Irland, null Punkte

Das Ganze ist so nie passiert und ich bin auf die Idee gekommen, als ich gestern zum ersten Mal nach langer Zeit den Song Contest gesehen und geduldig auf das Erscheinen der irischen Protagonisten gewartet habe, was leider nicht statt fand.

Man weiss nicht genau was passiert ist an jenem 22. Mai 2015, als ganz Europa vor den Fernsehgeräten sass und die Liveschaltung nach Dublin erfolgte. Tom Savage, der Vorsitzende von RTÉ, erklärte gegenüber der Irish Times, dass es offensichtlich mangelhafter Kommunikation geschuldet war, als statt des Moderators, zwei Putzfrauen vor Millionen Fernsehzuschauern die Resultate aus Irland zum Eurovision Contest verkündeten.
„Vielleicht“, so mutmasste der Chefkommentator des Independent aus Cork, „lag es daran, dass man vorher die Ergebnisse des Referendums diskutiert hatte und auf Grund der Tatsache, dass Irland beim diesjährigen Songcontest fehlte, es schlicht ergreifend verabsäumte, dass Irland trotzdem beim Voting teilnimmt.“

So könnte es gewesen sein. Als Alice Tumler und Mirjam Weicheselbraun aus der Wiener Stadthalle in die irische Hauptstadt schalteten, da ahnten sie noch nicht, dass das, was dann passierte, in die Geschichte der Veranstaltung eingehen würde. Zunächst sah man ein leeres Studio mit einem Hintergrundbild der Guinness Brauerei, dann hörte man aus dem Off, wie sich zwei Personen angeregt unterhielten, „Agnes meine Liebe, magst Du noch eine Tasse Tee? Ja gerne Winnie, aber dann sollten wir diese Fernsehkameras abstauben.“ Man hörte seltsame Geräusche und sah auf einmal das RTÉ Testbild, verbunden mit Klirrgeraeuschen. Mirjam Weicheslbraun rief „Hallo?“ und plötzlich hörte man eine Stimme die zu ihrer Begleiterin sagte, „Winnie, ich glaube da ist jemand am anderen Ende der Leitung.“
Nun erschien eine Frau gekleidet in einem blauen Kittel mit Haarnetz und Brille, die sich die Frisur und Brille zurechtrückte und ganz nah an die Kamera ging. „Hallo? Ist da jemand?“ rief sie und sagte dann, „Winnie, ich weiss nicht, aber glaube da sind Leute. Wirklich Agnes?“ kam es aus dem Off und Agnes meinte,„Jesus, ich bin doch nicht taub, hier komm her, schau selber!“
Nun erschien eine zweite Person vor der Kamera, ähnlich gekleidet wie die Erste und kniff die Augen zusammen um besser sehen zu können.
„Du hast Recht Agnes. jetzt höre ich auch etwas.“
In Wien machte sich leichte Nervosität breit, der Regisseur zischte dem Aufnahmeleiter zu, „bist deppert? geh kumm, schalt ausse“ Der Aufnahmeleiter drückte hektisch auf den Knöpfen und Reglern rum als Alice Tumler verwundert fragte, „wer sind Sie?“ Da kam die Sache in’s rollen.

„Och,“ meinte die Dame, die Agnes hiess, „wir sind das verdammte Putzkommando und haben gerade unsere Teepause, willst Du auch eine Tasse Tee Liebling?“ um dann zu sagen, „wie dumm von mir, Du sitzt ja irgendwo und kannst ja keine Tasse Tee haben.“
„Wo sind die anderen?“ kam es zurück. „Ausser mir und meiner Freundin Winnie ist niemand mehr da, was wollen Sie denn eigentlich mitten in der Nacht.“ Den Moderatorinnen in Wien war die Nervosität förmlich anzumerken. Da klappte alles ganz wunderbar und jetzt machten die verdammten Iren ihnen einen Strich durch die Rechnung.
„Aeehh wir sind hier live in Wien, beim Eurovision Song Contest,“ meinte eine der Moderatorinnen. „Ach das ist aber schön,“ meinte Winnie, „Agnes, hast Du gehört? Wir sind live bei einer Veranstaltung! Was für eine verdammte Veranstaltung ist das?““ fragte Agnes.
„Na Du weisst doch, da wo sie jedes Jahr diese Lieder singen und man muss die dann bewerten!
Ach ist das das, wo Johnny Logan gesungen hat? Weisst Du noch Winnie? Wir waren damals auf der Party von diesem McDoughal, hähä und Du und Dein Mann Ihr wart so betrunken, dass Jacko in die Bowle gefallen ist.“
Beide lachten und langsam wurde die Stimmung hinter den Kulissen in Wien immer hektischer. Der Toningenieur versuchte verzweifelt die Schaltung nach Dublin zu unterbrechen und der Aufnahmeleiter suchte in dem Wust von Kabeln den Stecker, der die Übertragung gewährleistete. Der ORF Programmchef rief den Regisseur auf seinem Mobilphone and und tobte, „mir Wurscht, wann’s Ihr die depperte ORF Logo sendet’s. Hauptsache die beiden Watschen muess ma net mehr sehn!“

