Brians Mütze 2

Kaum in Edinburgh angekommen versuchte ich mit den Einheimischen zu kommunizieren und wusste, aus meiner jahrelangen Erfahrung, dass man die Kontaktaufnahme mit den primitiven Einheimischen am besten in ihrer gewohnten Umgebung macht und begab mich zu diesem Zweck in die nächstgelegene Bar, hier wurde das Pub genannt, um zu versuchen, dass ich etwas mehr an Informationen bekomme über diese Kappe, was sich als sehr schwierig herausstellte, sprachen diese Leute doch nicht die gleiche Sprache wie ich. Bei einem, wie es diese Wilden nennen, Pint gelang es mir mit Zeichen und Gebärdensprache herauszufinden, dass ich nicht in Irland, sondern immer noch auf dem gleichen Eiland war und dass dieses Irland offensichtlich eine separate Inseln ist. Wenigstens gelang es mir einen einheimischen Führer namens Ian zu engagieren, der mir, nachdem er mir mehrere Dollar abgenommen hatte, als ich bewusstlos im Hinterhof aufwachte -dieses Getränk war nämlich mehr als gewöhnungsbedürftig-, ein Reiseticket nach Irland besorgte.

Gern hätte ich ihnen beim Abschied ein paar Glasperlen geschenkt, aber diese Leute, das muss man wirklich sagen, waren sehr bescheiden und mit 100 Dollar mehr als zufrieden -komisch die Währung hier heisst doch Pfund…sind 10 Pfund mehr als Hundert Dollar? Na egal, ich werde das zu Hause recherchieren-
Auf jeden Fall kam ich endlich in Irland an. Beim Zoll wieder die gleiche Prozedur, ich zog meine Hose runter, aber die Leute meinten, das brauche ich nicht und, was mich doch sehr gewundert hat, sie sprachen meine Sprache, genauso wie diese Leute in London, schon ein sehr merkwürdiger Zufall. Sollte ich etwa doch nicht in Irland gelandet sein? Mir kamen Zweifel und ich dachte, „vielleicht ist an dem Fluch der Kappe doch was dran.“ Ich verliess also den Flughafen, überquerte gerade in Gedanken versunken die Strasse auf der Suche nach einem Taxi als…ich wachte drei Tage später im Krankenhaus auf.
„Ts ts ts,“ sagte der Arzt, „haben Sie denn nicht das Auto gesehen als Sie über die Strasse gingen?“ Woher sollte ich wissen dass man in diesem Land auch auf der falschen Seite fährt, natürlich habe ich das Auto nicht gesehen, sonst wäre ich nicht hier. Er rührte gerade in einem Becher und da ich, auf Grund meines Aufenthaltes in Edinburgh, einen leichten Brand verspürte, war ich mehr als überrascht, als eine Schwester einen Wagen mit einem riesigen Kessel in’s Zimmer schob. „Mit Milch?“ fragte sie und was soll ich sagen, ich fand mich auf dem Trottoir vor dem Krankenhaus wieder und spürte ein warmes Gefühl als…..

Da ich nun in Irland war konnte ich endlich mit meiner Suche nach der Kappe beginnen und begab mich in die nächste Bar, aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen auch hier Pub genannt. Um das Vertrauen dieser Eingeborenen zu gewinnen bestellte ich den lokalen Trank, ein Gebräu das sehr schwarz mit einer cremigen Haube war. Das tranken hier die Meisten, also dachte ich, ich mache nichts verkehrt wenn ich das nehme. Das Zeug nannte sich Guiness und schmeckte dermassen bitter, dass ich um einen Apfelsaft bat und auf eine Flasche zeigte auf der Jameson stand, woher sollte ich auch wissen, dass Jameson kein Apfelsaft ist, sondern ein ähnliches Getränk wie in Schottland, das aus Weizen hergestellt wird.
Ich wachte am nächsten Morgen in einer Zelle auf und ein Polizist schaute mich mittleidig an. „Na Buddy, da haben wir aber ganz schön einen über den Durst getrunken. Ja Guinness und Whiskey bekommt den meisten nicht gut.“ Da ich nicht Buddy heisse wusste ich nicht, wen er meinte. Vor allem hatte ich keine Ahnung wo ich war und warum meine Hand einen Verband hatte. „Du hast Glück gehabt, die Raben fingen schon an an Dir rumzuhacken, der Doktor im Krankenhaus hat Dich dann erkannt und meinte Du seist dieser verrückte Amerikaner, der auf der Suche nach Brian Boru’s Flatcap ist…Was für ein Schwachsinn.“

