Irland und ich

Ich lebe jetzt seit über 7 Jahren in Irland. Angefangen hat mein Verhältnis mit dieser Insel aber schon davor und zwar in den 70er Jahren. Ich weiß nicht mehr genau wann das war, aber mein Vater bekam von seiner Firma Tickets für ein Konzert der Dubliners

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Damit hat alles angefangen

in Köln und nahm mich, da sonst niemand Interesse hatte, dorthin mit. Da war so der Anfang meiner Fixerkarriere. Wir waren beide von der Musik begeistert die anders klang als das, was man bisher so gehört hatte. Platten wurden gekauft, oder mein Vater bekam sie geschenkt und irgendwann ebbte die Euphorie für Land und Leute bei meinem Vater ab, während sie bei mir stieg, besonders, da der WDR regelmäßig die Auftritte David Tynan O’Mahonys, besser bekannt als Dave Allen, im Fernsehen zeigte.

Dave Allen war ein brillanter irischer Comedian und seine Art, wie er nicht nur Land und Leute, sondern auch die katholische Kirche, auf’s Korn nahm führten dazu, dass viele Sendungen von RTÈ boykottiert wurden. Da die Sendungen eh von der BBC aufgezeichnet wurden und überwiegend in Groß Britannien gezeigt, dürfte es für Mr. Allen keinen Beinbruch bedeutet haben in Irland eine gewisse Persona non Grata gewesen zu sein.

Er hatte die Angewohnheit auf der Bühne zu sitzen und während seiner Show zu

Dave Allen
Dave Allen

rauchen, sowie ein Glas mit einer bernsteinfarbenen Flüssigkeit zu trinken, was die Leute zu der Annahme verleitete er würde ein Glas Whisky trinken. Allen beließ die Leute in dem Glauben, allerdings trank er Ginger Ale. Er meinte später hätte er wirklich Alkohol während der Show getrunken, dann wäre er wohl vom Stuhl gerutscht. Aber, so sagte er auch, die Leute assoziieren einen Iren sehr gerne als trinkfeste Person und er wollte ihnen diese Illusion nicht nehmen. Jede seiner Shows beendete er mit den Worten, „may your God be with you.“

Mein Interesse war nun noch mehr geweckt und so begann ich, neben Heinrich Bölls „Irisches Tagebuch“ auch und direkt irische Schriftsteller zu lesen, quasi Quellenforschung. Joyce, bzw. Ulysses fand ich furchtbar und war mehr von Sean O’Casey, dem großen irischen Dramatiker, angetan. Den Film „Cassidy der Rebell,“ mit Rod Steiger und Maggie Smith hatte ich sogar aufnehmen lassen. Der Film, über die Zeit O’Caseys während des Easter Rising 1916, war angelehnt an die Autobiographie Caseys „Mirror in my House,“ über die Anfänge von ca. 1911 bis 1917.

Liam O’Flahertys Zornige grüne Insel“ habe ich mehrfach gelesen. Es ist für mich eines der besten Bücher über die Geschichte Irlands und ich kann dieses Buch nur jedem, der sich für die Geschichte der grünen Insel interessiert, sehr an’s Herz legen. Leider konnte ich das Buch nie im Original lesen denn es scheint, als hätten irische Buchverleger kein Interesse daran. Aber auch die deutsche Übersetzung ist ihr Geld allemal Wert. Wer also an Irland interessiert ist und im Winter nichts besseres vor hat, dem sei O’Flaherty an’s Herz gelegt.

Bevor ich aber abschweife wieder zurück zum Thema. Also da mich nun Irland gefesselt hatte, begann ich die Geschichte Irlands zu studieren, von den Anfängen, über die Zeit der Engländer bis zur Gründung des irischen Freistaates. Ich lernte wer Brian Boru war, machte mich vertraut mit Michael Collins und Èamon de Valera. Und lernte auch Tomaś MacCurtain kennen.

http://irishamerica.com/2016/02/michael-collins-from-the-g-p-o-to-beal-na-mblath/
Èamon de Valera (links) und Michael Collins (rechts) 1921

Natürlich lernte ich die irische Folklore kennen, sowie die Legenden und durch zwei irische Kollegen wußte ich, dass es in Irland Gegenden gibt von den die Einwohner überzeugt sind, die Elfen würden dort leben und meideten diese Gegenden wie die Pest.

Ich nahm mir vor das ich eines Tages diese Insel besuchen würde, nun dass ich dort arbeiten würde, das kam mir eigentlich nie in den Sinn. Urlaub, ja, natürlich. Natürlich kam es nie zum Urlaub, da andere Prioritäten Vorrang hatten und ich war überall in Europa, aber nicht in Irland.

Dies änderte sich als meine Mutter gestorben war. Mit Hilfe eines Freundes räumte ich die Wohnung meiner Eltern leer und das war es dann für mich. Bekannte von mir meinten ich solle mich doch in England bewerben, dann könnten wir uns regelmäßig sehen. Also gesagt und getan, und die Bewerbung in’s englische übersetzt und bei Monster.co.uk eingesetzt und dann gewartet was passiert. Irgendwann bekam ich einen Anruf von einer Recruitmentfirma in Dublin. Man hätte einen tollen Job bei einer multinationalen Firma in Irland und fragte, ob ich nicht Interesse daran hätte. Natürlich sagte ich dem Mann, „eigentlich bin ich auf dem Weg nach England, aber ok, Irland liegt direkt daneben“ und willigte zu ein, ein Interview zu führen. So kam es dass ich nach Irland kam und nun schon über 7 Jahre hier lebe und arbeite. Habe ich es bereut? Ja, natürlich, manchmal kamen schon Gedanken warum man sich das antut. Aber im Großen und Ganzen, nein, ich habe es gesamt gesehen nicht bereut. Ich denke, da ich ein Familienmensch bin, war es schwer in einem anderen Land zu leben, als meine Eltern noch am leben waren. Ich habe ein Jahr in Italien und Österreich verbracht und zu der Zeit, also in Italien, gab es kein Computer und Internet. Gut Computer schon, aber die wenigsten hatten privat einen. Also war es für mich immer schwierig weil ich zwar weg aus Deutschland wollte, so wie mein Vater, aber halt nicht getrennt von der Familie. Nachdem meine Mutter als Letzte starb -Mein Bruder und mein Vater waren schon vorher gestorben- und man mir meinen Hund vergiftet hatte, da war es für mich einfacher Deutschland zu verlassen. Natürlich hätte ich, wenn sich die Gelegenheit ergeben hätte in ein anderes Land außer Irland zu gehen, überall hingehen können. Ich hatte sogar, da lebten meine Eltern noch, die Möglichkeit in Neuseeland zu arbeiten, aber als die sagten, dass mein Hund in Quarantäne müsse und dort etwa 6 bis 8 Wochen zu bleiben hätte, lehnte ich es ab mit dem Hinweis, „ich habe meinen Hund aus einem italienischen Knast befreit, wo sie 2 Jahre als Justizopfer einsaß, nur weil sie nicht für den Job als Hütehund geeignet war und vom Besitzer, bevor sie in den Knast kam, gefoltert wurde. Da werde ich sie sicher nicht noch einmal in den Knast geben, auch wenn es gut gemeint ist. Mein Hund ist gesund und arbeitsfähig, das sollte reichen.“ Irgendwie kam mein Statement nicht so gut an, aber egal.

Ach ja, Irland. Ich hatte mich mal bei Creative Labs beworben und ein Angebot für Dublin bekommen, das war Ende der Neunziger und es wäre auch zu einem Vertrag gekommen, wenn ich nicht knapp davor ein Rückzieher gemacht hätte, so dauerte es halt 12 Jahre, bis ich meinen Fuß auf irischen Boden setzten konnte.

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