Der Spaltpilz

Tullius Destructivus ist ein Römer, der als Hauptdarsteller die Geschehnisse im Abenteuer „Streit um Asterix“ maßgeblich beeinflusst. Dort wird während einer Versammlung von Cäsars Anhängern in dessen Zweitresidenz außerhalb Roms beraten, wie man das gallische Dorf dem Erdboden gleich machen könnte, damit der Senat keine Rechenschaft mehr von Cäsar fordern kann. Als eine mögliche Lösung schlägt ein Römer vor, dass die Einigkeit der Gallier geschwächt werden müsse, worauf ein anderer bekräftigt, den richtigen Mann für diese Mission zu haben. Er beschreibt Destructivus als Verwalter eines seiner Insulae, der im Mietshaus so viel Zwietracht gesät habe, dass die anderen Mieter ihn schließlich ins Gefängnis brachten, wo er den Löwen vorgeworfen werden sollte. Als man ihn in die Arena brachte, haben sich die Löwen gegenseitig zerfleischt – Lexikon der gallischen Welt

Nigel Farage ist zwar laut eigenen Aussagen im Ruhestand, das hindert ihn aber nicht daran, seine Giftpfeile in alle möglichen Richtungen zu schießen. Farage, der mich an Tullius Destructivus, den Römer aus „Krieg um Asterix,“ erinnert, hat nicht nur frappante Ähnlichkeit mit diesem, nein er ist auch ein Meister der Zwietracht.

Nigel Farage, in Vertretung der britischen Küstenwache, überwacht den Kanal bei Dover

Ich muss gestehen, bis 2016 hatte ich nie von diesem Mann gehört, oder etwas gesehen. Er tauchte plötzlich im englischen und irischen Fernsehen auf und war dort, auf Grund der Brexit Kampagne,

Nicht nur die Churchtimes hat ihren Spaß mit Nigel

omnipräsent. Praktisch über Nacht tauchte er, wie Kai aus der Kiste, auf und verbreitete – wie eine Platte mit einem Sprung – sein Mantra vom unabhängigen Großbritannien, sobald England aus der EU ausgetreten ist.

Milch und Honig sollten fließen, die Leute praktisch nicht mehr arbeiten müssen, und man hätte soviel Geld zur Verfügung, dass man quasi in jedem Haus und jedem Apartment goldene Wasserhähne installieren kann. Das Gegenteil ist eingetroffen und Farage spielt jetzt den großen Kritiker der Regierung, klar, bekleidete er doch kein politisches Amt in Großbritannien, im Gegenteil, seine Parteien – die er gründet, wie andere Leute ihre Unterwäsche wechseln – schafften es nie in‘s Parlament und Farage war fleißig als MEP in Brüssel, wenn es darum ging die europäischen Staaten zu diskreditieren.

Seine Nibelungentreue zu Donald Trump ließ ihn öfter in die USA reisen und an Convents der republikanischen Partei teilnehmen, bei denen er Lobeshymnen auf Trump sang. Selbst als klar war, dass

Farage und sein Meister

Donald Trump die Wahl verloren hatte, da stand Nigel bei und wiederholte wie ein Papagei, was Trump ihm diktiert hat. Man fragte sich, ob Nigel auf einen Posten im Oval Office spekuliert. Spaltpilz, Hofnarr, oder Bettvorleger, denn niemand traut ihm seine Großmutter an, wenn man zum Bowling geht. Farage ist im Stande und verkauft sie, oder er tröpfelt ihr sein Gift in‘s Ohr und sie meuchelt ihre Familie weil Farage ihr die Ehe versprochen hat.

Gern sekkiert er Hotelbesitzer, ob sie, um die Hotels am Laufen zu halten, Asylanten in den Zimmern untergebracht haben, und ob er sich das einmal anschauen könnte. Dabei filmt es sich hochwichtig mit einer Kamera, oder seinem Mobiltelefon. Das Ergebnis ist immer das Gleiche, egal wo er auftaucht. Die Security wirft ihn höflich, aber bestimmt aus dem Hotel. Mit einer Märtyrermiene präsentiert sich Farage als Opfer und vermutet dunkle Kräfte am Werk.

Dabei kann man banal feststellen, dass die Besitzer niemanden im Hotel haben und nicht verpflichtet sind, einem staatlich anerkannten Größenwahnsinnigen und hochseriösem Trickbetrüger ihre Hotels zu zeigen. Für Farage das Zeichen, „hier geht es nicht mit rechten Dingen zu, und ich, Nigel, werde den Skandal aufdecken.“

Um Skandale aufzudecken, hat er sich einen YouTube Kanal erstellt, auf dem schwafelt er vor sich hin, präsentiert sich als Retter der heimischen Pubs, die seiner Meinung nach, auch in der Pandemie geöffnet sein müssen, damit er seine tägliche Dosis erhält. Auch ruft er gerne mal zum Krieg gegen China auf, dabei vergisst er, dass wahrscheinlich 80% seines Haushalts und seiner Kleidung Made in China sind.
Falls die Chinesen ihn wahrnehmen ist er wahrscheinlich Teil einer lustigen Unterhaltungsshow, denn wenn er eines hat, dann einen Unterhaltungswert.

Nigel zeigt Richtung Frankreich, weil er glaubt die französische Marine begleitet Asylanten nach England. Er will ab sofort französischen Käse, sowie Getränke boykottieren.

