Ein Handwerkerleben

Die Installation in dem Haus, in dem ich vorher wohnte. Man beachte die künstlerische Anordnung die selbst den Installateur vor Probleme stellte.

In Irland, wahrscheinlich auch in Deutschland, ist es immer schwer einen Termin mit einem Handwerker zu bekommen. Vor allem wenn es ein guter Handwerker sein soll.
Wir sind in der Situation, dass unser Landlord, wenn wir Probleme im Haus haben, alle möglichen „Experten“ für jede Situation hat. Einer davon ist ein „Hans Dampf in allen Gassen,“ also zumindest für unseren Landlord.

James war das erste Mal 2015 bei uns. Es war Kalt und der Boiler funktionierte nicht mehr, so dass wir keine Heizung hatten. Da unser Landlord ein sparsamer -manche würden ihn geizig nennen- Mensch ist, versucht er notwendige Arbeiten entweder zu vermeiden, „cost me a fortune,“ oder er präsentiert, wie in dem Fall, James. Auf unseren Einwand dass es vielleicht doch besser sei, einen lizensierten Installateur zu nehmen, schließlich laufen regelmäßig Spots im irischen Fernsehen ausschließlich zertifizierte Leute zu rufen, besonders wenn es um Gas geht, reagierte er mit einer wegwischenden Handbewegung und erklärte dass dieser Mann, James, der beste Installateur ist, den irische Hochschulen wahrscheinlich in den letzten 150 Jahren hervorgebracht haben.

„Dieser Mann,“ er machte eine Pause und schaute uns beiden mit ernstem Blick in die Augen, „hat wahrscheinlich in Irland mehr Boiler und Regler installiert als Haushalte gibt und….die City Councils vertrauen ihm.“ Trotzdem war und nicht ganz wohl und zaghaft fragten wir, schließlich hatten wir das gelernt, nach einer Lizenz und erklärten, dass es leider viele schwarze Schafe geben würde.

„Ach was,“ kam die Antwort, wir könnten James doch im Internet finden, schließlich hat er bei einem der besten Handwerksbetriebe im County gearbeitet, aber jetzt halt nicht mehr, sondern wäre sowas wie ein Freischaffender Künstler, „weil er viel zu gut ist.“

Also gaben wir uns geschlagen und James betrat unser Leben. Grundsätzlich trägt er einen roten Overall, so als wäre dass das Zeichen von Qualität, quasi Freimaurer. Da ich mich noch an die Konstruktion in meiner vorigen Unterkunft erinnern konnte, die auch von dem Genie war, hatte ich doch ein mulmiges Gefühl. James murmelte etwas, was man als alles mögliche interpretieren konnte, während Derry, unser Landlord, uns Augenzwinkernd zu verstehen gab dass jetzt alles gut werden würde, James führte uns durch die Wüste wie einst Moses, mit dem Unterschied dass es bei uns wieder warm werden würde, „Ihr werdet sehen, der Radiator den ich Euch gebracht habe, war nicht umsonst.“

James tat, was wir auch versucht haben, um unseren Boiler Floyd wiederzubeleben, da das nicht funktionierte griff er tief in die Trickkiste und erklärte er würde ein Bauteil benötigen, denn das hier sei kaputt und er hätte keins auf Lager. Man sah wie bei Derry sämtliche Farbe aus dem Gesicht wich, und wahrscheinlich rechnete er in Gedanken den Nutzen und die Aufwendungen durch, als er das Haus gekauft hat. Vorsichtig fragte er wie teuer das werden würde, woraufhin James erklärte dass er dies noch nicht beantworten kann. „Teurer als 100quid? Weiß ich nicht Derry, kann ich noch nicht sagen, aber ich vermute mal nicht mehr als 300.“ Derrys Gesicht wechselte nun zu einem außerordentlich gelungenem Violett und man stellte sich zwangsläufig die Frage: „Wie zum Henker macht er das?“

Er baute wieder alles provisorisch zusammen und beide, James sehr beschwingt und Derry als wäre er auf dem gang zu einer besonders schweren Beichte, verschwanden.
Es dauerte noch einige Zeit bis James das benötigte Bauteil hatte. Während wir gerade dabei waren uns zu überlegen, was man alles im Kamin verbrennen kann -wir hatten manchmal das Gefühl das unsere Nachbarn nicht nur alte Autoreifen, sondern auch die Großmutter als Heizmaterial verwenden-, als James, wie Ritter Lancelot aus dem Nichts auftauchte und uns von der Kälte erlöste. Nachdem alles wieder funktionierte, lagen wir Drei uns in den Armen und weinten hemmungslos. So müssen sich die ersten Menschen gefühlt haben als sie endlich Feuer in der Höhle und den Mammutbraten Medium braten konnten.

Das Hochgefühl hielt aber nicht lange an, denn schon am nächsten Tag war das Wunder von Cork vorbei, Floyd kalt, und die Flamme des Lichts aus. Also riefen wir Derry an, dieser wiederum rief James an und beide standen vor dem Startgerät das dafür zuständig ist, dass warmes Wasser produziert wird. James wog seinen Kopf, während Derry wohl schon Mordgedanken hatte, als James plötzlich über beide Backen strahlte und das Problem erkannte. Da der Startknopf zwei Kabel hatte die einen Zündfunken für das Gas produzierten sah man, dass ein Kabel abgerutscht war.
Also schob er das Kabel wieder auf die Verbindung und befestigte es stärker damit das nicht noch mal vorkam. James‘ Konstruktion funktioniert übrigens Heute noch.

Nun sind wir vorbildliche Mieter, wir fügen uns dem Diktat der Vereinigung irischer Landlords, das wahrscheinlich erstellt wurde, als viele Iren noch in Leibeigenschaft waren. Die Zeiten haben sich zwar gewandelt und wir Mieter müssen auch nicht mehr auf dem Feld schuften, aber leider gibt es immer noch Vermieter die in dieser Zeit stehen geblieben sind, und viele Leute sind angewiesen auf Wohnraum der selbst verschimmelt noch zu horrenden Preisen vermietet wird. Da viele unserer Abgeordneten selber Landlords sind, werden Gesetze sehr vorsichtig erlassen.
Also klagen wir nur in Ausnahmefällen und haben die, sagen wir „geschmackvolle,“ Einrichtung, die wahrscheinlich noch aus der Zeit des Anglo-Irish War stammen, schätzen und lieben gelernt. Diesmal über unsere Dusche.

Elektrische Duschen gehören zu irischen und britischen Badezimmern wie der Boiler. Als ich auf die Insel kam, da hatte ich das Gefühl Irland wäre immer noch ein Anhängsel Großbritanniens. Mittlerweile bin zu fast 100% überzeugt. Vielleicht gab es hier schon elektrische Duschen während der Zeit von Queen Victoria und als die Besatzung endete dachten unsere Gründerväter wahrscheinlich, dass es einfacher ist alles so beizubehalten. Auf jeden Fall hatten wir plötzlich Probleme beim Duschen. Das Wasser war mehr kalt als warm und tröpfelte von Zeit zu Zeit. Kurz, ich hatte das Gefühl als wäre ich wieder auf Camping Patrizia in Bolsena und es wären die Siebziger und Achtziger Jahre. Offensichtlich hatte der City Council Arbeiten an der Wasserversorgung der Stadt durchgeführt was kein Problem wäre, wenn Cork nicht von Hügeln umgegeben wäre. Da wir auf einem der Hügel wohnen hatten wir auf einmal einen niedrigeren Wasserdruck.

Wir riefen Derry an und klagten unser Leid. Da Derry es nicht so mit Hygiene hat, beispielsweise seit ich ihn kenne trägt er immer das gleiche Hemd und die gleiche Hose -vielleicht hat er aber aus praktischen Gründen den ganzen Schrank mit den gleichen Sachen voll, war es nicht ganz einfach ihn von der Notwendigkeit zu überzeugen, dass es nach 100 Jahren doch an der Zeit wäre, mal an eine neue Dusche zu denken. Derry kam also vorbei, checkte die Dusche, kratzte sich am Hinterkopf und meinte James würde sich das anschauen. Wahrscheinlich schaut James sich auch die Schleusenwerke im River Lee an, die das Wasser regulieren wenn die Flut vom Meer den Lee nach Cork reinpresst. -Man muss wissen, dass Cork auf einem trockengelegten Sumpf erbaut wurde (Corkaigh = Marschland) und der ehemalige Hafen der Stadt, der immer nicht genutzt wird, wenn auch nicht mehr so intensiv, sich praktisch bis zur Grand Parade erstreckte.-

James kam also, fummelte etwas an der Dusche rum, rief Derry an, und man konnte förmlich sehen wie sich die Farbe am anderen Ende veränderte, James‘ Telefon fing nämlich an zu leuchten. Ein paar Tage später war James wieder da und hatte einen Karton in der Hand auf dem stand, „Triton, Electric Shower, Made in England.“ Etwas unbeholfen bemühte sich James die Dusche einzubauen und konnte noch schnell aus der Badewanne springen weil er einen Test durchführen wollte, während er noch in der Wanne stand. Dann blickte er sein Werk an, klopfte sich in Gedanken selbst auf die Schulter und meinte es sei jetzt alles in Ordnung. Wieder lagen wir uns in den Armen, weinten Hemmungslos und wie weiland Wilhelm Tell erneuerten wir den Rütlischwur.

Während James aus dem Haus trat und zu seinem Auto schwebte hätte ich schwören können, dass über Knocknaheeny ein Regenbogen erschien und ein Engelschor das Lied „Auld Lang Syne“ intonierte. Wir freuten uns wie kleine Kinder und während der Dusche fühlte ich mich wie Gerhard Rolffs nach seinem Ritt durch die Wüste. Das Pionierblut meiner Vorfahren strömte förmlich durch meinen Körper, so müssen sie sich gefühlt haben als sie Tirol verließen und in Preußen ankamen. Nun war die Dusche zwar weder der preußische König, noch ein Scheich, denn die Freude währte nur kurz und nach wenigen Wochen hatten wir wieder das gleiche Problem. Jetzt war es so, dass das Wasser kochend heiß wurde, und, sobald die Temperatur annehmbar war, eiskalt wurde, sobald man mit einem Kopfsprung unter die Dusche hechtete.

Wir riefen Derry an, Derry rief James an, und James kam. Etwas ratlos stieg er in die Wanne, blickte auf die Dusche, nahm die Abdeckung ab, prüfte etwas und plötzlich standen ihm die Haare zu Berge, denn er hatte vergessen den Stromkreis der Dusche zu unterbrechen. Er baute alles mit seinen schmierigen Händen zusammen, wobei der Regler auf kalt stand, obwohl das Wasser warm wurde und hinterließ eine Fußspur die bis auf den Gehweg führte. Guter Rat war teuer, sollten wir, solange wir hier wohnten, ständig die Heizung laufen lassen, damit wir warmes Wasser für die Badewanne hatten? Aber nein, ein paar Tage später kamen beide, schauten sich die Situation vor Ort an und überlegten, wie sie das Problem lösen könnten. Derry, ganz pragmatisch, schlug vor den City Council anzurufen und um mehr Wasserdruck zu bitten, schließlich waren wir nicht die Einzigen die mit dem Wasserdruck kämpften, aber im Gegensatz zu unseren Nachbarn, die Eigentümer sind und das Problem durch spezielle Duschen gelöst hatten, waren wir Mieter.

Man beachte die geniale Konstruktion unter der Dusche. Man sieht es zwar nicht, aber James nahm eine Stichsäge und sägte beherzt ein Loch in die Rückwand, um das Rohr vom Tank mit dem Rohr der Dusche zu befestigen..glaube ich.

Wieder vergingen die Tage als plötzlich mein Telefon klingelte und es gleichzeitig klopfte. Derry hat die Angewohnheit sich nicht in angemessener Zeit zu melden, sondern steht völlig unvermittelt vor der Tür, oder klingelt, anstandshalber, Sekunden vorher durch. Beide stürmten an uns vorbei in‘s Bad und schauten sich die Dusche an, Derry draußen, James in der Badewanne stehend. Dann fragte Derry nach einer Leiter, während James den Zugang zum Dachboden öffnete. Er stellte sich die Leiter hin und krabbelte durch die Luke auf den Dachboden und ich dachte, ‚Gottseidank jagt Derry mich nicht, wie sonst üblich, da rauf.‘ Nach ein paar Minuten tauchte James wieder auf und erklärte seinen Plan. Ich habe mittlerweile gelernt, dass es einige Leute hier in Irland gibt, die mit der Sprache sehr sparsam umgehen, praktisch sorgsam. Also erklärte James in wenigen Worten was er vorhatte und meine Frau und ich hatten Fragezeichen im Gesicht.

Derry räusperte sich und übersetzte James Ausführungen in‘s englische. Man hatte vor, eine Leitung vom Dachbodentank zur Dusche zu legen. „James bohrt ein Loch in den Tank und setzt die Leitung oben, oder unten an, dann legt er sie bis dort…und dann hier, bis dahin.“ Er zeigte dabei auf bestimmte Punkte so dass wir uns vorstellen konnten was er vorhatte. Man wollte als an der Wand vom Bad die Leitung legen, diese an der Wand befestigen und mit dem Anschluss der Dusche verbinden. Da wir eh nichts sagen konnten, nickten wir zustimmend.

