Alba gu bràth

1995 ritt ein, wie ein verunglückter Schlumpf bemalter, Mel Gibson die Front der Schottischen Krieger ab und rief am Schluss seinen Kriegern den Slogan „Alba gu bràth“ (Scotland forever) zu.

Dem schottische Freiheitskämpfer William Wallace gelang es, mit den schottischen Clans an seiner Seite, und seinem Anführer Andrew de Moray, 1297 die Engländer in der Schlacht von Stirling Bridge zu schlagen. Der Sieg war der letzte für die Schotten und Wallace. Nach der Schlacht von Falkirk flüchtete er der Überlieferung nach nach Frankreich. 1303 kehrte er nach Schottland zurück und plante einen neuerlichen Feldzug gegen König Edward I. Longshanks.

Daraus wurde nichts mehr, denn 1305 wurde William durch Verrat aus den eigenen Reihen gefangen genommen – Es war Sir John de Menteith, der Burgherr von Dumbarton Castle, der Wallace gegen eine hohe Belohnung verriet. Der Rest ist bekannt. Am 23. August des Jahres 1305 wurde Wallace in London hingerichtet, sein Kopf auf einem Spieß auf der alten London Bridge zur Schau gestellt, und der Rest im Königreich verteilt.

Leider gibt wenig zeitgenössische Berichte denn der erst Bericht, das Gedicht „The Wallace“ von Blind Harry erschien erst 1477, zu einer Zeit also, da war Wallace über 100 Jahre tot. Heute ist Braveheart schottischer Nationalheld und jeder Schotte saugt das Gedicht über ihn mit der Muttermilch auf. Patrioten pilgern zum Caledonian Temple of Fame, während Touristen das Wallace Monument, welches ihm zu Ehren 1869 bei Stirling errichtet wurde.

Nun hatten die Schotten einen König, wie davor auch, aber die schottischen Könige beliebten die Vasallen der englischen Krone zu sein. John de Balliol war bis zu seiner Absetzung, 1296, nur auf dem Thron dank Edward I. und es dauerte noch eine Zeit, bis Robert, genannt the Bruce, die Bühne betrat.

Robert wurde 1306 König von Schottland, und regierte das Land bis zu seinem Tod im Jahre 1329. Robert machte ein Ende und führte Schottland in der Unabhängigkeit, als er in der Schlacht von Bannockburn, die am 23. und 24. Juni 1314 stattfand, eine Übermacht der Engländer vernichtend schlug. Bevor er das Tat, mußte Robert in internen Schlachten seine Rivalen besiegen.

Die schottische und die irische Geschichte ist sehr miteinander verwoben, auch viele Gemeinsamkeiten bestehen zwischen beiden Volksgruppen. Handel zwischen Iren und Schotten besteht wahrscheinlich seit Iren und Schotten auf die Inseln kamen.
Robert tauchte in Irland unter, sein Bruder Edward wollte den schottischen Anspruch auf den irischen Thron durchsetzen und ließ sich, mit Hilfe der Clans aus Ulster entweder 1315 oder 1316 auf dem Tara Hill – dem Sitz der irischen Hochkönige – zum Hochkönig über Irland gekrönt.

Die Schotten versuchten Irland von den Engländern zu befreien, stellten ihr Bemühen aber 1317 ein, da auch eine Hungersnot ihren Feldzug verzögerte. Danach kämpften Beide unter englischer Herrschaft entweder gegeneinander, wie in Westschottland, als sich die Engländer der Iren bedienten, oder in Irland, wenn dort wieder eine Rebellion stattfand. Schottische und englische Protestanten wurden in Ulster angesiedelt, um die Iren besser unter Kontrolle zu bringen.

Jedes Jahr sieht man das in Nordirland, wenn der Oranier-Orden zum Gedenken an die Schlacht von 1690, als Wilhelm III von Oranien seinen Widersacher Jakob II in der Schlacht am Boyne schlug. Auch wenn es sich bei den Heeren um Protestanten auf der Einen, und Katholiken auf der anderen Seite handelte, so ist der Nordirlandkonflikt kein Religionskonflikt.

Das Gaelic Revival in Irland war eine Bewegung von Nationalisten, denen es um die Gälische Sprache und Kultur ging. Sportarten wie Hurling wurden organisiert und unter der GAA bis zum heutigen Tage ausgetragen, zusammen mit Irisch Football. Auch in Schottland und Wales begann das besinnen auf die eigene Kultur, so wurde 1869 bei Stirling das Willam Wallace Monument errichtet, mit seinem angeblichen Schwert in der Vitrine – es heißt dass Wallace 2 Meter groß war, also sein Schwert hätte von Gibson kaum gehalten werden können.