Ich spürte dass dieser Eingeborene etwas wissen muss und nahm all meinen Mut und meine exzellenten Sprachkenntnisse zusammen und fragte ihn unumwunden, wo ich diese Kappe finden kann. Seine Reaktion machte mich sprachlos denn er fing lauthals an zu lachen, drehte sich zu seinen Kollegen um und prustete, „Jungs, das glaubt Ihr nie! Der Spinner hier ist auf der Suche nach Brian Boru’s Flatcap!“ Ein dröhnendes Lachen schallte durch das Gebäude und einer von diesen Eingeborenen meinte ich sollte es mal bei Carroll’s probieren. Ich war noch nie so gedemütigt, besonders als der Polizeibeamte sagte, „Junge, das ist doch nur ein Märchen. Brian starb 1014, da gab es noch keine Flatcaps!“ Er wischte sich eine Lachträne aus dem Augenwinkel, schob mich aus der Zelle und gab mir den Rat, die nächste Maschine in die USA zu nehmen. „Komm als Tourist wieder, als Abenteurer bist Du nichts weiter als eine Lachnummer.“
Ich war am Boden zerstört und verliess Wutentbrannt die Station. Diese Hinterwäldler, Rednecks, diese Tiere, mich den grossen Bring M. Backalive so zu demütigen, natürlich werde ich nie wieder einen Fuss auf diese Insel setzen, wer bin ich denn.

Am Taxistand sprach mich ein Mann an, an den ich mich verschwommen erinnert konnte. Ja, ich hatte diesen Mann im Pub getroffen, der nannte sich irgendwas mit S.. Si…Sa..ach ja, da fiel es mir ein, Sean hiess er. Er raunte mir mit verschwörerischem Gesicht und ebensolcher Stimme zu, „ich weiss wo Du die Kappe finden kannst.“ Mit einem feierlichen Gesicht überreichte er mir eine Tüte, blickte sich mehrmals um und sagte, „Brian Boru’s Flatcap.“ Mit diesem Worten war er plötzlich verschwunden, wie vom Erdboden verschluckt. Benommen stieg ich in’s Taxi fuhr zum Flughafen, buchte meinen Heimflug und wagte mich erst zu Hause die Tüte zu öffnen. Der Schriftzug war schon leicht verblasst und es gelang mir nur mit Mühe die Schriftzeichen zu entziffern. „ Jonathan Richard, Irish Tweet, proudly made in Ireland.“ stand dort. Auf der anderen Seite stand, „gehört Brian! Griffel weg!!“ Mit zittrigen Fingern entnahm ich dem Beutel eine offensichtlich abgewetzte Kappe. „Ja,“ dachte ich, „das muss sie sein, die Kappe Brian Boru’s.“ Ich legte das Artefakt vorsichtig in die Glasvitrine, wo schon all die anderen Kostbarkeiten, beispielsweise Mozarts Füller lagen. Die Dinge die ich bei all meinen Reisen erbeutet habe, aber, ich muss sagen, die Kappe, das ist etwas ganz besonderes denn man fühlt gleich die Magie, die von dieser Kappe ausgeht. Von wegen Märchen, pffhhh, diese ungebildeten Neandertaler haben ja keine Ahnung von Archäologie. Die Kappe ist heute mein ganz besonderer Schatz und ich schaue sie mir täglich an. Ich wage gar nicht sie aus dem Schrank und in die Hände zu nehmen.

So und jetzt erwarte ich von diesem Schmierblog Rebels Dingsbums ein üppiges Honorar dafür, dass sie dem unvergleichlichen Bring M. Backolive zuhören und seine Geschichte zu Papier bringen durften.