Seine Aktion, als einsamer Wächter an der britischen Südküste, auf illegale Flüchtlinge zu warten und diese mit der Kamera zu filmen, sorgten für Heiterkeitsausbrüche, nicht nur auf der britischen Insel, dabei wurde er unfreiwillig selbst zum „illegalen“ Seenotretter, als er ein in Not geratenes Boot mit Flüchtlingen aus der britischen See rettete. Ich dachte eigentlich er würde ein Fass aufmachen, war dann aber sehr verhalten. Wahrscheinlich weil er fest davon überzeugt ist, die EU, besser die Franzosen, wollen England mit illegalen Flüchtlingen fluten, deswegen retten sie diese aus dem Mittelmeer, setzen sie in Cherbourg in Boote und zeigen ihnen die Richtung.

Weiß man doch um die Hinterlist, hat doch schon Kaiser Napoleon gezeigt. Nachdem die Brexit Party sich umbenannt hat, ist er wieder am Ruder des Independent UK, wobei die Schotten, Nordiren und mittlerweile auch die Waliser ihm den Stinkefinger zeigen. Lustig wird es immer, wenn er seine Tweets absetzt und Hardcore Brexiteers ihn als Premierminister sehen möchten. Das wird nie passieren, nicht weil bei dem englischen Wahlrecht, wo selbst kleine Parteien eine Chance haben, Farages Parteien regelmäßig scheitern, sondern weil Nigel das nicht will.

Er ist unfähig zu regieren, und völlig inkompetent. Downing Street No. 10 würde zum exklusivsten Pub der Welt verkommen, mit Nigel Farage als Landlord. Er kann keine Politik machen, nur stänkern. Er ist der unwillkommene Onkel, der am Tisch schlechte Witze erzählt, seiner Nichte auf den Hintern klopft und über die Familie herzieht, würde sie ihn doch nur auf Grund seines Reichtums einladen.

Tullius Destructivus – Streit um Asterix –

Außerdem machen Gerüchte die Runde, dass Farage mit seiner Frau in Deutschland lebt, beziehungsweise, dass er sich in der deutschen Botschaft um die Staatsangehörigkeit gekümmert haben soll, nachdem seine Kinder wohl den deutschen Pass erhalten haben. Einen Teil seines Vermögens hat er schon in die EU verbracht, denn das zeichnet die Brexiteers aus, die Vermögenden haben schnell die Biege gemacht, zumindest ihr Geld außer Landes geschafft. Auch soll Farage Gelder von russischen Oligarchen bekommen haben, das zumindest, hört man in Irland, als Farage die Irexit Party in unserem Land unterstützte. Allerdings lief das Unternehmen, sagen wir mal, suboptimal, denn nicht mal die Mitglieder der Partei haben bei den Wahlen zum Dáil ihre Stimme für die eigene Partei abgegeben.

Das alles ficht Nigel Farage nicht an, er ist der Prototyp des ewigen Streithansels, dabei geht es ihm weniger um

Großbritannien, sondern um ihn. Seine Radioshow bei LBC ging im letzten Juni Offline, die seine Kollegen die Nase voll hatten von dieser „Giftspritze,“ seiner Arroganz Anrufer abzukanzeln, oder zu beschimpfen, so wie er es pflegte mit seinen Kollegen zu machen.

„After LBC showed Farage that leave means leave, token leftwing presenter James O’Brien tweeted happily that he and his colleagues had got their station back.“ – „Nachdem LBC Farage gezeigt hatte, dass „leave“ „verlassen“ bedeutet, twitterte der linksgerichtete Moderator James O’Brien glücklich, dass er und seine Kollegen ihren Sender zurückbekommen hätten.“ – schreibt der Guardian, denn Farage war und ist nicht der einzige „toxic blowhards,“ (Aufschneider, Wichtigtuer) bei LBC der sein Gift in Ohren der Zuhörer träufelt.

Ich bin gespannt wie es weitergeht, glaube aber das auch für Farage bald der letzte Vorhang fällt. Seine Anhänger mögen ihn lieben, aber mittlerweile wächst die Zahl der Kritiker.

Danke Boris!

Das neue Jahr ist noch nicht mal ein Jahr alt, da gibt es schon Probleme. Nein, nicht mit Covid, auch wenn unsere Kliniken an ihre Belastungsgrenze gestoßen sind und die Infektionszahlen steigen. Nein, ich meine den Brexit, denn er belastet nicht nur unsere Nachbarn im Osten, sondern hat auch einen Einfluß auf uns, denn die meisten der Waren, die für uns bestimmt sind, finden ihren Weg über Dover.

Boris Johnson erklärt Fischhändlern auf dem Grimsby Market, wie wohl der Fisch sich nach dem Brexit fühlt

Das war natürlich Jahrzehntelang kein Problem, denn Großbritannien war in der EU, und der Binnenmarkt erlaubte den freien Transport. Das ist nun anders, denn statt der großspurigen Ansage der Brexiteers, weniger Bürokratie zu haben – man hatte immer behauptet die EU wäre ein bürokratischer Moloch -, ist das Gegenteil der Fall. In der Praxis ist es so, dass mehr Papiere notwendig sind, um die Waren von A nach B zu transportieren. Der Schuldige ist natürlich klar, denn Schuld hat Frankreich, die EU, Brüssel, Schottland, Nordirland, überhaupt die ganze Welt.

Dabei war es Großbritannien, das darauf drängte, Single Market und Customs Union zu verlassen. Nun kommen die überraschten Rufe dass das so ja gar nicht geplant war, beziehungsweise man nicht dafür gestimmt hat. Wer dieses ganze Theater verfolgt hat, besonders die Unterhausdebatten, der erinnert sich, wie überzeugt Brexiteers so getan haben, als würde sich für Großbritannien gar nichts ändern.

Man sei zwar nicht mehr im Club, aber man könne immer noch den Wellnessbereich nutzen, gar kein Problem. Die Realität indes sieht anders aus und man hat Johnson und die ganzen Clowns vor den Folgen gewarnt, die das ganze als Project Fear abtaten. Nun ist der Brexit komplett vollzogen und das Chaos, nicht nur für Großbritannien, ist perfekt.

