Der Antichrist

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Am 8.November 2016, oder besser am 09. November, nach einer langen Wahlnacht, mussten sich viele verwundert die Augen reiben und denken, sie seien immer noch in einem schlechten Traum. An diesem 08. November hatte das, für viele, personifizierte Böse, die Wahlen zum wichtigsten Staatsamt der Welt gewonnen.

Donald John Trump gewann die Wahlen gegen seine Herausforderin Hillary Clinton, der im Vorfeld schon pro Forma zum Sieg gratuliert worden war, und schlug damit dem politischen Establishment in den USA, als auch in Europa, mit Schwung eins in die Fresse -wie man so schön sagen kann-.

Erschreckend an dem ganzen ist nicht die Wahl Trumps an sich, erschreckend ist, wie wenig sich die Politiker mit den Stimmungen im eigenen Volk auskennen und wie groß die Ablehnung der Bevölkerung gegenüber den politischen Eliten ist.

Trump hat im vorbeimarsch die Vorwahlen gegen seine Herausforderer gewonnen und hatte sogar noch Luft genug auch den Rest zu gewinnen.

Man mag einwerfen, dass Obama doch mit seinem Gesetz zur Gesundheitsversorgung das Wohl aller Amerikaner im Blick hatte, aber offensichtlich sahen große Teile dieser Amerikaner es ganz anders. Tuvia Tenenbom schrieb in seiner lesenswerten Kolumne für die Zeit, dass die Amerikaner der Ost- und der Westküste sich prima in San Francisco oder in New York auskennen, aber offensichtlich wenig Ahnung darüber besitzen, dass zwischen diesen beiden Küsten die große Mehrheit der Amerikaner wohnt, die anscheinend eine ganz andere Denkweise hat. So schrieb er, „Wie bei US-Küstenbewohnern üblich, kennen meine parkplatzsuchenden Nachbarn sowohl die West-, als auch die Ostküste, sind sich aber völlig im Unklaren darüber, was dazwischen ist. Der Umstand, dass zwischen den beiden Küsten viele Staaten mit Hunderten Städten liegen, in denen man sein Auto einfach in der eigenen Garage abstellen kann und in denen Menschen andere Nachrichten aus anderen Quellen lesen oder sehen, ist etwas, das ihr Verstand nicht fassen kann. Aber es gibt sie, in der Mitte von Amerika, wo viele Menschen dieser Tage guter Dinge sind. Sie feiern, sie lachen, sie sind obenauf – und ihre Psychoanalytiker arbeitslos.“

Natürlich kann man in Europa nun in schallendes Gelächter ausbrechen über amerikanischen Hinterwäldler und viele Europäer glauben eh, das in den USA nur Idioten wohnen, die zu blöd sind eine Flasche Mineralwasser in einem Walmart zu kaufen und, würde es nicht Europa geben, sie immer noch in irgendwelchen Hütten im Wald leben würden. Viele Europäer glauben auch, genauso wie die Amerikaner die Tenenbom beschreibt, sie würden Amerika und die Mentalität der Amerikaner kennen. Nur, wenn man in den Städten war, die auf jeder Besichtigungstour stehen, dann hat man von dem Rest des Landes noch lange keine Ahnung. Man kann jedes Jahr nach Rom fahren, weiss aber nicht wie die Römer ticken.
Man könnte sich beruhigt zurücklehnen, oder versuchen den Amerikanern die Demokratie zu erklären und wie sie, im Auge der alten Welt, zu funktionieren haben. Aber es gab und gibt genügend Beispiele in Europa die zeigen, dass es nicht so einfach ist. Wir haben einen Berlusconi gehabt, einen Politdarsteller, der für Italien wahrscheinlich eine der größten Katastrophen war, Bettino Craxi einmal ausgenommen. Einen Mann, der ebenso wie Trump, unheimlich reich ist und beschlossen hat, er geht jetzt in die Politik. Die Motive Berlusconis dies zu tun, sind leicht verschwommen, denn Berlusconi hat versucht das durchzusetzen was Berlusconi nützt und nicht dem gemeinen Italiener auf der Straße. Er hat Richter und Staatsanwälte korrumpiert, Einfluß auf den, politisch unabhängigen, Staatssender RAI genommen und sich eher aufgeführt wie ein König von Gottes Gnaden, als ein Ministerpräsident eines demokratischen Landes.

Schaut man sich die aktuelle Lage in Europa an, dann haben wir hier genug zu tun. Viktor Orbán beispielsweise, zeigt aktuell wie man ein demokratisches Land nach und nach in eine Autokratie verwandelt. FIDESZ hat es geschafft, die ungarische Verfassung fast zu 100% zu ihren Gunsten zu ändern. Dabei hat Orbán alle wichtigen Positionen mit Leuten seines Vertrauens besetzt, teilweise bedienen diese sich ganz unverhohlen aus dem ungarischen Steuersäckel. Für Orbán ist nicht entscheidend ob diese von dem, wofür sie vorgesehen sind, Ahnung haben, sondern entscheidend ist, dass sie zu 100% hinter ihm stehen. Wer öfters in Budapest ist, der sieht in den U-Bahn Stationen alte Menschen die betteln müssen, weil die Rente nicht reicht. Alles ein Ergebnis der Orbán’schen Politik. Um ein Beispiel zu geben: FIDESZ hat den Tabakverkauf in die Hände von Trafiken gegeben. Früher war es üblich, dass man seine Zigaretten fast überall bekam, nun muss man in eine Trafik gehen, die von aussen aussehen wie Erotikshops oder Pornokinos. Der Staat hat seit 2013 ein Monopol auf den Tabak und verkauft die Konzessionen, wie es heisst, an FIDESZ Treue. So kann man einen Staat aushöhlen, man umgibt sich mit Getreuen und tut diesen einen Gefallen in dem man ihnen ein Stück vom Kuchen abgibt. Martin Schulz, der bis 2017 Präsident des europäischen Parlaments war, nannte Orbán einen sehr intelligenten Menschen. Orbán verstößt gezielt gegen europäisches Recht und rudert, wenn man ihm auf die Finger haut, mit seinen Vorstößen soweit zurück, das es gerade noch EU konform ist.
Ein weiteres Beispiel, dass wir in Europa uns mit Kritik zurück halten sollten, ist die Türkei. Ein größenwahnsinniger Präsident steht kurz davor aus einem ehemals liberalen, weltoffenen Land eine Präsidialdiktatur zu machen. Den Punkt unter dieses unwürdige Schauspiel setzte das türkische Parlament, das sich faktisch abgeschafft hat. Und was haben die europäischen Politiker getan? In Anbetracht der Flüchtlinge aus Syrien, die in der Türkei ihr Dasein fristen, haben sie das getan, was schon immer getan wurde. Laut kritisiert und hinter verschlossenen Türen Verträge gemacht, damit die Flüchtlinge in der Türkei bleiben.

Apropos Flüchtlinge, wir, ebenso wie Groß Britannien und Dänemark, haben nicht dieses Flüchtlingsproblem, aber wenn man sich in den Kommentaren und Foren der irischen Medien umschaut bekommt man den Eindruck, das wir nicht 4000 Flüchtlinge aufnehmen werden, sondern 4 Millionen. Bei den 1200 die zur Zeit in Irland leben, wurde gewettert was das Zeug hält und vom Ende der irischen Identität gefaselt, so als werde morgen die Sharia eingeführt und, was noch schlimmer ist, ein Landesweites Alkoholverbot gelten.
Wieder zurück zu Donald Trump. Trump verkörpert das, was man verzweifelt versucht hat zu ignorieren. Selbst die Republikaner haben Trump belächelt und konnten sich, angesichts der besseren Kandidaten, gar nicht vorstellen das jemand, der aussieht wie das Kapuziner Äffchen aus „Nacht im Museum,“ und auftritt wie ein alterstarrer seniler Demenzkranker, Präsident eines Landes wird, das sich Zurecht seiner Demokratie, seines Liberalismus, seiner Weltoffenheit und seines politischen Systems rühmt, egal wie Fehlerbehaftet es ist oder gewesen sein mag.
Trump hat, schon vor Amtsantritt, das Land so tief gespalten wie kein Präsident vor ihm. Die einen, meist dem liberalen Establishment nahestehend, sehen in ihm den personifizierten Antichrist. Das böse schlechthin in seiner Rabulistik und seinen kruden Verschwörungstheorien und seinem größenwahnsinnigen „America first“ Gebrabbel. Die anderen, offensichtlich die Mehrheit, sieht in ihm die Lichtgestalt, einen Heilsbringer, der America aus dem tiefen und dunklen Tal in das gelobte Land führt. Es interessiert sie nicht dass Trump nur Trump im Blick hat und nicht sie. Ihnen ist es egal ob 99% seiner Reden populistischer Propagandamüll sind, ohne Inhalt. Sie jubeln, wenn Trump gegen seine Gegner austeilt und ihnen sagt, Amerika zuerst den Amerikanern und verspricht, dass die Milliarden von Mexikanern keinen Fuß mehr auf heiligen amerikanischen Boden setzen. Sie sind begeistert, wenn Trump verspricht, dass Abtreibung in den USA verboten wird. Trump punktet mit diesem Populismus genauso im Bible Belt, wie er damit bei der sogenannten Unterschicht gepunktet hat, bei denen, um die der „American Way of Life“ einen Riesen Bogen gemacht hat. Das sind seine Wähler und er hat es mit seiner Art geschafft die Leute zu motivieren, die keine Lust mehr hatten zur Wahl zu gehen. Trump hat gezeigt wie es ist, wenn clevere Populisten sich der Leute annehmen.

