Maus gegen Mensch

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Ich hatte ja schon darüber geschrieben dass der irische Hausbau, salopp ausgedrückt, sehr kreativ ist und man sich, wenn man sich einige Häuser anschaut, nur verwundert die Augen reiben kann. Wenn man also nach Irland kommt, beziehungsweise hier arbeiten möchte, so muß man doch einige Abstriche machen, was die Standards betrifft. Entweder man hat nach kurzer Zeit Schimmel an den Wänden, da eine Isolierung so gut wie faktisch nicht vorhanden ist und Nässe -Regen ist hier ein Dauerthema– einen prima Nährboden findet und sich so manches Haus zur Zucht einer Pilzkultur eignet. Oder die Wasserhähne sind, wie in England auch, strikt nach Kalt- und Warmwasser getrennt. Steht in der Anzeige Europäischer Standard, dann kann man sicher sein, dass es Mischbatterien gibt. Falls Sie sich also überlegen in Irland zu arbeiten, dann sollten Sie folgende Dinge beachten. Die Mieten sind, für den europäischen Durchschnitt, thumb_IMG_0001_1024exorbitant und man sollte nicht erwarten, wenn man 1000€ für ein Einzimmer Apartment bezahlt, dass dieses auch einen Luxus wie in Deutschland besitzt. Die Krise in Irland ließ die Haus- und Wohnungspreise in den Keller stürzen und viele Familien sitzen auf hohen Krediten, oder wurden, wenn sie diese nicht bedienen konnten, von den Banken auf die Straße gesetzt. Ganze Estates, die im Zuge des Baubooms an Plätzen aus den Boden gestampft wurden, an dem sich Fuchs und Hase „Gute Nacht“ sagen, standen plötzlich leer und man konnte, besonders in Städten wie Dublin oder Cork, günstig Wohnraum mieten. Seit ein paar Jahren steigen die Mieten wieder steil nach Oben, dafür wurde aber nichts, seitens der Landlords, investiert. Ein Pubbesitzer, den ich vor Jahren mal kennengelernt habe, erzählte mir im Gespräch, dass die Iren, statt in Aktien, oder andere Geldanlagen, ihre Ersparnisse gerne in Ländereien und Häuser stecken, allerdings würden sie dafür nichts in die Immobilien investieren. So kommt es, da man bei uns möbliert mietet, das man Inventar findet dass durchaus noch aus den Zeiten des Unabhängigkeitskrieg stammen kann, weil der Landlord das günstig erworben und für gut befunden hat. Um der Steuer zu entgehen verlangen viele die Miete auch in Bar, entweder machen sie sich die Mühe und fahren die Objekte ab, oder man pilgert im Wochen- oder Monatsrythmus zu ihnen hin. Es soll auch Leute geben, die treffen sich an einer verschwiegenen Stelle im Park, Kennzeichen offene Hose und Goldkettchen am Arm, und stecken ihrem Landlord einen Umschlag zu, bevor jeder eigene Wege geht.

Unser Landlord ließ sich am Anfang auch Bar bezahlen. Ich wohnte, als ich rüberkam, alleine in einem ehemaligen B&B bei ihm. Das Zimmer war sehr klein, völlig verschimmelt, „ach was, Schimmel, mit ein bißchen Farbe ist das schnell behoben,“ und kostete 400€ im Monat, was für irische Verhältnisse billig ist. Als meine Frau nach Irland kam, da bot er uns eines seiner Häuser an. Der Haken war, daß wir uns am Anfang das Haus mit 4 Anderen teilen mussten. „Vier? Das geht doch noch, in Spitzenzeiten wohnten hier 8-12 Personen (das Haus hat 3 Schlafzimmer, davon nutzen wir eines als Büro da es wirklich sehr winzig ist). Mann, das waren noch Zeiten!“ Klagen kamen von ihm auf Grund der hohen Gaskosten, „habe nie verstanden warum die monatlich über 2000€ lagen,“ da die Mieter natürlich 24 Stunden lang die Heizung laufen ließen und das 365 Tage im Jahr und, weil es so toll ist, den Stromverbrauch einer mittleren Kleinstadt hatten. Auf jeden Fall pilgerte ich alle zwei Wochen nach der Arbeit zu ihm und zahlte die Miete. Dann, keine Ahnung warum, wollte er das Geld monatlich haben. Wir wohnten zu dem Zeitpunkt alleine im Haus, da auch der letzte Mitbewohner ausgezogen war, was unseren Landlord fast die Tränen in die Augen trieb. „Verstehe ich nicht, das war doch so ein lieber Kerl….gut, er hat manchmal wochenlang die Miete nicht bezahlt und ich habe dann Geld bar einbezahlt, damit meine Frau das nicht merkt.“ Dann sagte er, „ich bin froh dass der weg ist, stellt Euch vor, der hat doch zwei Monate lang keine Miete bezahlt und ich mußte ihn sogar auf der Arbeit aufsuchen.“ Irgendwann ging die Waschmaschine den Weg alles irdischen und stellte die Arbeit ein, „wie kaputt, die ist doch fast neu? Wie kann denn die kaputt gehen?“ Und er brachte uns eine „neue“ gebrauchte Waschmaschine, „nie benutzt, habe ich ich bei einer Entrümpelung bekommen.“ Meine Frau ließ die Maschine zwei Wochen trocken laufen, damit wir den Gestank aus der Trommel bekamen. Der Herd, den er uns am Anfang gab, da der Gasherd nach 100 Jahren Dienstzeit nicht mehr so taufrisch war, hatte seine besten Zeiten in den Siebzigern erlebt, als Elektroherde Einzug in irische Küchen hielten. Irgendwann entwickelte der Herd ein Eigenleben und schaltete sich ohne Zutun einfach von selbst ein. „Könnt Ihr denn nicht einfach die Sicherung rausdrehen, wenn Ihr nicht da seid? So Urlaub oder So? Dann brauche ich den auch nicht zu ersetzen (fummelt an den Knöpfen), der geht doch noch!“ Irgendwann, keine Ahnung warum, gab er mir die Bankverbindung und ich konnte die Miete überweisen, lag es an meiner Klage, schließlich musste ich durch die ganze Stadt laufen um die Miete zu bringen, oder lag es am Taxoffice, ich weiß es nicht. Auf jeden Fall beklagte er sich dass wir immer die Miete am Monatsende zahlen und nie am Monatsanfang, was eigentlich an ihm lag, da das Chaos irgendwann perfekt war und ich keine Ahnung mehr hatte wann ich die Miete überweise. „Bar…nein alle zwei Wochen…nein Bar, monatlich, nein überweisen…. nein, nein nicht monatlich, alle zwei Wochen…nein doch monatlich…nein, nicht 800…850,…ja habe ich doch gesagt…sag mal kann das sein, dass Du mir eine Monatsmiete schuldest…was Ende des Monats, glaubst ich bin blöd? kein Landlord bekommt die Miete Ende des Monats.“ Überflüssig zu erwähnen, dass die Einrichtung nicht gerade State of the Art ist. Die Einbauschränke hatten ihren Höhepunkt in den Dreißiger Jahren, oder mehr so Bauhaus Stil.

Denken Sie also daran und wenn sie auf Daft nach Wohnungen suchen, dann sollten Sie sich auf viele Besichtigungstermine einrichten und am Anfang, wie wohl 95% der Neuankömmlinge, in einem B&B oder einem Hostel einrichten.

Die Sache mit der Maus

Mäuse sind in Irland nichts ungewöhnliches, besonders nicht als Mitbewohner. Viele mit denen ich gesprochen habe, berichteten mir davon, wie die Mäuse sich als wahre Innenarchitekten entpuppen würden, sollten sie erst mal im Haus, oder Apartment, heimisch geworden sein. Unser Nachbar behauptete, da unser Garten sehr wild aussieht, dass damit den Ratten Tür und Tor geöffnet sei und entweder er, oder sonst jemand aus der Siedlung stellte uns eine Gummiratte vor die Tür. Ich nannte ihn einen grenzdebilen Vollidioten und sagte dass allein seinetwegen keine Ratte jemals den Patrick’s Hill hochkommen würde. Und hatte vier Tage lang keinen Kontakt zu ihm.

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Masha and the Bear

Eines schönen Samstags saß ich am Küchentisch und las Online Zeitungen als ich plötzlich eine Bewegung aus den Augenwinkeln wahrnahm. Ich schaute auf und blickte in das verdutzte Gesicht einer ordinären Wiesenmaus. Sie erschrak und beide fingen wir Gleichzeitig an zu Schreien. Der Stuhl fiel fast um und ich, als auch die Maus, wichen zurück. Die Maus verschwand und mit blassem Gesicht, Schweiß auf der Stirn und bebender Stimme berichtete ich meiner Frau von diesem, bin jetzt noch ganz nass, furchtbaren Erlebnis. „Eine Maus?“ Fragte sie verwundert, „wo soll denn eine Maus herkommen? Was weiß denn ich,“ sagte ich und schilderte noch einmal minutiös den Ablauf, wobei die Maus mit jedem Buchstaben beträchtlich an Größe gewann. Am Ende war die Maus zwei Meter groß und wog mindestens 500 Kg. Meine Frau schüttelte nur mitleidig den Kopf und meinte ich hätte mich wohl vertan.

Ein paar Tage später war sie es, die hysterisch schrie und mit einem Satz auf die Anrichte in der Küche sprang. „DIE MAUS!!!!!!! Habe ich Dir doch gesagt, Du hast mir ja nicht geglaubt.“ Für uns stand fest, einer muß gehen und das sind mit Sicherheit nicht wir. Also haben wir das Haus gecheckt und ein Loch in der Hauswand gefunden wo die Maus prima Zugang zum Haus hat, soweit ich mich entsinnen kann, lag vor dem Loch eine kleine Fussmatte und man konnte mit der Lupe lesen, „Céad mile fáilte.“ Das brachte uns endgültig aus der Fassung.  Online besorgten wir uns Informationen zu Mäusen und Mausefallen, allerdings, da wir Tieren nicht zu Leide tun können, suchten wir nach einer Mausefalle, die uns die Möglichkeit gab, die Maus wieder in der Natur aussetzen zu können, also machten wir uns auf in einen DIY, denn die sollten ja Mausefallen haben.

Im DIY angekommen machten wir uns auf die Suche nach den Mausefallen, Da wir beide Novizen auf dem Gebiet der Jagd auf Wildtiere waren, schnappten wir uns einen Verkäufer der sich in der Nähe des Regals aufhielt. Mickey, so konnten wir auf einem Namensschild lesen, war ein kleiner dicklicher Mann jüngeren Alters, mit traurigen Augen und einer schlaffen Körperhaltung. „Wir haben eine Maus im Haus und wollen die loswerden,“ sagte meine Frau mit entschlossener und fester Stimme. Mickey, gerade noch die Lethargie in Person, blühte auf und wuchs förmlich vor dem Regal in die Höhe. „Hehe, wer hat das nicht,“ lächelte er und fragte uns unvermittelt, „ist die Maus suizidal? Woher sollen wir das wissen,“ antwortete ich an Stelle meiner Frau, „wir haben keine lange Konversation mit der Maus führen können um das zu beurteilen. Schade,“ meinte er und holte eine Mausefalle aus dem Regal auf der praktisch ein Diorama angeordnet war. Man sah eine kleine Couch, daneben einen Beistelltisch, an der Wand ein kleines Gemälde und in einem Sessel saß eine Maus im Anzug mit Block in der Hand. ‚Das ist unsere Siegmund Freud Ausgabe. Beachten Sie bitte die kleine Flasche auf dem Tisch mit der Spritze daneben.“ Jetzt wo er es sagte fiel es uns auch auf. Man musste schon sehr genau hinsehen und konnte einen kleinen Totenkopf in Form einer Maus erkennen. „Was ist das?“ Fragte meine Frau. „Das, gute Frau, ist der neuste Schrei aus den USA. Ein kleines Behandlungszimmer und entweder Sie, oder Ihr Mann –damit zeigte er auf mich- haben die Möglichkeit die kleine Spritze zu füllen. Natürlich kann das auch die Maus selbst machen, schauen Sie hier. Vom Band läuft dann Smetana. Tierforscher haben festgestellt, dass Mäuse besonders auf Smetanas Moldau reagieren. Da werden sie ganz ruhig. Die Maus kann sich also auf das Sofa legen, die Spritze füllen und schläft sanft zu den Klängen der Moldau ein.“