Irland wurde unabhängig und Schottland blieb Teil des Königreiches bis zu heutigen Tag. Ian Blackford, der Parlamentsführer der schottischen SNP im Unterhaus, beschwerte sich nach dem Brexit mehrfach, das der Willen des schottischen Volkes nie berücksichtigt wurde, und besonders nicht nach der Brexit Abstimmung als die Mehrheit der Schotten für den Verbleib in der EU gestimmt hat.

Nicola Sturgeon, die Staatsministerin Schottlands, hat mehrfach erklärt, dass, sollte der Brexit nicht den Willen des schottischen Volkes berücksichtigen, man sich aus dem Vereinigten Königreich verabschieden wird.

Und hier zeigt sich die englische Arroganz. Boris Johnson lehnte die Forderung auf Unabhängigkeit ab und wies auf das Referendum von 2014 hin. Damals brachte die SNP das Referendum auf den Weg und die Schotten hatten die Möglichkeit über ihr Schicksal abzustimmen. Es gab eine große Wahlbeteiligung die aber mit 55% Ja Stimmen und 44% Nein Stimmen an die Remainers ging. Nun hat Johnson vergessen, dass die Schotten sich damals für die EU entschieden, hätte das Brexit Referendum 2014 stattgefunden bin ich überzeugt, die Mehrheit hätte für die Unabhängigkeit gestimmt. Johnson hat auch vergessen, dass von Westminster starker Druck ausgeübt wurde, denn man wollte eine Schottische EU-Mitgliedschaft verhindern.

Nun werden die Schotten von Westminster öfters wie Dorftrottel behandelt. Schottische Interessen werden übergangen, oder, wie in Nordengland, hängen dort Plakate der Aufschrift „Achtung vor den Schotten, sie stehlen Dir Dein Portemonnaie!“
Das ganze illustriert mit einer Hand die in die Hosentasche greift. Man macht sich lustig über das Land, oder antwortet die Schotten wären weder in der EU noch Teil von Großbritannien. Der Guardian hatte eine Serie „Anywhere but Westminster“ in der man aus der Provinz berichtete, und dieses Statement herauskam.

Mit großer Mehrheit haben die Schotten für den Verbleib gestimmt, und wenn viele meinen man bräuchte kein zweites Rumänien, weil man die Schotten auf EU Kosten durchfüttern müßte wäre es angebracht sich das BIP Schottlands anzuschauen. Europa ist der größte Handelspartner was zur Folge hat, dass schottische Fischer im Hafen festliegen weil durch den Brexit so ein Chaos entstanden ist, dass man den Fisch, nicht wie früher, ohne Probleme nach Paris transportieren kann.

Johnson hat diese Woche, wie üblich, Ian Blackford vollkommen ignoriert, als dieser über die Probleme der Fischindustrie sprach, und hat ihn dermaßen abfällig behandelt und vorgeschlagen, wenn es ihnen nicht passt, dann sollen sie doch gehen und hat ihnen die Schuld gegeben. Er ist dann zwar halbherzig zurückgerudert, wahrscheinlich weil ihm eingefallen ist das Schottland die Öl- und Gasproduktion überwacht, sowie die Atom U-Boote in Scapa Flow beheimatet.

Seit 1971 findet jedes Jahr das Interceltique Festival in der Bretagne statt, auf dem Gruppen aus verschiedenen keltischen Regionen auftreten. Es wäre für Irland und Schottland eine Möglichkeit innerhalb der EU eine gemeinsame Interessengruppe zu gründen, ich denke das wäre in beider Interesse.

Was die Weigerung Westminsters betrifft – Ich finde es schon sehr erstaunlich dass man sich auf eine knappe Abstimmung beruft, die noch nicht mal bindend war, aber den Willen der anderen völlig ignoriert. Johnson und die Anderen vergessen, dass Großbritannien kein Kolonialreich mehr ist und man die Wünsche nicht komplett ignorieren kann.
Wir leben nicht mehr im 11. Jahrhundert, als man mit Gewalt die englischen Nachbarn unterjochte und mit der Personalunion von 1603, als der Sohn Mary Stuarts Jakob I. auch den englischen Thron übernahm,sollte man sich schon überlegen, was in der Zeit alles passiert ist. Der Hinweis auf die seit dem 1. Mai 1707 bestehenden Realunion, oder das erste Referendum wirkt da eher wie ein verzweifeltes Festhalten an der Einheit des Königreiches, gegen den Willen der Schotten, die Einheit, die den englischen Brexiteers am Allerwertesten vorbeigeht, wollen sie die Nation doch in die Zukunft führen, da hat ein Monarch eigentlich ausgedient.

