Handwerker

Da offensichtlich der Winter bei uns Einzug gehalten hat beschlossen meine Frau und ich vor drei Wochen, dass es eine gute Idee wäre, wenn wir die Heizung starten. Nun ist es bei uns nicht so, dass man den Regler an der Heizung aufdreht und schon wird es nach kurzer Zeit wohlig warm, nein wir haben ein ausgeklügeltes System, verbunden mit einer Zeitschaltuhr, die Floyd (unseren Boiler) weckt und dieser sich wiederum schlaftrunkend an die Arbeit macht.
Meine Frau schaltete die Heizung ein, wir hörten die Pumpe summen, aber es wurde irgendwie nicht warm. Wir prüften draussen die Gasuhr, die sich normalerweise bedächtig dreht wie die Berliner Schuldenuhr, aber es tat sich nichts. Also prüften wir den Boilerraum, probierten sämtliche Schalter aus, streichelten Floyd liebevoll den runden Bauch, aber auch das brachte keine Änderung. Es blieb uns nichts anderes übrig als Derry, unseren Landlord, anzurufen und ihn zu bitten, dass er sich das Ganze mal anschaut. Derry versprach uns sich umgehend der Sache anzunehmen, also warteten wir mehrere Tage, bis er eines späten Abends kurz Zeit für uns fand -wahrscheinlich weil er eh grad in der Nähe war und stand mit einem Stirnrunzeln erst vor der Zeitschaltuhr und dann vor den Schaltern in Boilerraum um zu verkünden, dass er sich keinen Reim machen kann, warum die Heizung nicht läuft.

Zu Dritt standen wir dann draussen vor der Gasuhr, prüften die Gasleitungen, die logischerweise bei uns aussen angebracht sind und eine wunderbare Zielscheibe für die spielenden Kinder bieten. Dann jagte er mich auf den Dachboden weil dort zwei Tanks stehen, einer für das warme Wasser und einer für das Kalte. Nachdem ich nichts finden konnte und wieder nach unten kletterte, äußerte ich meine Bedenken über diese Konstruktion und erwähnte, dass die Tanks angefangen haben zu rosten. Da dies offensichtlich mit Kosten verbunden sein könnte, wenn man sie austauscht, wischte Derry meine Bedenken mit einer Handbewegung zur Seite, „ach was, die sind doch noch gut, die müssen spätestens ausgetauscht werden, wenn ein Ire Papst wird, also nie!“
Schüchtern fragte ich ihn, ob es nicht eine gute Idee wäre den Gasversorger anzurufen, damit die einen Techniker schicken der sich das mal anschaut. Dies trieb ihm die Röte in’s Gesicht und einigermassen gereizt -weil er in den Pub wollte- antwortete er, „was? Den Gasversorger? Das kommt überhaupt nicht in Frage, die verlangen ja Geld! Nein, nein, ich und mein Installateur, wir machen das selbst, ich habe zwar keine Ahnung, aber James wird schon wissen was er tut, ich kenne ihn schon seit 20 Jahren.“ Mit diesen Worten rauschte er ab, versprach aber mit James am nächsten Tag um die selbe Zeit zu kommen. Natürlich kam er nicht, weder der Plumbaer, noch Derry mit Plumbaer.
Heute waren sie dann da. Der Installateur machte sich gleich an die Arbeit und Derry probierte noch einige Tricks aus, dann verabschiedeten sie sich, weil James natürlich nicht wusste wo der Fehler liegt mit dem Versprechen, dass sie morgen wiederkommen.

Da meine Frau von zu Hause aus arbeitet, ging sie zurück an ihren Computer und stellte fest, das dieser nicht mehr anging. Wir prüften dann die Steckdose und stellten fest, dass auch die elektrische Dusche nicht mehr ging, oben also der komplette Strom weg war. Meine Frau prüfte sämtlich Steckdosen und wurde im Schlafzimmer fündig, so dass der Rechner wieder anging. Dann riefen wir wieder Derry an und konnten am Telefon ein leichtes Röcheln, verbunden mit einem hochroten Kopf nicht nur hören, sondern auch sehen. Wieder versprach er, er würde sich der Sache annehmen und rief in der Tat nach kurzer Zeit zurück. Erst einmal schaltete ich den Schalter an der Zeitschaltuhr, der auch für die Heizung zuständig ist wieder ein, dann den Schalter oben im Boilerraum und fragte Derry ob es normal wäre, das nun die ganze Zeit die Pumpe laufen würde. „Was willst Du,“ fragte er mich, „Strom habt Ihr doch jetzt!“ Dann erging er sich noch in diversen Erklärungen und verabschiedete sich. Da mir das Ganze etwa unheimlich war, schaltete ich die Pumpe aus und der Strom war, zumindest im Raum wo auch Floyd beheimatet ist, wieder aus, egal wie oft man im zweiten Schlafzimmer die Steckdosen ein- und ausschaltet.
Es war uns nicht ganz klar, was der Plumbaer gebastelt hat, also habe ich mir die Sache angeschaut. Neben dem Thermostat, der für die Gasversorgung zuständig ist, hängen, mit Isolierband abgeklebt, drei Kabel die in der Wand verschwinden. Keine Ahnung wofür die sind, waren aber vorher noch nicht da.

