Teenation

Es war im Jahre 1780 als eine englische Karavelle die ersten zarten Teepflanzen nach Irland und damit den Iren ihr Nationalgetränk brachte.

Man unterstellt den Iren ja immer dass Guinness, oder Whiskey das Nationalgetränk wären, aber das sind bösartige Gerüchte. Fakt ist, die Iren sind Europameister im Teeverbrauch und bringen es in dieser Kategorie auf 4,6 Kg pro Kopf. Das ist mehr als die Engländer, die ja immerhin als die Teenation gelten.

Tee ist in Irland so beliebt, dass sich im 19. Jhr. ein paar Verwirrte zusammenfanden und den Tee als Ursache für den schlechten Zustand der irischen Wirtschaft verantwortlich machten. Der Tee wurde als ein Getränk des Teufels angesehen und wie in den USA, während der Prohibition, so wurde zumindest hier in Irland versucht den Tee zu verbieten. Die Anschuldigungen dieser, um es vorsichtig zu formulieren, Eiferer, waren, dass Tee die Menschen verwahrlosen lässt und die Männer quasi verhungern müssten, wenn sie nach langer schwerer Arbeit heim kämen und ihre Frauen im Teerausch vorfänden. Angeblich würden sich die Frauen dem Teekonsum hingeben und hätten keine Zeit sich um den Haushalt zu kümmern. So absurd diese Anschuldigungen auch waren, so wurde doch der Teekonsum in diesem Land empfindlich beeinträchtigt. Natürlich ist es Blödsinn wenn behauptet wird, dass erst in den Zwanziger Jahren der Teekonsum wieder Fahrt aufnahm weil sich Teehäuser erst in dieser Zeit etabliert hätten. Man muss nicht unbedingt ein Teehaus gründen, wäre dem so, dann hätte es vor der Firma Teekanne keinen Teekonsum in Deutschland gegeben und Friesen, die ihren Tee traditionell mit Milch und Kluempjes trinken, gar nicht gewusst was sie verpassen.

Tee wurde in grossen Mengen während des Easterrising an die Rebellen ausgeschenkt und es heisst, dass ein heisser Tee die gleiche Wirkung wie Miraculix‘ Zaubertrank gehabt hätte. Natürlich weiss keiner ob das mit der Wirkung stimmt, aber ohne den Tee wäre wohl der Freistaat nicht entstanden.
Heinrich Böll, der einige Zeit in Irland lebte und auf Achill Island ein Cottage besass, wo er sein „Irisches Tagebuch“ schrieb, notierte über die irische Eigenheit, „Immer länger wurde die Schlange vor dem Schalter, wo es den Nektar Westeuropas in großzügigen Portionen um billiges Geld gab: Tee; als wären die Iren bemüht, unbedingt auch diesen Weltrekord, den sie knapp vor England halten, nicht preiszugeben. Fast zehn Pfund Tee werden jährlich pro Kopf in Irland verbraucht: ein kleines Schwimmbassin voll Tee also muß in jedem Jahr durch jede irische Kehle laufen.” Daran hat sich bis heute nichts geändert, ohne Tee geht in Irland gar nichts, nicht mal die Busse.

Das Leben würde stillstehen, wenn man den Iren ihre Teepausen verbieten würde. Böse Zungen behaupten, dass die Unions (Gewerkschaften) nur zu dem Zweck gegründet wurden, um die Einhaltung der Teepausen zu überwachen, was natürlich Quatsch ist, aber wenn ein Ire seine Teepause nicht einhalten kann und gezwungen ist diese zu verlegen, dann hört jeglicher Spass auf. Tee ist hier nicht einfach nur ein Getränk, Tee ist eine Lebenseinstellung.
Selbst in Krankenhäusern bekommt man nur Tee, Kaffee gibt es, wenn überhaupt, ganz versteckt in einem Glas und es ist Instant Kaffee den man anbietet wohingegen Tee in Behältern aufbewahrt wird, die die Größe von Swimming Pools haben und wenn die Teezeit kommt, dann ertönt weit hinter dem Bassin die Frage, „Cup of Tea my Dear?“
Dazu werden dann Kekse gereicht, sowie die obligatorische Milch, die natürlich nicht in Portionspackungen ist, wie ordinäre Kafeesahne, sondern in feinstem Porzellan darauf wartet den Tee zu verfeinern, selbst wenn es nur ein Teebeutel ist, der in der Tasse schwimmt.

