Hüter des Friedens von Irland

Unknown-3Ich wurde von Bekannten Deutschland öfters gefragt, ob es stimmen würde, dass unsere Polizei (Garda Síochána, wie sie offiziell heißt) wirklich unbewaffnet sei. Nun das stimmt für Streifenbeamte, ebenso wie in England, allerdings haben wir seit 2008 -seit 2012 in 5 Regionen (Osten, Norden, Süden, Südost und West) und 2016 kam Dublin hinzu- die ASU, Armed Support Units. Die ASU tragen Waffen und sind dem SEK oder MEK vergleichbar, allerdings gelten bestimmte Regeln, wann die ASU zu rufen ist und verwirrt manchmal auch, da sie in Gebieten patrouilliert, wo man normale Gardaí nicht sieht. Man erkennt diese sofort an den Autos die sie fahren (5er BMW, BMW X5, Volvo XC70, Audi Q7) und der Aufschrift Armed Support Unit.

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Fahrzeuge der ASU

Kommen wir aber zurück zu den „normalen“ Beamten, der Grund, warum diese keine Waffen tragen ist historisch begründet. Der erste Commissioner Michael Staines sagte bei der Gründung, „The Garda Síochána will succeed not by force of arms or numbers, but on their moral authority as servants of the people. (Die Garda Síochána wird nicht durch Waffen, oder ihre Anzahl erfolgreich sein, sondern durch ihre moralische Autorität als Diener der Bürger).“ Jahrzehntelang stimmte das auch denn Irland hatte eine ausgesprochene niedrige Verbrechensrate, was dazu führte, dass die irische Regierung in den sechziger Jahren überlegte die Gefängnisse zu schließen, da man weniger Gewaltverbrechen, dafür aber mehr Trunkenheitsdelikte, sowie Diebstähle hatte. Bis in die siebziger Jahre hinein, so haben mir ältere Iren erzählt, musste man die Haustür nicht verschließen -jeder der mal in Irland war, wird sich gewundert haben, wieso irische Haustüren so einen seltsamen Schließmechanismus besitzen-, und man fuhr zum Einkaufen, oder Zeitung holen zum nächsten Londis und ließ den Wagen vor dem Laden mit offenen Türen und laufendem Motor stehen.

Nun wurden zwar, entgegen Michael Staines, Garda Beamte seit 1922 getötet. Allerdings

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Gründer der Garda und erster Commissioner

kamen viele bei Autounfällen, was schon schlimm genug ist, um’s Leben. 1970 erregte der Tod von Richard Fallon die Öffentlichkeit, denn Fallon wurde von Terroristen der Saor Éire, einer Unterorganisation der IRA, als Folge eines Banküberfalls auf eine Filiale der Royal Bank of Ireland am Arran Quay in Dublin erschossen. Nun war das für die Regierung kein Grund darüber nachzudenken, ob man vielleicht, bedingt durch die Troubles in Nordirland die zu einem wahren Terrortourismus führten, an der Politik etwas ändern sollte, also wurde alles so belassen und die Garda war weiterhin unbewaffnet, musste sich aber mit bewaffneten Gangstern rumschlagen. Die einzige Änderung war, dass die irischen Streitkräfte die Geldtransporte schützten und bis Heute noch schützen. Ich kann mich erinnern, vor ein paar Jahren da war ich auf dem Weg zu meiner Bank, um ein Sparkonto zu eröffnen und kam an einer Filiale der AIB vorbei. In einer Seitengasse standen bis an die Zähne bewaffnete Soldaten und ein Jeep mit SMG auf dem Dach passte auf, dass das Geld nicht geklaut wurde.

Mitte, bis Ende der Siebziger Jahre, wurde die Lage der Garda wesentlich unentspannter, denn findige Iren entdeckten, dass man mit Drogen wesentlich mehr Geld verdienen kann und in kurzer Zeit zu Reichtum kommt. Gab es in den sechziger Jahren hin und wieder Verurteilungen wegen Drogen -Raifiu Ojikuto, ein 26 jähriger Medizinstudent aus Nigeria, wurde im April 1964 wegen des Besitzes von Amphetaminen verhaftet-, so war

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Garda, damals und Heute

Irland doch weitestgehend Drogenfrei. Der Drug Raid bescherte den Dealern unermesslichen Reichtum, denn Heroin und Kokain fand seinen Weg nach Dublin und von dort in das ganze Land. Hinzu kam, dass die Situation, ebenso wie England eine Insel zu sein, den Dealern die Möglichkeit gab, jeden Preis für die Drogen zu fordern. Ich habe mal eine Dokumentation auf RTÉ über die Geschichte der Drogen in Irland gesehen. Ein ehemaliger Beamter der SDU (Special Detective Unit, vergleichbar mit FBI oder BKA) sagte gegenüber den Journalisten, dass sie gar keine Ahnung darüber hatten, womit sie es zu tun haben und, dass die Banden gut organisiert und hochaggressiv waren.

Drive by Shootings zwischen rivalisierenden Gangs waren keine Seltenheit und der Begriff „Gangland“ prägt bis Heute die irische Gesellschaft. So kam es offensichtlich unter den Augen der Garda zu einer Schiesserei am helllichten Tag in Dublin, als zwei Gangs

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Lackierung anlässlich des CSD in Dublin 2019

mit automatischen Waffen aus fahrenden Autos aufeinander schossen. Und das ist eines der Probleme die die Garda hat, man macht sich über die Beamten lustig. Korrupt seien sie, ständig betrunken und dumm wie Brot. Vor Jahren, ich lebte noch in Italien, da lernte ich, dass die Italiener die selbe Einstellung gegenüber den Carabinieri hatten, wie die Iren gegenüber den Gardaí. In Italien kursierte der Witz, „vier Leute sitzen in einem Abteil der italienischen Staatsbahn und langweilen sich. Also beschließen sie Witze zu erzählen und einer der anwesenden beginnt und erzählt einen Witz über die Carabinieri. Ein älterer Mann erhebt sich und sagt, „mein Herr, Vorsicht! Ich bin General der Carabinieri!“ Woraufhin der Mann antwortet, „kein Problem, dann erzähle ich den Witz nochmal und für Sie etwas langsamer, damit Sie ihn verstehen.“ Das spiegelt die Situation in Irland wieder.

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich die Garda bewundere. Vielleicht sind sie korrupt, Skandale gab es in diesem Land ja genügend. Allerdings hatten wir mit Nóirín O’Sullivan den ersten weiblichen Commissioner in diesem Land, was wieder ein Plus ist. Ich bin

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Armed Support Unit

aber der Meinung dass die Polizei bewaffnet sein sollte, und teilte 2016 Irland in Befürworter und Gegner ein. Das Land hat sich geändert und es ist meiner Meinung nach nicht zeitgemäß, wenn Polizisten bewaffneten Gangstern mit Tränengas und Teasern gegenüber stehen. Auch, vor allem in ländlichen Gebieten, schlugen die Sparmaßnahmen, bedingt durch die Rezensionen, zu denen sich Irland verpflichtet hatte, besonders im öffentlichen Bereich durch. Da viele Stationen geschlossen wurden dauert es teilweise bis zu 45 Minuten bis die Garda am Tatort ist und, sollten Täter bewaffnet sein, dann müssen die Beamten erst einmal die ASU rufen.

Natürlich gibt es Situationen in denen man auf Spezialisten zurück greifen muss, aber wenn Polizisten sich nicht verteidigen können, dann ist das sehr schlecht und führt zu der grotesken Situation dass ein Gardaí einen Angreifer mit Reizgas außer Gefecht setzen will, aber so steht, dass der Wind im das Gas in die Augen weht.

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Feindbild E-Mobilität

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Sion, Sono Motors

Ich habe es schon mal geschrieben, ich bin ein Anhänger der E-Mobilität und freue mich natürlich wenn ich lese, dass wir hier in Irland immer mehr Menschen haben, die vom Verbrenner auf die E-Mobilität umsteigen. Auch wenn die Irish Times fragt, ob denn genügend Ladepunkte vorhanden sind, so muss man unserer Regierung bescheinigen, dass man, bevor man die E-Mobilität forcierte, sich um die Ladeinfrastruktur gekümmert hat. Gut, es ist auf jeden Fall ausbaufähig, keine Frage, aber wenn ich bedenke das gegenüber meines ersten Apartments eine Ladestation stand, dann zeigt es, dass man das Ganze sehr ernst nahm.

Allerdings habe ich, was Deutschland betrifft, immer noch den Eindruck, als wolle man mit allen Mitteln verhindern, dass der Anteil an E-Autos einen größeren Anteil am Verkehr einnimmt. Gut, die Redakteure der Daily Mail sind offensichtlich entschiedene Gegner der E-Mobilität und versuchen, so wie es in der englischen Berichterstattung üblich ist, ihre Leser mit Horrorstories von den E-Autos abzubringen. Aber auch die Deutschen sind offensichtlich immer noch nicht weiter und ich kann nicht umhin zu sagen, die Dummheit und Verve mit der manche Kommentatoren und Redakteure ihre Ahnungslosigkeit zeigen, zeigt wie wenig sich die Leute damit auseinandergesetzt haben.

Wasserstoff ist die Zukunft

Ich gestehe, vor 10 Jahren habe ich den menschengemachten Klimawandel auch in das Reich der Legende verwiesen, aber, und das ist das Gute am Internet, wenn man wirklich an etwas interessiert ist dann findet man alle Informationen die man sucht. Und, ich weiß das ist so, die Klimaforscher haben die besseren und plausibleren Argumente. Hinzu kommt, dass diejenigen die sich abwertend, oder skeptisch, zum Klimawandel äußern, meist über keinerlei wissenschaftliche Ausbildung verfügen. Nehmen wir das „Klimainstitut“ EIKE, dessen Präsident, Holger Thuß, hat eigentlich einen Doktor in Geschichte. Aber da sich jeder, der eine Wetterstation an der Wand hängen hat, als Klimaexperte bezeichnen kann, lädt das Institut, das eigentlich kein Institut ist sondern ein Club aus Rentnern mit Langeweile, regelmäßig zum Schwoof ein und referiert, mit freundlicher Unterstützung amerikanischer Lobbygruppen die glauben, man kann einen Klimawandel mit Geld beseitigen. Da bleibt es nicht aus, auch die AfD greift fleißig auf die Ergüsse dieser „Experten“ zurück.

Mein Liebling, Guido Reil -ein Bekannter aus Deutschland machte mich auf ihn aufmerksam-, ist zwar dumm wie ein Bagger, aber da er offenbar die Testperson von Dunning und Kruger war, zelebriert er seine Ahnungslosigkeit –„In Grönland war es vor 800 Jahren warm. Entschuldigung ich bin Bergmann, ich kann Ihnen was

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Toyota Mirai Quelle: Wikipedia

über Kohle erzählen“-. Zum Glück liess er die Ruhrpottgrammatik daheim und sagte nicht, „ich kann Sie watt zu die Kohle erzählen,“ und ich fragte mich, ob er auch einen Bergmannsschlüpfer an hat, vorne Kupfer, hinten Kohle. Jemand wie Reil sitzt dann im Europaparlament und bestätigt die Worte Kurt Schumachers: „Wenn wir irgend etwas beim Rechtspopulismus anerkennen, dann ist es die Tatsache, daß ihm zum erstenmal in der Politik die restlose Mobilisierung der menschlichen Dummheit gelungen ist.“ Nun richtete Schumacher die Rede nicht an die AfD, sondern an Goebbels, aber wenn man sich die AfD anschaut, dann wundert einen gar nichts mehr.

Auf jeden Fall hatte ich eine Diskussion auf der Facebookseite der Achse des Guten, die regelmäßig ihre Ahnungslosigkeit in Sachen E-Mobilität publik macht und mit einem

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Hyundai Nexo Quelle: Wikipedia

Beitrag zu den Gefahren der E-Autos bewies. Ein Leser schrieb daraufhin, dass die Linksgrüne Lobby den deutschen Wutbürger, äääh Autofahrer enteignen will und dieser gezwungen wird für teuer Geld ein E-Auto zu kaufen, dabei, das sei doch bekannt, sei das Wasserstoffauto viel besser und man solle gefälligst darauf warten. Nun, niemand bestreitet die Effizienz eines Wasserstoffautos, sowie die Umweltverträglichkeit, nur sollte man sich, wenn man schon Links herbeizieht, diese auch lesen. Sein Link bestand aus einem Artikel in dem der Redakteur darüber schrieb, warum Wasserstoff derzeit wenig Sinn macht. Zum einen sind die Umweltbelastungen höher. So schreibt das Handelsblatt:

„Denn eine wichtige Hürde bei der Markteinführung ist das teure Platin: In jeder Brennstoffzelle stecken gut 60 Gramm des teuren Edelmetalls. Das entspricht circa 3000 Euro pro Zelle. „Die größte Herausforderung ist es, ein Substitut für das teure Platin zu finden“, so Experte Bratzel. Daimler forscht gerade daran, den Platinanteil in den Zellen zu senken. Das ist auch nötig, denn würden alle Autos und Lkw mit Brennstoffzellen heutiger Bauart ausgerüstet, wären sämtliche Platinressourcen, die noch im Boden schlummern, mit einem Mal aufgebraucht.

Nicht nur Autoexperten, auch Umweltverbände sehen die Einführung des Wasserstoffautos skeptisch. „Es wird so getan, als lösten Wasserstoffautos das Klimaproblem. Das ist aber nicht so“, sagt Wolfgang Lohbeck von Greenpeace. Vielmehr sei der Wasserstoff „ein Placebo für die Umwelt“, da die Energie um den Wasserstoff zu erzeugen unverhältnismäßig groß sei.

Zumeist wird Wasserstoff aus Erdgas gewonnen: Bei hoher Temperatur und hohem Druck wird in einem speziellen Verfahren Wasserstoff, Kohlendioxid, Kohlenmonoxid aufgespalten. Dem Klima sei so nicht geholfen, so Lohbeck. Denn das CO2, das bei der Verbrennung des Wasserstoffs eingespart werde, entstehe dabei bei der Herstellung des Wasserstoffs.“

Und viel hat sich seitdem leider nicht geändert, auch wenn die Asiaten weiter am Ball bleiben. Das günstigste Wasserstoffauto, der Hyundai Nexo, kostet laut Hersteller in Deutschland ab 69.000€. Ein Toyota lag zu Beginn bei 98.000€ und ist jetzt ab 78.000 zu haben. Hinzu kommt, so schrieb der Spiegel vor wenigen Tagen: „Bisher sind es 71 bundesweit (Tankstellen für Wasserstoff), bis zum Jahresende sollen es 100 sein – zu wenig, um Deutschland flächendeckend zu versorgen. Zum Vergleich: Die Zahl der öffentlichen Ladepunkte für Batterie-Elektroautos lag nach Angaben des Energieverbands BDEW zuletzt bei rund 17.400. Dazu kommt eine unbekannte Zahl von privaten Ladestationen – Batterieautos lassen sich zu Hause betanken, Wasserstoffautos nicht.“

Da wir allerdings jetzt Alternativen brauchen, auch wenn E-Mobilisten erklären, dass der Elektroantrieb eigentlich immer noch am Anfang steht, mag es zwar eine gute Idee sein, wenn man die Forschung weiter betreibt, aber im Moment ist es völlig an der Realität vorbei wenn man man an seinem Diesel festhält und auf das Einhorn wartet.

Das Ende der Atacamawüste

Die Öffentlich-rechtlichen Sender werden seit einigen Jahren generell von deutschen

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Salzsee Atacamawüste Quelle: Wikipedia

Wuthamstern als Lügenpresse bezeichnet. Selbst wenn der Wetterbericht zutrifft, dann regen sich die deutschen Michel darüber auf, dass es 2 Grad zu warm, oder zu kalt ist. Von daher sollte man doch eigentlich, wenn man schon einen Faktencheck einrichtet wie die ARD, in der Lage sein, vernünftig seine Beiträge zu recherchieren. Am 4. Juni strahlte die ARD (WDR) einen Beitrag aus, mit dem Thema „Kann das Elektroauto die Umwelt retten“, wobei der ursprüngliche Titel auf YouTube lautete, „die Lüge vom Elektroauto,“ ich kann mich zwar nicht genau daran erinnern, aber einige E-Blogger, die sich mit dem Beitrag beschäftigten schrieben das.

Mir wurde er mir auf YouTube angeboten und ich dachte, „nanu? Das E-Auto der Klimakiller Nr. 1?“ Was ich da sehen konnte war an Ressentiments, Verdrehungen und Lobbyismus kaum zu übertreffen und teilweise hatte ich den Eindruck, Vertreter der Ölindustrie, sowie die „Experten“ von EIKE hätten beratend zur Seite gestanden.