Mein Vater war Betriebsschlosser und für ihn war das nicht einfach ein Beruf, sondern eine Berufung. Er hatte eine komplett eingerichtet Werkstatt im Keller und war einer der besten Handwerker die ich kenne. Aus einer leeren Konservendose, etwas Draht und einem Bleistift konnte er einen Kolben für einen Zylinder im Motor bauen, der auch noch Kraftstoffsparend lief. Würde er noch leben und sich das Ganze anschauen, er würde sich die Haare einzeln ausraufen. Wie ich schon hier und hier schrieb, ist die irische Handwerkskunst, was solche Sachen betrifft, wirklich eine Kunst für sich. Man arbeitet hier ohne Netz und doppelten Boden auf’s gradewohl in der Hoffnung das alles funktioniert und einem nicht, sobald das Licht einschaltet alles um die Ohren fliegt. Wenn wir im Wohnzimmer das Licht einschalten passiert es öfters dass in der Küche das Licht ausgeht. Entweder liegen beide im selben Stromkreis, oder es ist ein Wackelkontakt, so genau weiss ich das nicht und auch wenn ich von meinem Vater handwerklich einiges gelernt habe, ich werde nicht anfangen und die ganzen Leitungen überprüfen.

Es ist, wie mir ein Ire mal in meinem Stammpub erklärte, eine typisch irische Mentalität. Iren investieren ihr Geld in Häuser oder Grundstücke denken aber nicht an die Werterhaltung. Besonders die Landlords, so meinte er, seien nur daran interessiert so viel Geld wie möglich aus ihren Mietern rauszuholen, würden aber keinen Gedanken daran verschwenden dass man auch investieren muss und jammern wie die Waschweiber, wenn was kaputt geht und der Mieter sie darauf anspricht.
Das Haus in dem wir jetzt wohnen hat insgesamt 3 Schlafzimmer, Küche, Wohnzimmer und Bad. Bevor wir hier eingezogen sind wohnten teilweise zwischen 6 und 8 Personen hier, so genau weiss man das nicht und auch Derry ist diesbezüglich überfragt. Da er, ausser sich um die Miete zu kümmern, so gut wie kein Interesse an dem Haus besass verstand er natürlich nicht warum die Strom und Gasrechnung teilweise weit über 1000 € für zwei Monate betrug. Was kein Wunder ist, lief doch, als wir hier einzogen, selbst im Sommer die Heizung, weil warmes Wasser gibt es nur, wenn die Heizung läuft und da sich die Heizung im Schlafzimmer nicht abdrehen lässt, was der Landlord weiss, haben die Leute lieber im Schlafzimmer geschwitzt wie in einer finnischen Sauna.

Nun Gut, warten wir also ob Derry und der Installateur morgen aufschlagen und was der Installateur aus seinem Talent macht und was noch wichtiger ist, ob danach nicht nur die Heizung, sondern auch die Stromversorgung in Ordnung ist, weil wir uns sonst mit dem Radiator, den ich Anfang dieses Jahres gekauft hatte, weil die Heizung nicht ging, im Wohnzimmer aufhalten müssen weil wir keinen Strom und keine Heizung haben.

Aber das ist halt Irland

Erfolgreich

Es ist schon einige Zeit her, als ich über Sport in Irland schrieb und besonders über die rein irischen Sportarten wie Gaelic Football und Hurling. Die nationalen Meisterschaft sind jedes Jahr ein Riesenevent und die Fernsehübertragungen erreichen hohe Einschaltquoten und Gewinne für die Wettbüros -Wetten ist mit der Iren liebstes Hobby-.