Brians Mütze

Inspiriert durch eine Sendung im History Channel, in der ein „Geologe“ auf der Suche nach Artefakten ist und kreuz und quer über den Erdball reist um Salomons verlorenen Kamm, die Tagebucheinträge von Eva Braun, den Plüschteddy von Josef Stalin oder den goldenen Schnuller von König Midas zu finden, fiel mir diese Geschichte ein. Ich muss gestehen von einem Kanal, der sich mit Archäologie und Geschichte befasst, hätte ich keine Verschwörungstheorien erwartet und vor allem eine bessere Kenntnis über die Lage anderer Länder. Es ging in dieser Sendung über die Bundeslade die, so wurde es erzählt, sich erst auf dem Hill of Tara im County Meath befand und dann, man weiss nicht wieso, plötzlich im hintersten Winkel von Wyoming landete. Bemerkenswert daran war nicht die völlig abstruse Geschichte, sowie die offensichtliche Überzeugung, dass eh alles in den USA zu finden ist, sei es vom Schatz der Templer, bis hin zu Jesus alter Kuscheldecke aus Bethlehem, sondern selbstverständlich auch die Bundeslade, die einfach so per UPS in einer Scheune abgeliefert wurde. Bemerkenswert war die Tatsache, dass man mal eben den County Meath in das Hochland Schottlands verlegt hat…klar ist ja auch nicht weit bis dahin und Irland oder Schottland, ach was macht das schon, ist ja eh alles das Gleiche.

Unser Held in dieser Geschichte ist ein alter Bekannter den man sofort erkennt, wenn man die Arbeiten von Franquin zu schätzen weiss. Unser Held heisst Bring M. Backalive und das ist seine Geschichte die er exklusiv in die Tastatur der Rebelarmycork Redaktion diktiert hat. Selbstverständlich haben wir nichts daran geändert, nur hier und da etwas weggelassen weil es den Rahmen gesprengt hätte. Hier nun also seine Geschichte:

Auf der Suche nach der magischen Flatcap des Brian Boru

Mein Name ist Bring M. Backalive, ich bin Journalist, Abenteurer, Entdecker, Tierdompteur, Landvermesser, Erdumrunder, kurz, ich kann alles. Von Beruf bin ich studierter Origamilehrer, aber das hat mich selbstverständlich nicht ausgefüllt. Auf der Suche nach dem verlorenen Tempel der Mayas im brasilianischen Hinterland habe ich den Amazonas durchschwommen, bin auf jeder Storage Auflösung zwischen Miami und Barrow gewesen, weil meine Überzeugung, dass sich der Tempel irgendwo in den USA aufhalten muss, alle Instinkte geweckt hat. Nächtelang habe ich sämtliche Marvelcomics, Verschwörungsliteratur, also sämtliche Quellen die mir zur Verfügung standen und deren Titel mir jetzt nicht so einfallen, aber irgendwas mit alten Trümmern zu tun hatten, gelesen und was soll ich sagen, da steht dieser verblödete Tempel so mir nix Dir nix neben einem Diner in Las Vegas. Unglaublich, nicht?

Mein schwierigstes Abenteuer, das ich zu bestehen hatte, war allerdings die Suche nach Brian Borus Flatcap. Brian Boru, bekannt aus Film, Funk und Fernsehen, sowie einigen Comics, soll eine Schiebermütze getragen haben. Natürlich habe ich, Backalive, herausgefunden, dass diese Kappe selbstverständlich magische Kräfte besitzt…ich mein wer bin ich…pffhh einfache Flatcap, mit sowas gibt sich ein weltberühmter Wahnsinniger und semiprofessioneller Schiffsschaukelanschubser doch gar nicht ab. Nein, nein, da war mehr hinter dieser Kappe als alle zunächst annahmen, also buchte ich einen Flug nach Irland…leider über London, also erst nach London…Sie verstehen was ich meine.