Die Atacamawüste war schon mal das Thema des Herrn Prof. Lesch und des ZDF und schon damals kam ich aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus als ich mir die hahnebüchenen Argumente durchschaute. Es wunderte mich nicht wirklich, dass ausgerechnet Klimaskeptiker, die Gruppe „Freie Fahrt für freie Lanzbulldogbesitzer“(ab Minute 3.21), die „Stickstoffschnüffler Stuttgart,“ sowie die „Petrolheads Paderborn“ das Video mit Harald Lesch teilen mussten, spricht er ihnen doch aus dem Herzen. Anscheinend wollte der WDR da nicht zurückstehen und dachte, „da geht noch was,“ also

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Guido Reil „Klimaexperte,“ Bergmann und für die AfD im Europaparlament Quelle: Wikipedia

setzte man sich mit Sack und Pack in’s Flugzeug, weil das Klima ja egal ist, wenn es darum geht irgendeine Sauerei aufzudecken und düste nach Südamerika, genauer nach Argentinien. Dort angekommen zeigte man ein paar Leute, Landwirte, die dort ihre Lamas hielten und auf das Wasser angewiesen sind. Nun ist es immer blöd und setzt einen in Erklärungsnot den Nutzen der E-Autos zu erklären, wenn Leute in die Öffentlichkeit kommen und in die Kamera sagen, „nur weil Ihr Deutschen ein sauberes Klima wollt, werden wir vergiftet und müssen verdursten!“ Bämm, das sitzt, denn wie will man das begründen, wenn ein paar findige Köpfe genau denselben Kniff verwenden wie Populisten, nämlich vereinfachen und weglassen.

Fehlen durfte auch nicht jemand von Brot für die Welt, die von den erhabenen Flamingos sprach die nun, wegen den E-Auto Spinnern, dort verjagt werden. Nun liegt mir Whataboutism fern, allerdings sei die Frage gestattet, wie man auf der einen Seite Klimaskeptikern kritisch begegnet, auf der anderen Seite aber das Flugzeug nutzt, um nach Argentinien zu kommen, denn laut Brot für die Welt war man öfters vor Ort und offensichtlich nicht in der Lage, oder nicht Willens -vielleicht hat man diesen Hinterhältigen Indios aber auch nicht vertraut- eine Skypeverbindung aufzubauen und sich über die Lage vor Ort informieren zu lassen. Und die gelieferten Argumente liefern geradezu eine Steilvorlage gegen die E-Mobilität.

Vergessen wurde nämlich folgendes: Nicht nur in Argentinien, auch in Leschs Thema, Chile, wurde der Hinweis vergessen, dass der Abbau des Lithiums, einem Abfallprodukt der Salzgewinnung, nicht erst sei Anfang des Jahres stattfindet, sondern bereits in den Neunziger Jahren begann, denn Lithium wird nicht nur in den Akkus der E-Autos verwendet, sondern auch in Akkus für Computer, Smartphones und Herzschrittmacher, dann in Glas und Keramik, Schmiermittel, Strangguss, Kunststoff, Aluminium und Klimaanlagen. Die Akkus für E-Fahrzeuge, dazu gehören alle Fahrzeuge mit Batterie (auch Elektroboote, Elektroroller, E-Bikes und Motorräder), machen einen Teil der 35% Batterien und Akkumulatoren aus. Das zu erwähnen hätte den ganzen Bericht wie ein Kartenhaus zusammenbrechen lassen.

Weiter kommt dass die Leute das Land nicht besitzen, sondern sich darauf berufen schon immer da gelebt zu haben. Das Land gehört dem Staat und es ist nicht ersichtlich, wurde auch gar nicht hinterfragt, ob die argentinische Regierung ihnen einen Ausgleich angeboten hat, was sie eigentlich schon in den Neunzigern hätte machen müssen. An Hand von Leschs Aussagen zu Chile hat sich die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie die Mühe gemacht für Klarheit zu sorgen, sie schreiben: „Danach sind derzeit die weltgrößten Förderländer Australien, Chile, Argentinien und China. Künftig wird auch Bolivien dazu kommen, wo die größten Reserven lagern, und wo die Regierung gerade mit Deutschland einen Vertrag zwecks einer gemeinsamen Gewinnung/Verarbeitung des Lithiums geschlossen hat. Denn die deutsche Autoindustrie bezieht bisher kein reines Lithium für ihre Akkus aus dem Ausland – und auch nicht aus Chile – sondern nur Zellen bzw. ganze Akkus.“ Weiter schreiben sie: „Nach Berechnungen aus dem Jahr 1996 nimmt das Gebiet durch ober- und unterirdische Zuflüsse sowie Regen jährlich 172 Millionen Kubikmeter Wasser auf. Andererseits werden 27 Millionen Kubikmeter Wasser für die Landwirtschaft entnommen, und sogar 145 Millionen Kubikmeter verdunsten jährlich, wobei darin das Wasser der Kaliumchlorid-/Lithiumchlorid-Förderung enthalten sein dürfte. Ob durch die Förderung der Grundwasserspiegel für die wenigen dort lebenden Menschen sinkt, wird zwar bisweilen behauptet, ist aber nicht eindeutig. Denn die von Lesch so dramatisch aufgeführten 21 Millionen Liter Wasser täglich sind auch „nur“ 21.000 Kubikmeter pro Tag und rund 7,7 Millionen Kubikmeter pro Jahr, also eine relativ geringe Menge im Wasserhaushalt des Salzsees.“ (Das gilt für Chile) für Argentinien wurden gar keine Zahlen angegeben, nur dass jährlich etwa 10 Mrd Liter Wasser abgepumpt werden. Zahlen habe ich, ich gestehe es, keine gefunden, vielleicht hat ja jemand weitergehende Informationen. Nun listet Brot für die Welt auch die anderen Produkte auf bei denen Lithium verwendet wird, da das aber dem Konzept widersprechen würde wurde das in der Dokumentation einfach weggelassen, es geht um den Klimakiller, Fakten verwirren da nur.