„Wenn die Maus Selbstmord begehen will, dann soll sie das gefälligst draußen machen,“ sagte meine Frau bestimmt. „Schade,“ meinte Mickey. „Was haben Sie denn sonst noch fragte ich.“ Mickey kramte im Regal….„mal sehen, nein, die ist für Ratten,“ murmelte er. „Hier,“ sagte er und kicherte dabei so unnatürlich dass mir die Gänsehaut über den Rücken rann. „Das Modell Heinrich der VIII, Ausgabe Anne Boleyn,“ man sah einen kleinen Hackklotz und daneben stand eine kleine Miezekatze mit Henkerbeil und einer Kapuze, „gibt’s auch als Französische Inquisition Ludwig XVI,“ gluckste er. Neben einem kleinen Fallbeil standen zwei Miezekatzen, eine davon hatte ein Seil in der Pfote. Interessiert fragte ich, „wie funktionieren die?“ Er strahlte und das war mir ein bisschen unheimlich, „oh, das ist ganz einfach, schauen Sie. Bei Heinrich VIII legt die Maus hier ihren Kopf drauf,“ er zeigte auf den Klotz, „und ZACK, schlägt die Katze der Maus den Kopf ab….wunderbar, völlig human.“ Meine Frau und ich gingen auf Distanz. Er stand da drückte auf den Klotz und die Katze ließ das Beil auf den Klotz knallen. „Bei der Ludwig XVI ist es noch besser. Die Maus legt ihren Kopf hier drauf -er zeigte auf die Vorrichtung mit der die Delinquenten fixiert wurden- und die kleine Miezekatze hier löst den Mechanismus aus,“ damit sauste das kleine Fallbeil runter. „Völlig schmerzfrei. Wir beide wollen die Maus aber lebend fangen und sie wieder im Garten aussetzen,“ sagten wir und es dauerte bis Mickey uns hörte. Liebevoll strich er über die Kleine Falle, dann entspannte sich sein Gesicht, schaute uns an und „nein, damit kann ich nicht dienen. Ich habe noch die San Quentin, schauen Sie, eine kleine Gaskammer, spielt auch Johnny Cash…..wo gehen Sie denn hin? Warten Sie!“ Wir flohen und ließen Mickey inmitten seiner Nagetierfallen zurück.

Daheim angekommen sahen wir, dass die Maus sich mittlerweile häuslich eingerichtet hatte, „Sabine!“ Riefen wir Beide im Chor. Sabine muss man wissen, hat eine Katze und da die streunenden Katzen sich auch für eine Schale Sheba nicht locken ließen, riefen wir sie an und schilderten unser Anliegen. „Es soll der Schaden der Katze nicht sein,“ sagte ich, „wir zahlen auch,“ meine Frau aus dem Hintergrund. „Ich setze auch einen Vertrag auf,“ beendete ich den Satz. Sabine meinte nur, „warum glaubt Ihr habe ich mir selber eine Falle kaufen müssen? Er und die Maus waren die dicksten Kumpels!“ Sie gab uns noch einen Tip, wünschte uns viel Glück und legte auf. Wieder schauten wir im KippfalleInternet nach und wurden bei einem Onlineversand aus Dublin fündig. Neben dem neusten Schrei aus UK, „die Engländer sind total verrückt auf diese Fallen,“ fanden wir was wir suchten. „Großwildkäfige, jetzt en miniature,“ stand da zu lesen und ein paar Tage später waren die Fallen da. Eine Bekannte gab uns den Tip Nutella zu nehmen, „da stehen die Viecher unheimlich drauf, Senan und ich fangen die damit regelmäßig.“ Nun wollten wir die Maus ja lebend fangen und hatten nicht vor, dass sie an einem Zuckerschock stirbt, oder Diabetes bekommt. „Guinness!“ Sagte ich. „Bist Du verrückt? Weißt Du eigentlich was die Dose kostet? Sagte meine Frau. Am Ende einigten wir uns auf Nutella und zur Vorsicht, beherzigten wir noch den zweiten Tip den uns unsere Bekannten gaben und verwendeten Erdnussbutter, natürlich Ökologisch.

Ein paar Tage später, ich saß gerade auf der Arbeit, da klingelte mein Telefon. „JAAAA!!!“ Rief meine Frau, „die Maus ist weg!!! Als ich in der Pause nach unten kam, da raschelte es in der Falle und ich also mit der Falle in den Garten…aufgemacht….und ZACK! weg war sie. Ich hätte beinahe einen Herzinfarkt erlitten…rechnet man ja nicht mit.“ Wir freuten uns beide sehr, reinigten die Fallen und stellten sie in den Schrank. Meine Frau stopfte das Loch mit Alufolie denn, so hatte sie gelesen, soll Alufolie verhindern, dass die Mäuse in’s Haus kommen. Nun können die Mäuse anscheinend nicht lesen, oder sind Opfer der Evolution, auf jeden Fall trug die zweite Maus, oder war es die Gleiche, einen Aluhelm als sie an uns vorbeirannte. Wieder die Fallen bestückt, die Maus raus und Ruhe. Irgendwann, meine Frau war schon im Bett, hörte ich im Wohnzimmer ein kratzendes Geräusch aus dem oberen Stockwerk. Mein Frau kam runter und sagte, sie könne nicht schlafen, die Maus sei so laut. Wahrscheinlich war es die Maus, die kurz vorher in’s Wohnzimmer reinlugte und „Hallo“ sagte, bevor sie wieder verschwand. Wir also nach oben und fanden auf dem Teppich vor dem Einbauschrank Spuren von Bautätigkeiten, eine kleine Schaufel, ein kleiner Eimer, einen Betonmischer, Holzbretter und Schrauben, sowie eine Absperrung. Dahinter dann ein Eingang der hell Erleuchtet war und aus den Resten der Alufolie hatte sie ein Schild, sowie eine Discokugel gebaut und aus klitzekleinen Boxen lief Gloria Gaynor. „Ok,“ sagten wir, „das war’s.“ Ich holte Hammer, Nägel und ein Brett und nagelte den Eingang zu. Meine Frau stopfte mit Alufolie einen Spalt aus und stellte dann die Fallen auf.