Wir sind mit 4.5 Millionen Einwohner ein relativ kleines Land und Naturgemäß werden sportliche Erfolge auf der internationalen Bühne sehr gefeiert, besonders wenn sich Irland gegen den grossen Nachbarn aus dem Osten durchsetzt. Die sportliche Rivalität mit England besitzt hier einen hohen Stellenwert und Erfolge gegen die englischen Auswahlmannschaften werden noch höher bewertet als Erfolge im Sport gegen andere Länder. Gewundert hatte mich allerdings, dass die Europameisterschaft im Hockey, dieses Jahr in England ausgetragen, keinen hohen Stellenwert genoss und der Sieg über England im Spiel und Platz 3 in den irischen Medien geradezu unterging, dabei gewann unsere Auswahl mit vier zu zwei Toren und Irland steht in der ewigen Tabelle europäischer Länder auf Platz 6 bei den Herren und Platz 5 bei den Damen.
Hockey gilt allerdings als Sport den eigentlich nur verwöhnte College- und Universitätsstudenten spielen, also kein Sport der breiten Masse ist. Dies könnte sich allerdings ändern, wenn Cork im nächsten Jahr die U-18 Europameisterschaft der Damen und Herren ausrichtet.
Bis dahin dürften wohl weiter sportliche Erfolge im Boxen, bei der Weltmeisterschaft im Rugby, wie jetzt gegen Frankreich, wo der Sender TV3 sämtliche Spiele überträgt, oder der Sieg über den Weltmeister in der Qualifikation zur EM 2016 in Frankreich sein.

Überhaupt Rugby. Ich habe mich mit vielen Iren unterhalten, die dem Rugbysport wenig abgewinnen können, weil ich die Euphorie verstehen wollte, die dahinter steckt. Gesagt wurde mir, dass das irgendwann angefangen hat, das plötzlich die ganze Nation im Rugbyfieber lag. Dabei werden Siege über England, wie zuletzt beim Six Nations, als die irische Nationalmannschaft Englands mit 19 zu 9 besiegte, besonders frenetisch gefeiert. Ich denke aber, dass die Professionalisierung hier in Irland dazu beigetragen hat, dass Rugby sich besondrer Beliebtheit erfreut. Allein die Erfolge des Clubs Munster Rugby liessen die Mitgliederzahlen und das Interesse nach Oben schnellen. Von den Zuschauerzahlen träumen irisch Fussballvereine, hier Soccer genannt, nur.
Während die irischen Rugbymannschaften der Guinness Pro 12 Ligue sich um die Unterstützung nicht sorgen müssen, krebst die irische Premier League vor sich hin, erfreut sich aber der unerschütterlichen Treue ihrer wenigen Fans.

Da mittlerweile Setanta Sports Ireland, und RTÉ2 von Zeit zu Zeit Spiele der irischen Liga überträgt bekommt man einen Einblick, warum alle irischen Nationaltrainer, seit Jack Charlton, auf Spieler aus den ausländischen Ligen zurückgriffen. Im aktuellen Kader befindet sich kein Spieler, der in der irischen Liga spielt. Alle Profis, die für Irland spielen, verdienen auf der britischen Insel ihr Geld. Robbie Keane, Kevin Doyle und Darren O’Dea spielen mittlerweile in der MLS jeweils für L.A. Galaxy und den Toronto F.C.
Das ist eigentlich kein Wunder, denn die irische Premier League lässt sich vielleicht mit der Regionalliga in Deutschland vergleichen, obwohl das ganze teilweise Kreisklassenniveau hat. Die Spieler sind Halbamateure und eine Förderung sucht man hier vergeblich. Also werden junge Talente von den englischen Vereinen abgeworben, während Cork City nicht mal gegen KR Reykjavík (Knattspyrnufélag Reykjavikur) die erste Runde der Qualifikation zur Europa League überstand.
Aber das ist nicht das einzige Problem. Statt in die Nachwuchsförderung zu investieren gönnt sich unser Chief Executive der FAI John Delaney ein Jahresgehalt von 430,000€ und verdient damit mehr, als die Präsidenten des italienischen und spanischen Fussballverbands zusammen. Darüberhinaus zahlte man Giovanni Trapattoni für sein Traineramt 1,2 Mio. €, den Rest stockte der irische Geschäftsmann Denis O’Brian auf.
Nun ist Trapattoni, oder besser war er ein wirklich grossartiger Trainer, allerdings blieb er hier weit hinter seinem Anspruch zurück und liess auch hier sein antiquiertes Fussballsystem praktizieren.