Diese Teepausen werden zelebriert und sollte es ein Vorgesetzter wagen die Teepausen zu unterbrechen, dann hat das ernsthafte Konsequenzen, für den Vorgesetzten. Aber das machen sie nicht, denn Vorgesetzte sind meist Iren und ein Teil dieser Teekultur, also sitzt der CEO einer irischen Firma mit seinen Angestellten zusammen und beteiligt sich am Klatsch und Tratsch der stattfindet, denn Iren sind auch ein Stück weit neugierig und welche Zeit passt besser als dese. Da wird dann genüsslich erzählt das Mary mit Padraigh ausgeht, obwohl dieser mit Joyce verheiratet ist, woraufhin alle traurig den Kopf schütteln und Joyce bedauern. Oder das Fiona schon zum fünften Mal schwanger ist und mal wieder keiner weiss, wer der Vater ist. Daraufhin wiegen alle das Haupt und sagen, „ja ja, wie seltsam das Leben doch manchmal sein kann,“ daraufhin kommt dann die Frage ob es noch eine Tasse Tee sein darf, „ja gerne mit Milch“ und ob noch ein Keks gewünscht wird.
Sobald die Pause beendet ist gehen die Angestellten gemeinsam in die Küche, waschen ihre Tassen ab und begeben sich wieder an den Arbeitsplatz und der Chef darf wieder ganz Chef sein.

Es heisst, dass bei uns viele Verbrecher überführt wurden, weil die Garda wert auf die Teepausen legt und dass das die einzige Möglichkeit ist, wo die Verbrecher ganz im Vertrauen mit dem Beamten reden. Selbst die Beichte wird bei einer guten Tasse Tee abgenommen und statt Wein gibt es irish Blend beim Abendmahl, während der Pfarrer von der Kanzel predigt, dass Jesus noch leben könnte hätte man damals schon den Wert des Tees erkannt.
Irland könnte die groesste Wirtschaftsnation sein, wenn nur der Tee nicht wäre.

Vor ein paar Jahren sass ein Wächter im IBM Hauptgebäude im amerikanischen Armonk und schaute von Zeit zu Zeit gelangweilt von einem Monitor, auf dem die IBM Aktivitäten weltweit angezeigt wurden, auf seinen Fernseher wo ein Spiel der New York Yankees gegen die Boston Red Sox lief. Die Yanks erzielten gerade einen Homerun als eine Sirene ertönte und dem Wachmann seine Tasse Kaffee fast aus der Hand fiel.
Die Europavertretung in Dublin leuchtete tief Rot und der Wachmann griff in Panik zum Telefon, um seine Vorgesetzten zu informieren, dass sich gerade in Europa eine Katastrophe ereignen würde.

Was war passiert? Die Antwort ist ganz einfach, dass System hatte entdeckt, dass in der Europazentrale in Irland die Produktivität in den Keller gerauscht war, also schickte man ein Team auf die Insel, um rauszufinden, was die Ursachen dafür sein mögen.
Kaum angekommen, verschaffte sich das Team Zugang zum Gebäude und musste feststellen, dass eine gewisse Lethargie bei den Angestellten herrschte. Sofort erstattete man Bericht in die USA und bekam Order herauszufinden, warum die Produktivität eingebrochen war und fand ziemlich schnell die Antwort. Man hatte das obere und mittlere Management durch Amerikaner ersetzt, die natürlich nicht die Kultur der Teepausen kannten und als erste Massnahme diese abgesetzt hatten. Nun war guter Rat teuer, schliesslich hatte man es nicht mit Amerikanern zu tun und befragte als erstes die Manager. Der CEO jammerte, „diese Iren, sind für nichts zu gebrauchen ohne ihren Tee…Staendig müssen sie dieses furchtbare Gebräu trinken, zu jeder Tages und jeder Nachtzeit.“ Ein Manager berichtete, dass er häufiger beobachtet hätte wie sich Angestellte zu gewissen Zeiten einfach vom Arbeitsplatz entfernt hätten. Wenn er sich auf die Suche nach ihnen machte, so seien diese spurlos irgendwo im Gebäude verschwunden. Ein anderer erzählte, dass man dieses Ritual Teepause nennen würde, er hätte dies zufällig in der Kantine mitbekommen, als er sich unerkannt unter die Angestellten mischte.