Unterdessen ging der Dialog zwischen Agnes, Winnie, Alice und Mirjam weiter. Ab und zu gesellte sich auch Arabella Kiesbauer dazu, während Conchita Wurst einen hysterischen Anfall bekam.
Mirjam wandte sich wieder mit leicht ersterbender Stimme an Winnie und Agnes, „Nun Irland! Wie lauten denn die Ergebnisse, ich sehe Ihr habt ja schon sehr fleissig Punkte vergeben, aber wir möchten von Euch nun wissen, wer die Top 3 ist“
„Top 3?“ kam es aus Dublin, „Winnie, haben wir eine Top 3? Ich fand ja den Schweden sehr nett, hä hä! Agnes, ich glaube sie meint die Top Punkte….Moment, hier liegt etwas im Papierkorb.“

In dem Moment gelang es dem Aufnahmeleiter die Verbindung zu kappen und es erschien das Testbild des ORF, sowie die Hymne der Eurovision erklang. In Wien spielten sich nun auf der Bühne überwältigende Szenen ab, wie sie besser ein Hader nicht auf die Bühne hätte bringen können.
Conchita Wurst versuchte sich die Kleider vom Leib zu reissen und schrie den Sicherheitsbeamten zu, „Hascht mich, ich bin der Frühling!“ Und als es einem gelang sie einzufangen, „Pflück mich Du Schweinderl, ich bin der Salat.“ Der Regisseur raufte sich die noch verbliebenen Haare einzeln aus und versuchte den Aufnahmeleiter zu erwürgen. Die Moderatorinnen hielten sich gegenseitig in den Armen und weinten hemmungslos und die Teilnehmer dieses Spektakels schauten sich ungläubig an.
Irgendwann war die Stimmung einigermassen gefestigt und die Veranstaltung konnte mit Würde zu Ende gebracht werden. Frau Wurst sass festgebunden in einem Rollstuhl, die Moderatorinnen waren leicht zerzaust und der Gewinner des Abends nahm mit Schreckensgeweiteten Augen die Trophäe entgegen.

Wer denkt, damit sei die Geschichte zu Ende, der irrt. Ein paar Wochen später gab es eine Debatte im europäischen Parlament, wo unser Taoiseach, Enda Kenny, sowie der Leiter von RTÉ, Rede und Antwort stehen mussten. Daniel Cohn-Bendit hatte Schaum vor dem Mund, als er mit überschlagender Stimme in den Raum brüllte,„Sie, meine Herren, haben das Unschuldigste, schönste und friedlichste Event der Geschichte kaputt gemacht und dem europäischen Gedanken von Entracht einen irreparablen Schaden zugefügt!“ Und in Richtung Präsident rief er, „ich verlange, Herr Präsident, dass Irland schwer bestraft wird und mit Schimpf und Schande ausgestossen aus der Mitte Europas!“

Ein sichtlich geknickter Ende Kenny versprach den Anwesenden die Einrichtung einer neuen Behörde, damit so etwas nie wieder vorkommt, und Irland, im Jahre 2025, wieder an dem Event teilnehmen kann. Experten in Irland sprechen von 26 Mio. €, die diese Behörde verschlingen wird und sowohl die Irish Times, als auch der Independent waren sich einig, dass es wohl besser wäre diesem Event nicht mehr beizuwohnen, als Geld in eine Behörde zu pumpen die wahrscheinlich eins ist, eine Geldvernichtungsmaschine und es wohl besser sei, in Anbetracht der Probleme die dieses Land hat, besser diese zu lösen, als den europäischen Musterknaben zu geben. Das allerdings stiess in Dublin auf taube Ohren. Da man die erfolgreichste Nation bei diesem Song Contest ist, möchte man es sich nicht nehmen lassen, nach 1996, mal wieder nach Dublin einzuladen und ein Folkfestival mit Keltischer Musik ist dafür nun mal nicht geeignet, die Augen der Welt auf sich zu haben.

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