Nun hofft man auf einen Sieg in den Play Offs und damit verbunden die Teilnahme an der Endrunde der Europameisterschaft nächste Jahr in Frankreich. Noch mehr hoffen viele, dass ein Erfolg der irischen Mannschaft bei der EM dafür sorgen könnte, dass endlich der irische Fussballverband den Finger aus dem Hinter bekommt, als sich im Schatten der, im Moment erfolgreichen Mannschaft, und ihres Managers Martin O’Neill zu sonnen und endlich Geld in die Förderung zu investieren. Aber ich befürchte, dass man nur solange darüber nachdenkt solange wie wir Erfolgreich sind in den Play Off’s und nach dem Sieg über Deutschland, das aber in Vergessenheit gerät sollten wir die Play Off’s nicht schaffen, oder uns sang- und klanglos bei der EM verabschieden und vielleicht zur WM 2018 mit einem möglichen Manager Roy Keane wieder in Schönheit und mit Tapferkeit sterben.

Von Dublin in die Karibik

Wie ich bereits erwähnt habe, seit ich in Irland lebe habe ich mich zum Porter Liebhaber entwickelt und bin natürlich immer auf der Suche nicht nur nach neuen Porter, vielmehr auch nach gutem Porter.

Wir haben sehr viele gute und junge Brauereien, sogenannte junge Wilde, die ihr Handwerk verstehen und das Herz eines Porter Liebhabers höher schlagen lassen. Allerdings bringt auch der Platzhirsch Dialego, der Besitzer der Altehrwürdigen Guinness Brauerei, manchmal ein Kleinod auf den Markt.
Die Brauerei unterstützt im Moment junge Brauer und ermuntert sie nicht nur neue Wege zu beschreiten, sondern auch mit neuen Rezepten zu experimentieren. So wurden junge Brauer ermutigt, mal einen Blick in die alten Rezeptbücher zu werfen und dazu hatte man sie in den „Bunker“ gelassen, so wird der Raum genannt, in dem das Originalrezept des Guinness Stout aufbewahrt wird, so wie es Arthur Guinness im Jahre 1778 anfing zu brauen.
Herausgekommen sind zwei wirklich sehr gute Porter die auf ein Rezept von 1796 und 1801 zurückgehen.

Das Dublin Porter hat 3,8% Alkoholgehalt und einen sehr angenehmen Geschmack nach geröstetem Malz und Caramel. Ob das Bier damals wirklich 3,8% hatte, lässt sich nicht mehr überprüfen. Nach allem was ich über Porter gelernt habe, vermute ich einfach mal, dass es damals einen höheren Alkoholgehalt besass, die Brauer aber, um den Geschmack so angenehm wie möglich zu machen, den Alkoholgehalt gesenkt haben.
Das andere Porter nennt sich West-Indies Porter, nach einem Rezept von 1801 und das hat es wahrlich in sich und beweist, die Guinness Brauerei hatte sehr leckere Biere im Portfolio. Es ist schade, dass sie sowas heutzutage nicht mehr für den Massenmarkt brauen und im Prinzip ein Stout haben, was sehr wässrig schmeckt und Blähungen verursacht, die offensichtlich schlimmer als bei einem Veltins sind.

Das West-Indies ist im Moment mein Favorit. Dieser Geschmack von Karamell und, wenn man den ersten Schluck geniesst, dann gesellt sich der Geschmack von Schokolade dazu, aber nicht billige Milchschokolade, sondern schon was ordentliches. Der Alkoholgehalt liegt mit 6% durchaus im Rahmen und entspricht dem, wie man damals Bier gebraut hat. Da Bier auf den Schiffen transportiert wurde und nach Möglichkeit haltbar sein sollte, hat man das Bier mir mehr Alkohol gebraut, im Falle des West-Indies Porter merkt man das nicht.
Nun wird das Bier nicht mehr auf Segelschiffen rund um die Welt transportiert, also bleibt diese Juwel hoffentlich im Land. Ich kann jedem, der Irland besucht, nur empfehlen nach diesen beiden Bieren Ausschau zu halten. Ich habe keine Ahnung, ob die beiden Porter in ausgewählten Pubs angeboten werden, oder ob diese Beiden im Ausland in ausgewählten Getränkeshops erhältlich sind, sollte das der Fall sein, dann würde ich zuschlagen. Sie dürften zwar preislich im oberen Bereich liegen, aber dieser Preis lohnt sich, wenn man Porter liebt.