Wir fingen die Maus noch insgesamt vier oder fünf mal. Kurz flammte sowas wie Protest in der Mäusecommunity auf und ein Mob aus ein paar Mäusen, bewaffnet mit Baseballschlägern, Protestplakaten und Puppen von uns, die sie unter Johlen und Pfeifen, vermischt aus ein paar Rufen, in unserem Garten in Brand steckten, bedrohten uns kurzzeitig. Allerdings riefen wir nicht die Garda, wäre denen auch ein bißchen seltsam vorgekommen. Der Nachbar wiederum stand in Jogginghose mit Telefon bewaffnet in seinem Garten und rief, „das habe ich doch gesagt, dass diese linksgrünversifften Alternativen uns die Ratten in die Siedlung holen.“ Der gezielte Wurf eines klitzekleinen Molotov Cocktails aus der Pfote einer der Mäuse setzte ihn außer Gefecht.

Seitdem ist es ruhig. Ich nehme aber an, dass die Mäuse wieder einen Plan aushecken wie sie in unser Haus kommen. Es gab Warnzeichen, so zum Beispiel wurde ein Löwenzahn, der sich einer der Nähe eines Loches befindet, mutwillig nach unten gezogen und dann losgelassen, so dass er wie ein Katapult nach oben schnellte…….Mal schauen ob Mickey noch bei dem DIY arbeitet.

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Sunderland ‚Til I Die

League One - Sunderland v Scunthorpe United
Identifikation einer Stadt mit ihrem Verein

Sportdokumentationen und Filme über Sport, oder Sportler gibt es viele. Vieles davon erzählt Geschichten, oder die Geschichte eines Sportlers. Dokus über Fussball, besonders über Mannschaften, fokussieren sich auf die großen Mannschaften, wie Barcelona, Manchester, Madrid, oder Turin. Entweder begleiten sie die Stars, oder zeigen auf warum sie so erfolgreich sind, oder wie sie in der Saison XY Meister, Pokal- und Champions League Sieger wurden und zeigt die Stars, die Massen in die Stadien locken, wer will da die Underdogs sehen, oder ist interessiert daran.

„Sunderland ‚Til I die“ macht genau das und den Machern der Dokumentation ist das Bravourstück gelungen einen Verein zu zeigen, der halt nicht in den Topligen ganz oben spielt, sondern der Underdog ist und man kann Netflix nur applaudieren, dass sie das in ihr Programm genommen haben.

Der AFC Sunderland ist, was man gemeinhin als Fahrstuhlmannschaft bezeichnet, steigen sie auf, dann kämpfen sie auch gleich gegen den Abstieg aber, und das macht den Reiz der Serie aus, das Umfeld des AFC identifiziert sich so stark mit dem Verein, dass man Sympathien für die Stadt und für den Verein entwickelt, am Ende war ich drauf und dran Mitglied zu werden. Sunderland, eine Stadt im Nordosten Englands, galt einst als die Hochburg des Schiffsbau und der Kohle Industrie. Dann begann, wie fast überall im

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Supporter

Königreich der Niedergang. Die Vaux Brauerei, 170 Jahre lang einer der größten Arbeitgeber, schloss 2000 seine Tore. Von daher ist es kein Wunder, dass der Verein, diese Stadt nach außen repräsentiert und identifikationsstiftend ist, das heißt sich die Einwohner zu 100% mit dem Verein identifizieren. Wie sagt der Inhaber des Bestattungsinstitut, „wir bieten besondere Arrangements an und der Kunde kann als letzten Wunsch wählen im Jersey, oder in den Farben des AFC Sunderland begraben zu werden,“ auf die Frage, „kann man dann sagen Sunderland ‚Til I Die?“ Kommt die nachdenkliche Antwort, „ja, das könne man so sagen.“

Abstieg und Neuanfang

Die Serie beginnt mit dem Abstieg Sunderlands aus der Premier League und beginnt in einer Kirche. Anhänger des AFC beten gemeinsam mit dem Pfarrer und der Pfarrer bittet um den Segen Gottes für den Verein. Das mag vielleicht ein bisschen kitschig sein, aber als Zuschauer fängt man direkt Sympathien zu entwickeln. Vorgestellt wird der neue Coach, Simon Grayson, der hoffnungsfroh in die neue Saison blickt und über die Ziele des Vereins spricht, man ahnt zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass es für ihn ein kurzes Engagement bei Sunderland ist. Martin Bain, der auf Grund seiner Zeit bei Maccabi Tel Aviv eine ausgezeichnete Reputation vorweisen kann, spricht über seine Arbeit, den Verein und was es ausmacht, einen Verein zu führen. Man merkt im Laufe der Serie, dass Chief Executive für ihn nicht bloß ein Job ist, sondern eine Herzensangelegenheit. Zu Wort kommen einige Spieler und Mitarbeiter des Vereins und dann natürlich die Fans, die hinter dem AFC stehen und Woche für Woche in’s Stadion pilgern, oder zu Auswärtspielen fahren, egal ob der Verein 5:0 verloren, oder 1:0 gewonnen hat.

Die Leute also, die bei aller Professionalität, die einen modernen Verein ausmacht, diesen im Grunde genommen tragen. Roy Keane warf den heimischen Manchester Fans, nach einem Champions League Spiel, gegen Dynamo Kiew vor, „dass sie sich, im Gegensatz zu den Hardcore Fans (gemeint waren die Kiew Anhänger) während des Spiels mit Drinks und Garnelensandwiches vollstopfen und gar nicht verstehen würden was auf dem Platz vor sich geht.“ Aber und das ist beim AFC nicht anders als bei anderen Vereinen auch, man zählt auf diese, wie ich sie nenne, Champagnerfans“ die gerne in den Logen sitzen und sich hofieren lassen und denen im Grunde genommen ein Verein nur dann etwas bedeutet, wenn er gewinnt, am besten die Meisterschaft. Gut, ich kann verstehen dass ein Verein sie braucht, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass diese dem Verein das Geld in Kasse spülen, außer wenn sie Sponsoren sind, aber egal, zurück zur Serie.

