Alba gu bràth

1995 ritt ein, wie ein verunglückter Schlumpf bemalter, Mel Gibson die Front der Schottischen Krieger ab und rief am Schluss seinen Kriegern den Slogan „Alba gu bràth“ (Scotland forever) zu.

Dem schottische Freiheitskämpfer William Wallace gelang es, mit den schottischen Clans an seiner Seite, und seinem Anführer Andrew de Moray, 1297 die Engländer in der Schlacht von Stirling Bridge zu schlagen. Der Sieg war der letzte für die Schotten und Wallace. Nach der Schlacht von Falkirk flüchtete er der Überlieferung nach nach Frankreich. 1303 kehrte er nach Schottland zurück und plante einen neuerlichen Feldzug gegen König Edward I. Longshanks.

Daraus wurde nichts mehr, denn 1305 wurde William durch Verrat aus den eigenen Reihen gefangen genommen – Es war Sir John de Menteith, der Burgherr von Dumbarton Castle, der Wallace gegen eine hohe Belohnung verriet. Der Rest ist bekannt. Am 23. August des Jahres 1305 wurde Wallace in London hingerichtet, sein Kopf auf einem Spieß auf der alten London Bridge zur Schau gestellt, und der Rest im Königreich verteilt.

Leider gibt wenig zeitgenössische Berichte denn der erst Bericht, das Gedicht „The Wallace“ von Blind Harry erschien erst 1477, zu einer Zeit also, da war Wallace über 100 Jahre tot. Heute ist Braveheart schottischer Nationalheld und jeder Schotte saugt das Gedicht über ihn mit der Muttermilch auf. Patrioten pilgern zum Caledonian Temple of Fame, während Touristen das Wallace Monument, welches ihm zu Ehren 1869 bei Stirling errichtet wurde.

Nun hatten die Schotten einen König, wie davor auch, aber die schottischen Könige beliebten die Vasallen der englischen Krone zu sein. John de Balliol war bis zu seiner Absetzung, 1296, nur auf dem Thron dank Edward I. und es dauerte noch eine Zeit, bis Robert, genannt the Bruce, die Bühne betrat.

Robert wurde 1306 König von Schottland, und regierte das Land bis zu seinem Tod im Jahre 1329. Robert machte ein Ende und führte Schottland in der Unabhängigkeit, als er in der Schlacht von Bannockburn, die am 23. und 24. Juni 1314 stattfand, eine Übermacht der Engländer vernichtend schlug. Bevor er das Tat, mußte Robert in internen Schlachten seine Rivalen besiegen.

Die schottische und die irische Geschichte ist sehr miteinander verwoben, auch viele Gemeinsamkeiten bestehen zwischen beiden Volksgruppen. Handel zwischen Iren und Schotten besteht wahrscheinlich seit Iren und Schotten auf die Inseln kamen.
Robert tauchte in Irland unter, sein Bruder Edward wollte den schottischen Anspruch auf den irischen Thron durchsetzen und ließ sich, mit Hilfe der Clans aus Ulster entweder 1315 oder 1316 auf dem Tara Hill – dem Sitz der irischen Hochkönige – zum Hochkönig über Irland gekrönt.

Die Schotten versuchten Irland von den Engländern zu befreien, stellten ihr Bemühen aber 1317 ein, da auch eine Hungersnot ihren Feldzug verzögerte. Danach kämpften Beide unter englischer Herrschaft entweder gegeneinander, wie in Westschottland, als sich die Engländer der Iren bedienten, oder in Irland, wenn dort wieder eine Rebellion stattfand. Schottische und englische Protestanten wurden in Ulster angesiedelt, um die Iren besser unter Kontrolle zu bringen.

Jedes Jahr sieht man das in Nordirland, wenn der Oranier-Orden zum Gedenken an die Schlacht von 1690, als Wilhelm III von Oranien seinen Widersacher Jakob II in der Schlacht am Boyne schlug. Auch wenn es sich bei den Heeren um Protestanten auf der Einen, und Katholiken auf der anderen Seite handelte, so ist der Nordirlandkonflikt kein Religionskonflikt.

Das Gaelic Revival in Irland war eine Bewegung von Nationalisten, denen es um die Gälische Sprache und Kultur ging. Sportarten wie Hurling wurden organisiert und unter der GAA bis zum heutigen Tage ausgetragen, zusammen mit Irisch Football. Auch in Schottland und Wales begann das besinnen auf die eigene Kultur, so wurde 1869 bei Stirling das Willam Wallace Monument errichtet, mit seinem angeblichen Schwert in der Vitrine – es heißt dass Wallace 2 Meter groß war, also sein Schwert hätte von Gibson kaum gehalten werden können.

Irland wurde unabhängig und Schottland blieb Teil des Königreiches bis zu heutigen Tag. Ian Blackford, der Parlamentsführer der schottischen SNP im Unterhaus, beschwerte sich nach dem Brexit mehrfach, das der Willen des schottischen Volkes nie berücksichtigt wurde, und besonders nicht nach der Brexit Abstimmung als die Mehrheit der Schotten für den Verbleib in der EU gestimmt hat.

Nicola Sturgeon, die Staatsministerin Schottlands, hat mehrfach erklärt, dass, sollte der Brexit nicht den Willen des schottischen Volkes berücksichtigen, man sich aus dem Vereinigten Königreich verabschieden wird.

Und hier zeigt sich die englische Arroganz. Boris Johnson lehnte die Forderung auf Unabhängigkeit ab und wies auf das Referendum von 2014 hin. Damals brachte die SNP das Referendum auf den Weg und die Schotten hatten die Möglichkeit über ihr Schicksal abzustimmen. Es gab eine große Wahlbeteiligung die aber mit 55% Ja Stimmen und 44% Nein Stimmen an die Remainers ging. Nun hat Johnson vergessen, dass die Schotten sich damals für die EU entschieden, hätte das Brexit Referendum 2014 stattgefunden bin ich überzeugt, die Mehrheit hätte für die Unabhängigkeit gestimmt. Johnson hat auch vergessen, dass von Westminster starker Druck ausgeübt wurde, denn man wollte eine Schottische EU-Mitgliedschaft verhindern.

