Was kostet die Welt

Vor einiger Zeit habe ich über die neueste Errungenschaft geschrieben, Eircode, die Kosten und den Sinn des ganzen Systems. Wie ich damals schrieb wäre Irland nicht Irland, wenn das ganze nicht wenigstens einen kleinen Haken hätte und so schrieben irische Zeitungen letzte Woche, dass das ganze nicht 26 Mio. Euro kostet, wie uns so optimistisch erzählt wurde, sondern wahrscheinlich 38 Mio. Euro, nun ja, die 12 Mio. machen den Kohl auch nicht fett, Hauptsache unsere Häuser haben ihre eigene Postleitzahl.

Nun wäre das alles nicht so schlimm, denn Geld verbrennen können andere Regierungen auch prima, nur hier fällt mir als Rheinländer der Begriff Klüngel ein (für Nicht-Rheinländer Nepotismus). Man hat sich Berater geholt, die laut Zeitungsberichten überhaupt keine Ahnung von dem hatten, was sie da eigentlich tun, dieses Nichtwissen aber fürstlich belohnt wurde. So erhielt einer von ihnen, den man 2014 in das Projekt eingebunden hat, eine Aufwandspauschale von 200.000€. Ein Betrag für den alte Frau lange stricken muss und auch die vier dieser „Consultants,“ bei denen es sich um pensionierte Beamte handelte, schafften es ihre Pension um Sage und Schreibe zwischen 38.000 und 145.000€ aufzubessern. Laut einem anderen Zeitungsbericht wurde in einem Fall ein Aufwand pro Stunde von 800€ vereinbart, gezahlt wurden dann aber 1800€. Leider finde ich den Link nicht mehr und dachte eigentlich es wäre der Examiner gewesen, der darüber berichtet hatte.

Nun sollte man meinen, dass dieser mehrgezahlte Betrag auch irgendeinen Nutzen gehabt hätte, denn wir in Irland geben ja gerne wo die Not am Größten ist -meistens unserer Regierung-, aber weit gefehlt, so wurden Eircodes an Häuser vergeben, die sich nicht mal in diesem Land befinden, oder im falschen County oder der falschen Provinz. Teilweise wurde einfach eine Weide mit einem Eircode belegt, so dass man sich fragt, ob die dort lebenden Schafe oder Kühe einen Internetzugang besitzen und regelmäßig bei Amazon einkaufen, so dass man ihnen einen Postcode verpasst hat. Die Korrektur dieser Fehler wird wohl weitere Millionen verschlingen und natürlich wird unsere Regierung weitere Consultants anheuern, die sich ihre Pensionen und Renten aufbessern.

Was das ganze so ärgerlich macht ist wie weiter oben beschrieben nicht das Geldverbrennen für sinnlose Projekte, das war man ja schon von Fianna Fáil gewohnt die gerne mal mehrere 10.000€ in ein Projekt gesteckt hat, wo arbeitslose Jugendliche zu Farmern ausgebildet wurden. Nein ärgerlich ist, dass man Sozialleistungen zusammengestrichen hat bis fast nichts mehr da war und notwendige Projekte eingestellt hat. Den Bediensteten im sozialen Bereich die Gehälter gekürzt hat und diverse andere Dinge und alles mit der Begründung, dass die guten Jahre vorbei sind und man halt die Auflagen der EU Geberländer erfüllen muss. Der Chefökonom von NERI Micheál Collins, gab im Juli n-tv ein aufschlussreiches Interview, allerdings vergass er dabei zu erwähnen, dass unsere Regierung, jetzt, nachdem die Krise überstanden ist, wieder zur gewohnten Höchstleistung auflaeuft und das Geld diesmal auf andere Art und Weise aus dem Fenster wirft.

Und, das dieses Verhalten irgendwie eine irische Eigenschaft ist, sei es nun die Wassersteuer, wobei man sich über die Berichterstattung und Kommentare in deutschen „Qualitätsmagazinen“ nur wundern kann, wird es wohl nicht lange dauern, bis die nächste Krise auf uns zukommt.

Um ein Beispiel zu geben was ich meine, nenne ich hier nur mal die Wassersteuer. 2010, als ich nach Irland kam, überlegte die damalige Regierung, wie man aus der Krise herauskommt und entsann den waghalsigen Plan, dass es eine tolle Idee wäre, wenn man das Wasser besteuert. So weit so gut, also schaute man sich in anderen Ländern um und dachte sich, „Hey, wir machen das so wie Deutschland mit Wasserzählern und so,“ an sich nichts verwerfliches. So setzte man eine Kommission -unsere Regierung liebt das- ein, die sich Gedanken darüber machen sollte, wie man das Ganze umsetzen kann. Irgendwann kam man darauf, dass wir nicht alle in Städten wohnen, sondern es bei uns wirklich noch Gegenden gibt, wo man Kilometerweit laufen muss, bis man den nächsten Weiler erreicht und dass es Häuser gibt, wo das Wasser in Zisternen gespeichert wird, also Regenwasser verwendet wird. Dann kam die nächste Hürde, als man darauf kam, dass Leute auch in Mehrfamilienhäusern wohnen, wo der Anschluss eines Wasserzählers problematisch werden könnte, also verwarf man die Idee und man hörte nichts mehr davon, bis zum letzten Jahr, als plötzlich Irish Water eine Pressekonferenz gab. Man hatte, damit man wieder Geld ausgeben kann, eine Behörde geschaffen, die sich mit der Bemessung des irischen Wassers und dem Verbrauch befasst. Es wäre ja auch wirklich zuviel gewesen, wenn man dies einem der Ministerien überantwortet hätte, genauso wie die Postleitzahlen, nein man musste eine Behörde mit 2300 Mitarbeitern schaffen und einem Board von Managern, die neben ihrem Beruf auch hier noch verdienen können. Das wir so das Wasser, das wir verbrauchen, praktisch doppelt bezahlen sollen, fällt dabei nicht in’s Gewicht und auch nicht dass die Qualität unseres Wassers in etwa einem 3. Welt Land entspricht. Teilweise, so wurde mir gesagt, sind die Wasserleitungen, die wir verwenden, noch von den Engländern gebaut worden die, so weiss man, seit 1921 nicht mehr in der Republik sind.

Die Verwirrung war dann komplett, als publik wurde, dass man nicht einmal genau weiss, wie der Wasserverbrauch überhaupt besteuert werden soll und ob mit dem Geld, was man einnimmt, die Wasserleitungen modernisiert werden und das Wasser qualitativ an europäischen Standard angepasst wird. Kein Wunder dass die Leute die Nase voll hatten, und in Dublin und anderen Städten dagegen protestiert wurde und wird.

Genau diese Ignoranz auf Biegen und Brechen den „irischen“ Weg durchzusetzen ist es, was mir manchmal die Zornesröte in’s Gesicht treibt. Im Moment steht Irland wirtschaftlich gut da und sofort glauben unsere Politiker wieder das Geld fällt vom Himmel. Sobald dann wieder die nächste Krise da ist, zahlen wir die Zeche. Beim letzten Mal sind wir mit einem blauen Auge davon gekommen, aber spüren die Folgen noch, ich denke beim nächsten Mal wird es schlimmer werden und wenn man sich anschaut, dass die Preise für Mieten, Häuser und Grundstücke wieder ansteigen, dann kommt man nicht umhin zu sagen, sie haben irgendwie nichts gelernt. In Deutschland heisst es, „wenn es dem Esel zu wohl ist, dann geht er auf’s Eis tanzen.“ Das passt prima auf unsere Regierung.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: