AnPost und Guevara

Nach über 7 Jahren in Irland habe ich öfters geglaubt das mich nichts erschüttern kann. Trotzdem werde ich des Öfteren von der irischen Mentalität überrascht, besonders wenn es um die Zuneigung der Iren zu Leuten geht die, sagen wir mal, man sich nicht unbedingt als Nachbarn wünscht. Ehrlich gesagt habe ich auch keine Ahnung woher diese Zuneigung kommt. Vielleicht mag es die Geschichte sein, schließlich war Irland fast 800 Jahre von den Engländern besetzt und zahllose Aufstände, Glücksritter und enttäuschte Ex-Monarchen zogen über die Insel. Da bleibt eine gewisse „Rebellenromatik“ nicht aus.

Seit Gründung des Freistaates im Jahre 1922 (seit 1937 Republik Irland) waren die Events, wo man Lieder über Rebellen produzieren konnte, vorbei. Es war 1945 da erhielt die deutsche Botschaft in Dublin einen Brief. Absender war der damalige Premierminister Irlands Éamon de Valera. Valera, so wird gesagt, war ein netter und freundlicher Mann, immer höflich drauf Bedacht niemandem auf die Füße zu treten, auch dem deutschen Reich nicht. Also kondolierte er, nachdem die Nachricht in Dublin eintraf, dass der Gröfaz einem Haushaltsunfall zum Opfer fiel, der Botschaft zum Ableben.

Die Geste war, gelinde gesagt, so abstrus, dass Kritik aus fast allen Teilen der Welt in Dublin eintraf und sich der große George Bernard Shaw genötigt fühlte einen Leserbrief an die Times zu schreiben.

Er hat natürlich Recht wenn er darauf Hinweis, dass es de Valera war, der sich über die Entscheidung des Dáil hinwegsetzte und es ermöglichte, dass jüdische Familien, die vor dem Naziterror geflüchtet waren, in Irland von Bord gehen konnten nachdem zum Beispiel England ihnen diese Möglichkeit verweigerte. Auch war die irische Neutralität während des zweiten Weltkrieges nicht unbedingt das, was man gemeinhin unter Neutral versteht. Alliierte Piloten, die in Irland notlanden mußten wurden den britischen Behörden an der Grenze zu Nordirland übergeben, amerikanische Flugzeuge in Shannon betankt.

Trotz des Angebotes Churchills, sollte Irland an der Seite der Alliierten in den Krieg eintreten, die Republik Irland mit Nordirland zu vereinen, stimmten de Valera und die irische Regierung dem Ansinnen nicht zu. Auch ist es richtig, dass irische Meteorologen mit ihrer Vorhersage den D-Day ermöglichten, aber es bleibt diese eine Peinlichkeit die einen bitteren Beigeschmack hat.

Lange Zeit blieb es erstaunlich ruhig, obwohl genügend Despoten im Laufe der Zeit, von ihrem Schöpfer abberufen wurden. Da dachte sich unser Präsident, Michael D. Higgins, es wäre doch eine tolle Geste zum Tode des El Maximo Leader, Fidel Castro, eine Trauerrede zu halten. Auf der offiziellen Webseite des Präsidenten schrieb er unter anderem, dass Fidel Castro ein großer Staatsmann und Visionär gewesen sei. Eine Äußerung die nicht nur in Irland, sondern auch in den USA mit Kopfschütteln und entsprechenden Kommentaren aufgenommen wurde.

Von kubanischen Dissidenten, inhaftierten Oppositionellen, oder zum allgemeinen Leben der Kubaner unter Fidel Castro wollte ihm partout nichts einfallen.

Nun kann man einwenden dass jemand, der 76 ist, normalerweise sein Rentnerdasein genießt. Mit den Ur-Enkeln im Garten spielt, oder auf Nacktschnecken Jagd macht. Aber unser Präsident ist geistig noch sehr rege und meinte es ernst was er da geschrieben hatte. Da wollte unsere Post nicht abseits stehen und dachte, man könnte das locker toppen. Also kreierte man zum 50. Todestag von Che Guevara eine eigene Briefmarke.

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Jim Fitzpatrick (Che Guevara)

Offensichtlich war die Überlegung damit zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, nämlich nicht nur den Che zu ehren, sondern auch den irischen Künstler Jim Fitzpatrick in’s Gedächtnis der Weltöffentlichkeit zu rücken. Der hatte nämlich das berühmte Foto von Alberto Korda für seine Pop Art verwendet.

AnPost kann auch die negativen Kommentare, besonders von Exilkubanern in den USA, nicht nachvollziehen und glaubt, es sei doch etwas tolles wenn man jemanden ehrt von dem man weiß, daß er persönlich bei den den Erschießungen in der Festung La Cabaña nicht nur anwesend war, sondern diese auch angeordnet hat. Ein feines Vorbild und ehrlich gesagt ein selbstverliebter Narzisst und Versager. Seine Unfähigket als kubanischer Wirtschaftsminister warf die Kubaner um Jahrzehnte zurück. Auffällig ist, dass nicht nur viele Kommentare in den Zeitungen versuchen Che in einem positiven Licht darzustellen, sondern das eine Kommentatorin schrieb, dass sie extra die Briefmarken am Morgen des Ausgabetages gekauft und direkt für ihre Briefe verwendet habe.

Da bleibt zu hoffen, dass die Empfänger diesen Enthusiasmus geteilt haben, als sie Briefe aus dem Briefkasten nahmen und nicht Freundschaften, über Jahre gepflegt, mit einem Schlag beendet wurden, aber das werden wir wahrscheinlich nie erfahren.

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