Supermärkte auf der britischen Insel haben Schwierigkeiten die Regale, besonders mit Obst und Gemüse aus der EU, zu füllen. Das Gleiche gilt hier in Irland. Der Auto-Journalist Bob Flavin beispielsweise, hat auf seiner Facebookseite mehrere Photos online gestellt, die leere Fächer in den Kühlschränken zeigen, sowie leere Obst- und Gemüsekisten in einer Lidl Filiale.

Ich war erst am überlegen, ob ich bei Executive-Shaving in Glasgow mein Zubehör für die Rasur bestellen soll, da sie dort Sachen haben, die irische Shops nicht anbieten, aber da die neue Mutation von Covid grassierte und der Brexit kurz vor der Tür stand, habe ich darauf verzichtet. Dann habe ich bei Regatta eine neue Regenjacke bestellt, schließlich befindet sich Irland nicht in der Karibik.

Da die Firma Regatta ihren irischen Sitz bei uns in Cork hat, ging ich davon aus, dass auch das EU-Lager hier auf der Insel ist, aber nein. Das Lager befindet sich beim Hauptsitz, und der ist in England, genauer in Manchester. Der Customer Service hat mich dann darüber informiert, dass es zu Verzögerungen kommt und man mich informieren wird, sobald das Paket, zusammen mit anderen Paketen für die EU, das Land verlassen hat.

Von Dover tritt das Paket seinen langen weiten Weg nach Rosslare an, und dann zu mir. Da ich mehrere Sachen der Firma Regatta besitze, werde ich also brav auf meine Sachen warten.

Die Meldungen der britischen Regierung und der Torytreuen Medien dazu, klingen wie das Pfeifen im Wald, und erinnern an die Jubelmeldungen aus ehemaligen sozialistischen Staaten, wenn die Regierungspartei mit 99,9% abgeschnitten haben – die Baath Partei im Iraq schaffte sogar das Kunststück von 107%. Die schottische Fischerei ist völlig zum erliegen gekommen da der Fisch Hauptsächlich nach Europa – vor allem nach Frankreich – exportiert wird. Der Vorsitzende des schottischen Fischerverbandes, Ian Gatt, kritisierte, dass niemand in Westminster daran interessiert war die Interessen der Fischer zu berücksichtigen.

Fisch ist in den Küstenstädten die Haupteinnahmequelle und die Transport LKW‘s stehen in den Unterständen, weil der Fisch verrottet. Da man nicht weiß, wie es weitergeht, stehen die schottischen Fischer langsam vor dem Ruin, da sie nicht rausfahren können. Viele fürchten um ihre Existenz da ihre Kunden lieber regional bestellen, als auf Gammelfisch aus Schottland zu warten.

Schottische LKW‘s mit Schellfisch schottischer Fischer

Um Ihrem Unmut Luft und auf Ihre Lage hinzuweisen, gab es am Montag Proteste schottischer Fischer, die ihren Fisch vor dem Westminster auf die Straße kippten und die Regierung aufforderten endlich tätig zu werden, dazu gehört, dass Johnson das Thema Fischerei nachverhandelt. Allerdings gehen viele Beobachter davon aus, dass er das nicht machen wird, stattdessen hat er Großzügig Hilfe im Wert von etwa £150 Mio versprochen. Wo das Geld herkommen soll, dass weiß auch nur er und sein Schatzkanzler.

Für Jakob Rees-Mogg war das Ganze eine heitere Abendveranstaltung. Wirkte er während früherer Unterhausdebatten wie ein Bestattungsunternehmer auf Valium, so macht er jetzt den Eindruck als wäre er auf Speed. Einwände seiner Parteikollegen schmettert er mit einem fröhlichen „nur Geduld…bald springen fröhliche britische Fische in unsere Netze,“ ab. Abgesehen davon, dass Fische keine Nationalität besitzen, beantwortete er auch die Frage nicht, die da lautete, „warum wurden keine Fangquoten vereinbart?“

Die Regierung hat es fertig gebracht, mit leeren Händen nach London zu kommen, und verkauft dies als Erfolg. Obwohl die EU angeboten hat, dass Großbritannien Teil der Zollunion und des Single Market bleibt, hat London das dankend abgelehnt und wundert sich nun, warum es nicht so klappt, wie versprochen.

Hinzu kommt, dass der County Council von Kent darauf besteht, dass die Fuhrunternehmer eine Genehmigung beantragen in Kent einzufahren. Das Tagesticket kostet £50. Da aber nicht alle Transporte abgefertigt werden können, und die Sanitäranlagen noch nicht alle fertig gestellt sind, und es nicht genug Stellplätze gibt, sind die Fahrer gezwungen in umliegenden Ortschaften zu parken. Das hat zur Folge, dass über £600 Strafe fällig werden können.

Ich kann mir kaum vorstellen, dass europäische Handelspartner es akzeptieren, wenn die Verträge geändert werden und man die Standgebühren bezahlt, nur weil man in London nicht nachgedacht hat.

Verantwortlich für diese Misere, ich erwähnte es am Anfang, sind natürlich alle anderen. An der Seitenlinie steht Nigel Farage, der wie ein Rumpelstilzchen auf und ab springt, denn er hat nun erkannt, dass er sich selbst in‘s Knie geschossen hat. Hauptsache er bekommt seine Pension als ehemaliger EU-Abgeordneter.