Nun werden die Schotten von Westminster öfters wie Dorftrottel behandelt. Schottische Interessen werden übergangen, oder, wie in Nordengland, hängen dort Plakate der Aufschrift „Achtung vor den Schotten, sie stehlen Dir Dein Portemonnaie!“
Das ganze illustriert mit einer Hand die in die Hosentasche greift. Man macht sich lustig über das Land, oder antwortet die Schotten wären weder in der EU noch Teil von Großbritannien. Der Guardian hatte eine Serie „Anywhere but Westminster“ in der man aus der Provinz berichtete, und dieses Statement herauskam.

Mit großer Mehrheit haben die Schotten für den Verbleib gestimmt, und wenn viele meinen man bräuchte kein zweites Rumänien, weil man die Schotten auf EU Kosten durchfüttern müßte wäre es angebracht sich das BIP Schottlands anzuschauen. Europa ist der größte Handelspartner was zur Folge hat, dass schottische Fischer im Hafen festliegen weil durch den Brexit so ein Chaos entstanden ist, dass man den Fisch, nicht wie früher, ohne Probleme nach Paris transportieren kann.

Johnson hat diese Woche, wie üblich, Ian Blackford vollkommen ignoriert, als dieser über die Probleme der Fischindustrie sprach, und hat ihn dermaßen abfällig behandelt und vorgeschlagen, wenn es ihnen nicht passt, dann sollen sie doch gehen und hat ihnen die Schuld gegeben. Er ist dann zwar halbherzig zurückgerudert, wahrscheinlich weil ihm eingefallen ist das Schottland die Öl- und Gasproduktion überwacht, sowie die Atom U-Boote in Scapa Flow beheimatet.

Seit 1971 findet jedes Jahr das Interceltique Festival in der Bretagne statt, auf dem Gruppen aus verschiedenen keltischen Regionen auftreten. Es wäre für Irland und Schottland eine Möglichkeit innerhalb der EU eine gemeinsame Interessengruppe zu gründen, ich denke das wäre in beider Interesse.

Was die Weigerung Westminsters betrifft – Ich finde es schon sehr erstaunlich dass man sich auf eine knappe Abstimmung beruft, die noch nicht mal bindend war, aber den Willen der anderen völlig ignoriert. Johnson und die Anderen vergessen, dass Großbritannien kein Kolonialreich mehr ist und man die Wünsche nicht komplett ignorieren kann.
Wir leben nicht mehr im 11. Jahrhundert, als man mit Gewalt die englischen Nachbarn unterjochte und mit der Personalunion von 1603, als der Sohn Mary Stuarts Jakob I. auch den englischen Thron übernahm,sollte man sich schon überlegen, was in der Zeit alles passiert ist. Der Hinweis auf die seit dem 1. Mai 1707 bestehenden Realunion, oder das erste Referendum wirkt da eher wie ein verzweifeltes Festhalten an der Einheit des Königreiches, gegen den Willen der Schotten, die Einheit, die den englischen Brexiteers am Allerwertesten vorbeigeht, wollen sie die Nation doch in die Zukunft führen, da hat ein Monarch eigentlich ausgedient.

Ein Handwerkerleben

Die Installation in dem Haus, in dem ich vorher wohnte. Man beachte die künstlerische Anordnung die selbst den Installateur vor Probleme stellte.

In Irland, wahrscheinlich auch in Deutschland, ist es immer schwer einen Termin mit einem Handwerker zu bekommen. Vor allem wenn es ein guter Handwerker sein soll.
Wir sind in der Situation, dass unser Landlord, wenn wir Probleme im Haus haben, alle möglichen „Experten“ für jede Situation hat. Einer davon ist ein „Hans Dampf in allen Gassen,“ also zumindest für unseren Landlord.

James war das erste Mal 2015 bei uns. Es war Kalt und der Boiler funktionierte nicht mehr, so dass wir keine Heizung hatten. Da unser Landlord ein sparsamer -manche würden ihn geizig nennen- Mensch ist, versucht er notwendige Arbeiten entweder zu vermeiden, „cost me a fortune,“ oder er präsentiert, wie in dem Fall, James. Auf unseren Einwand dass es vielleicht doch besser sei, einen lizensierten Installateur zu nehmen, schließlich laufen regelmäßig Spots im irischen Fernsehen ausschließlich zertifizierte Leute zu rufen, besonders wenn es um Gas geht, reagierte er mit einer wegwischenden Handbewegung und erklärte dass dieser Mann, James, der beste Installateur ist, den irische Hochschulen wahrscheinlich in den letzten 150 Jahren hervorgebracht haben.

„Dieser Mann,“ er machte eine Pause und schaute uns beiden mit ernstem Blick in die Augen, „hat wahrscheinlich in Irland mehr Boiler und Regler installiert als Haushalte gibt und….die City Councils vertrauen ihm.“ Trotzdem war und nicht ganz wohl und zaghaft fragten wir, schließlich hatten wir das gelernt, nach einer Lizenz und erklärten, dass es leider viele schwarze Schafe geben würde.