Nun beschloss man in den USA das Undenkbare, man befragte die Angestellten, was denn in ihren Augen getan werden müsse, damit die Produktivität wieder ansteigt und holte sich Hilfe von aussen in Form von Mitgliedern der Union. Frank O’Bride und Seamus McMillian brachten ein grosses Flipchart, sowie eine halbstündige Powerpoint Präsentation mit und erklärten den Leuten aus den USA bei einer guten Tasse Tee das Geheimnis der irischen Teekultur. Dabei schenkten sie reichlich Barry’s Tea aus einem 50 Liter Fass aus und reichten dazu Kekse, um den Amerikanern das Ganze verständlich zu machen. Ihr Fazit war kurz und knapp, „um die Produktivität wieder zu steigern ist es wichtig, dass man Iren in’s Management holt. Bei einer guten Tasse Tee und einem Gespräch während der Teepause hat man die besten Einfälle, schliesslich waren es Iren die die erste Raummission zu einem Erfolg gemacht hätten. Bei einer Tasse Tee, meine Herren, berechneten sie die genaue Flugbahn der Rakete.

Und so kam es, dass IBM sich Iren als Manager in die Firma holte, die Teepausen einführte, sowie Verträge mit Teefirmen aushandelten, damit ein gewisser Nachschub an Tee vorhanden war. Lokale Molkereien lieferten das nötige Quantum an Milch, so dass die Produktivität wieder anstieg.

Es gibt hier auf der Insel 3 Majorbrands, die tagtäglich dafür sorgen, dass das tägliche irische Leben nicht stockt. Da wäre einmal die Firma Barry’s aus Cork, und dessen Onlinestore die 500 Beutel Kartons bis in den hintersten Winkel der Welt verschickt, damit Iren in der Diaspora ein Gefühl von Heimat haben. Dann ist das Bewley’s, Irlands älteste Kaffeerösterei und einer meiner Lieblingskaffees, aber auch Hersteller diverser Teesorten für den heimischen Geschmack und als letzte, die Firma Lyon’s Tea, mittlerweile teil von Unilever, die angeblich ein geheimes Forschungslabor haben, wo sie sich neue Teablends ausdenken. Daneben tummeln sich noch diverse andere Firmen, sowohl einheimische als auch ausländische, die den täglichen Teebedarf decken.

Nun ist es natürlich ein Gerücht, dass die Iren Tee zu und in allem verwenden. Es gibt keine Teacookies, keine Teacigarettes und Tee wird auch nicht in der irischen Küche verwendet, nicht mal die Teeblätter.

Wenn man mich fragt…nein ich bin immer noch kein Liebhaber von Tee. Ich trinke mal ganz gerne von Zeit zu Zeit einen Tee und kam während meiner Zeit im Krankenhaus mit dem Getränk, sowie der Zeremonien in Verbindung und habe mich dabei auch am klatsch und Tratsch mit mir völlig unbekannten Leuten beteiligt, bin aber nicht damit, wie viele Ausländer, infiziert worden. Fakt ist allerdings, dass man hier besser Tee, als Kaffee trinken sollte, ausser in den zahlreichen Kaffees, denn eine Kafeekultur besitzen die Iren nicht und daheim trinken sie, wenn überhaupt, löslichen Kaffee, wovon sie viel zu wenig in die Tasse machen, so dass man immer einen Blümchen Kaffee trinkt.
Sollten Sie mal nach Irland kommen, oder das Land besuchen, dann sollten sie sich an diese Rituale gewöhnen, die für Ausländer, besonders für Deutsche, manchmal schwer nachvollziehbar sind.

Ein Kommentar zu „Teenation

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  1. Danke für den Tip mit dem Tee. Ich werde dann das nächste Mal zu meinem Besuch in Cork meinen Kaffee selbst mitbringen 😉

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