Da Nachhaltigkeit alles ist und Recherche hinderlich, setzt man den deutschen Autobauern in Interviews die Pistole auf die Brust und will von ihnen wissen, ob diese denn ihre Lieferanten dazu verpflichten, auf einen ökologisch unbedenklichen Abbau zu setzen. Allen diese Frage zeigt, wie Ahnungslos die Macher an das Thema herangegangen sind, denn die Autobauer beziehen kein Lithium, sie kaufen fertige Akkus. Und auch wurde die Frage nicht erörtert, wo denn das Lithium überhaupt herkommt, ja, auch aus Chile, bzw. Argentinien, aber nicht nur. „Denn die deutsche Autoindustrie bezieht bisher kein reines Lithium für ihre Akkus aus dem Ausland – und auch nicht aus Chile –, sondern nur Zellen bzw. ganze Akkus von Herstellern wie CATL/China, Panasonic/Japan, Samsung und LG/Korea. Das Fehlen einer eigenen Zellfertigung in Europa ist Thema in allen Medien. Dass die großen Zellfertiger nicht jedes Gramm in der Zelle nach Herkunft beschriften, ist klar, zumal sie selbst den Rohstoff rund um die Welt einkaufen. Damit erübrigt sich auch die Frage nach der Herkunft des Lithiums.“ Schreibt die Gesellschaft für Sonnenenergie.

Das Tesla eine Drehgenehmigung für ihre Gigafactory verweigerte wunderte mich da nicht mehr so wirklich. Und, hätte man die Eingangs gezeigten E-Autobesitzer gefragt, man hätte sich den ganzen Film sparen können, denn die wissen besser Bescheid und sind sich auch über die Probleme bewusst, im Gegensatz zum WDR.

Da fällt auch die „Schwedenstudie“ nicht mehr weiter in’s Gewicht. Einzig im Fazit bin ich auf der Seite der Macher. Ja, wir brauchen eine andere Mobilität, sicher weniger Individualverkehr, aber auch hier greift man wieder zu kurz, was macht man mit den Menschen in ländlichen Gebieten? Hier in Irland sind wir ohne Auto aufgeschmissen. Der Busverkehr ist zwar gut, aber trotzdem gibt es Gegenden die kein Bus anfährt. Das gilt für Deutschland gleichermassen und man kann nicht die Landbevölkerung zwingen in die Stadt zu ziehen, das geht nicht, also muss man alternative Lösungen finden. Die Firma E-Flat hat, wie ich finde ein sehr gutes Konzept, denn man kann dort einen flexiblen Leasingvertrag abschliessen und entweder ein E-Auto testen, oder die Zeit überbrücken bis man ein Eigenes hat.

Mehr Anreize

In einem Bericht über China und den Verkehrskollaps, sowie die Industrialisierung, wurde erzählt, dass die Regierung, um dem entgegenzuwirken, eine Mindestanzahl an E-Autos staatlich verordnet hat. Jeder Fahrzeughersteller ist per Gesetz dazu verpflichtet

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Microlino verfügbar Herbst 2019

auch eine Palette an E-Autos zu produzieren, macht er das nicht, drohen Strafen. Im Gegenzug bekommt man eine Förderung von umgerechnet etwa 10.000$, damit das E-Auto nicht viel teurer als ein Verbrenner ist. Dementsprechend ist die Entwicklung sehr hoch und weiter fortgeschritten als in der „Autonation“ Deutschland. Chinesische Autohersteller haben die Ambition selbst Tesla vom Thron zu stoßen und der Weltgrößte Produzent von Elektrofahrzeugen zu werden.

Ich muss es gestehen, ich mag die Chinesische Politik nicht und habe es lange vermieden Elektroprodukte aus China zu kaufen, aber es geht nicht, China beherrscht mittlerweile die Märkte. Allerdings muss ich anerkennen, dass eine Ein Parteien Diktatur auch Vorteile bringt, was das Umdenken anbetrifft. Nun bin ich zwar nicht der Meinung europäische Regierungen sollten Autobauer zwingen mehr E-Autos zu produzieren, allerdings wären höhere Anreize ein Mittel um die E-Mobilität voranzutreiben, verbunden mit einem besseren Ausbau der Lade- und Infrastruktur, wenn man es mit dem Klimawandel wirklich ernst nimmt denn der Autoverkehr nimmt den ersten Platz der Umweltsünder ein. (Vielleicht hat ja jemand aktuelle Zahlen dazu)

Ach übrigens die AfD hat mich auf Twitter geblockt. War mir klar, denn Leute die sich in ihrer Opferrolle suhlen und von Meinungsfreiheit faseln sind unendlich froh, dass es in Sozialen Netzwerken die Funktion des Blockieren gibt, wenn einem die Fragen nicht passen.

 

Gedankenspiele

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Als vor zwei Tagen unser Sender RTÉ einen Artikel zum Weltflüchtlingstag veröffentlichte, da kamen natürlich auch die üblichen Kommentare, die in den Flüchtlingen eine Form der modernen Invasion sehen. Auffällig ist, dass diese Kommentatoren grundsätzlich nationale, beziehungsweise nationalistische Symbole in ihren Profilen haben, entweder in Form des ungeteilten Irland in den irischen Farben, oder die Harfe, das ganze mit einem irischen Slogan versehen. Was mich daran am meisten verwundert ist, dass einige Solidarität mit Palästina, beziehungsweise dem palästinensischen Volk bekunden, auf der anderen Seite aber die Angst vor einer muslimischen Bedrohung schüren. Mir stösst auch vor allem die mangelnde Aufklärung, sowie mangelhafte Geschichstkenntnisse übelst auf.

Mein Bekannter, Thomas von der Osten Sacken, veröffentlichte auf Facebook eine Kritik an dem Schweizer Rechtsanwalt Emrah Erken. Der schrieb nämlich als Reaktion auf eine Meldung des Humanistischen Pressedienstes folgendes: „Zum guten Glück existiert die natürliche Grenze des Mittelmeers, die uns vor dieser Invasion schützt,“ und legte nach, „Ohne die wirksame Hinderung der NGO-Taxi-Dienste wäre es eine Invasion. Sie wurde einstweilen verlangsamt.“ Thomas, der von vielen scharf kritisiert wurde, legte dann noch einen Post nach und erklärte seine Kritik, obwohl es das nicht gebraucht hätte.