Das erste Vorbereitungsspiel gegen Celtic Glasgow geht mit 0:5 verloren und diese Niederlage wird von den Fans mit Fatalismus hingenommen. Grayson erklärt dass dieses Spiel gar nichts bedeuten würde denn was zählt, das wäre das Ziel am Ende der Saison. Also geht man in die Vorbereitung und trainiert für das nächste Spiel. Nachdem das erste Spiel gegen Derby County mit 1:1 ausgeht, wobei das 1:0 wie der Gewinn der Meisterschaft gefeiert wurde. Es kommen, da man das Spiel gegen Celtic schon abhakt hat, bei den Fans Zweifel auf, ob die Mannschaft die richtige Einstellung zum Verein hat. Bain erklärt im Gespräch was für ihn den idealen Spieler neben Talent und Einsatzwillen auszeichnet und erzählt die Geschichte, als er einen Spieler nach der Sommerpause mit der Frage begrüßte, ob dieser froh sei wieder beim Verein zu sein und trainieren zu können, worauf dieser ihm antwortete, froh sei er nicht, aber da er nun mal einen

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Hardcorefan. Egal was passiert, mein Verein!

gültigen Vertrag habe, müsse er wieder für den Verein da sein. „Wenn der Spieler sich nicht mit dem Verein identifiziert, dann ist er nichts für mich.“ Ein Phänomen dass man häufiger im Fußball erlebt. Es gibt kaum noch Spieler die ihr ganzes Fußballerleben von der Jugend bis zum Abschied bei einem Verein verbringen. Fußball ist, gerade für die Mehrzahl der Spieler, modernes Söldnertum. Sie zeigen auf ihr Vereinswappen und herzen das nach einem Tor, aber man spürt als Fan, sobald ein Verein kommt und ihnen mehr Geld anbietet, dann sind sie weg. Meist sind die Begründungen man müsse sich entfalten, oder man suche den neuen Horizont. Kein Spieler sagt, „ja ich will mehr Kohle und die Fans, sowie der Verein sind mir Scheißegal.“Unknown-3

Später in der Serie, als klar wird dass es mit einem Aufstieg nichts wird, sagt ein Spieler, dessen Leihvertrag ausgelaufen ist und er wieder zu seinem Stammverein zurückkehrt mit Blick auf den Verein und die Anhänger, „im Grunde genommen ist es doch so, wir spielen ein, zwei, oder lass es auch drei Jahre sein, bei einem Verein, dann sind wir weg, aber diese Leute, was haben die? Die müssen ihr ganzes Leben hier sein.“ Man könnte die Worte als Küchenphilosophie bezeichnen, aber eigentlich hat er Recht.

Der Trainer ist Schuld

Bei Vereinen, und das ist bei Madrid nicht anders als bei Sunderland, ist der Trainer derjenige, der die Sündenbockfunktion hat, egal was er macht oder unterläßt. Spielt das Team gut und dominiert den Gegner ist er ein begnadeter Fußballtaktiker, der Cristiano Ronaldo der Außenlinie, der Karpov der Strategie. Verliert das Team dagegen, dann ist der Trainer die größte Pfeife die der Fußball je gesehen hat, völlig egal ob er mit einem Verein regelmäßig die Meisterschaft gewinnt, was zählt ist der Augenblick und der ist für Sunderland alles andere als erfolgreich. Am Anfang steht bei den Fans die Mannschaft im Focus, einzelne Spieler werden aufgezählt und man sieht in ihnen die größten Idioten, wobei ich ganz ehrlich sagen muss, wäre ich der Trainer, ich hätte den Torhütern den Gnadenschuss verpasst. Gut es waren nur Momentaufnahmen, aber diese Momentaufnahmen haben gezeigt was die drei Torhüter für Fliegenfänger sind. Wenn Robbin Ruiter sagt, dass man als Torwart ständig einem Konkurrenzkampf unterliegt und nicht, wie als Feldspieler, auch auf anderen Positionen spielen kann, dann ist das eine Sache, aber wenn ich einen Kullerball nicht festhalte, was immer mal passieren kann, dann ist das eine Andere. Ich kann die Frustration und Wut von Fans und Trainer nachvollziehen und hätte am liebsten solidarisch mit den Fans mitgeweint.

So passiert es am Anfang dass man sich mit dem Trainer solidarisch zeigt und fordert, dass die Mannschaft komplett entlassen werden soll. Dann hört man auch von den Fans, dass den Trainer keine Schuld trifft, „die Mannschaft kann man einfach nicht trainieren! Warum?“ fragt die Stimme aus dem Off, ’na weil die Mannschaft ganz einfach Scheisse ist, wir sind Scheisse, so einfach ist das! Ein Giftbecher, niemand mag die übernehmen. Acht Trainer in zwei Jahren, das ist doch nicht normal, oder finden Sie das normal?“ 

Am Ende allerdings ist es der Trainer der gehen muss, denn die Stimmung kippt gegen Grayson, „Mann, wann haben wir eigentlich das letzte Heimspiel gewonnen, das ist doch Scheisse sowas und daran ist der Trainer Schuld, der stellt die Jungs nicht gut genug ein! Da fehlt völlige Motivation, die schleichen ja teilweise über den Platz! Hast Du Cattermole gesehen? Da ist mein Opa ja schneller mit dem Ball!“ Auf Grayson folgt Chris Coleman und erinnert einen daran, dass Fußball zwar mit Emotionen zu tun hat, aber ein Geschäft ist.

Everything counts in large amounts

Sunderland ‚Til I Die spricht auch die nicht so schöne Seite im Profisport an. Seit ein paar Jahren regiert das große Geld das Fußballgeschäft und viele Milliardäre leisten sich einen Fußballverein. Chelsea, oder Leicester sind Beispiele. Entweder sie stehen mit Leidenschaft hinter dem Verein und geben ihm die Möglichkeit sich mit Topspielern auszustatten, oder sie verwenden den Verein als Abschreibungsobjekt. Es wird in der Serie nicht ganz klar, aber man hat den Eindruck dass Ellis Short genau das gemacht hat.

