Der Antichrist

Am 8.November 2016, oder besser am 09. November, nach einer langen Wahlnacht, mussten sich viele verwundert die Augen reiben und denken, sie seien immer noch in einem schlechten Traum. An diesem 08. November hatte das, für viele, personifizierte Böse, die Wahlen zum wichtigsten Staatsamt der Welt gewonnen. 

Donald John Trump gewann die Wahlen gegen seine Herausforderin Hillary Clinton, der im Vorfeld schon pro Forma zum Sieg gratuliert worden war, und schlug damit dem politischen Establishment in den USA, als auch in Europa, mit Schwung eins in die Fresse -wie man so schön sagen kann-.

Erschreckend an dem ganzen ist nicht die Wahl Trumps an sich, erschreckend ist, wie wenig sich die Politiker mit den Stimmungen im eigenen Volk auskennen und wie groß die Ablehnung der Bevölkerung gegenüber den politischen Eliten ist. 

Trump hat im vorbeimarsch die Vorwahlen gegen seine Herausforderer gewonnen und hatte sogar noch Luft genug auch den Rest zu gewinnen. 

Man mag einwerfen, dass Obama doch mit seinem Gesetz zur Gesundheitsversorgung das Wohl aller Amerikaner im Blick hatte, aber offensichtlich sahen große Teile dieser Amerikaner es ganz anders. Tuvia Tenenbom schrieb in seiner lesenswerten Kolumne für die Zeit, dass die Amerikaner der Ost- und der Westküste sich prima in San Francisco oder in New York auskennen, aber offensichtlich wenig Ahnung darüber besitzen, dass zwischen diesen beiden Küsten die große Mehrheit der Amerikaner wohnt, die anscheinend eine ganz andere Denkweise hat. So schrieb er, „Wie bei US-Küstenbewohnern üblich, kennen meine parkplatzsuchenden Nachbarn sowohl die West-, als auch die Ostküste, sind sich aber völlig im Unklaren darüber, was dazwischen ist. Der Umstand, dass zwischen den beiden Küsten viele Staaten mit Hunderten Städten liegen, in denen man sein Auto einfach in der eigenen Garage abstellen kann und in denen Menschen andere Nachrichten aus anderen Quellen lesen oder sehen, ist etwas, das ihr Verstand nicht fassen kann. Aber es gibt sie, in der Mitte von Amerika, wo viele Menschen dieser Tage guter Dinge sind. Sie feiern, sie lachen, sie sind obenauf – und ihre Psychoanalytiker arbeitslos.“

Natürlich kann man in Europa nun in schallendes Gelächter ausbrechen über amerikanischen Hinterwäldler und viele Europäer glauben eh, das in den USA nur Idioten wohnen, die zu blöd sind eine Flasche Mineralwasser in einem Walmart zu kaufen und, würde es nicht Europa geben, sie immer noch in irgendwelchen Hütten im Wald leben würden. Viele Europäer glauben auch, genauso wie die Amerikaner die Tenenbom beschreibt, sie würden Amerika und die Mentalität der Amerikaner kennen. Nur, wenn man in den Städten war, die auf jeder Besichtigungstour stehen, dann hat man von dem Rest des Landes noch lange keine Ahnung. Man kann jedes Jahr nach Rom fahren, weiss aber nicht wie die Römer ticken. 
Man könnte sich beruhigt zurücklehnen, oder versuchen den Amerikanern die Demokratie zu erklären und wie sie, im Auge der alten Welt, zu funktionieren haben. Aber es gab und gibt genügend Beispiele in Europa die zeigen, dass es nicht so einfach ist. Wir haben einen Berlusconi gehabt, einen Politdarsteller, der für Italien wahrscheinlich eine der größten Katastrophen war, Bettino Craxi einmal ausgenommen. Einen Mann, der ebenso wie Trump, unheimlich reich ist und beschlossen hat, er geht jetzt in die Politik. Die Motive Berlusconis dies zu tun, sind leicht verschwommen, denn Berlusconi hat versucht das durchzusetzen was Berlusconi nützt und nicht dem gemeinen Italiener auf der Straße. Er hat Richter und Staatsanwälte korrumpiert, Einfluß auf den, politisch unabhängigen, Staatssender RAI genommen und sich eher aufgeführt wie ein König von Gottes Gnaden, als ein Ministerpräsident eines demokratischen Landes. 