Vielleicht, aber nur vielleicht, verliert Trump sehr schnell die Lust an der Politik wenn er erkennt, dass er die USA doch nicht so regieren kann wie seine Unternehmen und das politische System ihm sehr schnell Steine in den Weg legen kann. Diese Erfahrung mussten schon ganz andere vor Trump machen. Nun für mich ist er ein Egomane. Er hat immer alles erreicht, was er erreichen wollte, entweder auf legalem Wege oder mit Hilfe seiner Anwälte. Er kann nun aber weder den Kongress, den Senat, oder das oberste Bundesgericht verklagen, wenn man ihm auf die Finger haut. Was wird er dann machen? Wie Berlusconi von der kommunistischen Verschwörung faseln?
Und was werden die Amerikaner, besser die, die ihn gewählt haben machen. Wie tief wird dann der Fall werden, wenn Trump versagt weil das demokratische System stärker als ein Präsident ist?

Trump zumindest ist das aktuelle Beispiel für Europa. Er hat gezeigt was passiert, wenn die Bürger ihrer politischen Kaste nicht mehr trauen und dieser Kaste ablehnend gegenüber stehen. Sie sagen auch nicht, mit Namen und Adresse, dass sie bei der nächsten Wahl diese Leute nicht mehr wählen werden. Sie gehen in die Wahl Kabine und machen ihr Kreuz bei denen, die sie ernst nehmen, obwohl diese sie für eine Horde grenzdebiler und unterbelichteter Vollwappler halten, die zu dumm sind 1 und 1 zu rechnen. Die Wähler haben, nicht nur bei dieser Wahl gezeigt, dass sie unberechenbar sind. Die Österreicher, beispielsweise, hätten beinahe jemanden zum Bundespräsidenten gewählt, der der Partei der Aluhutträger angehört. Ein Vertreter des völkisch nationalen, ebenso wie Trump.

Man sollte sich fragen, wie kann es sein, dass jemand erzählt der liebe Gott habe das Volk der Österreicher aus dem tiefen Tal der Finsternis, nach Österreich geführt und die Vorfahren des Herrn Havlicka hätten schon mit den Kampen (germanischer Stamm) auf dem Marchfeld gesiedelt und wären nicht, im Zuge der K. u. K. Monarchie, nach Österreich eingewandert. Wie kann es also sein, das dieser fast die Mehrheit erhalten hat und erst bei einer Neuwahl in der Bedeutungslosigkeit verschwand. Was ist los?

Ich denke, dass Europa das gleiche Schicksal blüht, wie den Menschen der Ost- und Westküste und die Trumps und Orbáns irgendwann die Geschicke bestimmen.

Berthold Brecht schrieb einst: „Das Volk hat das Vertrauen der Regierung verscherzt. Wäre es da nicht doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes?“ Man könnte glauben, dass die Politik genau dies sich wünscht. Da dies aber nicht passiert sollte man sich überlegen was man besser machen kann, damit ein Trump hier nicht passieren kann.

Aber wie heißt es in den USA „Das einzige, was wir aus den neuen Wahlen lernen, ist, daß wir nichts aus den alten Wahlen gelernt haben.“ Und so werden die Politiker weiterwurschteln wie bisher, den Wähler beschimpfen oder den Kopf schütteln, mehr wird ihnen nicht einfallen.

