Traveller

„Ich war noch ein Kind da kamen Zigeuner Zigeuner in unsere Stadt
Tam ta ta tam tam ta tam tam ta tam
kamen in unsere Stadt
die Wagen so bunt die Pferdchen so zottig sie zogen die Wagen so schwer
Tam ta ta tam tam ta tam tam ta tam
und ich lief hinterher immer nur hinterher
Dann kam der Abend es wurde ein Feuer entfacht
La la la
und die Zigeuner sie haben getanzt und gelacht
La la la “                                                                                                                                         Alexandra Zigeunerjunge 

1967 sang Alexandra über die Zigeuner und ihre bunten Wagen, wie sie in die Stadt kommen, ein Lager aufschlagen und singen und tanzen.

Zigeuner, korrekterweise Sinti und Roma, betrachtete man immer mit einer Mischung aus Bewunderung und Abscheu. Ganze Generationen von Liedermachern schufen Lieder über die Zigeuner, die frei wie die Vögel durch die Lande reisten, von einer Stadt zur anderen und dort ihre Dienste anboten als Wahrsager, Scherenschleifer und Kesselflicker. Im 19. Jahrhundert, ausgehend von der Romantik, hielten die Zigeuner Einzug in das deutsche Liedgut und Dutzende Burschenschafter und Umherreisende sangen das fröhliche Lied vom „lustigen Zigeunerleben,“ das alles andere als Lustig war. Besonders während der NS Zeit war Schluss mit Lustig und in deutschen Besserungsanstalten wurde insgesamt 500.000 Sinti und Roma gezeigt, was die Herrenrasse von ihnen gehalten hat. Als „unwertes Leben“ standen sie außerhalb der Gesellschaft und stehen da noch Heute. Sobald es heißt „die Zigeuner kommen!“ werden in vielen Teilen Besen vor die Haustür gestellt, weil das die Umherreisenden abhalten soll, quasi der Böse Blick für Touristen.

Zigeuner, oder Gypsies, wie sie hier genannt werden, leben verstreut um den ganzen Erdball und viele von ihnen sind Heute seßhaft, gehen einer geregelten Arbeit nach und verreisen nur noch wenn sie Urlaub haben. Allerdings gibt es immer noch viele, die in Wohnwagen umherreisen, ihre Clanstrukturen pflegen und oft genug die Frage aufwerfen, wie sie ihren Lebensunterhalt finanzieren. Die Zigeuner bei uns werden Traveller, Tinker (umherziehende Kesselmacher) oder auch Pavee’s genannt, oder auf irisch Lucht Siúil. 2016 lebten, laut Census, etwa 30.987 von ihnen in der Republik Irland und obwohl sie keine signifikant höhere Kriminalitätsrate aufweisen, werden sie von der Bevölkerung abgelehnt.

Ein Vorurteil gegenüber den Traveller ist, dass wenn sie als Gast in einem Pub sind, dieser Pub nach kurzer Zeit fest in der Hand der Traveller ist und andere Gäste abgehalten werden. Ob das so stimmt, ich weiß es nicht. Auch sind die Traveller Communities dafür verantwortlich, dass die Grundstückspreise in den Keller sinken in Gegenden in denen sie leben. Die Liste der Vorurteile ist lang und Traveller sind nicht nur in Irland bekannt, nein auch in Deutschland macht man jährlich Bekanntschaft mit ihnen und sie bedienen das klassische Klischee das man von Engländern und Iren im allgemeinen hat.

Warum ist das so? Ein Grund könnte in der Lebensweise liegen. Der Lebensunterhalt der meisten Traveller Communities besteht in der Pferde- und Hundezucht. Regelmäßig wird ein Großteil der Pferde von den Behörden beschlagnahmt da es die Traveller mit den allgemeinen Vorschriften nicht so genau nehmen und ihre Pferde überall weiden lassen, auch auf öffentlichem Grund. Auf den regelmäßig stattfindenden Märkten werden die Pferde meist an Pferderennställe verkauft, die sie entweder für Pferde- oder Trabrennen verwenden. Trainiert werden sie auf öffentlichen Straßen, denn die Traveller scheren sich einen Dreck um irgendwelche Auflagen und werden regelmäßig von der Garda verfolgt. Hunde werden entweder als Rennhunde verwendet, oder sie werden an Ausrichter für illegale Hundekämpfe verkauft. Das sind so zwei Gründe, warum man sie mit Argwohn betrachtet. Tierquälerei ist an der Tagesordnung und ein Dorn im Auge der Tierschutzorganisationen

