Erfolgreich

Es ist schon einige Zeit her, als ich über Sport in Irland schrieb und besonders über die rein irischen Sportarten wie Gaelic Football und Hurling. Die nationalen Meisterschaft sind jedes Jahr ein Riesenevent und die Fernsehübertragungen erreichen hohe Einschaltquoten und Gewinne für die Wettbüros -Wetten ist mit der Iren liebstes Hobby-.

Wir sind mit 4.5 Millionen Einwohner ein relativ kleines Land und Naturgemäß werden sportliche Erfolge auf der internationalen Bühne sehr gefeiert, besonders wenn sich Irland gegen den grossen Nachbarn aus dem Osten durchsetzt. Die sportliche Rivalität mit England besitzt hier einen hohen Stellenwert und Erfolge gegen die englischen Auswahlmannschaften werden noch höher bewertet als Erfolge im Sport gegen andere Länder. Gewundert hatte mich allerdings, dass die Europameisterschaft im Hockey, dieses Jahr in England ausgetragen, keinen hohen Stellenwert genoss und der Sieg über England im Spiel und Platz 3 in den irischen Medien geradezu unterging, dabei gewann unsere Auswahl mit vier zu zwei Toren und Irland steht in der ewigen Tabelle europäischer Länder auf Platz 6 bei den Herren und Platz 5 bei den Damen.
Hockey gilt allerdings als Sport den eigentlich nur verwöhnte College- und Universitätsstudenten spielen, also kein Sport der breiten Masse ist. Dies könnte sich allerdings ändern, wenn Cork im nächsten Jahr die U-18 Europameisterschaft der Damen und Herren ausrichtet.
Bis dahin dürften wohl weiter sportliche Erfolge im Boxen, bei der Weltmeisterschaft im Rugby, wie jetzt gegen Frankreich, wo der Sender TV3 sämtliche Spiele überträgt, oder der Sieg über den Weltmeister in der Qualifikation zur EM 2016 in Frankreich sein.

Überhaupt Rugby. Ich habe mich mit vielen Iren unterhalten, die dem Rugbysport wenig abgewinnen können, weil ich die Euphorie verstehen wollte, die dahinter steckt. Gesagt wurde mir, dass das irgendwann angefangen hat, das plötzlich die ganze Nation im Rugbyfieber lag. Dabei werden Siege über England, wie zuletzt beim Six Nations, als die irische Nationalmannschaft Englands mit 19 zu 9 besiegte, besonders frenetisch gefeiert. Ich denke aber, dass die Professionalisierung hier in Irland dazu beigetragen hat, dass Rugby sich besondrer Beliebtheit erfreut. Allein die Erfolge des Clubs Munster Rugby liessen die Mitgliederzahlen und das Interesse nach Oben schnellen. Von den Zuschauerzahlen träumen irisch Fussballvereine, hier Soccer genannt, nur.
Während die irischen Rugbymannschaften der Guinness Pro 12 Ligue sich um die Unterstützung nicht sorgen müssen, krebst die irische Premier League vor sich hin, erfreut sich aber der unerschütterlichen Treue ihrer wenigen Fans.

Da mittlerweile Setanta Sports Ireland, und RTÉ2 von Zeit zu Zeit Spiele der irischen Liga überträgt bekommt man einen Einblick, warum alle irischen Nationaltrainer, seit Jack Charlton, auf Spieler aus den ausländischen Ligen zurückgriffen. Im aktuellen Kader befindet sich kein Spieler, der in der irischen Liga spielt. Alle Profis, die für Irland spielen, verdienen auf der britischen Insel ihr Geld. Robbie Keane, Kevin Doyle und Darren O’Dea spielen mittlerweile in der MLS jeweils für L.A. Galaxy und den Toronto F.C.
Das ist eigentlich kein Wunder, denn die irische Premier League lässt sich vielleicht mit der Regionalliga in Deutschland vergleichen, obwohl das ganze teilweise Kreisklassenniveau hat. Die Spieler sind Halbamateure und eine Förderung sucht man hier vergeblich. Also werden junge Talente von den englischen Vereinen abgeworben, während Cork City nicht mal gegen KR Reykjavík (Knattspyrnufélag Reykjavikur) die erste Runde der Qualifikation zur Europa League überstand.
Aber das ist nicht das einzige Problem. Statt in die Nachwuchsförderung zu investieren gönnt sich unser Chief Executive der FAI John Delaney ein Jahresgehalt von 430,000€ und verdient damit mehr, als die Präsidenten des italienischen und spanischen Fussballverbands zusammen. Darüberhinaus zahlte man Giovanni Trapattoni für sein Traineramt 1,2 Mio. €, den Rest stockte der irische Geschäftsmann Denis O’Brian auf.
Nun ist Trapattoni, oder besser war er ein wirklich grossartiger Trainer, allerdings blieb er hier weit hinter seinem Anspruch zurück und liess auch hier sein antiquiertes Fussballsystem praktizieren.

Nun hofft man auf einen Sieg in den Play Offs und damit verbunden die Teilnahme an der Endrunde der Europameisterschaft nächste Jahr in Frankreich. Noch mehr hoffen viele, dass ein Erfolg der irischen Mannschaft bei der EM dafür sorgen könnte, dass endlich der irische Fussballverband den Finger aus dem Hinter bekommt, als sich im Schatten der, im Moment erfolgreichen Mannschaft, und ihres Managers Martin O’Neill zu sonnen und endlich Geld in die Förderung zu investieren. Aber ich befürchte, dass man nur solange darüber nachdenkt solange wie wir Erfolgreich sind in den Play Off’s und nach dem Sieg über Deutschland, das aber in Vergessenheit gerät sollten wir die Play Off’s nicht schaffen, oder uns sang- und klanglos bei der EM verabschieden und vielleicht zur WM 2018 mit einem möglichen Manager Roy Keane wieder in Schönheit und mit Tapferkeit sterben.

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