Kommen wir also zurück zu Irland, obwohl man eigentlich jedes Land nehmen könnte, denn in der Vergangenheit waren genügend Europäer Flüchtlinge und sind es immer noch, wenn man beispielsweise auf Albanien blickt. 2007 schrieb die Süddeutsche Zeitung als es zum Streit zwischen der EU und der israelischen Regierung um den Grenzzaun zwischen Israel und der Westbank kam, der auf Grund der gehäuften Terroranschläge errichtet wurde, „Auf welcher Grundlage – fragt nicht ohne Recht, aber auch nicht ohne Heuchelei die Regierung des Staates Israel – kritisiert die Europäische Union, die einen solchen Zaun errichtet, den israelischen Schutzwall gegen die Palästinenser? Wer immer einen Zaun baut, kann auf einen anderen zeigen, der es auch tut,“  Und der Blog Band of Brothers ergänzte: „Er wurde 2006 auf sechs Meter erhöht, ein Bauwerk aus Stahl, Beton und Stacheldraht: Alle 40 Meter ein Wachturm, Richtmikrophone, Scheinwerfer, eine Tränengasanlage, bis zu 1200 Grenzwachen und Militär.“ 60 Mio.€ liess man sich den Zaun kosten um die Flüchtlinge, mit Hilfe der marokkanischen Behörden, draußen zu halten. Nachdem sich die Lage beruhigt hatte, steigt die Zahl der Flüchtlinge, die versuchen Spanien über das Mittelmeer zu erreichen, wieder an.

Irland erlebte während des Famine (1845-1852) eine der grössten Auswanderungswellen. Etwa 2 Millionen Menschen verließen die Insel, die meisten Richtung Übersee. So und

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Zeichnung hungernder Iren, die sich nach Kartoffeln bücken Quelle: Hilton Archive/Getty Images

 

jetzt nehmen wir mal für einen kurzen Moment an, dass die sogenannten Asylgesetze schon immer Geltung hatten, auch und gerade zwischen 1845 und 1852. Millionen Flüchtlinge landeten in Ellis Island und zogen durch die Registrierung. Nehmen wir weiter an, Ellis Island sei auch nicht 1890, sondern unter James Monroe entstanden, der der Meinung war, die in den jungen USA lebenden Einwohner seien genug und erweiterte die Monroe-Doktrin dahingehend Einwanderer und Flüchtlinge abzulehnen.

Sie finden das zu abwegig? Ok, aber machen wir weiter. Von den Flüchtlingen bekamen nur 10% einen Aufenthaltstatus, den anderen wurde gesagt, dass man Wirtschaftsflüchtlinge nicht aufnehmen will, also sollen sie wieder zurück. Wer kann bucht ein Ticket in der Hoffnung, in Südamerika Aufnahme zu finden, wie etwa ein Teil der etwa 25 Millionen ausgewanderten Italiener. Nun kommen sie in, sagen wir, in Mexiko an und die Behörden sagen ihnen, da ihr Asylantrag in den USA abgelehnt wurde, sähe man sich nicht im Stande einem Asylantrag stattzugeben, schließlich sei die USA die erste Anlaufstelle gewesen und darüber hinaus ein sicheres Aufnahmeland. Im Übrigen hätte man in Mexiko schon genug Probleme und könne sich nicht auch noch um Wirtschaftsflüchtlinge aus Europa kümmern, die vor einer Hungersnot geflohen seien.

Nun könnte man auch die St. Louis als Beispiel nehmen, die Zahl entspricht zwar nicht der Zahl der Flüchtlinge in Irland (zur Zeit leben etwa 3700 Flüchtlinge hier, zugesagt wurde Asyl für etwas mehr als 6000), aber man kann sich überlegen und vielleicht mal für einen Moment vorstellen wie es für diese Leute ist. Vor ein paar Tagen schickte man mir einen. Link zu einer Dokumentation über die gegenwärtige Situation in Afghanistan. Trotz Meldungen, dass Afghanistan alles andere als sicher ist, werden Menschen dorthin zurückgeführt. Nun gibt es Menschen, die von sich aus in die Heimat zurückkehren,

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Skulpturen von Auswanderer während des Famines in Dublin

trotzdem darf man nicht vergessen, dass es daheim kein Zuckerschlecken ist. Und man muss auch die Fluchtursachen benennen, die im Falle Afrikas, nicht nur durch Kriege zu erklären sind. Hunger und Armut sowie massive Unterdrückung treiben auch viele Eritreer in die Migration. Das Land gilt wegen seines repressiven Systems als „Nordkorea Afrikas“. Schreibt das Bundesministerium für Verteidigung auf seiner Webseite. In den Achtziger Jahren hatte ich einen sehr guten Freund, der kam aus Eritrea (Asmara) und hat mir öfters Bilder von dort gezeigt. Zuletzt traf ich ihn 1996, da mich mein Beruf immer mehr in andere Städte brachte, das Letzte was ich gehört habe ist, dass er wieder nach Eritrea zurück gegangen ist.

Denke ich an meine Vorfahren, dann waren das Flüchtlinge, entweder aus Wirtschaftsgründen (Suche nach Arbeit), oder aus religiösen Gründen (Übertritt zum

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italienische Auswanderer Ellis Island Quelle: Casa Historia

protestantischen Glauben). Das kommt mir immer in den Sinn, wenn ich an die Flüchtlinge denke. Natürlich kann Europa nicht alle Flüchtlinge aufnehmen, das ist mir völlig klar, aber eine Abschottung, wie in der Türkei oder Marokko, wo man in der Wüste ständig auf verendete Flüchtlinge stößt -viele werden von der marokkanischen Polizei, oder von den Schleppern dort ausgesetzt-, sind auf Dauer keine Lösung. Wir können nicht Despoten als die vermeintlich Guten permanent mit Geld unterstützen. Und den Iren, die der Meinung sind eine Invasion Irlands würde stattfinden, gebe ich immer das Beispiel meines Gedankenspiels, haut zwar nicht immer hin, aber bei einigen hilft es schon.