Hüter des Friedens von Irland

Unknown-3Ich wurde von Bekannten Deutschland öfters gefragt, ob es stimmen würde, dass unsere Polizei (Garda Síochána, wie sie offiziell heißt) wirklich unbewaffnet sei. Nun das stimmt für Streifenbeamte, ebenso wie in England, allerdings haben wir seit 2008 -seit 2012 in 5 Regionen (Osten, Norden, Süden, Südost und West) und 2016 kam Dublin hinzu- die ASU, Armed Support Units. Die ASU tragen Waffen und sind dem SEK oder MEK vergleichbar, allerdings gelten bestimmte Regeln, wann die ASU zu rufen ist und verwirrt manchmal auch, da sie in Gebieten patrouilliert, wo man normale Gardaí nicht sieht. Man erkennt diese sofort an den Autos die sie fahren (5er BMW, BMW X5, Volvo XC70, Audi Q7) und der Aufschrift Armed Support Unit.

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Fahrzeuge der ASU

Kommen wir aber zurück zu den „normalen“ Beamten, der Grund, warum diese keine Waffen tragen ist historisch begründet. Der erste Commissioner Michael Staines sagte bei der Gründung, „The Garda Síochána will succeed not by force of arms or numbers, but on their moral authority as servants of the people. (Die Garda Síochána wird nicht durch Waffen, oder ihre Anzahl erfolgreich sein, sondern durch ihre moralische Autorität als Diener der Bürger).“ Jahrzehntelang stimmte das auch denn Irland hatte eine ausgesprochene niedrige Verbrechensrate, was dazu führte, dass die irische Regierung in den sechziger Jahren überlegte die Gefängnisse zu schließen, da man weniger Gewaltverbrechen, dafür aber mehr Trunkenheitsdelikte, sowie Diebstähle hatte. Bis in die siebziger Jahre hinein, so haben mir ältere Iren erzählt, musste man die Haustür nicht verschließen -jeder der mal in Irland war, wird sich gewundert haben, wieso irische Haustüren so einen seltsamen Schließmechanismus besitzen-, und man fuhr zum Einkaufen, oder Zeitung holen zum nächsten Londis und ließ den Wagen vor dem Laden mit offenen Türen und laufendem Motor stehen.

Nun wurden zwar, entgegen Michael Staines, Garda Beamte seit 1922 getötet. Allerdings

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Gründer der Garda und erster Commissioner

kamen viele bei Autounfällen, was schon schlimm genug ist, um’s Leben. 1970 erregte der Tod von Richard Fallon die Öffentlichkeit, denn Fallon wurde von Terroristen der Saor Éire, einer Unterorganisation der IRA, als Folge eines Banküberfalls auf eine Filiale der Royal Bank of Ireland am Arran Quay in Dublin erschossen. Nun war das für die Regierung kein Grund darüber nachzudenken, ob man vielleicht, bedingt durch die Troubles in Nordirland die zu einem wahren Terrortourismus führten, an der Politik etwas ändern sollte, also wurde alles so belassen und die Garda war weiterhin unbewaffnet, musste sich aber mit bewaffneten Gangstern rumschlagen. Die einzige Änderung war, dass die irischen Streitkräfte die Geldtransporte schützten und bis Heute noch schützen. Ich kann mich erinnern, vor ein paar Jahren da war ich auf dem Weg zu meiner Bank, um ein Sparkonto zu eröffnen und kam an einer Filiale der AIB vorbei. In einer Seitengasse standen bis an die Zähne bewaffnete Soldaten und ein Jeep mit SMG auf dem Dach passte auf, dass das Geld nicht geklaut wurde.

Mitte, bis Ende der Siebziger Jahre, wurde die Lage der Garda wesentlich unentspannter, denn findige Iren entdeckten, dass man mit Drogen wesentlich mehr Geld verdienen kann und in kurzer Zeit zu Reichtum kommt. Gab es in den sechziger Jahren hin und wieder Verurteilungen wegen Drogen -Raifiu Ojikuto, ein 26 jähriger Medizinstudent aus Nigeria, wurde im April 1964 wegen des Besitzes von Amphetaminen verhaftet-, so war

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Garda, damals und Heute

Irland doch weitestgehend Drogenfrei. Der Drug Raid bescherte den Dealern unermesslichen Reichtum, denn Heroin und Kokain fand seinen Weg nach Dublin und von dort in das ganze Land. Hinzu kam, dass die Situation, ebenso wie England eine Insel zu sein, den Dealern die Möglichkeit gab, jeden Preis für die Drogen zu fordern. Ich habe mal eine Dokumentation auf RTÉ über die Geschichte der Drogen in Irland gesehen. Ein ehemaliger Beamter der SDU (Special Detective Unit, vergleichbar mit FBI oder BKA) sagte gegenüber den Journalisten, dass sie gar keine Ahnung darüber hatten, womit sie es zu tun haben und, dass die Banden gut organisiert und hochaggressiv waren.