„Ach was,“ kam die Antwort, wir könnten James doch im Internet finden, schließlich hat er bei einem der besten Handwerksbetriebe im County gearbeitet, aber jetzt halt nicht mehr, sondern wäre sowas wie ein Freischaffender Künstler, „weil er viel zu gut ist.“

Also gaben wir uns geschlagen und James betrat unser Leben. Grundsätzlich trägt er einen roten Overall, so als wäre dass das Zeichen von Qualität, quasi Freimaurer. Da ich mich noch an die Konstruktion in meiner vorigen Unterkunft erinnern konnte, die auch von dem Genie war, hatte ich doch ein mulmiges Gefühl. James murmelte etwas, was man als alles mögliche interpretieren konnte, während Derry, unser Landlord, uns Augenzwinkernd zu verstehen gab dass jetzt alles gut werden würde, James führte uns durch die Wüste wie einst Moses, mit dem Unterschied dass es bei uns wieder warm werden würde, „Ihr werdet sehen, der Radiator den ich Euch gebracht habe, war nicht umsonst.“

James tat, was wir auch versucht haben, um unseren Boiler Floyd wiederzubeleben, da das nicht funktionierte griff er tief in die Trickkiste und erklärte er würde ein Bauteil benötigen, denn das hier sei kaputt und er hätte keins auf Lager. Man sah wie bei Derry sämtliche Farbe aus dem Gesicht wich, und wahrscheinlich rechnete er in Gedanken den Nutzen und die Aufwendungen durch, als er das Haus gekauft hat. Vorsichtig fragte er wie teuer das werden würde, woraufhin James erklärte dass er dies noch nicht beantworten kann. „Teurer als 100quid? Weiß ich nicht Derry, kann ich noch nicht sagen, aber ich vermute mal nicht mehr als 300.“ Derrys Gesicht wechselte nun zu einem außerordentlich gelungenem Violett und man stellte sich zwangsläufig die Frage: „Wie zum Henker macht er das?“

Er baute wieder alles provisorisch zusammen und beide, James sehr beschwingt und Derry als wäre er auf dem gang zu einer besonders schweren Beichte, verschwanden.
Es dauerte noch einige Zeit bis James das benötigte Bauteil hatte. Während wir gerade dabei waren uns zu überlegen, was man alles im Kamin verbrennen kann -wir hatten manchmal das Gefühl das unsere Nachbarn nicht nur alte Autoreifen, sondern auch die Großmutter als Heizmaterial verwenden-, als James, wie Ritter Lancelot aus dem Nichts auftauchte und uns von der Kälte erlöste. Nachdem alles wieder funktionierte, lagen wir Drei uns in den Armen und weinten hemmungslos. So müssen sich die ersten Menschen gefühlt haben als sie endlich Feuer in der Höhle und den Mammutbraten Medium braten konnten.

Das Hochgefühl hielt aber nicht lange an, denn schon am nächsten Tag war das Wunder von Cork vorbei, Floyd kalt, und die Flamme des Lichts aus. Also riefen wir Derry an, dieser wiederum rief James an und beide standen vor dem Startgerät das dafür zuständig ist, dass warmes Wasser produziert wird. James wog seinen Kopf, während Derry wohl schon Mordgedanken hatte, als James plötzlich über beide Backen strahlte und das Problem erkannte. Da der Startknopf zwei Kabel hatte die einen Zündfunken für das Gas produzierten sah man, dass ein Kabel abgerutscht war.
Also schob er das Kabel wieder auf die Verbindung und befestigte es stärker damit das nicht noch mal vorkam. James‘ Konstruktion funktioniert übrigens Heute noch.

Nun sind wir vorbildliche Mieter, wir fügen uns dem Diktat der Vereinigung irischer Landlords, das wahrscheinlich erstellt wurde, als viele Iren noch in Leibeigenschaft waren. Die Zeiten haben sich zwar gewandelt und wir Mieter müssen auch nicht mehr auf dem Feld schuften, aber leider gibt es immer noch Vermieter die in dieser Zeit stehen geblieben sind, und viele Leute sind angewiesen auf Wohnraum der selbst verschimmelt noch zu horrenden Preisen vermietet wird. Da viele unserer Abgeordneten selber Landlords sind, werden Gesetze sehr vorsichtig erlassen.
Also klagen wir nur in Ausnahmefällen und haben die, sagen wir „geschmackvolle,“ Einrichtung, die wahrscheinlich noch aus der Zeit des Anglo-Irish War stammen, schätzen und lieben gelernt. Diesmal über unsere Dusche.

Elektrische Duschen gehören zu irischen und britischen Badezimmern wie der Boiler. Als ich auf die Insel kam, da hatte ich das Gefühl Irland wäre immer noch ein Anhängsel Großbritanniens. Mittlerweile bin zu fast 100% überzeugt. Vielleicht gab es hier schon elektrische Duschen während der Zeit von Queen Victoria und als die Besatzung endete dachten unsere Gründerväter wahrscheinlich, dass es einfacher ist alles so beizubehalten. Auf jeden Fall hatten wir plötzlich Probleme beim Duschen. Das Wasser war mehr kalt als warm und tröpfelte von Zeit zu Zeit. Kurz, ich hatte das Gefühl als wäre ich wieder auf Camping Patrizia in Bolsena und es wären die Siebziger und Achtziger Jahre. Offensichtlich hatte der City Council Arbeiten an der Wasserversorgung der Stadt durchgeführt was kein Problem wäre, wenn Cork nicht von Hügeln umgegeben wäre. Da wir auf einem der Hügel wohnen hatten wir auf einmal einen niedrigeren Wasserdruck.

Wir riefen Derry an und klagten unser Leid. Da Derry es nicht so mit Hygiene hat, beispielsweise seit ich ihn kenne trägt er immer das gleiche Hemd und die gleiche Hose -vielleicht hat er aber aus praktischen Gründen den ganzen Schrank mit den gleichen Sachen voll, war es nicht ganz einfach ihn von der Notwendigkeit zu überzeugen, dass es nach 100 Jahren doch an der Zeit wäre, mal an eine neue Dusche zu denken. Derry kam also vorbei, checkte die Dusche, kratzte sich am Hinterkopf und meinte James würde sich das anschauen. Wahrscheinlich schaut James sich auch die Schleusenwerke im River Lee an, die das Wasser regulieren wenn die Flut vom Meer den Lee nach Cork reinpresst. -Man muss wissen, dass Cork auf einem trockengelegten Sumpf erbaut wurde (Corkaigh = Marschland) und der ehemalige Hafen der Stadt, der immer nicht genutzt wird, wenn auch nicht mehr so intensiv, sich praktisch bis zur Grand Parade erstreckte.-

James kam also, fummelte etwas an der Dusche rum, rief Derry an, und man konnte förmlich sehen wie sich die Farbe am anderen Ende veränderte, James‘ Telefon fing nämlich an zu leuchten. Ein paar Tage später war James wieder da und hatte einen Karton in der Hand auf dem stand, „Triton, Electric Shower, Made in England.“ Etwas unbeholfen bemühte sich James die Dusche einzubauen und konnte noch schnell aus der Badewanne springen weil er einen Test durchführen wollte, während er noch in der Wanne stand. Dann blickte er sein Werk an, klopfte sich in Gedanken selbst auf die Schulter und meinte es sei jetzt alles in Ordnung. Wieder lagen wir uns in den Armen, weinten Hemmungslos und wie weiland Wilhelm Tell erneuerten wir den Rütlischwur.

Während James aus dem Haus trat und zu seinem Auto schwebte hätte ich schwören können, dass über Knocknaheeny ein Regenbogen erschien und ein Engelschor das Lied „Auld Lang Syne“ intonierte. Wir freuten uns wie kleine Kinder und während der Dusche fühlte ich mich wie Gerhard Rolffs nach seinem Ritt durch die Wüste. Das Pionierblut meiner Vorfahren strömte förmlich durch meinen Körper, so müssen sie sich gefühlt haben als sie Tirol verließen und in Preußen ankamen. Nun war die Dusche zwar weder der preußische König, noch ein Scheich, denn die Freude währte nur kurz und nach wenigen Wochen hatten wir wieder das gleiche Problem. Jetzt war es so, dass das Wasser kochend heiß wurde, und, sobald die Temperatur annehmbar war, eiskalt wurde, sobald man mit einem Kopfsprung unter die Dusche hechtete.

Wir riefen Derry an, Derry rief James an, und James kam. Etwas ratlos stieg er in die Wanne, blickte auf die Dusche, nahm die Abdeckung ab, prüfte etwas und plötzlich standen ihm die Haare zu Berge, denn er hatte vergessen den Stromkreis der Dusche zu unterbrechen. Er baute alles mit seinen schmierigen Händen zusammen, wobei der Regler auf kalt stand, obwohl das Wasser warm wurde und hinterließ eine Fußspur die bis auf den Gehweg führte. Guter Rat war teuer, sollten wir, solange wir hier wohnten, ständig die Heizung laufen lassen, damit wir warmes Wasser für die Badewanne hatten? Aber nein, ein paar Tage später kamen beide, schauten sich die Situation vor Ort an und überlegten, wie sie das Problem lösen könnten. Derry, ganz pragmatisch, schlug vor den City Council anzurufen und um mehr Wasserdruck zu bitten, schließlich waren wir nicht die Einzigen die mit dem Wasserdruck kämpften, aber im Gegensatz zu unseren Nachbarn, die Eigentümer sind und das Problem durch spezielle Duschen gelöst hatten, waren wir Mieter.

Man beachte die geniale Konstruktion unter der Dusche. Man sieht es zwar nicht, aber James nahm eine Stichsäge und sägte beherzt ein Loch in die Rückwand, um das Rohr vom Tank mit dem Rohr der Dusche zu befestigen..glaube ich.

Wieder vergingen die Tage als plötzlich mein Telefon klingelte und es gleichzeitig klopfte. Derry hat die Angewohnheit sich nicht in angemessener Zeit zu melden, sondern steht völlig unvermittelt vor der Tür, oder klingelt, anstandshalber, Sekunden vorher durch. Beide stürmten an uns vorbei in‘s Bad und schauten sich die Dusche an, Derry draußen, James in der Badewanne stehend. Dann fragte Derry nach einer Leiter, während James den Zugang zum Dachboden öffnete. Er stellte sich die Leiter hin und krabbelte durch die Luke auf den Dachboden und ich dachte, ‚Gottseidank jagt Derry mich nicht, wie sonst üblich, da rauf.‘ Nach ein paar Minuten tauchte James wieder auf und erklärte seinen Plan. Ich habe mittlerweile gelernt, dass es einige Leute hier in Irland gibt, die mit der Sprache sehr sparsam umgehen, praktisch sorgsam. Also erklärte James in wenigen Worten was er vorhatte und meine Frau und ich hatten Fragezeichen im Gesicht.

Derry räusperte sich und übersetzte James Ausführungen in‘s englische. Man hatte vor, eine Leitung vom Dachbodentank zur Dusche zu legen. „James bohrt ein Loch in den Tank und setzt die Leitung oben, oder unten an, dann legt er sie bis dort…und dann hier, bis dahin.“ Er zeigte dabei auf bestimmte Punkte so dass wir uns vorstellen konnten was er vorhatte. Man wollte als an der Wand vom Bad die Leitung legen, diese an der Wand befestigen und mit dem Anschluss der Dusche verbinden. Da wir eh nichts sagen konnten, nickten wir zustimmend.

Es gibt Handwerker die nutzen Plastikplane und es gibt James. Wenigstens lief alles glatt, da James einen Faible für das weibliche Geschlecht hat.