Vor allem wäre es schön -denkt man die europäische Geschichte- vielleicht 2 Minuten nachzudenken, bevor man sich wieder in Populismus stürzt, nach den Schlagworten, „Invasion Europas„, oder „Die Flüchtlinge sind unser Unglück.“

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Bild der italienischen Marine eines kenternden Bootes Quelle: Tagesspiegel Berlin

 

 

Dummheit und Stolz…

…wachsen auf einem Holz

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Plakat zur Gründungs-veranstaltung in Dublin

 

 

Irexit Freedom is a national movement of the Irish people and a political party with the primary objective of re-establishing the national independence and sovereignty of Ireland and restoring its national democracy by leaving the European Union.

Irexit Freedom ist eine nationale Bewegung des irischen Volkes und eine politische Partei mit dem vorrangigen Ziel, die nationale Unabhängigkeit Souveränität Irlands und seine nationale Demokratie durch den Austritt aus der Europäischen Union wiederherzustellen.

Prinzipien der Partei IREXIT Freedom to Propsper

 

Eher unbemerkt vom Rest Europas hat sich hier, im Zuge des Brexit, eine Gruppe etabliert die dafür kämpft, dass Irland aus der EU austreten soll. Am liebsten würden auch sie ein Referendum in diesem Land abhalten denn sie sind der Meinung, dass das Land ohne die EU besser fahren würde, und wünscht sich eine stärkere Anbindung an Groß Britannien, oder sogar den Beitritt zum Commonwealth. Die Gruppe, die sich Irexit Freedom nennt, kann auf starke Unterstützung der „irischen Sache“ aus dem Ausland bauen. So tritt Nigel Farage regelmäßig bei Veranstaltungen auf und UKIP unterstützt Irexit auch finanziell. Ob, wie bei UKIP, auch Putin involviert ist läßt sich schwer sagen. Es gibt zwar bei Irexit Bewunderer des russischen Präsidenten, ob diese Bewunderung auch finanziell belohnt wird, dazu lässt sich im Moment nichts sagen.

Es ist allerdings vorstellbar dass Russland ein Interesse daran hat, Europa zu

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Nigel Farage Irexit Konferenz

destabilisieren. So berichtete der Journalist J.J. Patrick er hätte Informationen darüber das Irland Zielscheibe sei und offensichtlich auch Operationen (Abstimmung zum Artikel 8 der Verfassung) durchgeführt wurden, um die Meinung zu manipulieren. Sinn Féin hätte sich auf die Seite der Katalanen geschlagen, und deren Bestrebungen nach Unabhängigkeit von Spanien unterstützt nachdem beide 2016 an einer Konferenz in Moskau teilgenommen haben. Nun ist es natürlich wilde Spekulation ob, und warum man ein Interesse daran hätte das Irland aus der EU austritt, allerdings, man muss es so sagen, sind Nationalismus und Populismus in Europa massiv auf dem Vormarsch.

Ob AFD, Rassemblement National, UKIP, Renua, Lega Nord, Fidez, oder FPÖ, sie alle eint, dass sie sich ein Europa der Nationen wünschen. Sie glauben, dass die EU eine Diktatur wäre, vergleichbar mit der Sowjetunion. Zentral gesteuert wären die Staaten ohne Souveränität und ausgeliefert dem Wohl und Wehe derer, die in Brüssel die Fäden ziehen. Natürlich kann man die EU kritisieren und muss es auch, dass die Länderparlamente plötzlich keine Entscheidungen mehr treffen dürften ist allerdings absurd, aber wird, wie man am Brexit sehen kann, leider von vielen Europäern geglaubt.

Nun ist die Bewegung mit knapp 1500 Mitgliedern nicht gerade sehr groß und alles in

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Hermann Kelly, einer der Gründer

allem haben diese Organisationen höchstens ein paar tausend Mitglieder, aber man hat manchmal den Eindruck, dass diese Leute die Mehrheit im Land bilden. Hinzu kommt, dass man mit einer Universitätsprofessorin jemanden in ihren Reihen hat, die einen Einfluss nehmen kann, besonders wenn sie erzählt dass die EU die Demokratie in Irland zerstört hätte und man sich diese durch den Austritt aus der EU wiederholen könne. Dolores Cahill, so heißt die Frauenbeauftragte der Partei, lehrt am UCD Translationale Wissenschaften. Sie war, laut EU Server, Mitglied im IMI Scientific Committee. Auf Veranstaltungen erzählt sie gerne wie furchtbar die EU sei, nicht reformierbar und, das sei das schlimmste, man würde dort nationale Interessen schlicht nicht berücksichtigen und hätte auch nicht auf sie gehört.

Nun weiß ich nicht genau was dort passiert ist, dass sie jetzt die nationale Karte zieht und allen Ernstes glaubt, dass es nur voran gehen kann, wenn man die EU verlässt. Allerdings, wenn man ihr länger zuhört, dann ist es Gemisch aus Populismus und völkischen Phrasen. Arbeitslosen sollte man das Social Welfare (Arbeitslosengeld) wegnehmen und überhaupt sollte man auch alle Ausländer entfernen, schließlich nehmen diese nicht nur die Jobs weg, sondern würden auch noch das irische Sozialsystem belasten. Unterstützung erhält sie dabei von Hermann Kelly, einem arbeitslosen Journalisten, Ray Bassett, zuletzt irischer Botschafter in Kanada, der pro life Aktivistin Kate Lawlor, sowie dem Architekten Michael Leahy und das Programm dieser Leute kann man praktisch in drei Worte zusammenfassen, „Irland raus aus der EU.“