Drive by Shootings zwischen rivalisierenden Gangs waren keine Seltenheit und der Begriff „Gangland“ prägt bis Heute die irische Gesellschaft. So kam es offensichtlich unter den Augen der Garda zu einer Schiesserei am helllichten Tag in Dublin, als zwei Gangs

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Lackierung anlässlich des CSD in Dublin 2019

mit automatischen Waffen aus fahrenden Autos aufeinander schossen. Und das ist eines der Probleme die die Garda hat, man macht sich über die Beamten lustig. Korrupt seien sie, ständig betrunken und dumm wie Brot. Vor Jahren, ich lebte noch in Italien, da lernte ich, dass die Italiener die selbe Einstellung gegenüber den Carabinieri hatten, wie die Iren gegenüber den Gardaí. In Italien kursierte der Witz, „vier Leute sitzen in einem Abteil der italienischen Staatsbahn und langweilen sich. Also beschließen sie Witze zu erzählen und einer der anwesenden beginnt und erzählt einen Witz über die Carabinieri. Ein älterer Mann erhebt sich und sagt, „mein Herr, Vorsicht! Ich bin General der Carabinieri!“ Woraufhin der Mann antwortet, „kein Problem, dann erzähle ich den Witz nochmal und für Sie etwas langsamer, damit Sie ihn verstehen.“ Das spiegelt die Situation in Irland wieder.

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich die Garda bewundere. Vielleicht sind sie korrupt, Skandale gab es in diesem Land ja genügend. Allerdings hatten wir mit Nóirín O’Sullivan den ersten weiblichen Commissioner in diesem Land, was wieder ein Plus ist. Ich bin

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Armed Support Unit

aber der Meinung dass die Polizei bewaffnet sein sollte, und teilte 2016 Irland in Befürworter und Gegner ein. Das Land hat sich geändert und es ist meiner Meinung nach nicht zeitgemäß, wenn Polizisten bewaffneten Gangstern mit Tränengas und Teasern gegenüber stehen. Auch, vor allem in ländlichen Gebieten, schlugen die Sparmaßnahmen, bedingt durch die Rezensionen, zu denen sich Irland verpflichtet hatte, besonders im öffentlichen Bereich durch. Da viele Stationen geschlossen wurden dauert es teilweise bis zu 45 Minuten bis die Garda am Tatort ist und, sollten Täter bewaffnet sein, dann müssen die Beamten erst einmal die ASU rufen.

Natürlich gibt es Situationen in denen man auf Spezialisten zurück greifen muss, aber wenn Polizisten sich nicht verteidigen können, dann ist das sehr schlecht und führt zu der grotesken Situation dass ein Gardaí einen Angreifer mit Reizgas außer Gefecht setzen will, aber so steht, dass der Wind im das Gas in die Augen weht.

Gedankenspiele

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Als vor zwei Tagen unser Sender RTÉ einen Artikel zum Weltflüchtlingstag veröffentlichte, da kamen natürlich auch die üblichen Kommentare, die in den Flüchtlingen eine Form der modernen Invasion sehen. Auffällig ist, dass diese Kommentatoren grundsätzlich nationale, beziehungsweise nationalistische Symbole in ihren Profilen haben, entweder in Form des ungeteilten Irland in den irischen Farben, oder die Harfe, das ganze mit einem irischen Slogan versehen. Was mich daran am meisten verwundert ist, dass einige Solidarität mit Palästina, beziehungsweise dem palästinensischen Volk bekunden, auf der anderen Seite aber die Angst vor einer muslimischen Bedrohung schüren. Mir stösst auch vor allem die mangelnde Aufklärung, sowie mangelhafte Geschichstkenntnisse übelst auf.