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Hausproblem

Vor der Weihnachtszeit gab RTÉ bekannt, dass knapp 1000 Familien in Dublin Obdachlos sind und Focus Ireland schrieben auf ihrer Website, etwa 6525 Personen in ganz Irland seien ohne Obdach, es heißt in 2016 sei die Zahl Obdachloser gegenüber 2015 um 40% gestiegen,Für ein Land, das mal zu den sogenannten „Tigerstaaten“ gehörte, schlicht und ergreifend ein Armutszeugnis. 

Im Juni 2016 lag die Zahl obdachloser Kinder bei 2177 und 2013 lag die Zahl der Haushalte, die sogenanntes „Social Housing“ beanspruchen können bei 89872. Unsere Regierung hat das natürlich mal fix runtergerechnet und kam auf die „lächerlich geringe Zahl“ von 35.573 Haushalten, die dringend ein neues Zuhause brauchen. Nun kann man sagen, dass das ja eine Kleinigkeit sei wenn man das auf die Gesamtbevölkerung der Insel hochrechne. Das mag natürlich sein, nur was diese ganzen Zahlen zur Katastrophe macht ist die Tatsache, dass unsere Regierung, statt das sie das Problem angeht, überlegt, ob die Zahl der Leerstehenden Häuser ausreichend ist, nicht für die Obdachlosen, sondern für die Legionen von Arbeitskräften die demnächst aus allen Teilen Europas nach Irland kommen. Die Bauaktivität hat wieder eingesetzt, leerstehende Häuser, Appartments und Wohnblöcke werden renoviert, oder was man halt für Renovieren hält, denn Farbe und Tapete ist hier völlig ausreichend und die Immobilienpreise haben wieder stark angezogen, was natürlich Spekulanten freuen dürfte, bekommen sie doch ihre Wohnruinen für völlig utopische Preise los. 

Ein englisches Wirtschaftsmagazin schrieb denn auch, dass die Mieten in Irland, im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern, sehr niedrig wären. Das mag so stimmen, nur sind wahrscheinlich die Häuser in anderen europäischen Ländern den Preis wert. Das Problem ist nämlich, dass viele Häuser in Windeseile hochgezogen worden sind, damals, als es Irland noch Bombe ging. Ein Beispiel hier für sei unser Haus. Wir wohnen seit 2013 in einem Haus mit Küche, Wohnzimmer, drei Schlafzimmern und Bad. Bevor wir hier eingezogen sind wohnten hier teilweise bis zu 6 Personen und haben zwischen 350 und 450€ Miete gezahlt. An dem Haus ist auch nie etwas gemacht worden mit dem Ergebnis, dass der Boiler zweimal repariert werden musste und der Herd mittlerweile ausgetauscht ist, nachdem er sich gerne selber Mal eingeschaltet hat. 
Isolierung gibt es hier nicht und ich wette, dass man aus dem All unser Haus für ein Wärmekraftwerk hält, was übrigens für die Mehrzahl irischer Häuser gilt. Nach kurzer Zeit breitet sich der Schimmel aus, was vollkommen natürlich ist und meiner Meinung nach auf 80% der Häuser und Wohnungen zutrifft. Ein Barbesitzer den ich in einem Pub getroffen habe meinte zu mir, dass irische Landlords überhaupt nicht daran interessiert wären Wert zu erhalten. Er sagte eine Kultur wie sie andere Länder pflegen sei hier nicht vorhanden, während die Deutschen in Sparbücher investieren würden, so würde man in Irland sein Geld in Land und Besitz investieren. Gedanken macht man sich nur, dass man soviel möglich rausholt.