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Gute alte Zeit als Fußball noch Amateursport war und nicht das große Geld

Ob nun er, oder die Vorbesitzer, Fakt ist, der Verein ist hoch verschuldet. Um den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten greift man auf Leihspieler und die eigene Jugend zurück. O-Ton Bain: „394 Mio.£ haben die Besitzer in neue Spieler investiert, dem gegenüber stehen aber Verkäufe von 149 Mio.£, und die meisten Spieler waren absolute Flaschen und Fehlinvestitionen die das Geld nie reingespielt haben.“ Am Ende steht dann der Verkauf des Vereins durch Short der schon vorher beschlossen hatte kein Geld mehr in den Verein zu investieren, meist das Todesurteil für einen Club und eine Zeit, in der es für den Verein besonders bitter war. Was man auch erfährt, das ist die Distanz zwischen Club und Besitzer. Nicht ein einziges mal hat Short mit dem Verein gesprochen, anscheint wußte er gar nicht was vor sich geht, oder es war ihm egal. Selbst nach dem Verkauf war er nicht bereit nach Sunderland zu kommen.

In diesem Moment atmet der Zuschauer auf dass die europäischen Ligen, im Gegensatz zu MLS und anderen Sportvereinen in den USA, keine Franchisebetriebe sind. Der Besitzer kann nicht nach Gutdünken ein Team in eine andere Stadt verkaufen, so wie es in der NFL in der jüngeren Vergangenheit durchaus Usus war. Borussia Dortmund, oder Bayern München werden immer in Dortmund oder München bleiben und nicht aus einer Laune heraus nach Dorsten, oder Ingolstadt verkauft werden. Allerdings, gerade für die Premierleague -das zeigt die Serie wunderbar-, ist es existenziell so schnell wie möglich einen neuen Investor zu finden. Sunderland zeigt was passiert, wenn der Investor den Geldhahn zudreht. Vereine wie Redbull Salzburg, Leipzig, oder New York haben immer das Damoklesschwert über dem Haupt, denn was passiert wenn Redbull plötzlich abspringt? Leipzig hat keine Tradition wie Salzburg, oder Hoffenheim, wo allerdings der Verein weitestgehend autonom agieren kann. Ein Gedanken den auch ich mir gestellt habe, „was wäre wenn.“

Fankultur

Es heißt dass der AFC die treuesten Fans hat, egal wie der Verein spielt, es besuchen regelmäßig 27.635 Zuschauer die Heimspiele des AFC. Man lernt einige Fans kennen, ist teilweise Ziel der Frustrationen…„Mach die Scheiß Kamera aus….mach sie aus, habe ich gesagt!“…. Man wird Zeuge wie sich Chris Coleman beinahe mit einem Fan prügelt als er entlassen wird und sich vor dem Vereinsgebäude von ein paar Fans verabschiedet…“Chris, Chris! Na was sagst Du jetzt dazu?… Das ich die Verantwortung übernehme!… Das Du was? Du Arschloch weißt doch gar nix!…Wie nennst Du mich? Ich bin verheiratet und habe 6 Kinder und Du nennst mich ein Arschloch?…Komm doch her Du wenn Du Dich traust! Ich schlag Dir in die Fresse!“…. Security verhindert dass die Beiden aufeinander losgehen, aber es zeigt sehr schön den Frust auf der einen und die Verzweiflung auf der anderen Seite, wenn man als Trainer alles gegeben hat und am Ende mit leeren Händen dasteht.

Die Verbundenheit des AFC zeigt sich auch, dass Fans und Verein sich regelmäßig in einem Restaurant treffen. Man stelle sich vor der Vorstand und Spieler des FCB würden sich zu Schweinshaxe, Schweinsbraten und Bier treffen, oder Schalke 04 in Charles Bummelzug. Undenkbar, aber in Sunderland pflegt man das und das ist der Spagat zwischen Volksnah und Professionalität. Man ist, trotz allem, füreinander da und man nimmt den Spielern ab, dass ihnen der Club und Menschen nicht egal sind. Ich, für meinen Teil, war sogar drauf und dran eine Mitgliedschaft zu beantragen, so wird der Zuschauer involviert und zum Teil des Ganzen. Abgehalten davon hat mich die Entlassung Bains, für mich der Sympathieträger dem man ansieht, dass Fußball, besser das was er macht, nicht Job, sondern Herzen ist. Er leidet und identifiziert sich mit „seinem Verein“ obwohl es ihm egal sein dürfte ist er doch „nur Angestellter.“

Fazit: Diese Serie war wirklich seit Langem das Beste was ich bisher an Sportdokumentationen gesehen habe. Hier ist nichts gestellt oder geschönt und man nimmt es jedem Akteur ab was er sagt. Seien es die Fans, die Spieler, die Trainer, oder der Geschäftsführer. Man leidet jede Minute mit und freut sich über jeden Erfolg, obwohl das Quatsch sein dürfte sind es doch keine Momentaufnahmen, aber den Machern gelingt es diese vergangenen Episoden wie Momentaufnahmen rüberzubringen und dafür gebührt ihnen ein dickes dickes Lob. Meine Hochachtung. Ich kann diese Serie wirklich jedem empfehlen der interessiert ist an Sportdokumentationen  und einen Netflix Zugang hat, denen auch ein Lob gilt sowas anzubieten. Man muß kein Fan des AFC Sunderland sein, spätestens nach dem Ende sagt man sich „Sunderland ‚Til I Die!!“

Eight Amendment und deutsche Besserwisser

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Abtreibungsgegner in Dublin

Am 25. Mai entscheiden die irischen Bürger über den Artikel 40 der irischen Verfassung. Dieser Artikel besagt, dass sich die irische Regierung dazu verpflichtet das Leben aller Iren, selbst der Ungeborenen, zu schützen und wurde, am 7. Oktober 1983 per Gesetzesänderung, so in die Verfassung geschrieben (siehe Achtes Gesetz zur Änderung der Verfassung). Soweit so Gut, oder auch nicht, denn wenn ich die Berichte und Kommentare in deutschen Zeitungen verfolge, dann kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren das Länderkritik das Hobby vieler Deutscher ist.