Schaut man sich die aktuelle Lage in Europa an, dann haben wir hier genug zu tun. Viktor Orbán beispielsweise, zeigt aktuell wie man ein demokratisches Land nach und nach in eine Autokratie verwandelt. FIDESZ hat es geschafft, die ungarische Verfassung fast zu 100% zu ihren Gunsten zu ändern. Dabei hat Orbán alle wichtigen Positionen mit Leuten seines Vertrauens besetzt, teilweise bedienen diese sich ganz unverhohlen aus dem ungarischen Steuersäckel. Für Orbán ist nicht entscheidend ob diese von dem, wofür sie vorgesehen sind, Ahnung haben, sondern entscheidend ist, dass sie zu 100% hinter ihm stehen. Wer öfters in Budapest ist, der sieht in den U-Bahn Stationen alte Menschen die betteln müssen, weil die Rente nicht reicht. Alles ein Ergebnis der Orbán’schen Politik. Um ein Beispiel zu geben: FIDESZ hat den Tabakverkauf in die Hände von Trafiken gegeben. Früher war es üblich, dass man seine Zigaretten fast überall bekam, nun muss man in eine Trafik gehen, die von aussen aussehen wie Erotikshops oder Pornokinos. Der Staat hat seit 2013 ein Monopol auf den Tabak und verkauft die Konzessionen, wie es heisst, an FIDESZ Treue. So kann man einen Staat aushöhlen, man umgibt sich mit Getreuen und tut diesen einen Gefallen in dem man ihnen ein Stück vom Kuchen abgibt. Martin Schulz, der bis 2017 Präsident des europäischen Parlaments war, nannte Orbán einen sehr intelligenten Menschen. Orbán verstößt gezielt gegen europäisches Recht und rudert, wenn man ihm auf die Finger haut, mit seinen Vorstößen soweit zurück, das es gerade noch EU konform ist.
Ein weiteres Beispiel, dass wir in Europa uns mit Kritik zurück halten sollten, ist die Türkei. Ein größenwahnsinniger Präsident steht kurz davor aus einem ehemals liberalen, weltoffenen Land eine Präsidialdiktatur zu machen. Den Punkt unter dieses unwürdige Schauspiel setzte das türkische Parlament, das sich faktisch abgeschafft hat. Und was haben die europäischen Politiker getan? In Anbetracht der Flüchtlinge aus Syrien, die in der Türkei ihr Dasein fristen, haben sie das getan, was schon immer getan wurde. Laut kritisiert und hinter verschlossenen Türen Verträge gemacht, damit die Flüchtlinge in der Türkei bleiben. 

Apropos Flüchtlinge, wir, ebenso wie Groß Britannien und Dänemark, haben nicht dieses Flüchtlingsproblem, aber wenn man sich in den Kommentaren und Foren der irischen Medien umschaut bekommt man den Eindruck, das wir nicht 4000 Flüchtlinge aufnehmen werden, sondern 4 Millionen. Bei den 1200 die zur Zeit in Irland leben, wurde gewettert was das Zeug hält und vom Ende der irischen Identität gefaselt, so als werde morgen die Sharia eingeführt und, was noch schlimmer ist, ein Landesweites Alkoholverbot gelten. 
Wieder zurück zu Donald Trump. Trump verkörpert das, was man verzweifelt versucht hat zu ignorieren. Selbst die Republikaner haben Trump belächelt und konnten sich, angesichts der besseren Kandidaten, gar nicht vorstellen das jemand, der aussieht wie das Kapuziner Äffchen aus „Nacht im Museum,“ und auftritt wie ein alterstarrer seniler Demenzkranker, Präsident eines Landes wird, das sich Zurecht seiner Demokratie, seines Liberalismus, seiner Weltoffenheit und seines politischen Systems rühmt, egal wie Fehlerbehaftet es ist oder gewesen sein mag. 
Trump hat, schon vor Amtsantritt, das Land so tief gespalten wie kein Präsident vor ihm. Die einen, meist dem liberalen Establishment nahestehend, sehen in ihm den personifizierten Antichrist. Das böse schlechthin in seiner Rabulistik und seinen kruden Verschwörungstheorien und seinem größenwahnsinnigen „America first“ Gebrabbel. Die anderen, offensichtlich die Mehrheit, sieht in ihm die Lichtgestalt, einen Heilsbringer, der America aus dem tiefen und dunklen Tal in das gelobte Land führt. Es interessiert sie nicht dass Trump nur Trump im Blick hat und nicht sie. Ihnen ist es egal ob 99% seiner Reden populistischer Propagandamüll sind, ohne Inhalt. Sie jubeln, wenn Trump gegen seine Gegner austeilt und ihnen sagt, Amerika zuerst den Amerikanern und verspricht, dass die Milliarden von Mexikanern keinen Fuß mehr auf heiligen amerikanischen Boden setzen. Sie sind begeistert, wenn Trump verspricht, dass Abtreibung in den USA verboten wird. Trump punktet mit diesem Populismus genauso im Bible Belt, wie er damit bei der sogenannten Unterschicht gepunktet hat, bei denen, um die der „American Way of Life“ einen Riesen Bogen gemacht hat. Das sind seine Wähler und er hat es mit seiner Art geschafft die Leute zu motivieren, die keine Lust mehr hatten zur Wahl zu gehen. Trump hat gezeigt wie es ist, wenn clevere Populisten sich der Leute annehmen.

