Hausproblem

Vor der Weihnachtszeit gab RTÉ bekannt, dass knapp 1000 Familien in Dublin Obdachlos sind und Focus Ireland schrieben auf ihrer Website, etwa 6525 Personen in ganz Irland seien ohne Obdach, es heißt in 2016 sei die Zahl Obdachloser gegenüber 2015 um 40% gestiegen,Für ein Land, das mal zu den sogenannten „Tigerstaaten“ gehörte, schlicht und ergreifend ein Armutszeugnis. 

Im Juni 2016 lag die Zahl obdachloser Kinder bei 2177 und 2013 lag die Zahl der Haushalte, die sogenanntes „Social Housing“ beanspruchen können bei 89872. Unsere Regierung hat das natürlich mal fix runtergerechnet und kam auf die „lächerlich geringe Zahl“ von 35.573 Haushalten, die dringend ein neues Zuhause brauchen. Nun kann man sagen, dass das ja eine Kleinigkeit sei wenn man das auf die Gesamtbevölkerung der Insel hochrechne. Das mag natürlich sein, nur was diese ganzen Zahlen zur Katastrophe macht ist die Tatsache, dass unsere Regierung, statt das sie das Problem angeht, überlegt, ob die Zahl der Leerstehenden Häuser ausreichend ist, nicht für die Obdachlosen, sondern für die Legionen von Arbeitskräften die demnächst aus allen Teilen Europas nach Irland kommen. Die Bauaktivität hat wieder eingesetzt, leerstehende Häuser, Appartments und Wohnblöcke werden renoviert, oder was man halt für Renovieren hält, denn Farbe und Tapete ist hier völlig ausreichend und die Immobilienpreise haben wieder stark angezogen, was natürlich Spekulanten freuen dürfte, bekommen sie doch ihre Wohnruinen für völlig utopische Preise los. 

Ein englisches Wirtschaftsmagazin schrieb denn auch, dass die Mieten in Irland, im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern, sehr niedrig wären. Das mag so stimmen, nur sind wahrscheinlich die Häuser in anderen europäischen Ländern den Preis wert. Das Problem ist nämlich, dass viele Häuser in Windeseile hochgezogen worden sind, damals, als es Irland noch Bombe ging. Ein Beispiel hier für sei unser Haus. Wir wohnen seit 2013 in einem Haus mit Küche, Wohnzimmer, drei Schlafzimmern und Bad. Bevor wir hier eingezogen sind wohnten hier teilweise bis zu 6 Personen und haben zwischen 350 und 450€ Miete gezahlt. An dem Haus ist auch nie etwas gemacht worden mit dem Ergebnis, dass der Boiler zweimal repariert werden musste und der Herd mittlerweile ausgetauscht ist, nachdem er sich gerne selber Mal eingeschaltet hat. 
Isolierung gibt es hier nicht und ich wette, dass man aus dem All unser Haus für ein Wärmekraftwerk hält, was übrigens für die Mehrzahl irischer Häuser gilt. Nach kurzer Zeit breitet sich der Schimmel aus, was vollkommen natürlich ist und meiner Meinung nach auf 80% der Häuser und Wohnungen zutrifft. Ein Barbesitzer den ich in einem Pub getroffen habe meinte zu mir, dass irische Landlords überhaupt nicht daran interessiert wären Wert zu erhalten. Er sagte eine Kultur wie sie andere Länder pflegen sei hier nicht vorhanden, während die Deutschen in Sparbücher investieren würden, so würde man in Irland sein Geld in Land und Besitz investieren. Gedanken macht man sich nur, dass man soviel möglich rausholt.

Ein weiteres Problem stellen die Zahlen dar, in denen die Verschuldung irischer Haushalte das Thema ist. Iren zwischen 35 und 45 Jahren stellen die Gruppe mit der höchsten Pro Kopf Verschuldung. Als es dem Land gut ging wurden Kredite gewährt als gäbe es kein Morgen. Irische Banken warfen mit Krediten nur so um sich und verlangten nicht mal Sicherheiten. Es genügte vollkommen einen Lohnzettel vorzuweisen und man bekam das Geld sich ein völlig überteuertes Haus zu kaufen. Die Folge ist, dass viele die Kredite nicht mehr bedienen können und auf der Straße landen. Jemand, der als Maurer auf den Baustellen arbeitete erzählte mir von seinem Boss. Der ging in der Hochphase zu seiner Bank und bat um einen Kredit von 50.000€ damit er seine Maschinen modernisieren könne. Auf der Bank hat man ihn ausgelacht ob seines Ansinnens und gab ihm zu verstehen, dass der Betrag ja wohl „Peanuts“seien und der Bankdirektor dies quasi im Monat verdienen würde. Man gab ihm zu verstehen, dass wenn sie ihm Geld geben würden, nur eine Summe von 500.000€ geben würden und gab ihm mit auf den Weg, dass in diesen Zeiten nicht kleckern, sondern klotzen angesagt ist. Er ließ sich auf die Summe ein, in der Hoffnung, dass er das restliche Geld wieder zurückzahlen und die 50.000 behalten könnte und monatlich zurückzahlen. Da hatte er allerdings die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Die Bank bestand auf Einhaltung des Vertrags und ließ auch nicht mit sich handeln. Das Ende vom Lied, als das Land den Bach runterging und er seine Firma schliessen musste, blieb er auf der Summe sitzen. 
Der irische Journalist Derek Scally schrieb 2014 das etwa 400.000 Haushalte in Irland durch die ganzen Folgen des Booms und der Krise völlig überschuldet seien, aber Hauptsache Irland gilt als der Musterknabe dieser ganzen Krise, was dabei rausgekommen ist, das sehen wir jetzt.

