Paraic und die Banshee

Irland ist sehr reichhaltig an Sagengestalten, es gibt hier den Leprechaun, Feen und Elfen und natürlich die Banshee. Jeder irische Clan verfügt über seine eigene Banshee, die, so heisst es, den Tod eines Clanmitgliedes ankündigt. Angeblich wurde die Banshee gesehen, als John F. Kennedy 1963 in Dallas erschossen wurde. Da Banshees allerdings nur den autochthonen Clans vorbehalten sind und Schwierigkeiten haben nicht nur ein Flugticket zu bekommen, sondern auch ein Visa zu erhalten, ist es eher ausgeschlossen dass man sie in Übersee sieht oder hört. Viele Menschen behaupten, dass sie die Banshee nicht nur gehört, sondern auch gesehen haben und schildern sie als alte Frau mit weissen Haaren und rotgeweinten Augen. Nur selten werden sie als junge Frau gesehen und mit angenehmer Stimme. Ihre Aufgabe beschränkt sich nicht nur darauf den nahenden Tod zu verkünden, sondern auch den Toten auf die andere Seite zu begleiten, also quasi den Reiseführer zu geben. Und das es nur Mitgliedern der Clans vorbestimmt ist, kann man es einen VIP Service nennen. Während des Anglo-Irish War und des Bürgerkrieg hatten sie sehr viel zu tun, denn sie mussten an zwei Orten gleichzeitig sein, kein Wunder dass die Banshees graue Haare haben.

Bevor ich nun weiter abschweife möchte auf folgende Geschichte zurückkommen die sich im County Wexford ereignet haben soll und die Person um die es geht, hiess Paraic O’Malley vom Clan der O’Malley’s die schon in der Schlacht von Clontarf an der Seite von Brian Boru gegen die Wikinger gekämpft haben. Die Banshee, die damals für den Clan zuständig war, hatte soviel zu tun, dass sie nach der Schlacht in Rente gegangen sein soll, schliesslich liess es sich der Clan der O’Malley’s, der für seine Rauflust bekannt war, nicht nehmen geschlossen gegen die Wikinger anzutreten und 5 Clanmitglieder hauchten auf dem Schlachtfeld ihr Leben aus.

Niamh, so hiess die Nachfolgerin der bedauernswerten Banshee, trat so um das 1560 in die Fussstapfen als persönliche Banshee des Clans und bekam über die Jahrhunderte ein paar graue Haare. Dabei hatte sie das höhere Banshee College in Ardglass mit Auszeichnung abgeschlossen. Sie spielte besser Harfe als Eddie van Halen Gitarre und mit ihrem Gesang konnte sie Fensterscheiben zum Platzen bringen. Es hätte ihr eine grosse Karriere bevor stehen können, als persönliche Banshee der Kennedys zum Beispiel, aber wie das Leben, oder nicht leben, so ist, entschied sich der Rat der Todesboten, wie er sich nennt, dagegen und so wurde sie die Hausbanshee der O’Malley’s. Und nicht nur hatte sie viel zu tun, nein, sie lernte auch die sture Seite der Clanmitglieder kennen. Der erste Einsatz den sie hatte war Fergus O’Malley, Niamh war pünktlich 3 Tage vor seinem Tod zur Stelle, fing den üblichen Klagegesang an, begleitet auf einer Harfe und wunderte sich, dass der Geist von ihm nicht auftauchte damit sie ihm die Reisepapiere und ein paar Tips für die Anderswelt geben konnte. Sie machte sich auf zum Anwesen der O’Malley’s und uebertrat die erste Regel, nämlich einer Banshee ist es nicht gestattet sich bis auf 1 km dem Betreffenden zu nähern. Aber da sie halt neu war konnte man da ein Auge zudrücken. Auf jeden Fall sass der „Todgeweihte“ munter und fidel vor dem Kamin im Kreise seiner Familie, erzählte zum gefühlten hundertsten mal die Geschichte wie er mal als Junge vom Baum fiel und dabei sein Bier trank. Auf die Hinweise seiner Familie, dass die Banshee jetzt schon seit 3 Tagen sang und die Harfe spielte antwortete er, „von mir aus kann sie auch die Bodhrán schlagen bis die Insel im Meer versinkt!“ Niamh stieg die Zornesröte in’s Gesicht als Fergus, nachdem er sich so abfällig geäussert hatte dran ging und noch ein Porter trank, während seine Frau ihm einen weiteren Teller Irish Stew hinstellte und dabei jammerte, „Ach Fergus, wo soll das nur enden, wenn Du das Schicksal herausforderst,“ dabei schneuzte sie sich die Nase mit einem Taschentuch das so gross war wie ein Badelaken. Fergus, der gerade dabei war zur Höchstform aufzulaufen, rief lachend, „das Schicksal, Weib, kann mich mal ganz gepflegt am Arsch lecken und die Banshee gleich dreimal! Hörst Du das Banshee?“Seine Frau schluchzte laut auf und rief, „Fergus O’Malley, treib es nicht zu bunt, sonst wird es einen schlimmes Ende mit Dir nehmen,“ was Fergus mit einer Handbewegung beiseite wischte, „schlimmes Ende, am Arsch,“ brummte er nur.

Niamh konnte sich gerade noch zurückhalten, sonst hätte sie Fergus mit dem Gusseisernen Feuerhaken der an der Wand hing zur Strecke gebracht. Gut dass sie es nicht gemacht hatte, denn es war einer Banshee streng verboten Hand anzulegen. Also zog sie sich zurück und schmollte vor sich hin. Bei dem ganzen Ärger vergass sie sogar ihren Klagegesang und fluchte leise vor sich hin, „na warte mein Freund, wir sind noch nicht miteinander fertig.“
Nun sollte man eines nicht vergessen, nämlich dass Iren durchaus manchmal ein südländisches Temperament haben und sehr nachtragend sein können, wenn man sie für Dumm verkauft. So erging es auch Fergus im Umgang mit seiner Banshee.