Mein Bekannter, Thomas von der Osten Sacken, veröffentlichte auf Facebook eine Kritik an dem Schweizer Rechtsanwalt Emrah Erken. Der schrieb nämlich als Reaktion auf eine Meldung des Humanistischen Pressedienstes folgendes: „Zum guten Glück existiert die natürliche Grenze des Mittelmeers, die uns vor dieser Invasion schützt,“ und legte nach, „Ohne die wirksame Hinderung der NGO-Taxi-Dienste wäre es eine Invasion. Sie wurde einstweilen verlangsamt.“ Thomas, der von vielen scharf kritisiert wurde, legte dann noch einen Post nach und erklärte seine Kritik, obwohl es das nicht gebraucht hätte.

Kommen wir also zurück zu Irland, obwohl man eigentlich jedes Land nehmen könnte, denn in der Vergangenheit waren genügend Europäer Flüchtlinge und sind es immer noch, wenn man beispielsweise auf Albanien blickt. 2007 schrieb die Süddeutsche Zeitung als es zum Streit zwischen der EU und der israelischen Regierung um den Grenzzaun zwischen Israel und der Westbank kam, der auf Grund der gehäuften Terroranschläge errichtet wurde, „Auf welcher Grundlage – fragt nicht ohne Recht, aber auch nicht ohne Heuchelei die Regierung des Staates Israel – kritisiert die Europäische Union, die einen solchen Zaun errichtet, den israelischen Schutzwall gegen die Palästinenser? Wer immer einen Zaun baut, kann auf einen anderen zeigen, der es auch tut,“  Und der Blog Band of Brothers ergänzte: „Er wurde 2006 auf sechs Meter erhöht, ein Bauwerk aus Stahl, Beton und Stacheldraht: Alle 40 Meter ein Wachturm, Richtmikrophone, Scheinwerfer, eine Tränengasanlage, bis zu 1200 Grenzwachen und Militär.“ 60 Mio.€ liess man sich den Zaun kosten um die Flüchtlinge, mit Hilfe der marokkanischen Behörden, draußen zu halten. Nachdem sich die Lage beruhigt hatte, steigt die Zahl der Flüchtlinge, die versuchen Spanien über das Mittelmeer zu erreichen, wieder an.

Irland erlebte während des Famine (1845-1852) eine der grössten Auswanderungswellen. Etwa 2 Millionen Menschen verließen die Insel, die meisten Richtung Übersee. So und

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Zeichnung hungernder Iren, die sich nach Kartoffeln bücken Quelle: Hilton Archive/Getty Images

 

jetzt nehmen wir mal für einen kurzen Moment an, dass die sogenannten Asylgesetze schon immer Geltung hatten, auch und gerade zwischen 1845 und 1852. Millionen Flüchtlinge landeten in Ellis Island und zogen durch die Registrierung. Nehmen wir weiter an, Ellis Island sei auch nicht 1890, sondern unter James Monroe entstanden, der der Meinung war, die in den jungen USA lebenden Einwohner seien genug und erweiterte die Monroe-Doktrin dahingehend Einwanderer und Flüchtlinge abzulehnen.

Sie finden das zu abwegig? Ok, aber machen wir weiter. Von den Flüchtlingen bekamen nur 10% einen Aufenthaltstatus, den anderen wurde gesagt, dass man Wirtschaftsflüchtlinge nicht aufnehmen will, also sollen sie wieder zurück. Wer kann bucht ein Ticket in der Hoffnung, in Südamerika Aufnahme zu finden, wie etwa ein Teil der etwa 25 Millionen ausgewanderten Italiener. Nun kommen sie in, sagen wir, in Mexiko an und die Behörden sagen ihnen, da ihr Asylantrag in den USA abgelehnt wurde, sähe man sich nicht im Stande einem Asylantrag stattzugeben, schließlich sei die USA die erste Anlaufstelle gewesen und darüber hinaus ein sicheres Aufnahmeland. Im Übrigen hätte man in Mexiko schon genug Probleme und könne sich nicht auch noch um Wirtschaftsflüchtlinge aus Europa kümmern, die vor einer Hungersnot geflohen seien.

Nun könnte man auch die St. Louis als Beispiel nehmen, die Zahl entspricht zwar nicht der Zahl der Flüchtlinge in Irland (zur Zeit leben etwa 3700 Flüchtlinge hier, zugesagt wurde Asyl für etwas mehr als 6000), aber man kann sich überlegen und vielleicht mal für einen Moment vorstellen wie es für diese Leute ist. Vor ein paar Tagen schickte man mir einen. Link zu einer Dokumentation über die gegenwärtige Situation in Afghanistan. Trotz Meldungen, dass Afghanistan alles andere als sicher ist, werden Menschen dorthin zurückgeführt. Nun gibt es Menschen, die von sich aus in die Heimat zurückkehren,