Es ist kein Wunder das gerade jetzt die Leute rebellisch werden und sich nahmen, was sich unter Aufsicht und Kontrolle der NAMA (National Assest Management Agency) befindet. Das Apollo House in Dublin, ehemals ein Büro Gebäude der Social Protection, dann Welfare, wurde von NAMA übernommen, nachdem das Konsortium, in dessen Besitz das Apollo war, Pleite ging. 

Die Pläne sahen vor, dass es 2017 abgerissen und Platz gemacht werden soll, wahrscheinlich für ein neues Bürogebäude. Das ist nun, Dank der Initiative „Home Sweet Home“, erstmal hinfällig und die Okkupanten haben schon darauf hingewiesen, dass sie wenn, erst am 11 Januar das Haus Haus räumen würden. Statt nun, was eigentlich logisch wäre, diesen Leuten das Haus erst einmal zu überlassen, bevor man eine Lösung für die Situation findet, hat man seine Anwälte in Bewegung gesetzt um diese Leute aus dem Gebäude zu bekommen. 

Man muss sich das mal vorstellen. Ein Haus, was eh dem Staat gehört, denn NAMA wurde von der damaligen Regierung gegründet, um diese „Bankrottopfer“ aufzukaufen, hat nichts besseres zu tun, als die Leute zu verklagen. Da kann man ja froh sein, dass man nicht die Garda auf das Apollo House losgelassen hat. 

Leider ist das in Irland Alltag und man hat manchmal den Eindruck als wäre die Krise nicht schlimm genug gewesen. Statt das man sich dem ganzen annimmt und Konzepte erarbeitet, haben wir eine Regierung, deren dringendste Aufgabe ist, dass wir endlich Wassersteuern zahlen, obwohl wir das längst, mit unseren Steuern, tun. Wir haben einen Präsidenten der an Eamon de Valera erinnert und der offensichtlich nicht nachdenkt wem er kondoliert, so schrieb er, nachdem der Maximo Leader, Fidel Castro verstarb, einen dermassen verkitschten Artikel dass Senator Ronan Mullen (Independent) schrieb, „das sei kriecherisch und absolut unangebracht.“ Noel Rock meinte, „er (Higgins) sollte eigentlich mitbekommen haben das Castros Regime Oppositionelle gefoltert und hingerichtet habe.“ Statt es nocheinmal zu überdenken verteidigte Higgins seine Worte und bekam dabei Unterstützung von Ex-Senator Brendan Ryan der 1981 auf Kuba war und dabei der Meinung war, dass Castro „ein netter und umgänglicher Zeitgenosse gewesen sei.“ Nun sagte man über Hitler das Gleiche so dass de Valera wohl die andere Seite ausgeblendet haben musste, ebenso wie Higgins.
Wer nun denkt, „Naja, aber wenigstens zum Apollo müssen sie sich doch gemeldet haben,“ weit gefehlt, man hat besseres zu tun als sich zu überlegen, wie man mit Leerstand und Wohnungslosen umgeht, man macht sich auch wenig Gedanken, das eine Firma wie Voxpro nun doch keine 400 Leute einstellen kann weil die Gehälter nicht dafür geeignet sind, dass die Mitarbeiter davon eine Wohnung bezahlen könnten da Cork, was die Mieten betrifft, mittlerweile teurer als Dublin ist, das muss man erst mal schaffen.
Vor ein paar Jahren da begann der City Council von Cork die Häuser in Knocknaheeny abzureissen, wohlgemerkt als zu diesem Zeitpunkt viele Familien bereits mehr als 5 Jahre auf eine Wohnung, bzw. eine Bleibe warteten. Ich denke dass es schlimmer werden wird und ich sehe nicht, dass sich etwas ändert. Man hat, was den Hausbau betrifft, ganze Siedlungen aus dem Boden gestampft in Gegenden wo man nicht tot über dem Zaun hängen möchte zu Preisen, die absolut Utopisch waren. Man ist wieder kurz vor dem Höhepunkt und konsumiert schon wieder recht fleissig..Ich bin gespannt wie man dann eine Krise meistern will, denn ich glaube nicht, dass unsere Regierung einen Notfallpläne in der Schublade hat.

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