In London angekommen war ich verblüfft über die Stadt, durch meinen 3D View-Master von Sawyer’s Photo Service sah die Stadt viel größer aus. Da wusste ich, „Bring, hier beginnt eine Herausforderung für Dich.“ Ich betrat den nächsten Shop und fragte völlig unumwunden, schliesslich bin ich ja auch Investigativ Journalist, „Gute Frau, ist das hier London?“ Die Frau, die wahrscheinlich noch die Revolutionskriege erlebt hatte meinte zu mir, „natuerlich, was sonst?“
Ich wäre ja nun kein Gambler, wenn ich nicht nachgefragt hätte, ist so wie beim Mau Mau, wenn Du zuviel Karten hast, dann stehen Deine Chancen ziemlich schlecht zu gewinnen. Ich fragte sie also knallhart und ganz direkt, „London in England? Nein,“ meinte sie, „natuerlich London in Ohio, was haben denn Sie gedacht?“ ‚Mist,“ dachte ich, immer das Gleiche, wenn Du billig kaufst, dann kaufst Du zweimal. Mir war diese Internetnetseite, „Raisen wohin Du wolle,“ gleich nicht ganz geheuer, zumal das Internetportal eine indische Adresse und die Preise in Rupien angegeben waren. Naja, auch ein Abenteurer kann mal falsch liegen, besonders wenn es sich um den größten Abenteurer seit Indiana Jones handelt, also murmelte ich kurz etwas in meinen Bart und begab mich schnurstracks in das nächste Internetcafe um meine Reise zu buchen.
Diesmal ging ich aber auf Nummer Sicher und suchte eine vertrauenswürdige Seite. Ich machte mir auch nicht viel Gedanken über die merkwürdigen Buchstaben auf der Seite, „Ali Babas Teppichairline,“ klingt in meinen Augen mehr als seriös, vor allem wenn sie mit dem Spruch werben, „Reisen für Abenteurer.“ Flugs hatte ich meine Amex in der Hand und die Reise gebucht, dann machte ich mich auf den Weg zum 300 Km entfernten Flughafen. Mich hat natürlich nicht gewundert, dass die Maschine eine DC 4 der „Never come backair“ war, Hauptsache es ging nach London. Gewundert habe ich mich nur, als ich wieder etwa 400 Km nach London reisen musste, auf meinem View Master sah das alles ganz anders aus und der Flughafen lag eigentlich direkt in London…na egal. Ich rückte meine Baskenmütze zurecht und betrat den erstbesten Laden, wollen doch mal sehen und zeigen, wo Bartels den Most holt und der Lurch die Locken hat.

Frech und direkt fragte ich den Mann hinter der Theke, ob das hier London sei und ergänzte, „aber nicht London in Ohio!“ „Oh nein,“ meinte er, „wir sind hier im wunderschönen London in Kentucky und immerhin Hauptstadt des County.“ Sichtlich mitgenommen rang ich nach Fassung und musste von dem, im Laden anwesenden, Personal sanft nach draussen getragen werden. Hier stellte ich fest, dass Eier nach vier Wochen in der Sonne einen sehr interessanten Geruch entwickeln können und kletterte aus dem Müllcontainer.
So langsam hatte ich das Gefühl das an dieser Sache doch mehr dran war als ich es vermutet hatte, wie sonst war es zu erklären das ich, der grosse Bring M. Backalive, von seiner Reise nach Irland abgehalten wurde. Lag vielleicht ein Fluch auf diesem Artefakt, um diesen Fragen nachzugehen und mich diesmal besser auf meine Reise vorzubereiten reiste ich in mein Office, welches in einem Hinterhof der Bronx liegt und studierte bei einem leckeren Doughnut und einem Becher Kaffee in Muriel und Al’s Diner diverse Webseiten. Da ich keine Redaktion habe, die für mich diese Aufgaben der Recherche -obwohl brauche ich das?- übernimmt, beauftrage ich Eliah, den Sohn meiner Nachbarn mit der Recherche, schliesslich ist Eliah der beste Schüler an der Newark Junior High und kostet auch weniger. Allerdings hat auch er seinen Preis und verdammt, die sind gestiegen. Unter einem Juniormenü geht da gar nix, aber am Ende landete ich schliesslich in London, ich wusste doch, das dieses England keine Legende ist wie man mir als Kind immer weismachen wollte, wenn wir in Disneyland waren, allerdings sahen die Leute hier so gar nicht aus, wie ich es aus Büchern kannte, komisch. Keine Anzüge, Regenschirme, lustige Hüte, na ja, man kann nicht alles haben. Hauptsache England.