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Skulpturen von Auswanderer während des Famines in Dublin

trotzdem darf man nicht vergessen, dass es daheim kein Zuckerschlecken ist. Und man muss auch die Fluchtursachen benennen, die im Falle Afrikas, nicht nur durch Kriege zu erklären sind. Hunger und Armut sowie massive Unterdrückung treiben auch viele Eritreer in die Migration. Das Land gilt wegen seines repressiven Systems als „Nordkorea Afrikas“. Schreibt das Bundesministerium für Verteidigung auf seiner Webseite. In den Achtziger Jahren hatte ich einen sehr guten Freund, der kam aus Eritrea (Asmara) und hat mir öfters Bilder von dort gezeigt. Zuletzt traf ich ihn 1996, da mich mein Beruf immer mehr in andere Städte brachte, das Letzte was ich gehört habe ist, dass er wieder nach Eritrea zurück gegangen ist.

Denke ich an meine Vorfahren, dann waren das Flüchtlinge, entweder aus Wirtschaftsgründen (Suche nach Arbeit), oder aus religiösen Gründen (Übertritt zum

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italienische Auswanderer Ellis Island Quelle: Casa Historia

protestantischen Glauben). Das kommt mir immer in den Sinn, wenn ich an die Flüchtlinge denke. Natürlich kann Europa nicht alle Flüchtlinge aufnehmen, das ist mir völlig klar, aber eine Abschottung, wie in der Türkei oder Marokko, wo man in der Wüste ständig auf verendete Flüchtlinge stößt -viele werden von der marokkanischen Polizei, oder von den Schleppern dort ausgesetzt-, sind auf Dauer keine Lösung. Wir können nicht Despoten als die vermeintlich Guten permanent mit Geld unterstützen. Und den Iren, die der Meinung sind eine Invasion Irlands würde stattfinden, gebe ich immer das Beispiel meines Gedankenspiels, haut zwar nicht immer hin, aber bei einigen hilft es schon.

Vor allem wäre es schön -denkt man die europäische Geschichte- vielleicht 2 Minuten nachzudenken, bevor man sich wieder in Populismus stürzt, nach den Schlagworten, „Invasion Europas„, oder „Die Flüchtlinge sind unser Unglück.“

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Bild der italienischen Marine eines kenternden Bootes Quelle: Tagesspiegel Berlin

 

 

Dummheit und Stolz…

…wachsen auf einem Holz

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Plakat zur Gründungs-veranstaltung in Dublin

 

 

Irexit Freedom is a national movement of the Irish people and a political party with the primary objective of re-establishing the national independence and sovereignty of Ireland and restoring its national democracy by leaving the European Union.

Irexit Freedom ist eine nationale Bewegung des irischen Volkes und eine politische Partei mit dem vorrangigen Ziel, die nationale Unabhängigkeit Souveränität Irlands und seine nationale Demokratie durch den Austritt aus der Europäischen Union wiederherzustellen.

Prinzipien der Partei IREXIT Freedom to Propsper

 

Eher unbemerkt vom Rest Europas hat sich hier, im Zuge des Brexit, eine Gruppe etabliert die dafür kämpft, dass Irland aus der EU austreten soll. Am liebsten würden auch sie ein Referendum in diesem Land abhalten denn sie sind der Meinung, dass das Land ohne die EU besser fahren würde, und wünscht sich eine stärkere Anbindung an Groß Britannien, oder sogar den Beitritt zum Commonwealth. Die Gruppe, die sich Irexit Freedom nennt, kann auf starke Unterstützung der „irischen Sache“ aus dem Ausland bauen. So tritt Nigel Farage regelmäßig bei Veranstaltungen auf und UKIP unterstützt Irexit auch finanziell. Ob, wie bei UKIP, auch Putin involviert ist läßt sich schwer sagen. Es gibt zwar bei Irexit Bewunderer des russischen Präsidenten, ob diese Bewunderung auch finanziell belohnt wird, dazu lässt sich im Moment nichts sagen.

Es ist allerdings vorstellbar dass Russland ein Interesse daran hat, Europa zu

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Nigel Farage Irexit Konferenz

destabilisieren. So berichtete der Journalist J.J. Patrick er hätte Informationen darüber das Irland Zielscheibe sei und offensichtlich auch Operationen (Abstimmung zum Artikel 8 der Verfassung) durchgeführt wurden, um die Meinung zu manipulieren. Sinn Féin hätte sich auf die Seite der Katalanen geschlagen, und deren Bestrebungen nach Unabhängigkeit von Spanien unterstützt nachdem beide 2016 an einer Konferenz in Moskau teilgenommen haben. Nun ist es natürlich wilde Spekulation ob, und warum man ein Interesse daran hätte das Irland aus der EU austritt, allerdings, man muss es so sagen, sind Nationalismus und Populismus in Europa massiv auf dem Vormarsch.