Vielleicht, aber nur vielleicht, verliert Trump sehr schnell die Lust an der Politik wenn er erkennt, dass er die USA doch nicht so regieren kann wie seine Unternehmen und das politische System ihm sehr schnell Steine in den Weg legen kann. Diese Erfahrung mussten schon ganz andere vor Trump machen. Nun für mich ist er ein Egomane. Er hat immer alles erreicht, was er erreichen wollte, entweder auf legalem Wege oder mit Hilfe seiner Anwälte. Er kann nun aber weder den Kongress, den Senat, oder das oberste Bundesgericht verklagen, wenn man ihm auf die Finger haut. Was wird er dann machen? Wie Berlusconi von der kommunistischen Verschwörung faseln?
Und was werden die Amerikaner, besser die, die ihn gewählt haben machen. Wie tief wird dann der Fall werden, wenn Trump versagt weil das demokratische System stärker als ein Präsident ist?

Trump zumindest ist das aktuelle Beispiel für Europa. Er hat gezeigt was passiert, wenn die Bürger ihrer politischen Kaste nicht mehr trauen und dieser Kaste ablehnend gegenüber stehen. Sie sagen auch nicht, mit Namen und Adresse, dass sie bei der nächsten Wahl diese Leute nicht mehr wählen werden. Sie gehen in die Wahl Kabine und machen ihr Kreuz bei denen, die sie ernst nehmen, obwohl diese sie für eine Horde grenzdebiler und unterbelichteter Vollwappler halten, die zu dumm sind 1 und 1 zu rechnen. Die Wähler haben, nicht nur bei dieser Wahl gezeigt, dass sie unberechenbar sind. Die Österreicher, beispielsweise, hätten beinahe jemanden zum Bundespräsidenten gewählt, der der Partei der Aluhutträger angehört. Ein Vertreter des völkisch nationalen, ebenso wie Trump. 

Man sollte sich fragen, wie kann es sein, dass jemand erzählt der liebe Gott habe das Volk der Österreicher aus dem tiefen Tal der Finsternis, nach Österreich geführt und die Vorfahren des Herrn Havlicka hätten schon mit den Kampen (germanischer Stamm) auf dem Marchfeld gesiedelt und wären nicht, im Zuge der K. u. K. Monarchie, nach Österreich eingewandert. Wie kann es also sein, das dieser fast die Mehrheit erhalten hat und erst bei einer Neuwahl in der Bedeutungslosigkeit verschwand. Was ist los?

Ich denke, dass Europa das gleiche Schicksal blüht, wie den Menschen der Ost- und Westküste und die Trumps und Orbáns irgendwann die Geschicke bestimmen.

Berthold Brecht schrieb einst: „Das Volk hat das Vertrauen der Regierung verscherzt. Wäre es da nicht doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes?“ Man könnte glauben, dass die Politik genau dies sich wünscht. Da dies aber nicht passiert sollte man sich überlegen was man besser machen kann, damit ein Trump hier nicht passieren kann.

Aber wie heißt es in den USA „Das einzige, was wir aus den neuen Wahlen lernen, ist, daß wir nichts aus den alten Wahlen gelernt haben.“ Und so werden die Politiker weiterwurschteln wie bisher, den Wähler beschimpfen oder den Kopf schütteln, mehr wird ihnen nicht einfallen.

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