Es gibt Handwerker die nutzen Plastikplane und es gibt James. Wenigstens lief alles glatt, da James einen Faible für das weibliche Geschlecht hat.

Die Planungsarbeiten liefen auf Hochtouren, allerdings, wie es bei Handwerkern so ist, entwickeln sich Geduldsspiele und man bekommt eine Idee, wie Samuel Becket auf den Buchtitel kam. So kam Derry vorbei um die benötigten Materialen abzulegen und da ich schon beim ersten Mal, Jahre vorher, erklärt habe dass der Tank fast durchgerostet ist, kletterte auf die Leiter und leuchtete mit der Taschenlampe auf den Tank. Er schaute etwas ratlos und fragte mich, wo genau der Tank fast durchgerostet sei. Leider habe ich keinen Spitzencomputer im Kopf und nach einem Schlaganfall vergesse ich solche Dinge nach ein paar Monaten, oder wie in diesem Fall ein paar Jahren. Wahrscheinlich klingelten Derrys Alarmglocken, also ignorierte er meine Antwort dass ich das nicht mehr wüßte. Er erklärte dann dass er versuchen würde James zu erreichen, vielleicht käme er aber auch in Derrys Stammpub und würde sagen wann er Zeit hat.

So gingen die Tage in‘s Land als Derry einen Freitag anrief und sagte, man würde entweder am Montag, oder am Mittwoch kommen, vielleicht auch Donnerstag, „wir kommen aber bestimmt noch in diesem Jahr, keine Sorge,“ sie kamen dann zwei Wochen später an einem Freitag. Nach dem üblichen Prozedere, anrufen und klopfen, stürmten beide die Treppe hoch und begannen mit den Vorbereitungen. Man schickte uns durch Haus um verschiedene Dinge zu besorgen, so dass ich mich fragte ob das eigentlich üblich für irische Handwerker ist, sich die Materialien bei ihren Auftraggebern zusammenzusuchen. „Verlängerungskabel, Taschenlampe, ich brauch die Taschenlampe…nein nicht die, da sieht man nichts…habt Ihr denn keine Andere?“
Nachdem alle Sachen besorgt wurden stellte James fest, dass es immer eine gute Idee ist Wasser abzusperren. Klempnerregel Nummer eins, um zu verhindern von einer Welle aus dem Haus gespült zu werden, sollte man Wasser abdrehen.

Nach dem wir kein Wasser mehr hatten, ignorierte er Regel Nummer zwei. Er kontrollierte nicht den Stromkreislauf und prompt stieg leichte Rauch von seinem Haupt auf und er leuchtete wie die Weihnachtsbeleuchtung in der Vorweihnachtszeit. Er wischte sich die Farbe aus dem Gesicht und richtete seine Haare da sie in alle Richtungen abstanden, dann ging er noch einmal nach unten und stellte den Strom komplett ab. Da, wie schon geschrieben, es Leute gibt die Sprache sehr sparsam einsetzen, stellten wir durch Zufall fest dass der Strom weg war. Na ja, was stören schon Kleinigkeiten, wenn es gilt die Welt zu erobern.

Frohgemut machte James sich an‘s Werk und kletterte, wie Luis Trenker, beschwingt auf den Dachboden. Dort bohrte er sein Loch in den Tank und rief dann nach Derry. „Schnell einen Eimer! Eimer! Eimer! Eimer!“ Derry sauste die Treppe hinab und meine Frau sagte oben wären Eimer. „Wo? Wo? Wo?“ Fragte Derry heftig und hatte sich schon auf dem Absatz umgedreht und sprintete wieder nach oben. Meine Frau rief ihm hinterher dass sie den Eimer bringt, und beide fragten wir uns wann Wasser vom Dachboden in die Küche läuft. Fünf Minuten stand Derry mit wehenden Haaren in der Küche, was insofern erstaunlich ist da er nur über einen Haarkranz verfügt.

„Bucket, Bucket, Bucket,“ rief er. Wir zeigten gerade nach oben als Derry sagte, „not bucket, not bucket, not bucket. Waterbottle, Waterbottle, Waterbottle.“ Meine Frau holte eine Flasche Mineralwasser unter dem Küchencounter hervor, aber Derry sprang mit einem Satz nach draußen, leerte den Inhalt der Recycling Tonne aus und fand eine leere Plastikflasche. Zur Freude meiner Frau legte er diese auf das Abtropftuch und bat um ein Messer, „nein mit Sägeklinge.“ Wieder spurtete er hoch und Ruhe kehrte ein.