Nun ist Irexit Freedom kein neues Phänomen hier, neu ist nur, dass Leute eine politische Partei gegründet haben die genau das vertritt, was beispielsweise Renua im Programm hat. EU-Skeptizismus, nationale Abschottung, autochthone ethnisch homogene Bevölkerung. Auch wenn es nur wenige Unterstützer gibt, so ist doch auffällig, dass sich über die Jahre abfällige und rassistische Kommentare in den sozialen Medien häufen. Als RTÉ über eine Maßnahme des Cork City Council berichtete, die die ausländischen Einwohner der Stadt und des Counties darüber informieren sollte, dass in Cork -insgesamt beträgt ihre Zahl 14%-, sowohl zur Europawahl gehen, als auch über City Council und County Council abstimmen sollten, da gaben sich in den Kommentarspalten die Ewiggestrigen die Klinke in die Hand. Man schrieb davon, dass, sobald, die Ausländer wählen, irgendwann die Sharia in Irland gelten würde. Groteskerweise waren das Leute, die in ihren Profilen zur Unterstützung Palästinas aufriefen, sowie Israel abschaffen wollten, aber Angst davor haben, das 63.443 Muslime, bei einer Bevölkerung von 4,5 Millionen, die Republik in die Knie zwingen. Andere wiederum waren der Meinung, dass die Ausländer in diesem Land nur Gäste seine, und es sich nicht anmaßen dürften hier irgendwelche Rechte einzufordern, so als würde die ausländische Bevölkerung hier in Cork die Gesetze diktieren. Das wir (Ausländer) in diesem Land arbeiten und Steuern zahlen, sowie ein Teil der Community sind (Ich zum Beispiel unterstütze monatlich Barnados, eine Organisation die sich um irische Kinder kümmert, sowie DogsTrust Ireland und bin Mitglied der Rebelarmy Society. Die Friends of the Rebelarmy Society sind die Mitbesitzer des Cork City FC), interessierte diesen Kommentator nicht wirklich. Eine Ex-Kollegin war Voluntier bei Cork Simon, ein paar andere arbeiteten ehrenamtlich für Dogs for Disabled oder Animal Shelters. Viele sind Selbständig und zahlen regelmäßig ihre Steuern. Oder, wie es ein Nigerianer sagte, „ich bin irischer als die Iren,“ wobei es schon ein bisschen seltsam anmutet, wenn man einem Iren eine Geschichtsstunde in Cork History gibt und erklärt, dass Cork mal eine eigene Republik war und man an manchen Häusern noch die Einschusslöcher der Kämpfe findet.

Und genau das ist das Problem von Parteien wie Renua, Christian Solidarity Party, Human Dignity Alliance, oder halt Irexit, Irland kann nur prosperieren solange Multinationale Firmen hier sind die Menschen beschäftigten, die den europäischen Markt abdecken. Gehen diese weg, dann wird Irland über kurz oder lang zusammenbrechen da die Strukturen fehlen, auch wenn die EU mit viel Geld die Wirtschaft in Irland angekurbelt hat. Und noch ein anderer Punkt ist in Bezug von Irexit Freedom von Bedeutung. Irexit Freedom schmückt sich mit Bildern irischer Freiheitskämpfer und blendet dabei völlig aus, dass Iren sich Jahrhunderte gegen die Briten in diesem Land aufgelehnt haben. Der Osteraufstand von 1916, der Anglo-Irish War von 1919-1921, sowie die anschließende Konferenz von London mit dem Kompromiss, dass Irland in einen Nord- und einen Südteil getrennt wird, woraufhin Collins gesagt hat: „I shall not last long; my life is forfeit, but I shall do my best. After I am gone it will be easier for others.” („Ich werde nicht lange überleben, denn mein Leben ist vorbei. Wenn ich weg bin wird es für andere leichter sein.“), sind jedem Iren geläufig, schließlich ist es ein Thema in irischen Schulen. Nun möchten also Leute die Zeit wieder zurück drehen, worauf ein Kommentator schrieb, „diese Leute wollen allen Ernstes, dass die Briten wieder über Irland herrschen und uns ihre Gesetze aufdrängen.“ 

Fadenscheinig, warum man das will, ist die Begründung dass Irland nur ein Prozent im EU-Parlament ausmache, unter den Briten man aber 16% im House of Commons hatte. Nicht nur Irland, sondern auch Länder wie Luxemburg spielen eine eher bescheidene Rolle im EU-Parlament, das zu ändern ist allerdings Sache der EU und durch einen Austritt wird man wohl kaum Reformen herbeiführen, aber das wollen Leute wie Frau Cahill, oder Herr Kelly auch nicht und sie begreifen auch nicht dass ein Irexit das Ende des irischen Nationalismus bedeuten würde, wie Fintan O’Toole in einem Kommentar in der Irish Times schrieb: Brexit is an authentic English nationalist revolution, even if it depends on a ludicrous notion of the EU as England’s imperial oppressor. Irexit would not be an Irish nationalist revolution. On the contrary, it would be the end of Irish nationalism. The logic of Irexit would be for Ireland to rejoin the UK – and that’s why it hasn’t a hope.“ („Der Brexit ist eine authentische englisch nationalistische Revolution, auch wenn sie von einer lächerlichen Vorstellung von der EU als imperialem Unterdrücker Englands ausgeht. Irexit wäre keine irische nationalistische Revolution. Im Gegenteil, es wäre das Ende des irischen Nationalismus. Die Logik von Irexit wäre, dass sich Irland wieder dem Vereinigten Königreich anschließen würde – und deshalb hat es keine Hoffnung.“)

Nationalismus und Euroskeptizismus gibt es leider auch hier in Irland, auch wenn die Zustimmung der Iren, was die EU betrifft, eine der höchsten ist. Was allerdings Sorge macht, dass sind nicht nur Leute wie Kelly und Cahill, sondern auch die Kommentare in irischen Medien. Zum Glück gibt es, was Irexit betrifft, auch jemanden der diese Leute auf’s Korn nimmt.  Solange es Seiten wie diese gibt, die z.B. die strammen irischen Nationalisten in einem verschlafenen Einfamilienhaus in Southport ausfindig machen ist es mir nicht bange.