E-Mobilität

Vor ein paar Jahren hatte eine Bekannte von mir einen Beitrag der Firma Tesla gepostet. Tesla veranstaltete damals eine Roadshow in München und stellte auf diesem Event seinen Modell S vor. Ich weiß nicht mehr, ob es das Spitzenmodell von Tesla war, oder einfach nur ein allgemeines Event, auf jeden Fall war mein Interesse an E-Autos geweckt.
Meine Frau und ich überlegten uns schon eine Weile ein Fahrzeug zu kaufen und interessierten uns eigentlich für einen Hybrid, aber ein E-Fahrzeug, das war schon etwas anderes.

Also machte ich mich auf, studierte diverse Webseiten und Onlineangebote, klickte mich durch diverse YouTube Videos, um mehr darüber zu erfahren. -An dieser Stelle danke ich Trevor Larkum für seinen Blog, dann Jan-Bart Spang für seine inspirierenden Videos, Ian Sampson, der seine Erfahrungen mit dem Leaf auf YouTube teilt, Oliver Krüger von 163 Grad und natürlich, und ganz besonders, Robert Llewellyn von Fully Charged
Je mehr ich mich darüber informierte, desto mehr reifte bei mir und meiner Frau der Entschluss, wenn wir uns ein Fahrzeug kaufen, dann einen „Stromer.“

Ich wollte dann natürlich auch deutsche Meinungen hören und war ehrlich gesagt erstaunt, mit welcher Boshaftigkeit dort teilweise diskutiert wurde. Ein sehr großer Teil der Deutschen lehnt das E-Auto radikal ab und auch bei Leuten, von denen man eigentlich annimmt sie wären dazu befähigt, objektiv über die Vor- und Nachteile Auskunft zu geben, wurde dermaßen ablehnend und polemisch darüber informiert, dass Leute, die der E-Mobilität positiv gegenüber stehen, teilweise massivst beleidigt wurden, z.B. als „Linksgrün versifft,“ was immer das heißen mag.
Man kann ja nun über neue Konzepte denken, was man will, aber hier hatte ich den Eindruck, des Deutschen heiliges Kalb, solle auf dem Altar der Nachhaltigkeit geopfert werden und dagegen muss man sich mit allen Mitteln wehren.

Erschreckt hat mich vor allem, mit welchen unsachlichen Argumenten Artikel geschrieben, oder Diskussionen geführt wurden.
Lustig in dem Zusammenhang fand ich einen Artikel auf der „Achse des Guten,“ einem Autorenblog, auf dem mittlerweile offensichtlich jeder schreiben darf, der in der Lage ist, den Satz zu schreiben, „der Muslim ist böse, der Islam gehört nicht zu Deutschland und jeder Muslim ist ein potenzieller Vergewaltiger vor dem wir uns schützen müssen.“ Und zum Thema Klimawandel bemerkt,“die Eisbären sterben sowieso und wenn sie das nicht tun, dann werden sie eines Tages durch Berlin, Hamburg, oder München laufen und unseren Frauen begrapschen, oder schlimmer noch, uns als Sozialhilfeempfänger auf der Tasche liegen.“ Ein gewisser Dr. Günter Keil schrieb in insgesamt acht Beiträgen, warum die Energiewende gescheitert ist und damit auch das E-Auto eine Totgeburt. Weiter versuchte er über die Gefahren die vom E-Auto ausgehen zu informieren, was in meinen Augen schlicht gescheitert ist,

Dr. Günter Keil muß man wissen, ist Berater der AFD in Sachen Energiepolitik, seine Beiträge, unter anderem auch diesen, schreibt er für das dubiose Institut EIKE (Europäisches Institut für Klima & Energie) einem Zusammenschluss von Leuten, die mit ihrer freien Zeit wenig anzufangen wissen und sich aufgemacht haben, den Klimawandel, mit zweifelhaften Argumenten, zu leugnen.

Das dumme an Dr. Keils Artikel ist allerdings, dass er vor 43 Jahren das exakte Gegenteil von dem geschrieben hat, was er Heute behauptet.