Die Planungsarbeiten liefen auf Hochtouren, allerdings, wie es bei Handwerkern so ist, entwickeln sich Geduldsspiele und man bekommt eine Idee, wie Samuel Becket auf den Buchtitel kam. So kam Derry vorbei um die benötigten Materialen abzulegen und da ich schon beim ersten Mal, Jahre vorher, erklärt habe dass der Tank fast durchgerostet ist, kletterte auf die Leiter und leuchtete mit der Taschenlampe auf den Tank. Er schaute etwas ratlos und fragte mich, wo genau der Tank fast durchgerostet sei. Leider habe ich keinen Spitzencomputer im Kopf und nach einem Schlaganfall vergesse ich solche Dinge nach ein paar Monaten, oder wie in diesem Fall ein paar Jahren. Wahrscheinlich klingelten Derrys Alarmglocken, also ignorierte er meine Antwort dass ich das nicht mehr wüßte. Er erklärte dann dass er versuchen würde James zu erreichen, vielleicht käme er aber auch in Derrys Stammpub und würde sagen wann er Zeit hat.

So gingen die Tage in‘s Land als Derry einen Freitag anrief und sagte, man würde entweder am Montag, oder am Mittwoch kommen, vielleicht auch Donnerstag, „wir kommen aber bestimmt noch in diesem Jahr, keine Sorge,“ sie kamen dann zwei Wochen später an einem Freitag. Nach dem üblichen Prozedere, anrufen und klopfen, stürmten beide die Treppe hoch und begannen mit den Vorbereitungen. Man schickte uns durch Haus um verschiedene Dinge zu besorgen, so dass ich mich fragte ob das eigentlich üblich für irische Handwerker ist, sich die Materialien bei ihren Auftraggebern zusammenzusuchen. „Verlängerungskabel, Taschenlampe, ich brauch die Taschenlampe…nein nicht die, da sieht man nichts…habt Ihr denn keine Andere?“
Nachdem alle Sachen besorgt wurden stellte James fest, dass es immer eine gute Idee ist Wasser abzusperren. Klempnerregel Nummer eins, um zu verhindern von einer Welle aus dem Haus gespült zu werden, sollte man Wasser abdrehen.

Nach dem wir kein Wasser mehr hatten, ignorierte er Regel Nummer zwei. Er kontrollierte nicht den Stromkreislauf und prompt stieg leichte Rauch von seinem Haupt auf und er leuchtete wie die Weihnachtsbeleuchtung in der Vorweihnachtszeit. Er wischte sich die Farbe aus dem Gesicht und richtete seine Haare da sie in alle Richtungen abstanden, dann ging er noch einmal nach unten und stellte den Strom komplett ab. Da, wie schon geschrieben, es Leute gibt die Sprache sehr sparsam einsetzen, stellten wir durch Zufall fest dass der Strom weg war. Na ja, was stören schon Kleinigkeiten, wenn es gilt die Welt zu erobern.

Frohgemut machte James sich an‘s Werk und kletterte, wie Luis Trenker, beschwingt auf den Dachboden. Dort bohrte er sein Loch in den Tank und rief dann nach Derry. „Schnell einen Eimer! Eimer! Eimer! Eimer!“ Derry sauste die Treppe hinab und meine Frau sagte oben wären Eimer. „Wo? Wo? Wo?“ Fragte Derry heftig und hatte sich schon auf dem Absatz umgedreht und sprintete wieder nach oben. Meine Frau rief ihm hinterher dass sie den Eimer bringt, und beide fragten wir uns wann Wasser vom Dachboden in die Küche läuft. Fünf Minuten stand Derry mit wehenden Haaren in der Küche, was insofern erstaunlich ist da er nur über einen Haarkranz verfügt.

„Bucket, Bucket, Bucket,“ rief er. Wir zeigten gerade nach oben als Derry sagte, „not bucket, not bucket, not bucket. Waterbottle, Waterbottle, Waterbottle.“ Meine Frau holte eine Flasche Mineralwasser unter dem Küchencounter hervor, aber Derry sprang mit einem Satz nach draußen, leerte den Inhalt der Recycling Tonne aus und fand eine leere Plastikflasche. Zur Freude meiner Frau legte er diese auf das Abtropftuch und bat um ein Messer, „nein mit Sägeklinge.“ Wieder spurtete er hoch und Ruhe kehrte ein.

Unterbrochen wurden die Arbeiten nur von weiteren Kommandos denn, ich hatte es ja angesprochen, der Tank war tatsächlich verrostet. Rostwasser befand sich auf dem Teppich, in der Wanne und im Eimer, den man uns in die Hand gab, um ihn auszuleeren. Man beriet sich kurz und Derry sauste aus dem Haus. Ich weiß nicht ob er das Auto benutzte, oder den ganzen Weg bis zum Baumarkt rannte, auf jeden Fall kam er nach kurzer Zeit mit einer Plastikwanne für den Tank an, und sah dabei aus wie eine Riesengroße Schildkröte.

Wir drehten sämtliche Hähne im Haus auf, um das Wasser aus dem Tank abzulassen, was sich bei etwa 60 Gallonen Wasser nicht leicht bewerkstelligen läßt. James derweil sauste wie ein Wiesel zwischen Bad und Dachboden hin- und her, und zeitweise überholte er sich selbst, oder grüßte seinen Doppelgänger. Dann war es geschafft. Müde, abgekämpft und um Jahrzehnte gealtert, kamen die Beiden die Treppe runter. Wahrscheinlich fühlten sie sich, als hätten sie Derrys Kuh beim Kalben geholfen.

Einander stützend verabschiedeten sie sich und verließen das Haus, was naturgemäß etwas länger dauern kann weil Iren das Abschiednehmen zelebrieren. Nicht einfach Tschüss wie in Deutschland, Baba in Österreich, oder Salü oder Schweiz. „Bye, bye bye, bye bye, bye, take care and all the best,“ da kann es schon mal dunkel werden.

Meine Frau war die Erste, die die Arbeiten begutachten wollte und fiel in Ohnmacht. Es sah aus, als wäre oben eine Bombe explodiert. Die Wanne war mit schwarzen öligen Flecken bedeckt, die neue Dusche, die eingebaut wurde, hatte die Farbe gewechselt und war jetzt in Camouflage, der Teppich im Gang mit Rostflecken, beziehungsweise Rostwasser bedeckt, aber der Druck auf den Startknopf entschädigte uns für manches, auch wenn die Aufräumarbeiten bis Dezember dauern, Hauptsache wir haben eine vernünftige Dusche und müssen nicht mehr zwischen Eis auf der Haut und Verbrennungen zweiten Grades wählen.

Nachtrag: Das ganze ist sehr überspitzt dargestellt. Derry und ich kennen uns seit über 10 Jahren und seine Familie wurde im Laufe der Zeit auch meine Familie. Viele Sachen verstehe ich an Derry nicht, damit meine ich nicht nur den Akzent den wahrscheinlich auch Iren nicht immer verstehen, sondern seine extreme Sparsam- und Anspruchslosigkeit. Ich nehme an, das hat damit zu tun das Derry im County geboren und aufgewachsen ist. Seine Eltern besaßen eine Farm die von Derry übernommen wurde, da seine Geschwister kein Interesse daran besaßen. Derry hat dann mit seiner Frau nach und nach B&B‘s gekauft und gleichzeitig seine Farm bewirtschaftet. Derry ist das Beispiel für die Iren die ihr Leben lang gearbeitet haben. Natürlich gibt es bei uns Reiche und Neureiche, nicht umsonst liegt Irland auf Platz Zehn bei den Milliardären, aber die überwiegende Mehrheit, die es zu einem bisschen Vermögen gebracht haben, schafften dies durch Arbeit und, wie in Derrys Fall, einer gewissen Bauernschläue. Ich mag Derry, auch wenn einen manchmal in den Wahnsinn treiben kann mit seiner Sparsamkeit und nicht sehen will, oder kann, dass Investitionen auch für die Zukunft sind und nicht für den schnellen Profit. Das scheint, wie mir ein Barbesitzer, den ich in meinem Stammpub kennen gelernt habe, in Irland üblich zu sein. Land und Immobilien werden von Iren als Kapitalanlage bevorzugt. Im Falle der Immobilien verstehen sie nicht warum sie die pflegen sollen, denn die Mieter zahlen ja trotzdem und die von der Regierung erlassenen Gesetze werden in den meisten Fällen nicht eingehalten.

Geld macht nicht glücklich

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Seit 2016 tobte der Streit zwischen der EU, Apple, und Irland. Am Ende wurde der Klage Apples statt gegeben und vorerst muss das Treuhandkonto, welches von der irischen Regierung verwaltet wird, nicht an Irland, beziehungsweise die EU, ausgezahlt werden. Damit könnte das Gezerre um die Milliarden vorbei sein, allerdings scheinen viele Leute, nicht nur in Deutschland, zu begreifen warum dieses Geld weder den Iren, noch den Deutschen in Gesamtheit gehört und es zeigt sich einmal mehr, dass es immer noch Schwierigkeiten bereitet sich erst zu informieren und dann zu kommentieren.

Die EU-Kommission um Margarethe Verstager verurteilte Apple zu einer Steuerrückzahlung von 16 Mrd. Euro, weil sie der Meinung waren, dass die irische Regierung der Firma Apple Steuervergünstigungen eingeräumt habe, die nach Meinung der Kommission illegal gewesen seien. Während Apple und die irische Regierung damit argumentierten das es weder eine Steuerabsprache gegeben hat, noch dass es irgendwelche Vergünstigungen gab, beharrte die EU auf eine Steuernachzahlung in Höhe von mehr als 13 Mrd. Euro für die Zeit von 1991 bis 2007. Dagegen hatte die Firma Apple geklagt und man einigte sich darauf das die irische Regierung dieses Geld erhalten, und verwalten sollte bis die Gerichte ein Urteil fällen.

Das Geld ging auf ein Treuhandkonto und lag da, denn Irland erhob keinen Anspruch darauf. Schon damals war das Geschrei groß und Sigmar Gabriel, damals Wirtschaftsminister, bezeichnete Konzerne wie Apple als Asozial, was mittlerweile wie ein Hohn klingen mag, wenn ein Sozialdemokrat der Meinung ist 10.000€ im Monate seien ein angemessenes Gehalt für ihn, aber egal. Danach wurde es wieder ruhig bis zu den irischen Parlamentswahlen im Februar. Für die linken Parteien, wie Sinn Féin und People before Profit, war Apple ein Wahlkampfthema und man hatte unter anderem den Slogan, das Apple jedem Iren Geld schulde, und diese 13 Mrd. den Iren gehört. Der Hinweis, das das Geld ersteinmal niemanden gehört, verhallte in der Echokammer. Das Geld, so die vorherrschende Meinung, solle sofort ausbezahlt werden.

Das wäre zwar Diebstahl, aber ein Diebstahl der zu tolerieren ist, denn schließlich geht es um Volkseigentum. Das sind im übrigen die, die nach mehr Garda und härteren Strafen wegen Diebstahl nachsuchen, obwohl, nach ihrer Logik, der Dieb ja nur das nimmt was ihm zusteht. Auf jeden Fall wurde die Summe dann wieder während des Lockdowns thematisiert. Mary McDonald, die Vorsitzende, von Sinn Féin, und bei den Wahlen zum Dáil stärkste Kraft, forderte unseren Taoiseach Leo Varadkar dazu auf, endlich das Konto zu leeren, und in die Krankenversorgung zu investieren. Nun ist es zwar so, dass, wie schon erwähnt, das Geld niemandem gehört, und Sinn Féin die Entscheidung zum Treuhandkonto mitgetragen hat, aber was zählt der gestrige Gedanke. Ein weiterer Punkt, den sie nicht berücksichtigt hat, wäre die Entscheidung zu Gunsten der EU ausgefallen, dann wäre das Geld nicht irisches Eigentum.