Die Leute beim Zoll schauten mich etwas ungläubig an, als ich dabei war meine Hose auszuziehen, sie meinten das wäre in England unüblich, gut konnte ich ja nicht wissen das hier die Uhren anders gehen als in Kolumbien. Nachdem ich durch den Zoll war, mein Gepäck geholt hatte, verliess ich den Flughafen, den ich mir eigentlich ein bisschen Größer vorgestellt hatte, naja es ist halt nicht wie bei uns.
Gerade hatte ich das Gebäude verlassen und wollte mich nach einem Taxi umschauen, als ich plötzlich ein verzweifeltes Hupen beim überqueren der Strasse hörte….ich wachte drei Tage später im Krankenhaus auf.

Vor mir stand der Arzt und rührte mit einem Kopfschütteln in seiner Tasse, „ts ts ts,“ hörte ich ihn, „warum, um Himmels Willen, sind Sie einfach über die Strasse gelaufen, haben Sie denn nicht im Verkehrsunterricht aufgepasst?“ „Unverschämtheit,“ dachte ich so bei mir, wie kann dieser Neandertaler einen der größten Abenteurer der modernen Zeit zurechtweisen? „Natürlich habe ich geschaut, ich konnte ja nicht ahnen das man in diesem rückschrittlichen Land auf der falschen Seite fährt!“
„Natürlich fahren wir auf der richtigen Seite,“ sagte er und nahm einen Schluck aus seinem Becher, da fiel mir dann wieder ein, dass ich auch ein leichtes Durstgefühl spürte und gerne eine Tasse Kaffee gehabt hätte. Offensichtlich wurden meine Gedanken erhört, denn eine Krankenschwester kam in das Zimmer und schob einen einen Wagen vor sich her auf dem ein grosser Kessel stand. „Mit Milch?“ fragte sie und goss mir einen Becher ein. Herzhaft nahm ich einen Schluck und spukte diesen in grossem Bogen aus, „iiiiihhh, das ist ja widerlich! Was ist denn das für eine Plörre? Nicht mal in Franzoesich Guayana habe ich so einen miesen Kaffee getrunken!!!“ Ich hätte das wohl nicht sagen sollen und hatte offensichtlich die Gefühle der Einheimischen verletzt, denn ich fand mich kurz danach auf dem Trottoir vor der Klinik wieder und spürte plötzlich ein warmes Gefühl am Bein, als sich ein Hund, offensichtlich zweifelhafter Herkunft, an meinem Bein verlustierte. Naja, das war jetzt auch egal, also fragte ich die Person am Ende der Leine wie ich am besten nach Irland komme. Ich hatte gleich so ein komisches Gefühl als ich dieses feiste Gesicht und diese Schweinsäuglein sah, aber ich hatte ja keine andere Wahl. Er schaute mich so komisch und abschätzig an und meinte dann ich sei hier völlig falsch -als wenn ich das nicht wüsste, schließlich bin ich der größte Abenteurer der Neuzeit und habe schon mit Erich von Däniken die berühmten Pyramiden im Hochland von Papua Neuguinea entdeckt- Er schickte mich zum Bahnhof und meinte ich müsste dort eine Karte nach Edinburgh kaufen und wäre direkt in Irland. Ich konnte ja nicht ahnen, dass England und Irland zwei verschiedene Inseln sind, woher soll man das auch wissen und welchen Unterschied macht das.

Ungarische Rhapsody

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Von den Ungarn heisst es, dass sie sehr Heißblütig sind und viel Temperament besitzen. Die Csárdásfürstin des ungarischen Komponisten Emmerich Kálmán gibt einen Einblick über die ungarische Mentalität.

