinder vergewaltigen würden. Da die DUP laut Eigenverstaendis eine Protestantisch Konservative Partei sind, ist dieser Vorwurf mehr als laecherlich wenn man bedenkt, dass die Skandale, die hier in den letzten Jahren veröffentlicht wurden, sich mit der Gewalt gegen Kinder beschäftigten die von katholischen Priestern ausgingen.

Ein Bekannter von mir, den ich in einem Off Licence kennenlernte, war mit einem Südamerikaner verheiratet und erzählte mir, wie die Situation für die Schwulen in Irland vor 20 Jahren war. Es war sehr leichtfertig sich als Schwul zu outen, oder Plätze zu besuchen, die als Gay bekannt waren, weil die Besucher Regelmäßig nach Verlassen der Clubs verprügelt wurden und Anzeigen bei der Garda meist im Sande verliefen. Auch seine Ehe, die er in Griechenland geschlossen hat, wurde in Irland nicht automatisch anerkannt, da es in Irland keinerlei Gesetz, oder Vorschrift gibt, die den Beamten dazu zwingt seine Unterschrift zu leisten. Schwule sind offiziell nicht existent in Irland.
Mein Landlord, mit dem ich hierüber mal ein Gespräch führte meinte zu mir, hätten seine Kinder ihm gesagt, dass sie homosexuell sind, dann hätte er wahrscheinlich darauf geachtet, dass sie vernünftige Partner und nicht irgendwelche Scumbags haben. Er ist das, was man hier ein Countryboy nennt, aufgewachsen auf einer Farm kam er in die Stadt und machte seinen Weg. Er meinte er interessiere sich nicht für Politik oder sonstiges und ist der Meinung, dass jeder so leben solle, wie er es für richtig hält und wenn seine Kinder so wären, dann wäre das halt so. Punkt.

Nun ist nicht jeder so wie Derry. Mein Freund Terence hat mir erzählt dass jede Woche ein Mann den Pub besucht in dem er arbeitet. Der Typ wird Farmerjohn genannt und letzte Woche liess er die Hosen runter und beklagte sich über das anstehende Referendum. „Es sei eine Schande,“liess er verlauten, „dass diese Leute in Irland die gleichen Rechte bekommen, wie eine gute irische Familie,“so als wären die Leute keine Iren und meinte weiter, „dass er (Terence) sich mal vorstellen sollte, dass wenn ein Gardai schwul ist und stirbt, sein Partner lebenslang Pension vom Staat bekommt.“ Terence hat ihn dann auf seine unnachahmliche Art den Weg nach draussen gezeigt, als Farmerjohn sich noch dazu aeußerte wie ungerecht das gegenüber den Frauen sei, deren Männer im Dienst umkommen.
Terence erzaehlte mir noch dass der Typ mit seinem Papi zusammen im Farmhaus wohnen würde und das für jemanden mit Mitte 40.

Es ist schon eine Weile her, da hatte ich eine Diskussion mit einem wie Farmerjohn. Es war kurz nach meiner Ankunft in Irland in einem Pub und der Typ meinte, es wäre eine Sünde diese Homosexualitaet und wenn Gott gewollt hätte, dass Menschen schwul wären, dann hätte er es so gemacht, hat er aber nicht.
Ich habe mir das eine Weile angehört und dann geantwortet, „wenn wir nach seinem Ebenbild geschaffen wurden und wenn er doch so allwissend ist, dann hätte er das voraussehen können und wer weiss, vielleicht war er, oder sie, auch ein bisschen Homosexuell und hat mit Absicht diese Vielfalt geschaffen.“ Ich muss nicht betonen, dass er mich bei weiteren Pubbesuchen geschnitten hat.

Leider kann ich nicht wählen, aber ich würde mit Yes wählen, wenn es am 22. Mai zur Abstimmung kommt und kann nur hoffen, das sich die Umfrage bestätigt die dem Referendum eine ueberwaeltgende Mehrheit bescheinigt. Es wird zwar nicht die Vorurteile gegenüber Homosexuelle aus der Welt schaffen, aber den Menschen einen Platz in der Gesellschaft verschaffen, der ihnen bisher verwehrt blieb.

Zum Abschluss noch ein paar Spots zum Referendum, meine Leser dürfen mir glauben, ausser dem dämlichen Flugblatt und den wirren Anschuldigungen gegenüber Homosexuellen habe ich nichts gefunden, dass ihr Nein plausibel erscheinen lassen würde, es gibt da auch nichts.