Eine Entscheidung war, das Irland das Geld nach einem Verteilungsschlüssel auf die EU-Mitgliedsländer verteilen muss. Wieviel da für Irland übrig geblieben wäre, das weiß keiner, denn man hatte sich darüber noch keine Gedanken gemacht.

Der Kampf, nicht um Rom

Nach der gestrigen Entscheidung musste ich mir erstmal die Augen reiben, ob der vielen Kommentare. Leider kommentieren viele Leute ohne sich mit den Hintergründen beschäftigt zu haben, oder wie ein Zitat, das Karl Kraus zugeschrieben wird, sagt; „Es genügt nicht keine Idee/Meinung zu haben, man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken.“ Und so wurden die wildesten Anschuldigungen und Vorschläge gemacht, wie man an das Geld kommen kann. Auf der Süddeutschen Zeitung tobte sich der Bildungsbürger aus und man übertraf sich förmlich, wie man das handhaben solle. Der User Kayef wünschte sich, das man die irische Regierung in Sippenhaft nehmen müsse, sollte es nicht möglich sein das Geld von Apple zu bekommen. Man möchte dem guten Kommentator zurufen, dass er seine Schnappatmung in Griff haben sollte und ergänzen, dass die Sippenhaftung in Deutschland 1945 abgeschafft wurde, war sie doch ein bevorzugtes Instrument der Nationalsozialisten, Regimegegner und ihre Familien auszumerzen.

Ein anderer User schrieb: „Wer auf die EU setzt, selbst aber mit Steuertricks seine Partner bescheißt -hallo Irland und Luxemburg-, zeigt was er von der EU hält.“ Ja ja, die perfiden Iren und Luxemburger. Dumm nur, dass weder die irische, noch die luxemburgische Regierung mit Steuertricks bescheißen. Ein Blick in der Unternehmenssteuersätze der Mitgliedsländer zeigt, dass die Sätze in der EU völlig unterschiedlich sind, nicht umsonst haben sich viele Firmen in der Slovakei, oder Ungarn angesiedelt -unter anderem auch Bosch und Audi, aber das sind ja deutsche Firmen-, die Niederlande sind mittlerweile zu einer Steueroase geworden. Jetzt Irland, oder Luxemburg an den Pranger zu stellen zeigt, dass man die Europäische Union offensichtlich nicht verstanden hat.

Natürlich wäre es wünschenswert wenn die Steuersätze in allen EU Ländern gleich wären, man konnte sich aber nicht mal auf eine einheitliche Mehrwertsteuer festlegen. Und man muss auch berücksichtigen, dass an einer Unternehmenssteuer auch andere Faktoren hängen. Das heißt man muss das ganze Steuersystem vereinheitlichen und das ist kaum zu schaffen. Zum anderen: Laut der WirschaftsWoche zahlten die 30 größten DAX Unternehmen 2018 weniger Steuern als vorgesehen. Mir ist auch nicht bekannt, dass die großen Unternehmen in Deutschland am Hungertuch nagen. Auch, und das erklärt Apple, zahlt es seine Steuern in den USA -und die sind nicht zu knapp- weil dort der Hauptteil erwirtschaftet wird. In Irland zahlt es für die Umsätze die in Europa erzielt werden. Das mag man gut, oder schlecht finden, es ist allerdings nichts anderes als was europäische Firmen auf anderen Kontinenten machen.

Apple beruft sich darauf, dass Apple doppelt Steuern zahlen soll und findet das nicht fair und es zeigt, dass die Europäische Kommission ihre Hausaufgaben nicht gemacht hat. Es spricht auch ein leichter Anflug von Antiamerikanismus, besonders bedingt durch den Streit zwischen der EU und den USA (Trump) aus dem Ganzen. Denn es scheint man hat überwiegend amerikanische Technologiefirmen auf dem Radar. Ja sie nutzen ihre Marktmacht aus, umgekehrt nutzen europäische Firmen auch ihre Marktmacht aus. Bezüglich Technologievorsprung haben einige Länder die Entwicklung verschlafen. Sieht Deutschland und die Elektromobilität. Wenn ich das Ladestellenchaos und die Gegnerschaft betrachte, dann frage ich mich wann Deutschland die Millionengrenze bei den E-Autos erreicht.

Black Lives Matter

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Nach dem Tod des US-Amerikaners George Floyd in Minneapolis, und den Protesten in den USA,  schwappten die Proteste gegen Rassismus auch nach Europa über. Hier gab es Proteste in Dublin und in Cork und unter dem Motto #BlackLivesMatter, kamen viele Hundert Demonstranten zusammen. An sich wäre, gäbe es den Lockdown, bedingt durch Corona, nicht, an diesen Protesten nichts auszusetzen. Allerdings sorgte die Äußerung unseres Taoiseach Leo Varadkar für Gesprächsstoff im Land, schließlich leben in Irland rund 64.639 (Census von 2016) Schwarze.

Und mit Rotimi Adebari wurde 2007 ein in Nigeria geborener, und seit 2000 in Irland lebender Schwarzer, der erste schwarze Bürgermeister von Portlaoise, bzw. Der erste Schwarze überhaupt. Nach neuerlichen Diskussionen, bereits vor ein paar Jahren war Rassismus und Xenophobie Thema, wurde das Thema in den Medien, gerade nach den Demonstrationen in Cork und Dublin, wieder aufgenommen. RTÉ brachte einen Beitrag über drei Irinnen, im Land geboren, deren Eltern aus Afrika, sowie Jamaika in‘s Land kamen. Die drei Frauen berichteten über ihre täglichen Erlebnisse, dass man sie beschimpft, oder auffordert wieder dahin zu gehen, wo sie hergekommen sind.