Hatte Johnson vorher noch lautstark getönt, dass das NHS nicht zur Disposition steht, klang es diese Woche ganz anders, denn im Falle eines Handelsvertrages ist er bereit das NHS an private ausländische Investoren zu verkaufen, wenn der Preis stimmt. Und um Nägel mit Köpfen zu machen will er ein Gesetz durchbringen, dass Kritik untersagt, und er er dann frei machen kann, was er will.

Ich denke für Schottland und Nordirland ist es an der Zeit zu überlegen, ob sie weiterhin ein Anhängsel bleiben wollen, denn beim Brexit geht es nicht um irgendeine Einheit, es geht darum englischen Großmachtträumen zur Renaissance zu verhelfen. Boris wird man vielleicht demnächst in Kleidung des 15. Jahrhunderts sehen.

Alba gu bràth

1995 ritt ein, wie ein verunglückter Schlumpf bemalter, Mel Gibson die Front der Schottischen Krieger ab und rief am Schluss seinen Kriegern den Slogan „Alba gu bràth“ (Scotland forever) zu.

Dem schottische Freiheitskämpfer William Wallace gelang es, mit den schottischen Clans an seiner Seite, und seinem Anführer Andrew de Moray, 1297 die Engländer in der Schlacht von Stirling Bridge zu schlagen. Der Sieg war der letzte für die Schotten und Wallace. Nach der Schlacht von Falkirk flüchtete er der Überlieferung nach nach Frankreich. 1303 kehrte er nach Schottland zurück und plante einen neuerlichen Feldzug gegen König Edward I. Longshanks.

Daraus wurde nichts mehr, denn 1305 wurde William durch Verrat aus den eigenen Reihen gefangen genommen – Es war Sir John de Menteith, der Burgherr von Dumbarton Castle, der Wallace gegen eine hohe Belohnung verriet. Der Rest ist bekannt. Am 23. August des Jahres 1305 wurde Wallace in London hingerichtet, sein Kopf auf einem Spieß auf der alten London Bridge zur Schau gestellt, und der Rest im Königreich verteilt.

Leider gibt wenig zeitgenössische Berichte denn der erst Bericht, das Gedicht „The Wallace“ von Blind Harry erschien erst 1477, zu einer Zeit also, da war Wallace über 100 Jahre tot. Heute ist Braveheart schottischer Nationalheld und jeder Schotte saugt das Gedicht über ihn mit der Muttermilch auf. Patrioten pilgern zum Caledonian Temple of Fame, während Touristen das Wallace Monument, welches ihm zu Ehren 1869 bei Stirling errichtet wurde.

Nun hatten die Schotten einen König, wie davor auch, aber die schottischen Könige beliebten die Vasallen der englischen Krone zu sein. John de Balliol war bis zu seiner Absetzung, 1296, nur auf dem Thron dank Edward I. und es dauerte noch eine Zeit, bis Robert, genannt the Bruce, die Bühne betrat.

Robert wurde 1306 König von Schottland, und regierte das Land bis zu seinem Tod im Jahre 1329. Robert machte ein Ende und führte Schottland in der Unabhängigkeit, als er in der Schlacht von Bannockburn, die am 23. und 24. Juni 1314 stattfand, eine Übermacht der Engländer vernichtend schlug. Bevor er das Tat, mußte Robert in internen Schlachten seine Rivalen besiegen.

Die schottische und die irische Geschichte ist sehr miteinander verwoben, auch viele Gemeinsamkeiten bestehen zwischen beiden Volksgruppen. Handel zwischen Iren und Schotten besteht wahrscheinlich seit Iren und Schotten auf die Inseln kamen.
Robert tauchte in Irland unter, sein Bruder Edward wollte den schottischen Anspruch auf den irischen Thron durchsetzen und ließ sich, mit Hilfe der Clans aus Ulster entweder 1315 oder 1316 auf dem Tara Hill – dem Sitz der irischen Hochkönige – zum Hochkönig über Irland gekrönt.

Die Schotten versuchten Irland von den Engländern zu befreien, stellten ihr Bemühen aber 1317 ein, da auch eine Hungersnot ihren Feldzug verzögerte. Danach kämpften Beide unter englischer Herrschaft entweder gegeneinander, wie in Westschottland, als sich die Engländer der Iren bedienten, oder in Irland, wenn dort wieder eine Rebellion stattfand. Schottische und englische Protestanten wurden in Ulster angesiedelt, um die Iren besser unter Kontrolle zu bringen.

Jedes Jahr sieht man das in Nordirland, wenn der Oranier-Orden zum Gedenken an die Schlacht von 1690, als Wilhelm III von Oranien seinen Widersacher Jakob II in der Schlacht am Boyne schlug. Auch wenn es sich bei den Heeren um Protestanten auf der Einen, und Katholiken auf der anderen Seite handelte, so ist der Nordirlandkonflikt kein Religionskonflikt.

Das Gaelic Revival in Irland war eine Bewegung von Nationalisten, denen es um die Gälische Sprache und Kultur ging. Sportarten wie Hurling wurden organisiert und unter der GAA bis zum heutigen Tage ausgetragen, zusammen mit Irisch Football. Auch in Schottland und Wales begann das besinnen auf die eigene Kultur, so wurde 1869 bei Stirling das Willam Wallace Monument errichtet, mit seinem angeblichen Schwert in der Vitrine – es heißt dass Wallace 2 Meter groß war, also sein Schwert hätte von Gibson kaum gehalten werden können.

Irland wurde unabhängig und Schottland blieb Teil des Königreiches bis zu heutigen Tag. Ian Blackford, der Parlamentsführer der schottischen SNP im Unterhaus, beschwerte sich nach dem Brexit mehrfach, das der Willen des schottischen Volkes nie berücksichtigt wurde, und besonders nicht nach der Brexit Abstimmung als die Mehrheit der Schotten für den Verbleib in der EU gestimmt hat.