Auf jeden Fall wurde ich Zeuge dieses, sagen wir mal, Operettenhaften Temperaments, als ich während meines Ungarnaufenthaltes mit meiner Frau zum Kundencenter des Stromwerks ging, da sie dort eine Eingabe, bezüglich der Stromrechnung machen wollte. Es ist nämlich etwas ungewöhnlich, dass sie für monatlich für Strom bezahlte, den sie gar nicht nutzt, wie auch in Irland.
Wir sind also dort hin und während wir warten mussten konnten wir den Auftritt des Csárdásfürsten beobachten der seine grosse Szene hatte. Der gute Mann sah aus, als würde er eine Peruecke tragen die aus der Beatnikzeit der Sechziger Jahre den Weg in unsere Zeit geschafft hat. Dazu Anzug Krawatte und sein Mobiltelefon das er für seinen Auftritt als Requisite brauchte. Nervös lief er hin und her wie ein Loewe im Käfig sah auf sein Telefon und führte ein paar Telefonate. Dabei sah er alle Leute im Raum an, in der Hoffnung dass sie mitbekommen, wie wichtig er im Grunde genommen war. Dann schaute er auf sein Display ob er einen Anruf verpasst haben könnte und steckte das Teil wieder in die Tasche seines Jackets, um es kurz danach wieder aus der Tasche zu ziehen und zu schauen, ob er nicht vielleicht doch einen Anruf vom Orbán Vicki bekommen hat. Dann steckte er weder das Telefon ein und machte sich auf den Weg. Dabei achtete er stets, dass er auch von den anderen gesehen wurde. Uns gegenüber sass eine ältere Frau, die eine Brille mit Glasbausteinen trug und wartete geduldig, dass sie an die Reihe kam. Wobei ich dieses System Wartehallenbingo getauft habe. Auf der Wartetafel waren drei Zahlenreihen die für mich, als Aussenstehenden, keinen Sinn machten, denn man sah dass zwischen Hundert und Neunhundert alles dabei war und jeder sofort auf seinen Wartezettel blickte um laut „BINGO!“ zu rufen aeeehh zu schauen, ob er/sie schon an der Reihe ist. Auf jeden Fall war die Frau, die uns gegenüber sass an der Reihe, was unser Csárdásfürst zum Anlass nahm, sofort Richtung Schalter zu laufen, um dann abzubremsen als er merkte, dass er noch nicht an der Reihe war. Er machte auf dem Absatz kehrt und nahm wieder Fahrt auf, um telefonierend und gestikulierend durch den Raum zu laufen.

Die ältere Frau begab sich blinzelnd zum Schalter, räumte mit einer unsicheren Bewegung den Kugelschreiber vom Tisch, versuchte ihn linkisch wieder an seinen Platz zu stecken und fiel, beim Versuch sich hinzusetzen, beinahe mit dem Stuhl um. Dann hatte sie es geschafft und schilderte der Schalterbeamtin ihr Leid. Beim Versuch zu schauen, ob Strom auf der Dose ist, steckte sie den Finger in die Dose und plötzlich gab es ein „Sssst“ und der Strom war weg. Dabei machte sie eine so ausladende Armbewegungen, dass beinahe der Kugelschreiber vom Tisch flog, als auch die Trennscheibe gefährlich anfing zu vibrieren. Die Frau hinter dem Schalter schaute sie mitleidig an und fragte, „der ganze Strom weg?“ „Ja,“ sagte die Frau mit den Glasbausteinen und führte ihren Satz weiter aus. Das sie richtig schwarz war und es dauerte bis sie den Russ vom Gesicht entfernt hatte, was für sie nicht ganz leicht ist, dabei schob sie ihr Brillengestell wieder an den richtigen Platz, schneuzte sich die Nase und folgte den Ausführungen der Schalterbeamtin. Von Zeit zu Zeit warf sie ein ernstgemeintes „Danke“ ein und entschuldigte sich, wie schon am Anfang, vieltausendmal gestoert zu haben mit diesem Problem was einer Erwähnung unwürdig sei. „Nein, nein“ meinte die Frau hinter dem Schalter, es sei sehr wichtig, dass man sich da sofort meldet. „Was hätte da alles passieren können, beispielsweise der Strom im kompletten Raum Budapest hätte ausfallen können und dann….?“ Sie führte den Satz nicht zu Ende sondern liess ihn bedeutungsschwer im Raum stehen. Die Frau mit den Glasbausteinen dankte ihr vieltausendmal und dankte auch uns für unsere Geduld, was eigentlich eine Selbstverständlichkeit ist, dass man wartet, schliesslich heisst es, „wer zuerst kommt, mahlt zuerst.“