Ob AFD, Rassemblement National, UKIP, Renua, Lega Nord, Fidez, oder FPÖ, sie alle eint, dass sie sich ein Europa der Nationen wünschen. Sie glauben, dass die EU eine Diktatur wäre, vergleichbar mit der Sowjetunion. Zentral gesteuert wären die Staaten ohne Souveränität und ausgeliefert dem Wohl und Wehe derer, die in Brüssel die Fäden ziehen. Natürlich kann man die EU kritisieren und muss es auch, dass die Länderparlamente plötzlich keine Entscheidungen mehr treffen dürften ist allerdings absurd, aber wird, wie man am Brexit sehen kann, leider von vielen Europäern geglaubt.

Nun ist die Bewegung mit knapp 1500 Mitgliedern nicht gerade sehr groß und alles in

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Hermann Kelly, einer der Gründer

allem haben diese Organisationen höchstens ein paar tausend Mitglieder, aber man hat manchmal den Eindruck, dass diese Leute die Mehrheit im Land bilden. Hinzu kommt, dass man mit einer Universitätsprofessorin jemanden in ihren Reihen hat, die einen Einfluss nehmen kann, besonders wenn sie erzählt dass die EU die Demokratie in Irland zerstört hätte und man sich diese durch den Austritt aus der EU wiederholen könne. Dolores Cahill, so heißt die Frauenbeauftragte der Partei, lehrt am UCD Translationale Wissenschaften. Sie war, laut EU Server, Mitglied im IMI Scientific Committee. Auf Veranstaltungen erzählt sie gerne wie furchtbar die EU sei, nicht reformierbar und, das sei das schlimmste, man würde dort nationale Interessen schlicht nicht berücksichtigen und hätte auch nicht auf sie gehört.

Nun weiß ich nicht genau was dort passiert ist, dass sie jetzt die nationale Karte zieht und allen Ernstes glaubt, dass es nur voran gehen kann, wenn man die EU verlässt. Allerdings, wenn man ihr länger zuhört, dann ist es Gemisch aus Populismus und völkischen Phrasen. Arbeitslosen sollte man das Social Welfare (Arbeitslosengeld) wegnehmen und überhaupt sollte man auch alle Ausländer entfernen, schließlich nehmen diese nicht nur die Jobs weg, sondern würden auch noch das irische Sozialsystem belasten. Unterstützung erhält sie dabei von Hermann Kelly, einem arbeitslosen Journalisten, Ray Bassett, zuletzt irischer Botschafter in Kanada, der pro life Aktivistin Kate Lawlor, sowie dem Architekten Michael Leahy und das Programm dieser Leute kann man praktisch in drei Worte zusammenfassen, „Irland raus aus der EU.“

Nun ist Irexit Freedom kein neues Phänomen hier, neu ist nur, dass Leute eine politische Partei gegründet haben die genau das vertritt, was beispielsweise Renua im Programm hat. EU-Skeptizismus, nationale Abschottung, autochthone ethnisch homogene Bevölkerung. Auch wenn es nur wenige Unterstützer gibt, so ist doch auffällig, dass sich über die Jahre abfällige und rassistische Kommentare in den sozialen Medien häufen. Als RTÉ über eine Maßnahme des Cork City Council berichtete, die die ausländischen Einwohner der Stadt und des Counties darüber informieren sollte, dass in Cork -insgesamt beträgt ihre Zahl 14%-, sowohl zur Europawahl gehen, als auch über City Council und County Council abstimmen sollten, da gaben sich in den Kommentarspalten die Ewiggestrigen die Klinke in die Hand. Man schrieb davon, dass, sobald, die Ausländer wählen, irgendwann die Sharia in Irland gelten würde. Groteskerweise waren das Leute, die in ihren Profilen zur Unterstützung Palästinas aufriefen, sowie Israel abschaffen wollten, aber Angst davor haben, das 63.443 Muslime, bei einer Bevölkerung von 4,5 Millionen, die Republik in die Knie zwingen. Andere wiederum waren der Meinung, dass die Ausländer in diesem Land nur Gäste seine, und es sich nicht anmaßen dürften hier irgendwelche Rechte einzufordern, so als würde die ausländische Bevölkerung hier in Cork die Gesetze diktieren. Das wir (Ausländer) in diesem Land arbeiten und Steuern zahlen, sowie ein Teil der Community sind (Ich zum Beispiel unterstütze monatlich Barnados, eine Organisation die sich um irische Kinder kümmert, sowie DogsTrust Ireland und bin Mitglied der Rebelarmy Society. Die Friends of the Rebelarmy Society sind die Mitbesitzer des Cork City FC), interessierte diesen Kommentator nicht wirklich. Eine Ex-Kollegin war Voluntier bei Cork Simon, ein paar andere arbeiteten ehrenamtlich für Dogs for Disabled oder Animal Shelters. Viele sind Selbständig und zahlen regelmäßig ihre Steuern. Oder, wie es ein Nigerianer sagte, „ich bin irischer als die Iren,“ wobei es schon ein bisschen seltsam anmutet, wenn man einem Iren eine Geschichtsstunde in Cork History gibt und erklärt, dass Cork mal eine eigene Republik war und man an manchen Häusern noch die Einschusslöcher der Kämpfe findet.