Nicola Sturgeon, die Staatsministerin Schottlands, hat mehrfach erklärt, dass, sollte der Brexit nicht den Willen des schottischen Volkes berücksichtigen, man sich aus dem Vereinigten Königreich verabschieden wird.

Und hier zeigt sich die englische Arroganz. Boris Johnson lehnte die Forderung auf Unabhängigkeit ab und wies auf das Referendum von 2014 hin. Damals brachte die SNP das Referendum auf den Weg und die Schotten hatten die Möglichkeit über ihr Schicksal abzustimmen. Es gab eine große Wahlbeteiligung die aber mit 55% Ja Stimmen und 44% Nein Stimmen an die Remainers ging. Nun hat Johnson vergessen, dass die Schotten sich damals für die EU entschieden, hätte das Brexit Referendum 2014 stattgefunden bin ich überzeugt, die Mehrheit hätte für die Unabhängigkeit gestimmt. Johnson hat auch vergessen, dass von Westminster starker Druck ausgeübt wurde, denn man wollte eine Schottische EU-Mitgliedschaft verhindern.

Nun werden die Schotten von Westminster öfters wie Dorftrottel behandelt. Schottische Interessen werden übergangen, oder, wie in Nordengland, hängen dort Plakate der Aufschrift „Achtung vor den Schotten, sie stehlen Dir Dein Portemonnaie!“
Das ganze illustriert mit einer Hand die in die Hosentasche greift. Man macht sich lustig über das Land, oder antwortet die Schotten wären weder in der EU noch Teil von Großbritannien. Der Guardian hatte eine Serie „Anywhere but Westminster“ in der man aus der Provinz berichtete, und dieses Statement herauskam.

Mit großer Mehrheit haben die Schotten für den Verbleib gestimmt, und wenn viele meinen man bräuchte kein zweites Rumänien, weil man die Schotten auf EU Kosten durchfüttern müßte wäre es angebracht sich das BIP Schottlands anzuschauen. Europa ist der größte Handelspartner was zur Folge hat, dass schottische Fischer im Hafen festliegen weil durch den Brexit so ein Chaos entstanden ist, dass man den Fisch, nicht wie früher, ohne Probleme nach Paris transportieren kann.

Johnson hat diese Woche, wie üblich, Ian Blackford vollkommen ignoriert, als dieser über die Probleme der Fischindustrie sprach, und hat ihn dermaßen abfällig behandelt und vorgeschlagen, wenn es ihnen nicht passt, dann sollen sie doch gehen und hat ihnen die Schuld gegeben. Er ist dann zwar halbherzig zurückgerudert, wahrscheinlich weil ihm eingefallen ist das Schottland die Öl- und Gasproduktion überwacht, sowie die Atom U-Boote in Scapa Flow beheimatet.

Seit 1971 findet jedes Jahr das Interceltique Festival in der Bretagne statt, auf dem Gruppen aus verschiedenen keltischen Regionen auftreten. Es wäre für Irland und Schottland eine Möglichkeit innerhalb der EU eine gemeinsame Interessengruppe zu gründen, ich denke das wäre in beider Interesse.

Was die Weigerung Westminsters betrifft – Ich finde es schon sehr erstaunlich dass man sich auf eine knappe Abstimmung beruft, die noch nicht mal bindend war, aber den Willen der anderen völlig ignoriert. Johnson und die Anderen vergessen, dass Großbritannien kein Kolonialreich mehr ist und man die Wünsche nicht komplett ignorieren kann.
Wir leben nicht mehr im 11. Jahrhundert, als man mit Gewalt die englischen Nachbarn unterjochte und mit der Personalunion von 1603, als der Sohn Mary Stuarts Jakob I. auch den englischen Thron übernahm,sollte man sich schon überlegen, was in der Zeit alles passiert ist. Der Hinweis auf die seit dem 1. Mai 1707 bestehenden Realunion, oder das erste Referendum wirkt da eher wie ein verzweifeltes Festhalten an der Einheit des Königreiches, gegen den Willen der Schotten, die Einheit, die den englischen Brexiteers am Allerwertesten vorbeigeht, wollen sie die Nation doch in die Zukunft führen, da hat ein Monarch eigentlich ausgedient.

Der Sieger heißt…Boris Johnson

Zumindest für die Achse des Guten.

Im letzten Jahr habe ich über Peter Grimms Unkenntnis über die Wahl in Großbritannien geschrieben, da er behauptet hat, dass Ursula von der Leyen und Angela Merkel für den Wahlsieg der Tories bei den Neuwahlen verantwortlich gewesen seien.

In diesem Jahr sind es gleich zwei Kandidaten die dem Begriff „alternative Fakten“ eine neue Bedeutung geben. Der eine ist Thomas Rietzschel, der besser mal beim Kulturressort geblieben wäre und der zweite ist Dr. Benny Peiser.

Der Brexit ganz anders, oder Benny Peiser weiß Bescheid

Fangen wir mit Rietzschel an. Im September 2020 kam Boris Johnson auf den Einfall, das sogenannte „Binnenmarktgesetz“ auf den Weg zu bringen, das den Brexit Vereinbarungen zuwidergelaufen wäre, da Großbritannien selber der Seegrenze zwischen Nordirland und Großbritannien zugestimmt hat. Das Binnenmarktgesetz hätte eine mögliche Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland bedeutet und damit möglicherweise ein wiederaufflammen des Nordirland Konfliktes.