In diesem Sinne….Sláinte

GUINNESS announces the launch of two new beers – GUINNESS Dublin Porter and GUINNESS West Indies Porter. The two porters are the first releases from ‘The Brewers Project’ initiative that gives brewers the license to explore new recipes, reinterpret old ones and collaborate freely to bring exciting beers to life."   The beers are now available in selected pubs and retailers. For more information visit www.pursuitofmore.com  GUINNESS DUBLIN PORTER AND WEST INDIES PORTER
GUINNESS announces the launch of two new beers – GUINNESS Dublin Porter and GUINNESS West Indies Porter. The two porters are the first releases from ‘The Brewers Project’ initiative that gives brewers the license to explore new recipes, reinterpret old ones and collaborate freely to bring exciting beers to life.“
The beers are now available in selected pubs and retailers. For more information visit http://www.pursuitofmore.com
GUINNESS DUBLIN PORTER AND WEST INDIES PORTER

Was kostet die Welt

Vor einiger Zeit habe ich über die neueste Errungenschaft geschrieben, Eircode, die Kosten und den Sinn des ganzen Systems. Wie ich damals schrieb wäre Irland nicht Irland, wenn das ganze nicht wenigstens einen kleinen Haken hätte und so schrieben irische Zeitungen letzte Woche, dass das ganze nicht 26 Mio. Euro kostet, wie uns so optimistisch erzählt wurde, sondern wahrscheinlich 38 Mio. Euro, nun ja, die 12 Mio. machen den Kohl auch nicht fett, Hauptsache unsere Häuser haben ihre eigene Postleitzahl.

Nun wäre das alles nicht so schlimm, denn Geld verbrennen können andere Regierungen auch prima, nur hier fällt mir als Rheinländer der Begriff Klüngel ein (für Nicht-Rheinländer Nepotismus). Man hat sich Berater geholt, die laut Zeitungsberichten überhaupt keine Ahnung von dem hatten, was sie da eigentlich tun, dieses Nichtwissen aber fürstlich belohnt wurde. So erhielt einer von ihnen, den man 2014 in das Projekt eingebunden hat, eine Aufwandspauschale von 200.000€. Ein Betrag für den alte Frau lange stricken muss und auch die vier dieser „Consultants,“ bei denen es sich um pensionierte Beamte handelte, schafften es ihre Pension um Sage und Schreibe zwischen 38.000 und 145.000€ aufzubessern. Laut einem anderen Zeitungsbericht wurde in einem Fall ein Aufwand pro Stunde von 800€ vereinbart, gezahlt wurden dann aber 1800€. Leider finde ich den Link nicht mehr und dachte eigentlich es wäre der Examiner gewesen, der darüber berichtet hatte.

Nun sollte man meinen, dass dieser mehrgezahlte Betrag auch irgendeinen Nutzen gehabt hätte, denn wir in Irland geben ja gerne wo die Not am Größten ist -meistens unserer Regierung-, aber weit gefehlt, so wurden Eircodes an Häuser vergeben, die sich nicht mal in diesem Land befinden, oder im falschen County oder der falschen Provinz. Teilweise wurde einfach eine Weide mit einem Eircode belegt, so dass man sich fragt, ob die dort lebenden Schafe oder Kühe einen Internetzugang besitzen und regelmäßig bei Amazon einkaufen, so dass man ihnen einen Postcode verpasst hat. Die Korrektur dieser Fehler wird wohl weitere Millionen verschlingen und natürlich wird unsere Regierung weitere Consultants anheuern, die sich ihre Pensionen und Renten aufbessern.

Was das ganze so ärgerlich macht ist wie weiter oben beschrieben nicht das Geldverbrennen für sinnlose Projekte, das war man ja schon von Fianna Fáil gewohnt die gerne mal mehrere 10.000€ in ein Projekt gesteckt hat, wo arbeitslose Jugendliche zu Farmern ausgebildet wurden. Nein ärgerlich ist, dass man Sozialleistungen zusammengestrichen hat bis fast nichts mehr da war und notwendige Projekte eingestellt hat. Den Bediensteten im sozialen Bereich die Gehälter gekürzt hat und diverse andere Dinge und alles mit der Begründung, dass die guten Jahre vorbei sind und man halt die Auflagen der EU Geberländer erfüllen muss. Der Chefökonom von NERI Micheál Collins, gab im Juli n-tv ein aufschlussreiches Interview, allerdings vergass er dabei zu erwähnen, dass unsere Regierung, jetzt, nachdem die Krise überstanden ist, wieder zur gewohnten Höchstleistung auflaeuft und das Geld diesmal auf andere Art und Weise aus dem Fenster wirft.