Auch in den Zeitungen wird das thematisiert. Nun ist das erschreckende nicht das die Vorfälle zugenommen haben, sondern das viele Iren das negieren, bzw. Kleinreden.  Dieses All Lives Matter ist nicht nur in den USA, nein, auch in Europa der Versuch, Rassismus und Xenophobie zu verharmlosen in dem man sagt, „ja der Rassismus ist schlimm, aber andere Menschen haben auch zu leiden.“ Es sind nicht nur die rechten Gruppen, oder Rechtspopulisten, die mit diffusen Ängsten spielen. Hier gibt es mittlerweile eine Gruppierung, die nennt sich „Irish Patriots.“ Ihre Welt besteht aus Iren und Nichtiren, wobei zugestanden wird, dass man Menschen aus Europa hier integrieren kann -sind zwar immer noch keine Iren, aber immerhin Christlich- und Muslime das Land verlassen müssen, weil der Islam -es leben 63.443, überwiegend aus Bangladesch und Pakistan, im Land-, das christliche Abendland bedroht.

Dieses, „ja ja, die Rechten,“ wird immer dann verwendet, wenn man davon ablenken will, dass das Mittlerweile Teil einer Gesellschaft geworden ist und es kann einen recht schnell selber treffen. Ich habe mal geschrieben, dass ich gerne mit schwarzen Taxifahrern fahre, sie sind netter als viele irische Taxifahrer, obwohl eigentlich habe ich selten negative Erfahrungen gemacht. Allerdings höre ich die Geschichten und sehe, wie Leute an den Taxen vorbeilaufen in der Hoffnung einen weißen Taxifahrer zu bekommen. Sollten sie einen Osteuropäischen Fahrer finden, dann kontrollieren sie wahrscheinlich ihre Habseligkeiten nach dem Aussteigen. Da, auf Grund der starken polnischen Präsenz, für viele die Osteuropäer eh alles Polen sind, wird auch die Xenophobie gepflegt.

Für uns, die wir weltoffen sind, ist das natürlich ein Problem, denn wir sind ein kleines Land, mit gerade mal 5Mio. Einwohnern. Patience Jumbo-Gula und Rhasidat Adeleke sind ein Beispiel dafür, wie die Schwarzen Iren Einfluss auf unseren Sport haben. Und mit Darren Randolph haben wir einen farbigen Fußballnationalspieler. Das gleiche gilt für alle anderen europäischen Länder. Menschen begreifen nicht dass es egal ist welche Hautfarbe jemand hat. Dieses „Wir-Gefühl“ wird meist nur dann zelebriert, wenn „die Nation“ ein Erfolgserlebnis hat. Dann werden „Sie“ gefeiert und sollten sie verlieren, dann ist der Schuldige schnell ausgemacht

Diese „Wir“ sollte aber im Denken verankert sein. Gerade in Europa. Jahrhundertelang sind Europäer in alle Welt ausgewandert, es gab Binnenwanderung in nicht geringem Ausmaß, und die Argumentation, diese Leute seien ja christlich gewesen zählt nicht, wenn man sieht, das beispielsweise die Schwarzen hier in Irland überwiegend Christen sind und keine Voodoo Puppen im Hinterzimmer zerstechen, oder Hühneropfer bringen.

Als Kind wurde ich im Sommer sehr schnell braun, fast schwarz, sehr oft sagten die Leute ich solle doch dahin gehen, wo meine Familie hergekommen ist, man will keine Türken, oder Nordafrikaner. Ehrlich gesagt habe ich das nicht verstanden, ich war doch in Deutschland geboren, wurde aber nicht akzeptiert. Mit einem italienischen Nachnamen (ich verwende hier auf dem Blog den Mädchennamen meiner Großmutter), passierte es uns öfters, dass wir gefragt wurden, ob wir denn Deutsch verstehen könnten, oder ob man eventuell lauter sprechen sollte. Groteske Situationen wie, „DU SPRECHEN DEUTSCH? DU KÖNNEN MICH VERSTEHEN“? Passierte öfters und wir haben das eher mit Humor betrachtet. Gut, damals waren die Zeiten anders.

Trotz Gastarbeiter, wie man sie nannte, war die Zahl sehr überschaubar und die Zahl derer, die jetzt in Deutschland leben, ist immer noch überschaubar.  Viele von ihnen sind in der Gesellschaft angekommen und werden wahrgenommen, leider nicht immer positiv, besonders wenn es zu Vorfällen kommt, dann werden sie pauschal verdächtigt und beleidigt. Sie haben immer noch Probleme, obwohl im Land geboren wird ihnen mit Vorbehalten, oder Ablehnung begegnet, was besonders bei Berufswahl, oder Wohnung eine Rolle spielt. Während Erwin Kostedde und Jimmy Hartwig noch Exoten im Sport waren, hat der europäische Fußball Spieler aus allen Nationen, denen allerdings in den meisten Fällen die Akzeptanz, außerhalb des Sports verweigert wird.

Man kann Rassismus und Xenophobie nicht besiegen, es wird nicht gelingen Menschen, die Vorurteile als Gewissheit sehen, erreichen zu können. Man kann aber bei denen anfangen, die sich nichts dabei denken und sie zum Nachdenken anregen, warum Rassismus und Xenophobie eine völlige Idiotie ist. Uns mögen Hautfarben und Religionen, oder die Kultur unterscheiden, am Ende steht aber immer ein Mensch, und darin sind wir alle gleich. Wir müssen, essen, Trinken, schlafen, unsere Notdurft verrichten, haben den gleichen Körper und den gleichen Lebenssaft. Wir hören die gleiche Musik, lachen über den gleichen Humor, lesen die gleichen Bücher. Das sollte sich jeder vor Augen halten. Es gibt nicht „die überlegene Rasse“ wer das allen Ernstes glaubt ist ein kompletter Idiot und hat komplett die Kontrolle über seine Unterhose verloren.