Selbst wenn sie absolut keine Ahnung haben wie es in fremden Ländern aussieht, eine Meinung haben sie trotzdem und müssen diese, egal wie bescheuert die auch sein mag, kund tun. Seit dem Anfang der Kampagne schaue ich hin- und wieder was deutsche Zeitungen so schreiben, beziehungsweise wie die Kommentare dazu sind und kann oft genug nur mit dem Kopf schütteln. Wahrscheinlich hatte der österreichische Journalist, Schauspieler und Schriftsteller Franz Schönthan von Pernwaldt diese Leute im Sinn als er schrieb: „Niemand weiß soviel Schlechtes von uns wie wir selbst. Und trotzdem denkt niemand so gut von uns wie wir selbst.“

Im Falle der irischen Debatte glaubt der Deutsche zu wissen, was wir sind und wie wir uns zu verhalten haben. In den Augen einiger sind wir „wilde Barbaren,“ „Rednecks“ und nicht würdig in der Mitte der europäischen Gesellschaft einen Platz zu haben. Manche gehen sogar soweit in ihren Kommentaren zu fordern, dass uns die EU aus der Gemeinschaft wirft auf Grund des Verfassungsartikels und gar nicht begreifen, bzw. begreifen wollen, wie der Artikel zu Stande kam und, knapp 35 Jahre später, ein neues Referendum notwendig macht. Außerdem fehlt das komplette Wissen, dass nicht nur in Irland die Rechtslage zur Zeit so ist wie sie ist, sondern auch in Polen das Abtreibungsrecht verschärft wurde, beziehungsweise in Malta Abtreibungen verboten sind.

Volksabstimmungen in Irland

Volksabstimmungen haben in Irland eine lange Tradition. Die Regierung lässt gerne das Volk abstimmen, wenn die Politiker sich nicht unbedingt in die Nesseln setzen wollen, wie zur gleichgeschlechtlichen Partnerschaft. Man kann damit auch kein Geld verdienen und hinterher, mit dem Hinweis „Ihr wolltet es doch so,'“ jegliche Verantwortung von sich schieben.

Die erste Volksabstimmung zum Abtreibungsgesetz gab es 1983. In Irland, wie wahrscheinlich in jedem anderen europäischen Land, wurde Abtreibung auch in hier leidenschaftlich diskutiert. Abtreibung war hier verboten und hätte es den Fall der Hausfrau Sheila Hodgers aus Dundalk nicht gegeben wäre es wahrscheinlich nie zur Abstimmung gekommen, wer weiß das schon. Mrs. Hodgers, die zu diesem Zeitpunkt unheilbar an Krebs erkrankt war, gebar wenige Tage nach ihrem Tod ein Kind, welches sofort verstarb. Daraufhin wurde eine Debatte geführt, ob es nicht besser gewesen wäre hätte man, wie in anderen Ländern, eine Abtreibung durchgeführt.

Fakt ist auf jeden Fall, dass die Abtreibungsgegner zu dem Zeitpunkt die besseren Argumente hatten und die Befürworter offensichtlich nur unzureichend vorbereitet waren, was dazu führte, dass die Gegner die Volksabstimmung gewannen und, da es auch darum ging das Leben aller Iren zu schützen, dieses in die Verfassung aufgenommen wurde, denn das war eines der Argumente. Auch wenn ich Religion ablehne, aber die katholische Kirche hatte wenig Einfluss auf die Debatte. Deutsche, die Leidenschaftlich die Bedingungen in anderen Ländern diskutieren, wären gut beraten, wenn sie sich informieren und nicht mit Hurragebrüll irgendetwas schreiben, nur weil das ihrer Vorstellung entspricht, wie andere Menschen zu sein haben.

Wie Falschmeldungen sich ausbreiten

In der Debatte über die Volksabstimmung kann man sehr gut beobachten, wie Falschmeldungen sich im Netz verbreiten und einfach Nachrichten übernommen werden statt sie zu prüfen. In einem Artikel für die taz schrieb Ralf Sotscheck über den Tod von Savita Halappanavar, „Die Ärzte weigerten sich: Solange das Herz des Embryos schlage, dürften sie nichts unternehmen. „Das ist ein katholisches Land“.“ In dem Artikel vermischt er Tatsachen mit Vermutungen zu dem Fall, die so gar nicht stattgefunden haben, aber von anderen deutschen Zeitungen ungeprüft übernommen wurden.

Am 28. Oktober2012 starb die 31 jährige Zahnärztin Savita Halappanavar im Universitätskrankenhaus von Galway an Schwangerschaftskomplikationen. Die Ärzte, das gibt Sotscheck korrekt wieder, verweigerten den Schwangerschaftsabbruch mit dem Hinweis auf das irische Gesetz, dann allerdings setzt er noch einen drauf und behauptet, dass die Ärzte gesagt hätten dies sei ein katholisches Land. Keine Ahnung wie er darauf kommt, aber das haben sie nie gesagt. Weder irische Zeitungen, noch die Krankenhausberichte wissen davon und der Bericht des HSE sowie das folgende Gerichtsurteil nahmen nicht Sotschecks Aussage, sondern das was wirklich gesagt wurde zum Anlass, dass der Gesetzgeber gezwungen war das Eight Amendment zu überarbeiten. Statt allerdings das Ganze zu kippen, wurde es verschlimmbessert, so das nun keiner mehr weiß was richtig ist.

Aber es war nicht nur diese Aussage die offensichtlich ungeprüft Einzug in deutsche Medien und damit auch Munition für sämtliche AbtreibungsbefürworterInnen lieferte. So schrieb Sotscheck davon, dass bei Abtreibung 14 Jahre Haft drohen. Wenn also, wie er vorher schrieb, Abtreibung in Irland verboten ist und Abtreibungskliniken nicht existieren, wie kann dann jemand für Abtreibung in Irland 14 Jahre Haft wegen Totschlags erhalten, macht wenig Sinn oder?

Laut dem Faktencheck der Irish Times reisten mehr als 170.000 irische Frauen in das europäische Ausland, um abtreiben zu lassen. Wären diese für 14 Jahre in’s Gefängnis gegangen, dann wären die irischen Gefängnisse überfüllt. Bezeichnend für diese Praxis in’s Ausland zu reisen ist der Fall eines jungen Paares denen der Arzt sagte, dass ihr Kind nur eine Woche überleben würde und riet dazu, dass die Beiden in England eine Abtreibungsklinik besuchen sollten, was sie schweren Herzens auch taten. Es kam wie es kommen musste, Freunde zeigten das Paar an und Beide gingen an die Öffentlichkeit und lösten in Irland eine neue Debatte aus.