In einem Artikel in der Zeit, zum Thema Energiewende, schrieb er:

„Natürlich kann kein Zweifel daran bestehen, daß ein gewisser Individualverkehr unerläßlich ist. Dennoch gibt es auch hier eine weitaus besser; Alternative: das Elektroauto. Seine bereits bekannten Eigenschaften wie Abgasfreiheit und leises Motorengeräusch werden noch dadurch ergänzt, daß es insgesamt (also einschließlich der Kraftwerksverluste) weniger Energie verbraucht als der herkömmliche Pkw. Da Strom hauptsächlich aus Kohle und in den achtziger Jahren auch aus Kernenergie erzeugt wird, könnte auch der Individualverkehr weniger ölabhängig werden. Für den Kurzstreckenbetrieb geeignete Elektroautos sind bereits entwickelt.“

Nun ist er immer noch ein Verfechter der Kernenergie, dessen Ausbau er beschleunigt sehen möchte, sowie von Kohlekraftwerken. Allerdings spricht er auch davon, dass die Ölquellen keineswegs endlich sind und man auch Fracking anwenden sollte, um weiterhin fossile Energie zur Verfügung zu haben.

Noch schlimmer ist allerdings seine Meinung zu alternativen Energien, sowie zur E-Mobilität. Schrieb er damals noch davon, man müsse die Forschung zu Elektroautos intensivieren, um sich unabhängig von den Ölstaaten zu machen, so sagt er heute,

„Die Angebote der Industrie an E-Autos überzeugten bisher nur wenige Kunden, was nicht weiter verwundert, wenn man die hohen Preise, das hohe Gewicht, die kläglichen Reichweiten – die im Winter nochmals abnehmen -, die langen Ladezeiten und die begrenzte Lebensdauer der extrem teuren Batterien betrachtet. Autofahrer sind nicht dumm und es spricht für sie, dass sie sich auch nicht für dumm verkaufen lassen.“

Übrigens, vor 40 Jahren sprach er noch davon, dass bei Strecken, die weiter als 100 Km sind, die Deutschen auf die öffentlichen Verkehrsmittel zurückgreifen sollten.

Da ist es kein Wunder, dass solche Koryphäen in Deutschland auf offene Ohren treffen. Das Auto ist anscheinend immer noch des Deutschen liebstes Kind, da nutzen Argumente nichts.

Ich hatte beim lesen der Artikel und Kommentare teilweise so den Eindruck, als würde jeder deutsche Autobesitzer am Tag zwischen 500 bis 1000 Km zurücklegen, seinen Lunch im Auto genießen und wenn es mal drückt, dann haben sich Pampers sehr bewährt. Ein Argument, auf das man sehr häufig, neben der Reichweite, stößt, ist das Argument des Aufladen. Offensichtlich hat man als Autobesitzer keine Zeit, außer wenn man im Stau steht. Nun ist die Reichweite der E-Autos zwischen 150 und ca. 500 Km (Tesla), die Aufladung beträgt je nach Modell zwischen 20 Minuten bis zu zwei Stunden.

Ich besitze seit 1983 den Führerschein und bin seit dieser Zeit, bis auf Unterbrechungen, immer mit dem Auto gefahren. Für mich war das Autofahren mit dem Älterwerden eine Tortur und nicht unbedingt ein Spaß. Der Lärm, der Gestank, die Sorglosigkeit mit der sich andere Verkehrsteilnehmer durch den Verkehr bewegten, haben bei mir irgendwann dafür gesorgt, dass ich Autos nicht mehr sehen konnte. Am schlimmsten waren meine Erfahrungen in Österreich, wo jeder gefühlte vierte Österreicher der Meinung war, er habe eine Lehrerfunktion einzunehmen und auf der Autobahn von links nach rechts zu pendeln, um seine Mitbürger an das Höchstgeschwindigkeitsgebot zu erinnern. In Deutschland ist es das StVG, dass neben der Christophorus Plakette in jedem Auto mitgeführt wird. Natürlich bin ich auch weite Strecken, auch an einem Tag gefahren, aber mittlerweile muss ich nicht zwangsläufig an einem Tag von München nach Hamburg und wieder zurück kommen. Aber offensichtlich ist das der Wunsch.