Rietzschel war offensichtlich die Geschichte Irlands und der zwischen der EU und Großbritannien geschlossene Vertrag nicht bekannt, sonst hätte er nicht gejubelt „In der Rage mag ihr entgangen sein, dass England bereits Ende Januar aus der EU ausgetreten ist und zum Schluss des Jahres auch die Zollunion und den EU-Binnenmarkt verlassen wird.“ Nein Thomas, das ist der Frau von der Leyen nicht entgangen, hättest Du den Vertrag gelesen, wäre auch Dir aufgegangen dass sich Großbritannien zu einer Seegrenze verpflichtet hat, übrigens eine Idee Theresa Mays.

Das Binnenmarktgesetz hätte gegen diesen Vertrag verstoßen, sowie gegen internationales Recht, aber man nimmt es bei der Achse nicht so genau mit Fakten und hält sich lieber an Trumps Pressesprecherin, die Diskrepanz der Inauguration Donald Trumps, bezüglich der Teilnehmer, mit alternativen Fakten erklärt hat. Das er die Queen im Kensington Palace wohnen lässt, ist wahrscheinlich seiner Ignoranz geschuldet.

Und da ist man bei der Achse wahrlich Meister. Man biegt sich Fakten so, dass sie in‘s eigene Weltbild passen. Und da haben Demokratie, Gesetz, oder Expertenmeinungen keinen Platz. Man bejubelt Personen wie Donald Trump, Boris Johnson, oder Viktor Orbán. Bieten sie doch dem liberalen Establishment die Stirn und werden vom Leserkreis, die es mit Gemeinschaft auch nicht so haben, höchstens wenn es um die Volksgemeinschaft geht, goutiert.

Der zweite Protagonist, Benny Peiser, schoss dann allerdings im Dezember den Vogel ab und erklärte Boris Johnson zum Sieger der Vertragsverhandlungen. Nun lebt Herr Peiser schon etwas länger in England und sollte eigentlich das Geschehen im Blick haben, allerdings nicht, wenn man sich um den ganzen Brexit nur am Rande interessiert, oder aus konservativen, Brexitnahen Zeitungen informiert.

Peiser hat die Global Warming Policy Foundation gegründet, eine Lobbyorganisation, die den Klimawandel leugnet und einen gewissen Einfluss unter den Tories besitzt, bezeichnet dieser Boris Johnson auch gerne mal als Linksradikalen, weil er nicht Berater der Premiers in Sachen Klima geworden ist, und Johnsons Kabinett an den Klimazielen festhält.

Aber hier geht es nicht um Klima, sondern darum der verhassten EU in die Suppe zu spucken. „Wir befinden uns im Jahre 2021 n. Chr. Ganz Europa ist von einer Großmacht besetzt… Ganz Europa? Nein! Eine von unbeugsamen Briten bevölkerte Insel hört nicht auf, den Eindringlingen Widerstand zu leisten.“ Beginnt er seinen Text und verkennt, dass die Europäische Union sich selten in die Belange seiner Mitglieder eingemischt hat. Auch vergisst er, dass britische Regierungen gerne mal EU Gesetze in nationales Recht umgewandelt haben.

„Das Vereinigte Königreich wird sich nun zusehends aus den Fängen eines Riesen-Oktopus befreien. Es hat die volle Kontrolle über die Einwanderungspolitik und die Grenzen wieder erlangt. Britische Steuerzahler überweisen keine Milliarden mehr an den EU-Haushalt. Großbritannien liegt nunmehr außerhalb der Zuständigkeit des Europäischen Gerichtshofs. Das Land kann Handelsabkommen mit anderen Ländern auf der ganzen Welt schließen. Und auf längere Sicht wird es viel weniger Regeln und Kosten geben.“

Schreibt er weiter und mir stellt sich die Frage, wo Herr Peiser die letzten 40 Jahre gelebt hat? Großbritannien hatte immer die Kontrolle über seine Einwanderungspolitik und die Brexiteers vergessen, das die Osterweiterung maßgeblich von Großbritannien ausging und man auch hinter dem Freizügigkeits Grundsatz stand. Die Ablehnung des Schengenabkommens erlaubte Großbritannien – Übrigens auch Irland – weiterhin souverän über seine Grenzen zu wachen. Man musste sich einer Paßkontrolle unterziehen wenn man aus der EU aus und nach Großbritannien einreisen wollte.

Einer der Gründe für das Referendum war, dass man sich das anders vorgestellt hatte, Freizügigkeit ja, aber doch nicht für Osteuropäer und schon gar nicht, dass Polen die Jobs übernahmen die die englische Bevölkerung nicht machen wollte. Freizügigkeit bedeutete vielmehr das man selber in Europa ohne Probleme leben kann.

Auch werden die Steuerzahler weiterhin Gelder nach Brüssel überweisen, da das Land weiterhin in einigen Organisationen verbleibt und die Mitgliedschaft Geld kostet. Auch konnte GB Verträge mit anderen Ländern schließen, es profitierte aber von der starken Gemeinschaft die die EU bietet. Aber hey, die Verträge, die im Zuge des Deals den Briten zufallen bedeuten nicht, dass man da weitermachen kann, wo man ausgestiegen ist. Man wird diese neu verhandeln müssen, zu neuen Konditionen.

Als ich ……“Durch die Sicherung eines Brexit-Handelsabkommens hat Johnson das geliefert, was seine Kritiker nicht für möglich hielten. Während seine Kritiker ihn seit Jahren als einen ideologischen Fanatiker und Polit-Clown verschrien, hat er sich als das erwiesen, was viele Briten in ihm sehen – ein realpolitischer Pragmatiker.

Einer der Gründe, warum Johnson, im Gegensatz zu seiner Vorgängerin Theresa May, einen Großteil seiner Unterstützung halten konnte, ist, dass er die britische Volkssouveränität mehr als die parlamentarische Souveränität respektierte, ja respektieren musste, um letztendlich das Referendum und mithin den Willen des Volkes zum Erfolg zu führen.