Man verstehe mich nicht falsch. Ich habe natürlich kein Recht über den Körper einer Frau zu bestimmen und als Mann werde ich wohl kaum in die Verlegenheit kommen ob ich abtreibe oder nicht, außerdem wäre ich für eine Schwangerschaft auch viel zu alt. Als Liberaler stehe ich aber dazu das Frauen das Recht haben sollten über so eine Frage selbst entscheiden zu dürfen, ohne kriminalisiert zu werden. Aber es ärgert mich jedes Mal, wenn ich deutsche Zeitungen, beziehungsweise die Kommentare verfolge und frage mich, was maßen sich diese Leute eigentlich an uns zu beurteilen oder Ratschläge zu geben? Sotscheck liegt mir mit seinen Artikeln eh schon im Magen und ich frage mich manchmal, warum er seit 30 Jahren hier lebt, wenn er die Iren anscheinend nicht leiden kann. Und, bevor jemand fragt, ich und meine Frau unterstützen diese Kampagne voll und ganz.

In Polen debattiert man darüber das Abtreibungsrecht zu verschärfen und in Malta ist Abtreibung komplett verboten, aber bei Irland glaubt man, man müsse den Leute sagen was sie zu tun und zu lassen haben. Dabei wissen die Iren, wie sie es bei Abstimmung über Gleichgeschlechtlichen Partnerschaften bewiesen haben, am Besten wie sie sich entscheiden müssen, ohne dass irgendwelche deutschen Besserwisser und Rechthaber das erklären müssen.

Wer sich informieren will:

http://www.thejournal.ie/abortion-referendum-1983-what-happened-1225430-Dec2013/

Darum geht’s

https://www.togetherforyes.ie

Das sind die Gegner der „Yes“ Kampagne

https://prolifecampaign.ie/main/

(Bezeichnenderweise sind viele junge Iren und Irinnen gegen die Abschaffung des Eight Amendment, wohingegen viele ältere Iren für die Abschaffung sind)

https://www.irishtimes.com/life-and-style/people/the-women-s-podcast

https://www.irishtimes.com/news/politics/abortion-referendum/abortion-facts

http://www.thejournal.ie/factcheck-uk-ireland-abortion-law-4027157-May2018/

https://edition.cnn.com/2018/05/22/health/ireland-abortion-referendum-travel-intl/index.html

 

Ohne Toast nix los

Irland hat, was Brot betrifft, keine große Reputation in der Welt. Denkt man an Irland, dann denkt man als erstes an Guinness, Whiskey, U2, Lord of the Dance oder an die Dubliners, weniger an Brennans berühmtes Toastbrot, oder an das „leckere“ Sodabrot.
Kein Brotliebhaber käme auf die abstruse Idee, die Firma Brennan in Dublin nach dem Rezept für das „leckere Brot“ zu bitten. Und niemand, der sich mit Brot beschäftigt, entschließt sich dort ein Praktikum zu machen, um das „perfekte Brot“ nachzubacken. Nicht mal Franzosen und Italiener benutzen Brennan um die Tauben zu füttern, nicht aus Tierliebe, sondern weil man es niemanden zumutet. Trotzdem hat Toastbrot in Irland den Status eines Nationalheiligtums. Toast rangiert gleich hinter St. Patrick, Michael Collins, James Joyce und Guinness, und noch vor W.B. Yeats, Oscar Wilde, Eamon de Valera und Brian Boru.

Toast, und ganz besonders die Firma Brennan, hat wahrscheinlich Generationen von Iren gesättigt und hätte es Toast schon 1845 gegeben, die große Hungersnot wäre nie gekommen.

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Geniesst Heiligenstatus

Es heißt, dass die Iren die Wikinger 1014, in der Schlacht von Clontarf, nur besiegen konnten, weil der Urahn des Gründers der Firma Brennan ausreichend Toastbrot zur Verfügung stellte, praktisch die irische Version des gallischen Zaubertranks. Die Bedeutung wurde mir bewusst, als sich die Meldungen häuften, dass es zu Lieferengpässen, bedingt durch die Blizzard-Warnung, kommen soll und in der Tat, Bilder der letzten Tage belegen, dass die Brotregale, bis auf wenige Ausnahmen, leer waren. Am meisten hat von der Versorgungslage, die Firma Brennan profitiert, die, glaubt man der Presseabteilung, die Produktion rund um die Uhr laufen liess, damit jeder Ire ein Paket Toastbrot im Haus hat.

Unsere Regierung hat sogar, um die Katastrophe abzuwenden, die Irish Defence Force in die Fabriken geschickt, damit die Versorgung mit Toastbrot sichergestellt ist, denn Brennans Toast befindet sich wahrscheinlich auch in jedem Tornister der irischen UN-

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Ohne Toast macht das Leben keinen Sinn

Soldaten. Auslieferungsfahrer sollen auf den Zufahrten der Supermärkte überfallen und ausgeplündert worden sein und viele Bilder beweisen, dass die Fahrer, sobald sie das Geschäft betraten, mit ihren Rollies gleich am Eingang bedrängt wurden. Seit 8 Jahren in Irland lebend, gibt es nur wenige Momente, wo ich ein Paket des deliziösen Brennans Brot im Haus hatte und kann, da wir in Deutschland das Brot Paradies auf Erden haben, der ganzen Panik nur Kopfschüttelnd begegnen.

Dabei gibt es durchaus Bäcker, die genau wissen wie man ein Brot backt und die, wenn sie fragt, warum sie nicht so tolle Brotsorten wie Soda- oder Toastbrot backen, einem verächtlich vor die Füße spucken. Aber wenn selbst die Macher des Netzwerkes „Real

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Nur die Stärksten überleben dank Brennans

Bread Ireland“ anonym bleiben, dann kann man sich in etwa vorstellen wie es die Mehrheit der Iren mit Brot hält. Tradition für sie heißt Toast- und Sodabrot, basta! Aber Iren wären keine Iren, wenn sie sich nicht mit der Krise einen kleinen Scherz erlauben könnten und so kursieren Videos im Netz wo Brennans Brot wie bei einem Drogendeal an einer Hausecke verkauft wird, oder jemand eine Packung Brennans Bread in Stücke reist und in den Schnee wirft damit es jemand aufhebt.

Da Emma uns zum Glück nur Heute und Morgen im Griff hat, kann man ab Anfang nächster Woche ein Aufatmen hören, was wahrscheinlich eine weitere Katastrophe zur Folge hat.