Dann war meine Frau an der Reihe und ich konnte mich wieder auf den Csárdásfürsten konzentrieren, der sich mittlerweile auf seinen grossen Auftritt vorbereitete, denn er war an der Reihe. Mit einer ausladenden Geste liess er sich in den Stuhl fallen, kramte seine Habseligkeiten aus der Tasche und breitete diese auf dem Tisch vor sich aus. Er schilderte sein Problem und den Grund seines Besuches, fiel der Beamtin ständig in’s Wort, wenn es ihm nicht gefiel, was sie sagte und schaute sich theatralisch im Raum um. Dann sprang er plötzlich auf und hielt einen Monolog zu einem nichtanwesenden Publikum. Dabei meinte er offensichtlich die Beamtin mit seiner Anrede und liess sich wieder auf den Stuhl fallen. Dieses Verhalten rief den Supervisor auf den Plan. Ein grosser, schwergewichtiger, schwitzender Mann im kurzärmeligen Hemd, der sich extra von seinem Platz, eine Etage tiefer, erheben musste und sich genötigt sah nach oben zu stapfen und sich neben unseren Protagonisten zu platzieren. „Guter Mann, mäßigen Sie sich, wissen Sie eigentlich wo Sie hier sind? Es sind hier auch noch andere Menschen anwesend.“
Der Csárdásfürst schlug sich die Hände vor das Gesicht und redete gestikulieren auf den Supervisor ein. „Wissen Sie eigentlich wer ich bin? Ich habe keine Zeit hier extra her zu kommen und zu diskutieren, nur wegen so einer Kleinigkeit weil mir der Strom abgeschaltet wurde. Mein Gott, eine Millionen Forint seit sechs Monaten, das sind doch Peanuts.“
Der Supervisor blickte auf ihn runter und meinte, „das ist mir egal wer Sie sind, Sie sind ein Kunde und schulden uns Geld, basta! Und wenn Sie hier so weitermachen, dann werfe ich Sie raus und das wird dann Folgen haben.“ Mit diesen Worten drehte er sich um und stapfte wieder davon. Man sah ihm an, dass er sich sichtlich unwohl fühlte, dass er nun extra jedesmal seinen Platz verlassen und einschreiten musste.
Währenddessen hatte ein anderer Protagonist die Bühne betreten und lehnte sich an die Säule links von mir. Mit stoischem Blick schaute er sich um und in seinem Gesicht tauchte ein riesiges Fragezeichen auf warum er überhaupt hier sei.

Mein Csárdásfürst erblickte ihn, stand mitten im Satz der Beamtin auf und lief wild gestikulierend auf ihn zu. „Laszló, na endlich! Wo warst Du denn, Du kannst Dir gar nicht vorstellen wie man mich hier behandelt,“ dann stockte er und setzte hinzu,“Sag mal, habe ich Dir nicht gesagt, Du sollst sofort hierher kommen? Wo warst Du denn? Noch Deine Mutter besuchen?“
Beide gingen sie zum Schalter zurück und Laszlo erklärte der Beamtin, dass er diesen Mann kenne, für ihn arbeitet, aber keine Ahnung hätte,warum er überhaupt hier sei.
Dies wiederum rief den Supervisor auf den Plan, der sich extra von seinem Kaffee trennen und die Stufen hinaufstapfen musste. „So langsam platzt mir der Kragen,“ sagte er dem Fürsten, „vielleicht rufen Sie noch alle Leute an, die Sie kennen, das dürften dann noch zwei weitere Personen sein.Und Sie,“ er zeigte auf den Bettvorleger,„warten gefälligst da vorne und mischen sich nicht ein!“ „Der gehört zu mir!“ meinte der Fürst, „und bleibt hier, ganz an diesem Platz stehen.“ Dabei zeigte er auf ihn und redete weiter. „Es ist mir ganz egal,“ sagte der Supervisor, „entweder er wartet da vorne und Sie mäßigen sich im Ton, oder Sie fliegen beide raus,“ dabei wie er mit seinem Daumen über seine Schulter um anzuzeigen, wo die Tür ist.