Ich denke, und das ist das Problem, dass die Bundesregierung sich keine Gedanken darüber gemacht hat, wie sie eine Infrastruktur für die E-Mobilität auf die Beine stellt und das ist hier in Irland anders. Als unsere Regierung das Thema E-Mobilität beschlossen hatte, da ging man hier hin und baute, offensichtlich anders als in Deutschland, erst die Infrastruktur auf und die ist besser als in Deutschland.

Nun hat man zwar das Ziel von 200.000 E-Fahrzeugen bis 2022 nicht erreicht und hinkt auch beim Verzicht auf fossile Brennstoffe hinterher -man will bis 2050 den Verbrauch gesenkt haben-, aber man zeigt, auch wenn man in vielen Dingen hier hinter dem Mond lebt, dass es möglich ist gesetzte Ziele weitestgehend umzusetzen. Vielleicht, man orientiert sich ja an England, ändert sich ja doch der Plan und man verbietet bis 2040 sämtliche Verbrennungsmotoren.

Dies würde in Deutschland nicht machbar sein. Die Regierung hat sich zu abhängig von der Autolobby gemacht und die Autobauer sehen, da die Umsätze immer noch hoch sind, keinen Bedarf sich mit ernsthaften Alternativen zu beschäftigen, wovon der Weg in die E-Mobilität ein wichtiger und richtiger Schritt wäre. Danach könnte man nämlich über Alternativen nachdenken und zu Wasserstoff, als Antriebseinheit nachdenken. Die jetzigen Bemühungen kommen zu spät, Opel vertreibt in Deutschland den Ampera, der in den USA unter dem Namen Bolt auf dem Automarkt bekannt ist, da man offensichtlich einen Trend verschlafen hat. VW hat zwar Konzepte zur reinen E-Mobilität, wovon ein Konzept wohl 2018 oder 2019 auf den Markt rollt und Mercedes bietet ihre Autos, ebenso wie VW, auch als E Alternative an, allerdings gründen diese auf den Verbrennern. Einzig BMW bietet mit dem i3 ein reines Elektroauto an. Ansonsten ist Hybrid für deutsche Autobauer der Antrieb schlechthin.

Ob das auf Dauer aber ausreichen wird, weiterhin im Automobilmarkt ganz vorne mitzuspielen wage ich zu bezweifeln. Das Rennen in Deutschland machen, meiner Ansicht nach, unabhängige Autobauer, wie die Macher des e.Go

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e.Go. Life

, einem Projekt der RWTH in Aachen, die auch schon das Konzept für die Deutsche Post entwickelt haben und für diese einen E-Lieferwagen bauen.

Dann gibt es die Uni München, mit ihrem Hybrid Fahrzeug aus Solar und Stromladung und natürlich aus der Schweiz den Microlino. Und es werden Hersteller wie Tesla, BYD, Hyundai, Renault und Nissan sein, die in Sachen E-Mobilität den Ton angeben. Einzig der E-Smart wird aus dieser Masse herausragen, aber ob das für die erfolgsverwöhnten Autohersteller auf Dauer ausreichend ist, das wage ich zu bezweifeln.

Übrigens, falls nun jemand sagt, „aber das machen doch alle so,“ dann kann ich nur antworten, ich bin nicht alle und wenn alle von der Golden Gate Bridge springen, weil es alle so machen, dann mache ich es nicht, gerade weil alle es machen.

Ich habe für mich beschlossen, dass ich, wenn es geht, auf fossile Brennstoffe zu verzichten. Ich weiß, dass die Natur uns genügend kostengünstige Alternativen zur Verfügung stellt, sei es Wind, Wasser, oder Sonne, man muß sie nur nutzen und…. die fossilen Energien sind a. Nicht unendlich und b. Belasten sie die Umwelt. Der Klimawandel kommt nicht von ungefähr und man sollte endlich mal überlegen, wie man in Zukunft mit der Erde umgehen möchte und nein, ich bin kein Ökofreak, Naturspinner, oder esoterisch angehaucht.

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