Unterbrochen wurden die Arbeiten nur von weiteren Kommandos denn, ich hatte es ja angesprochen, der Tank war tatsächlich verrostet. Rostwasser befand sich auf dem Teppich, in der Wanne und im Eimer, den man uns in die Hand gab, um ihn auszuleeren. Man beriet sich kurz und Derry sauste aus dem Haus. Ich weiß nicht ob er das Auto benutzte, oder den ganzen Weg bis zum Baumarkt rannte, auf jeden Fall kam er nach kurzer Zeit mit einer Plastikwanne für den Tank an, und sah dabei aus wie eine Riesengroße Schildkröte.

Wir drehten sämtliche Hähne im Haus auf, um das Wasser aus dem Tank abzulassen, was sich bei etwa 60 Gallonen Wasser nicht leicht bewerkstelligen läßt. James derweil sauste wie ein Wiesel zwischen Bad und Dachboden hin- und her, und zeitweise überholte er sich selbst, oder grüßte seinen Doppelgänger. Dann war es geschafft. Müde, abgekämpft und um Jahrzehnte gealtert, kamen die Beiden die Treppe runter. Wahrscheinlich fühlten sie sich, als hätten sie Derrys Kuh beim Kalben geholfen.

Einander stützend verabschiedeten sie sich und verließen das Haus, was naturgemäß etwas länger dauern kann weil Iren das Abschiednehmen zelebrieren. Nicht einfach Tschüss wie in Deutschland, Baba in Österreich, oder Salü oder Schweiz. „Bye, bye bye, bye bye, bye, take care and all the best,“ da kann es schon mal dunkel werden.

Meine Frau war die Erste, die die Arbeiten begutachten wollte und fiel in Ohnmacht. Es sah aus, als wäre oben eine Bombe explodiert. Die Wanne war mit schwarzen öligen Flecken bedeckt, die neue Dusche, die eingebaut wurde, hatte die Farbe gewechselt und war jetzt in Camouflage, der Teppich im Gang mit Rostflecken, beziehungsweise Rostwasser bedeckt, aber der Druck auf den Startknopf entschädigte uns für manches, auch wenn die Aufräumarbeiten bis Dezember dauern, Hauptsache wir haben eine vernünftige Dusche und müssen nicht mehr zwischen Eis auf der Haut und Verbrennungen zweiten Grades wählen.

Nachtrag: Das ganze ist sehr überspitzt dargestellt. Derry und ich kennen uns seit über 10 Jahren und seine Familie wurde im Laufe der Zeit auch meine Familie. Viele Sachen verstehe ich an Derry nicht, damit meine ich nicht nur den Akzent den wahrscheinlich auch Iren nicht immer verstehen, sondern seine extreme Sparsam- und Anspruchslosigkeit. Ich nehme an, das hat damit zu tun das Derry im County geboren und aufgewachsen ist. Seine Eltern besaßen eine Farm die von Derry übernommen wurde, da seine Geschwister kein Interesse daran besaßen. Derry hat dann mit seiner Frau nach und nach B&B‘s gekauft und gleichzeitig seine Farm bewirtschaftet. Derry ist das Beispiel für die Iren die ihr Leben lang gearbeitet haben. Natürlich gibt es bei uns Reiche und Neureiche, nicht umsonst liegt Irland auf Platz Zehn bei den Milliardären, aber die überwiegende Mehrheit, die es zu einem bisschen Vermögen gebracht haben, schafften dies durch Arbeit und, wie in Derrys Fall, einer gewissen Bauernschläue. Ich mag Derry, auch wenn einen manchmal in den Wahnsinn treiben kann mit seiner Sparsamkeit und nicht sehen will, oder kann, dass Investitionen auch für die Zukunft sind und nicht für den schnellen Profit. Das scheint, wie mir ein Barbesitzer, den ich in meinem Stammpub kennen gelernt habe, in Irland üblich zu sein. Land und Immobilien werden von Iren als Kapitalanlage bevorzugt. Im Falle der Immobilien verstehen sie nicht warum sie die pflegen sollen, denn die Mieter zahlen ja trotzdem und die von der Regierung erlassenen Gesetze werden in den meisten Fällen nicht eingehalten.

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