Irland ist nicht Deutschland

Ich lebe und arbeite jetzt seit 6 Jahren in Irland was eine ziemlich lange Zeit ist. Im Laufe der Zeit habe ich viele Menschen getroffen und muss ehrlich gestehen, ich bin immer noch überrascht darüber, wie naiv, oder wie dumm manche Leute sind. Damals, als ich das erste Mal für längere Zeit im Ausland lebte, da kannte ich das Land von meinen Schulferien, die ich Regelmäßig dort mit meiner Familie verbrachte. Ich wußte wie es dort aussah und welche Sprache man spricht und, das man nicht unbedingt mit Deutsch sehr weit kommt. Ich habe also, bevor ich ein Angebot annahm, mich nocheinmal auf den Hosenboden gesetzt und die Sprache gelernt, damit mein Engagement nicht wie das Hornberger Schießen ausging und blieb dort fast ein Jahr. Mein zweiter Auslandsaufenthalt brachte mich nach Österreich, immerhin behaupten die Wiener, sie sprechen das bessere Deutsch, was auch immer das sein mag. Das ganze ging ein Jahr, dann kehrte ich wieder nach Deutschland zurück, gerade wegen meiner Eltern zu denen ich eine sehr starke Beziehung hatte. 

Vor 6 Jahren, als ich nun das Angebot bekam in Irland zu arbeiten, da waren meine Eltern und mein Bruder längst gestorben, es fiel also einfacher das Land, das mein Vater all die Jahre verlassen wollte, zu verlassen und habe es nicht bereut. Zu Gute kam mir, dass ich nicht nur die Sprache spreche, sondern dass ich mich viele Jahre intensiv mit Irland, der Kultur und der Geschichte des Landes beschäftigt hatte und dies immer noch mache. Ich wusste, worauf ich mich einlasse, als ich meinen Fuß auf irischen Boden setzte und beschlossen hatte, nie wieder nach Deutschland zurückzugehen. Man sollte wohl, wen man plant auszuwandern, oder ein Jahr in einem fremden Leben möchte, voraussetzen, dass man sich umfassend über das Land, die Leute, die Sprache, die Kultur und Mentalität informiert und nicht Juppdidei ein Flugticket bucht in dem Glauben, es sei genauso wie daheim. So einer Person bin ich begegnet. Ich habe keine Ahnung wie sie auf die Idee kam, ausgerechnet in Irland arbeiten zu wollen. Vielleicht war es ein Kurztrip nach Dublin, sowie die Pubatmosphäre die diesen Plan reifen ließen. Laut eigener Aussage war sie, bevor ich sie traf, 3 Monate in einem Callcenter im Norden des Landes angestellt und ist wieder nach Deutschland zurückgegangen. Was genau dort passiert ist und warum sie wieder unbedingt nach Irland wollte ist für mich ein Buch mit Sieben Siegeln. Laut eigener Aussage plante sie wohl bei Apple anzufangen, aber die Bewerbung wurde nicht berücksichtigt also suchte sie woanders und wurde fündig, denn Deutschsprachige, die werden hier Händeringend gesucht. Nun arbeitet sie in einer irischen Firma und ist ausschließlich für den deutschen Markt zuständig, hat also 9 Stunden nur mit Deutschen zu tun und braucht nicht unbedingt die englische Sprache sprechen, was sich in der Interaktion mit den Kollegen bemerkbar macht. Ihr Englisch ist kaum vorhanden und sie versucht sich oft genug mit „Denglisch“ verständlich zu machen. Dass das nicht viel Sinn macht versteht sich von selbst. So kommen Stilblüten zu Stande wie, „I believe I was on the wrong Movie.“ Für alle die sich jetzt fragen, was das heissen mag…“Ich glaube ich bin im falschen Film.“ Da kann man nur verwundert sagen, „Hollah the Woodfairy.“ Ihr Plan ist ein Jahr in Irland zu bleiben und da sehe ich, ehrlich gesagt, eine Menge Probleme wenn sie den Job verliert. Sie war völlig verblüfft dass sie nicht automatisch Kranken- und Rentenversichert ist, also Irland keine Hängematte ist wenn man die Arbeit verliert und nicht zwei Jahre hier gearbeitet hat. Social Welfare erhält man nur, wenn man diese Zeit hier beschäftigt war. Krankengeld zahlt die Firma auch nicht, also sollte man sich zweimal überlegen ob man sich eine Krankheit leisten kann. Viele Leute die hier her kommen, informieren sich nicht ausreichend über das Land, dabei bietet das Internet zahlreiche Informationen über das Leben und die Arbeit hier in diesem Land, aber trotz all dieser Informationen gibt es Menschen die das nicht tun, oder ausgesprochen Beratungsresistent sind und sich sagen „das wird alles nicht so schlimm.“  Zurück aber zu unserem Helden der nun allen Ernstes Irland erobern will und dabei ist einen Job zu suchen und nicht begreift, dass es ohne die Landessprache nicht funktionieren wird. Dabei wird es auch nicht mit Gebaerdensprache erfolgreich laufen denn „Look hier….Ei klick….no,“ zur Erklaerung , dass sich nichts getan hat wird nicht ausreichen, oder „Look here…..-klickt auf die Tastatur-…..-klickt auf die Maus- look.“ Um das ganze zu präzisieren kommt dann noch der Verweis auf den Bildschirm mit der Zustandsbeschreibung hinzu, „black.“ Aber schliesslich lernt man ja englisch wobei man das, wenn man 9 Stunden lang mit Deutschen zu tun hat und nach Feierabend deutsches Fernsehen via Satellit schaut auch nicht lernen kann, zumal wenn das Grundverständnis fehlt.

Aber, sind wir nicht ungerecht, unser Manager ist auch nicht gerade die hellste Kerze im Leuchter. Laut eigenen Angaben hat er 15 Jahre für internationale Banken in Birmingham gearbeitet und ist laut eigenem Verstaendis Engländer, hat allerdings in seinem Job nicht viel gelernt. So ist er allen Ernstes der Meinung dass die deutsche Wirtschaft viel von England und Irland lernen kann und die deutschen Manager doch ihr Verhalten ändern sollten wenn eine Firma aus Irland anruft und gern hätte, dass der Entscheidungstraeger doch sofort alles stehen liegen lässt und mal eben in’s Internet geht weil man ihm das sagt. Mein Kollege und ich haben ihm dann ersteinmal erklärt dass die Deutschen eine andere Mentalität haben und auch nicht der CEO der Ulsterbank alles stehen und liegen lässt und mal eben unter den Schreibtisch klettert, nur weil ein Engländer/Ire das gerne hätte.

Bezogen auf Europa habe ich in der Firma die Erkenntnis erlangt, das, solange Ignoranten in Europa leben und Europa nicht als Chance begreifen, dieses Europa es enorm schwer hat sich gegen separatistische Bestrebungen zu wehren.  

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