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Leider eine typische Szene

Hinzu kommt ihre unflexibilität und das Ausnutzen ihres Status als ethnische Minderheit. Als der Konzern Apple seinerzeit die Gebäude in Knocknaheeny erweiterte mußte man sich mit den dort, seit den Achtziger Jahren, lebenden Traveller arrangieren. 1982 hatte Apple, im Zuge der Erweiterung, den Traveller Häuser gebaut so dass sie praktisch ihr Dorf direkt vor dem Eingang hatten. Öfters kam es zu Zusammenstößen zwischen Mitarbeitern und Anwohnern und ich kann mich an die Geschichte erinnern, als ein Supportmitarbeiter des französischen Teams in’s Koma geschlagen wurde, weil er den Kindern sagte sie sollen aufhören einen Hund zu quälen. Bei der zweiten Erweiterung wurden die Traveller auf die andere Straßenseite umgesiedelt und Apple ließ sich die Häuser jede Menge Geld kosten, da sie nach den neuesten Standards errichtet wurden. Allerdings gefiel das nicht allen Travellern und kurz nach Eröffnung mehrten sich die Klagen, dass sie nun nicht mehr ihre Pferde dort unterbringen konnten und die Folge daraus einen seelischen Schaden für manche bedeutete. Kinder konnten plötzlich nicht mehr einschlafen da die Pferde früher im Erdgeschoss ihr Nachlager fanden.

Ich muss gestehen, dass ich während meiner Zeit bei Apple nie Probleme mit ihnen hatte, im Gegenteil. Man wollte mir öfters Hunde oder Pferde verkaufen. Zu den Kindern hatte ich ein entspanntes Verhältnis und mit den Erwachsenen habe ich öfters ein paar Worte gewechselt. Aber ich kann verstehen, dass man ihnen gegenüber eher mißtrauisch und reserviert ist, denn sie tragen nicht gerade zu einem entspannten Klima bei. Immer wieder gibt es Klagen und selbst die Anerkennung der Traveller als ethnische Minderheit wird nichts daran ändern. Der Journalist Ralf Sotschek, der seit über 20 Jahren in Irland lebt und offensichtlich, wenn man seine Bücher liest, sich ein Irland ohne die Iren wünscht, hat nicht begriffen, dass es viel mehr zwischen Iren und Iren gibt. So schreibt er unter anderem in einem Artikel für die TAZ: „Wo immer ein Halteplatz geplant ist, hagelt es Einspruch der Anwohner, um den Bau zu verhindern oder zumindest so lange wie möglich zu verzögern. Die Gründe, die angeführt werden, sind angeblich antisoziales Verhalten, wilde Müllkippen, nächtliche Partys, Lagerfeuer und steigende Verbrechensraten.“ Die Frage, die man Herrn Sotschek stellen sollte ist, ob er selber schon einmal in der Nachbarschaft einer Travellercommunity gelebt hat, oder regelmäßig irische Zeitungen liest.

Das Problem, so wie ich das sehe und erlebe, ist nicht dass es Traveller gibt. Das Problem ist, das die Traveller keine Anstalten machen sich in die Gesellschaft zu integrieren. Traveller werden nicht, auch wenn er das schreibt, in separaten Klassen unterrichtet, sie verlassen allerdings die Schule 5 Jahre früher als der Durchschnitt.

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Tiermisshandlung ist kein Einzelfall

Sie schotten sich gegenüber der Gesellschaft ab und machen es den Councils zusätzlich schwer weil sie auf ihrer Unabhängigkeit bestehen. Jede Anstrengung wird torpediert und sie sind stolz darauf nicht Teil der Gesellschaft zu sein. Hinzu kommt, dass die Interessenvertretungen offensichtlich nicht genug Einfluss auf die Community haben, sonst wäre die Kindersterblichkeit unter ihnen nicht so exorbitant hoch.

Naturgemäß trägt daran selbstverständlich die Regierung die Schuld und so erklärte der Sprecher der Traveller Association: “Life expectancy is lower in the Travelling Community. There’s a huge amount of them living in poor conditions and severe overcrowding.” Es wäre allerdings für die Communities einfacher die Angebote, die jedem Iren offen stehen, in Anspruch zu nehmen. Es wäre einfacher, wenn sie die alten Clanstrukturen aufbrechen und über den Schatten springen würden, anstatt auf Abschottung zu bestehen. ich habe auch so den Eindruck sie pflegen ihren Bad Guy Status und

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Leider kein Klischee

kultivieren ihn. Und das macht die Sache kompliziert. Natürlich gibt es in dieser Community Menschen die dieses Umfeld verlassen haben, aber solange die Anderen sich weigern auf alte Strukturen zu verzichten wird sich am Status Quo nichts ändern. Natürlich ist es Klasse im Wohnwagen zu leben und von A nach B zu reisen, das Pferd hinten angebunden, aber wir leben auf einer Insel nicht auf dem Kontinent und da sind die Reiseziele naturgemäß begrenzt.

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