Es war im Frühling und die Frühjahrsstürme fegten über die Insel, als Fergus beschloss nach Youghal zu reisen und dort, auf der Landzunge stehend, sich die steife Brise um die Nase wehen zu lassen.
Niamh, die die Schmach vom Winter nicht verwunden hatte, reiste auch nach Youghal, schliesslich war sie zum Gespött der ganzen Bansheeschaft geworden, weil sie es nicht schaffte, dass sich ein ihr Anvertrauter auf den Weg in die Anderswelt machte. Sie kochte vor Wut und als sich Fergus fast am Rande der Landzunge befand, da stellte Niamh ihm ein Bein. 100 Meter, so heisst es, kollerte Fergus die Landzunge hinab, wobei man die 100 Meter als masslos übertrieben betrachten kann.
Fergus war etwas verärgert als Niamh ihm sowohl die Papiere aushändigte als auch eine Informationsbroschüre in die Hand drückte, damit er sich „drüben“ besser zurecht fand. Er heulte Rotz und Wasser und wie gemein das doch war, was Niamh mit ihm angestellt hatte und das er das so nicht auf sich beruhen lassen wolle.

Und es kam wie es kommen musste, Fergus reichte eine Beschwerde gegen Niamh ein, wobei er masslos übertrieb und behauptete, dass Niamh ihm eine über den Kopf gezogen und ihn im hohem Bogen über die Klippen geworfen hat. Weiter schrieb er, dass Niamh Tränen gelacht hat wie er, der arme Wicht, halb im Wasser lag und, das wäre für ihn ja die Krönung, dieses hinterhältige Mistvieh ihm nicht mal ein Handtuch reichte.
Gegen Niamh wurde daraufhin eine Untersuchung der Vorfälle eingeleitet mit Fergus als beteiligten Zeugen. Fergus spielte seine Rolle so gut und jammerte und zeterte gegen Niamh, dass selbst dem hartgesottenen Schnitter als neutralem Beobachter das Wasser in die Augenhöhlen stieg. Siobhan, die den Vorsitz als oberste Banshee inne hatte, schüttelte dermassen heftig den Kopf, das auf der Insel die Bäume teilweise entwurzelt wurden, wie bei einem schlimmen Sturm. Und sie heulte so laut, dass man das selbst noch in Wladiwostok hören konnte. Alles was Niamh zu ihrer Verteidigung sagen konnte war, dass Fergus ein fieser Lügner und Starrkopf ist. Weiter sagte sie, dass es bekannt wäre, dass der Clan der O’Malleys so ziemlich der Schlimmste Clan und es eigentlich die Schuld des Rates sei, dass man sie, die junge und unerfahrene Banshee, ausgerechnet mit diesem Clan betraut hatte. Und, so ihr weiteres Argument, sie ja eigentlich ihre Aufgabe erfüllt habe, auch wenn sie dabei etwas unkonventionelle Wege beschritt.

Der Rat, der nun beide Seiten gehört hatte, zog sich zur Beratung zurück und nach kurzer Zeit, man sprach von 30 Jahren, wurde das Urteil verkündet. Niamh bekam eine kräftige Abmahnung, sowie einen Eintrag in die Personalakte. Sinead, die Urteile des Rates verkündete, sagte in der Begründung, dass Niamh so gut davon gekommen sei, weil sie noch sehr jung und unerfahren, die O’Malley’s im Allgemeinen als sehr schwierig gelten und, das war der Ausschlag, Schnitter, als neutraler Beisitzer meinte, das der Zweck die Mittel heilige. Im Sitzungsprotokoll stand das Schnitter folgendes gesagt hatte, „Was wollt Ihr Jammergestalten denn? Der Waxxx -Zensiert- ist da, Niamh hat ihre Aufgabe erfüllt, auch wenn nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Aber mal Ehrlich, wenn wir uns immer an die Vorschriften halten würden, dann würden die Sterblichen ewig leben, Ihr arbeitslos sein und die Welt uebrfuellt.“

Niamh durfte sich nun 150 Jahre lang nichts zu Schulden kommen lassen und sich auch nicht auf einen neuen Job bewerben. Nun sind 150 Jahre für uns Sterbliche eine lange Zeit aber für Banshees nix, quasi ein Nachmittags Spaziergang im Kinderpark.
Auf jeden Fall sprach sich die Story von Fergus bei den O’Malley“s rum und Niamh hatte nach eine leichte Arbeit weil sich keiner der O’Malley’s traute einfach nicht zu sterben. Das Motto lautete, „sie hat Fergus von den Klippen geschubst, wer weiss wozu sie noch fähig ist.“
Sobald Niamh mit ihrem Equipment anrückte verabschiedeten sich die O’Malley’s von ihren Angehoerigen, schlossen die Augen und begaben sich an den Ticketschalter, wo Niamh schon mit den Reisedokumenten wartete und flogen in die Anderswelt.
Das Leben hätte jetzt für Niamh so einfach sein können, hätte sie es nicht mit den O’Malley’s zu tun gehabt. Das Sprichwort, „der Mensch denkt und Gott lenkt,“ liess sich hier trefflich umschreiben denn Niamh hatte die Rechnung ohne den Wirt in Gestalt von Paraic O’Malley gemacht, gegen den die anderen O’malleu’s und besonders Fergus Waisenknaben waren, aber darüber schreibe ich das Nächste mal und schauen wir mal, ob Niamh da so glimpflich rausgekommen ist, denn Paraic war wie gesagt ein ganz anderes Kaliber…..

……Fortsetzung folgt

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