„Tatsächlich hatte Boris Johnson bei den Verhandlungen mit der EU keinen großen Spielraum für Kompromisse. Das Schicksal Theresa Mays und das Überleben der konservativen Partei standen auf dem Spiel. Denn das erste, ursprünglich von Theresa May und der EU ausgehandelte Austrittsabkommen war von den britischen Wählern und dem Unterhaus kategorisch abgelehnt worden.“…gelesen habe, da mußte ich lauthals lachen. Mir stellt sich die Frage, ob Peiser völlig realitätsfern ist und auf der Jagd nach dem Einhorn, oder im Koma lag.

Schauen wir uns doch mal den „Erfolg“ an: Die EU hat den Vertrag bekommen, den sie sich mühsam erarbeitet hat. Ich erkläre auch warum. Als Theresa May im Unterhaus ihre Rede zum, von Boris Johnson „ausgehandelten“ Deal hielt, adressierte sie das Ganze an Keir Starmer, Vorsitzender der Labour Party, meinte aber Boris Johnson.

Sie sagte es sei der Vertrag den sie ausgehandelt habe, der mehrfach abgelehnt wurde – auch von Jeremy Corbyn und Labour – und nun in leicht veränderter Form vom Unterhaus bestätigt wird. Zum einen hätte man den Vertrag viel früher und besser haben können, aber man wollte ihn nicht. Dann lehnte Johnson den Vertrag im September ab und versuchte das Binnenmarktgesetz in‘s Spiel zu bringen und damit Nordirland vor den Bus zu stoßen. Es wurde noch ein bisschen nachverhandelt, und als ein No Deal drohte, unterschrieb er.

Was hat er bekommen? Johnson brachte gegen Ende die Fischindustrie in‘s Spiel die 80% der Fanggründe für die britischen Fischer beanspruchte, obwohl sie nur 1% zum BIP beitragen und das meiste eh in die EU exportiert wird. Man fischt auch überwiegend Kabeljau und ganz ehrlich, Fische kennen keine Nationalität. Am Ende haben die britischen Fischer gar nichts bekommen, denn es bleibt so wie es war mit einer Ausnahme, dass man in 5 Jahren neu verhandelt.

Service- und Dienstleistungssektor machen 70% des britischen BIP aus, allerdings war dieser Sektor kein Bestandteil der Verhandlungen, so dass das Ergebnis sein wird, dass Johnson Nachverhandlungen beantragen muß, will er nicht für einen massiven Crash verantwortlich sein. Viele Dienstleister haben ihre Sitze nach Dublin, Frankfurt, Paris, oder Amsterdam verlegt. Was Boris Johnson nämlich nicht bedacht hat ist, dass Finanzfirmen ihren Sitz in der Europäischen Gemeinschaft haben müssen, da sie sich EU-Regeln unterzuordnen haben.

Das ist spätestens seit 2018 bekannt und dementsprechend schreibt Peter S. Goodman in der New York Times: „Nach dem Brexit-Referendum verlagerten viele Unternehmen Vermögenswerte, Büros oder Geschäftsbetriebe aus Großbritannien nach Kontinentaleuropa. Bis Anfang April 2019 haben Banken mehr als 1 Billion US-Dollar aus Großbritannien verlagert, und Vermögensverwaltungs- und Versicherungsunternehmen haben 130 Milliarden US-Dollar aus Großbritannien transferiert.

Ein Bericht des unabhängigen Forschungsinstituts New Financial vom März 2019 identifizierte 269 Unternehmen aus dem Banken- oder Finanzdienstleistungssektor, die nach dem Brexit Teile ihres Geschäfts oder ihrer Belegschaft verlagert hatten; von diesen Umzügen wurden 239 als Brexit-bedingt bestätigt. Die meisten Umzüge erfolgten nach Dublin (30 %), gefolgt von Luxemburg (18 %), Frankfurt (12 %), Paris (12 %) und Amsterdam (10 %).“ Und es wird weitergehen und viele werden in der Finanzmetropole London ihre Arbeitsplätze verlieren dank Brexit. – Anmerkung, der Report wurde Oktober 2019 upgedated –

Ich möchte hier auch nicht erwähnen, dass 70% der britischen Unternehmen auf den Brexit nicht vorbereitet sind, da es bis zuletzt keine Informationen darüber gab was sich alles ändert. Laut Boris Johnson sind das die Unternehmen schuld, denn Verantwortung übernimmt er grundsätzlich nicht. Um das zu wissen sollte man sich seine Reden im Unterhaus anhören. Für ihn und die Tories sind alle anderen Schuld.

Das NHS wurde jahrelang kaputt gespart, und mit dem Brexit verlor es einen großen Teil seiner Pflegekräfte aus EU-Ländern. Die Reaktion eines Brexiteers war, dass diese Osteuropäer schnell den Schwanz einklemmen, wenn mal eine kleine Epidemie kommt und die Engländer im Stich lassen. Ein anderer schrieb naiv, dann sollte das NHS für Nachwuchs sorgen, als wäre der Heilberuf mit einem Abendbesuch auf dem College in 2 Wochen erlernbar.