Und genau das ist das Problem von Parteien wie Renua, Christian Solidarity Party, Human Dignity Alliance, oder halt Irexit, Irland kann nur prosperieren solange Multinationale Firmen hier sind die Menschen beschäftigten, die den europäischen Markt abdecken. Gehen diese weg, dann wird Irland über kurz oder lang zusammenbrechen da die Strukturen fehlen, auch wenn die EU mit viel Geld die Wirtschaft in Irland angekurbelt hat. Und noch ein anderer Punkt ist in Bezug von Irexit Freedom von Bedeutung. Irexit Freedom schmückt sich mit Bildern irischer Freiheitskämpfer und blendet dabei völlig aus, dass Iren sich Jahrhunderte gegen die Briten in diesem Land aufgelehnt haben. Der Osteraufstand von 1916, der Anglo-Irish War von 1919-1921, sowie die anschließende Konferenz von London mit dem Kompromiss, dass Irland in einen Nord- und einen Südteil getrennt wird, woraufhin Collins gesagt hat: „I shall not last long; my life is forfeit, but I shall do my best. After I am gone it will be easier for others.” („Ich werde nicht lange überleben, denn mein Leben ist vorbei. Wenn ich weg bin wird es für andere leichter sein.“), sind jedem Iren geläufig, schließlich ist es ein Thema in irischen Schulen. Nun möchten also Leute die Zeit wieder zurück drehen, worauf ein Kommentator schrieb, „diese Leute wollen allen Ernstes, dass die Briten wieder über Irland herrschen und uns ihre Gesetze aufdrängen.“ 

Fadenscheinig, warum man das will, ist die Begründung dass Irland nur ein Prozent im EU-Parlament ausmache, unter den Briten man aber 16% im House of Commons hatte. Nicht nur Irland, sondern auch Länder wie Luxemburg spielen eine eher bescheidene Rolle im EU-Parlament, das zu ändern ist allerdings Sache der EU und durch einen Austritt wird man wohl kaum Reformen herbeiführen, aber das wollen Leute wie Frau Cahill, oder Herr Kelly auch nicht und sie begreifen auch nicht dass ein Irexit das Ende des irischen Nationalismus bedeuten würde, wie Fintan O’Toole in einem Kommentar in der Irish Times schrieb: Brexit is an authentic English nationalist revolution, even if it depends on a ludicrous notion of the EU as England’s imperial oppressor. Irexit would not be an Irish nationalist revolution. On the contrary, it would be the end of Irish nationalism. The logic of Irexit would be for Ireland to rejoin the UK – and that’s why it hasn’t a hope.“ („Der Brexit ist eine authentische englisch nationalistische Revolution, auch wenn sie von einer lächerlichen Vorstellung von der EU als imperialem Unterdrücker Englands ausgeht. Irexit wäre keine irische nationalistische Revolution. Im Gegenteil, es wäre das Ende des irischen Nationalismus. Die Logik von Irexit wäre, dass sich Irland wieder dem Vereinigten Königreich anschließen würde – und deshalb hat es keine Hoffnung.“)

Nationalismus und Euroskeptizismus gibt es leider auch hier in Irland, auch wenn die Zustimmung der Iren, was die EU betrifft, eine der höchsten ist. Was allerdings Sorge macht, dass sind nicht nur Leute wie Kelly und Cahill, sondern auch die Kommentare in irischen Medien. Zum Glück gibt es, was Irexit betrifft, auch jemanden der diese Leute auf’s Korn nimmt.  Solange es Seiten wie diese gibt, die z.B. die strammen irischen Nationalisten in einem verschlafenen Einfamilienhaus in Southport ausfindig machen ist es mir nicht bange.