Der Bettvorleger nahm wieder seinen Platz vor der Säule ein und verfiel wieder in Halbschlaf, während der Supervisor Richtung Arbeitsplatz ging und sich ächzend auf seinem Stuhl niederliess. Der Fürst, nun etwas ruhiger, jetzt wo die Claims abgesteckt waren, hörte mit in die Hände gestützten Kopf zu, peinlich darauf bedacht, dass seine Peruecke nicht verrutschte und hörte den restlichen Ausführungen der Frau hinter dem Schalter zu. Dann erhob er sich, raffte sein Zeug zusammen und schob seine Unterlagen in ein mitgebrachtes Sparsackerl.Ich nehme an, er wollte damit zeigen, wie arm er doch im Grunde genommen sei und der mit Fell gefütterte Ledermantel, lediglich ein Versehen, ein Geschenk seines Bettvorlegers sozusagen. Dann nahm er seine Begleitung am Arm und redete theatralisch auf ihn ein, dass dies alles eine Unverschämtheit sei und die schon bald wissen würden, mit wem sie es zu tun hätten. Spätestens wenn er in die Fidesz eintreten und Karriere machen würde. „Der Orbán hat es schliesslich auch geschafft!“ Hörte ich in noch und sah ihn dann, als ich mich umdrehte, durch die Tür rauschen.

In mir reiften nach diesem Erlebnis mehrere Erkenntnisse. Erstens, dass, als ich in Italien gelebt habe, das sprichwörtliche Temperament der Italiener in den Schuhen steckt, sobald sie es mit der Obrigkeit zu tun haben und zweitens, dass es nirgendwo Unterschiede gibt, wenn es um das Auftreten von Arm und Reich geht. Die Frau mit den Glasbausteinen, die wahrscheinlich ein Opfer der ungarischen Regierung ist und möglicherweise die Zähne in die Wand schlägt um überleben zu können, war dermassen verängstigt und überaus Dankbar, als man ihr eine Lösung ihres Problems präsentierte. Und der Fürst, der sich aufführte, als wäre er der Koenig von Ungarn, dachte, er bräuchte nur einen seiner Lakaien einzubestellen und alle auf dem Amt würden sofort einknicken. Allerdings ermöglichte dieses Erlebnis auch einen tiefen Einblick in die ungarische Gesellschaft seitdem Fidesz am Ruder ist und die Regierung Orbán versucht, das Land nach ihrem Gutdünken umzugestalten. Wenn Rentner in der Fußgängerzone betteln müssen weil die Rente nicht reicht, dann ist etwas faul im Staat. Und diese ganzen nationalistischen Reden und Versprechen, sei es von Fidesz oder von Jobbik sind nur Makulatur und Augenwischerei. Das Problem, so wie ich es als Aussenstehender sehe, ist, dass es keine Alternativen gibt. So schlimm Fidesz ist, die Skandale der Opposition in der Vergangenheit haben dieses System mit einem „Pseudoführer“ ermöglicht und es nutzt nichts, wenn man ständig auf die ungarische Regierung einschlägt. So lange die Opposition keine Führungspersönlichkeit auf die Beine stellt und die Ungarn endlich dieses Systems, was für die Ungarn, mit denen ich gesprochen habe, einen Albtraum darstellt, abwaehlen, wird sich nichts ändern. Im Gegenteil es dürfte noch schlimmer werden.