Und, das dieses Verhalten irgendwie eine irische Eigenschaft ist, sei es nun die Wassersteuer, wobei man sich über die Berichterstattung und Kommentare in deutschen „Qualitätsmagazinen“ nur wundern kann, wird es wohl nicht lange dauern, bis die nächste Krise auf uns zukommt.

Um ein Beispiel zu geben was ich meine, nenne ich hier nur mal die Wassersteuer. 2010, als ich nach Irland kam, überlegte die damalige Regierung, wie man aus der Krise herauskommt und entsann den waghalsigen Plan, dass es eine tolle Idee wäre, wenn man das Wasser besteuert. So weit so gut, also schaute man sich in anderen Ländern um und dachte sich, „Hey, wir machen das so wie Deutschland mit Wasserzählern und so,“ an sich nichts verwerfliches. So setzte man eine Kommission -unsere Regierung liebt das- ein, die sich Gedanken darüber machen sollte, wie man das Ganze umsetzen kann. Irgendwann kam man darauf, dass wir nicht alle in Städten wohnen, sondern es bei uns wirklich noch Gegenden gibt, wo man Kilometerweit laufen muss, bis man den nächsten Weiler erreicht und dass es Häuser gibt, wo das Wasser in Zisternen gespeichert wird, also Regenwasser verwendet wird. Dann kam die nächste Hürde, als man darauf kam, dass Leute auch in Mehrfamilienhäusern wohnen, wo der Anschluss eines Wasserzählers problematisch werden könnte, also verwarf man die Idee und man hörte nichts mehr davon, bis zum letzten Jahr, als plötzlich Irish Water eine Pressekonferenz gab. Man hatte, damit man wieder Geld ausgeben kann, eine Behörde geschaffen, die sich mit der Bemessung des irischen Wassers und dem Verbrauch befasst. Es wäre ja auch wirklich zuviel gewesen, wenn man dies einem der Ministerien überantwortet hätte, genauso wie die Postleitzahlen, nein man musste eine Behörde mit 2300 Mitarbeitern schaffen und einem Board von Managern, die neben ihrem Beruf auch hier noch verdienen können. Das wir so das Wasser, das wir verbrauchen, praktisch doppelt bezahlen sollen, fällt dabei nicht in’s Gewicht und auch nicht dass die Qualität unseres Wassers in etwa einem 3. Welt Land entspricht. Teilweise, so wurde mir gesagt, sind die Wasserleitungen, die wir verwenden, noch von den Engländern gebaut worden die, so weiss man, seit 1921 nicht mehr in der Republik sind.

Die Verwirrung war dann komplett, als publik wurde, dass man nicht einmal genau weiss, wie der Wasserverbrauch überhaupt besteuert werden soll und ob mit dem Geld, was man einnimmt, die Wasserleitungen modernisiert werden und das Wasser qualitativ an europäischen Standard angepasst wird. Kein Wunder dass die Leute die Nase voll hatten, und in Dublin und anderen Städten dagegen protestiert wurde und wird.

Genau diese Ignoranz auf Biegen und Brechen den „irischen“ Weg durchzusetzen ist es, was mir manchmal die Zornesröte in’s Gesicht treibt. Im Moment steht Irland wirtschaftlich gut da und sofort glauben unsere Politiker wieder das Geld fällt vom Himmel. Sobald dann wieder die nächste Krise da ist, zahlen wir die Zeche. Beim letzten Mal sind wir mit einem blauen Auge davon gekommen, aber spüren die Folgen noch, ich denke beim nächsten Mal wird es schlimmer werden und wenn man sich anschaut, dass die Preise für Mieten, Häuser und Grundstücke wieder ansteigen, dann kommt man nicht umhin zu sagen, sie haben irgendwie nichts gelernt. In Deutschland heisst es, „wenn es dem Esel zu wohl ist, dann geht er auf’s Eis tanzen.“ Das passt prima auf unsere Regierung.