Durch Covid-19 wurde die ganze Situation noch verschärft. Unicef richtet Suppenküchen für Kinder und Jugendliche, besonders in Nordengland ein und erreicht damit 4,2 Millionen die unter der Armutsgrenze leben. Die Zahl der Obdachlosen steigt rasant, und immer mehr Briten müssen Universal Credit beantragen, um zu überleben. Währenddessen verlagerte Jacob Rees-Mogg, der Multimillionär aus dem Unterhaus, der aussieht, als hätte er einen Stock im Arsch und wäre aus der Zeit gefallen, Teile seines Konglomerats nach Dublin aus, um weiter in der EU Geschäfte zu machen, während der größte Spalter, Lügner und staatlich lizensierte Hochstapler Nigel Farage Jagd auf „illegale Migranten“ macht und nicht davor zurückschreckt, wenn er nicht in Dover Patrouilliert, Hotels abfährt und von den Angestellten wissen will, ob dort Flüchtlinge untergebracht sind. Im übrigen spekulieren britische Medien, ob er schon in der deutschen Botschaft einen Deutschen Pass beantragt hat, seine Frau und seine Kinder sind Deutsche.

Ein Highlight des Artikels, er zitiert Alexander von Schönburg, der in der britischen Mail folgendes Schmankerl zum Besten gibt:
„Was Boris Johnson erreicht hat, ist eine maßgeschneiderte Vereinbarung, die Grossbritannien den uneingeschränkten Zugang zum EU Binnenmarkt ermöglicht und gleichzeitig erlaubt, eigene Gesetze und Standards zu schreiben, ein Abkommen, das geradezu sensationell ist: „Rechtlich außerhalb der EU, aber mit vollem wirtschaftlichen Zugang zum EU-Binnenmarkt“, so lautet von Schönburgs Fazit.“

Nun lese ich selten die Mail, in der man nicht mal seine Fish & Chips einwickeln möchte, aber der Artikel ist von daher originell weil am gleichen Tag sein Kollege der Bildzeitung, Albert Link, schreibt, „Als eine der auflagenstärksten Zeitungen des Landes nimmt die „Mail on Sunday“ Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ins Visier. „Merkel will, dass Großbritannien über Glasscherben krabbelt“, titelt die Zeitung unter Bezugnahme auf eine anonyme Regierungsquelle.“

Artikel vom 13.12 der Mail, nun was stimmt denn jetzt?

Und in der Tat, auf der Hauptseite der Mail on Sunday vom 13.12.2020, liest man genau das. Wie Peiser und Schönburg auf den Gedanken kommen, Angela Merkel hätte Druck auf die EU ausgeübt wissen nur die Beiden. Merkel hat Johnson untersagt die Hauptstädte aufzusuchen, um direkt mit den einzelnen Regierungschefs zu sprechen. Kann man alles schon mal vergessen im Eifer des Geschäfts. Das Königreich hat auch keinen „vollen“ Zugang zum EU-Binnenmarkt wie die beiden fantasieren, sondern ist an viele Bedingungen geknüpft, die sowohl Firmen in der EU als auch auf der Insel belasten werden. Beispielsweise muß nun eine Steuernummer in Großbritannien beantragt werden, wenn man mit englischen Firmen Geschäfte macht, das war vorher nicht nötig.

Ja, Herr Peiser, ihre alternative Brexiterzählung zeigt einen Sieger Broris Johnson auf ganzer Linie. Übrigens, da ich vermute dass er einen EU-Pass hat, muß er sich um den Brexit keine Gedanken machen, kann er doch, im Gegensatz zu den Briten überall in Europa ohne Schwierigkeiten leben. Und was das Erasmus Programm betrifft, da die Tories sagen, dass es doch besser ist, wenn die jungen Leute ein Studienjahr in Australien, oder Kanada machen, hat man mit dem Brexit das Programm verlassen und will es nach dem britischen Mathematiker Alan Turing benennen. Experten fürchten es wird die Steuerzahler eine Menge Geld kosten und ein Loch in die Kassen reißen, aber ja, Sieg auf ganzer Linie.

„Die Feder ist mächtiger als das Wort,“ stellte der Politiker und Schriftsteller Edward George Bulwer-Lytton vor über hundert Jahren fest. Die Achse verdeutlicht dies, denn es geht ihnen längst nicht mehr um eine Gegenargumentation, oder Kritik. Ja, Kritik an der EU ist notwendig und es gibt viele Baustellen, wie das Vetorecht, das es Ungarn erlaubt davon reichlich Gebrauch zu machen, besonders wenn es um die Menschenrechte geht. Der Achse und ihren Autoren geht es allein darum alles abzulehnen und zu diffamieren, beziehungsweise diskreditieren, was nicht in ihr Nationalkonservatives Weltbild passt. Dafür lieben sie ihre Leser und feuern sie an. Sie reagieren allerdings hochaggressiv wenn einzelne Autoren mal einen vernünftigen Artikel schreiben, zum Beispiel Trump zu entfernen.

So lange es gegen Menschen, wie Frau Kahane und die Amadeu Antonio Stiftung geht, die regelmäßig zur Zielscheibe werden weil ihnen das Engagement zuwider ist.
Oder man hat die Corona Maßnahmen zur Zielscheibe und hetzt Leute zu zivilem Ungehorsam auf, nur weil man als Feld, Wald, und Wiesendoktor glaubt das man auch Experte auf dem Gebiet der Virologie ist. Man denkt ernsthaft, nur weil man eine Boxershorts trägt, kann man mit dem amtierenden Boxweltmeister in den Ring steigen.

Was der Brexit bringt wissen wir alle nicht, allerdings wissen viele, auf Grund der Unwägbarkeiten, das es einfacher ist den Kaffeesatz zu lesen, als Prognosen über die langfristigen Folgen des Brexit zu machen.

Anmerkungen: Wer sich umfassender über den Brexit informieren möchte, dem seien die folgenden YouTube Kanäle an‘s Herz gelegt: Maximilien Robespierres, Der Betreiber ist ein Italien lebender Ire der sich seit Beginn mit dem Brexit beschäftigt. Marc Wesseling und sein „A German Eye on Brexit“ Und „A Different Bias“