Ein weiteres Problem stellen die Zahlen dar, in denen die Verschuldung irischer Haushalte das Thema ist. Iren zwischen 35 und 45 Jahren stellen die Gruppe mit der höchsten Pro Kopf Verschuldung. Als es dem Land gut ging wurden Kredite gewährt als gäbe es kein Morgen. Irische Banken warfen mit Krediten nur so um sich und verlangten nicht mal Sicherheiten. Es genügte vollkommen einen Lohnzettel vorzuweisen und man bekam das Geld sich ein völlig überteuertes Haus zu kaufen. Die Folge ist, dass viele die Kredite nicht mehr bedienen können und auf der Straße landen. Jemand, der als Maurer auf den Baustellen arbeitete erzählte mir von seinem Boss. Der ging in der Hochphase zu seiner Bank und bat um einen Kredit von 50.000€ damit er seine Maschinen modernisieren könne. Auf der Bank hat man ihn ausgelacht ob seines Ansinnens und gab ihm zu verstehen, dass der Betrag ja wohl „Peanuts“seien und der Bankdirektor dies quasi im Monat verdienen würde. Man gab ihm zu verstehen, dass wenn sie ihm Geld geben würden, nur eine Summe von 500.000€ geben würden und gab ihm mit auf den Weg, dass in diesen Zeiten nicht kleckern, sondern klotzen angesagt ist. Er ließ sich auf die Summe ein, in der Hoffnung, dass er das restliche Geld wieder zurückzahlen und die 50.000 behalten könnte und monatlich zurückzahlen. Da hatte er allerdings die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Die Bank bestand auf Einhaltung des Vertrags und ließ auch nicht mit sich handeln. Das Ende vom Lied, als das Land den Bach runterging und er seine Firma schliessen musste, blieb er auf der Summe sitzen. 
Der irische Journalist Derek Scally schrieb 2014 das etwa 400.000 Haushalte in Irland durch die ganzen Folgen des Booms und der Krise völlig überschuldet seien, aber Hauptsache Irland gilt als der Musterknabe dieser ganzen Krise, was dabei rausgekommen ist, das sehen wir jetzt.

Es ist kein Wunder das gerade jetzt die Leute rebellisch werden und sich nahmen, was sich unter Aufsicht und Kontrolle der NAMA (National Assest Management Agency) befindet. Das Apollo House in Dublin, ehemals ein Büro Gebäude der Social Protection, dann Welfare, wurde von NAMA übernommen, nachdem das Konsortium, in dessen Besitz das Apollo war, Pleite ging. 

Die Pläne sahen vor, dass es 2017 abgerissen und Platz gemacht werden soll, wahrscheinlich für ein neues Bürogebäude. Das ist nun, Dank der Initiative „Home Sweet Home“, erstmal hinfällig und die Okkupanten haben schon darauf hingewiesen, dass sie wenn, erst am 11 Januar das Haus Haus räumen würden. Statt nun, was eigentlich logisch wäre, diesen Leuten das Haus erst einmal zu überlassen, bevor man eine Lösung für die Situation findet, hat man seine Anwälte in Bewegung gesetzt um diese Leute aus dem Gebäude zu bekommen. 

Man muss sich das mal vorstellen. Ein Haus, was eh dem Staat gehört, denn NAMA wurde von der damaligen Regierung gegründet, um diese „Bankrottopfer“ aufzukaufen, hat nichts besseres zu tun, als die Leute zu verklagen. Da kann man ja froh sein, dass man nicht die Garda auf das Apollo House losgelassen hat. 

Leider ist das in Irland Alltag und man hat manchmal den Eindruck als wäre die Krise nicht schlimm genug gewesen. Statt das man sich dem ganzen annimmt und Konzepte erarbeitet, haben wir eine Regierung, deren dringendste Aufgabe ist, dass wir endlich Wassersteuern zahlen, obwohl wir das längst, mit unseren Steuern, tun. Wir haben einen Präsidenten der an Eamon de Valera erinnert und der offensichtlich nicht nachdenkt wem er kondoliert, so schrieb er, nachdem der Maximo Leader, Fidel Castro verstarb, einen dermassen verkitschten Artikel dass Senator Ronan Mullen (Independent) schrieb, „das sei kriecherisch und absolut unangebracht.“ Noel Rock meinte, „er (Higgins) sollte eigentlich mitbekommen haben das Castros Regime Oppositionelle gefoltert und hingerichtet habe.“ Statt es nocheinmal zu überdenken verteidigte Higgins seine Worte und bekam dabei Unterstützung von Ex-Senator Brendan Ryan der 1981 auf Kuba war und dabei der Meinung war, dass Castro „ein netter und umgänglicher Zeitgenosse gewesen sei.“ Nun sagte man über Hitler das Gleiche so dass de Valera wohl die andere Seite ausgeblendet haben musste, ebenso wie Higgins.
Wer nun denkt, „Naja, aber wenigstens zum Apollo müssen sie sich doch gemeldet haben,“ weit gefehlt, man hat besseres zu tun als sich zu überlegen, wie man mit Leerstand und Wohnungslosen umgeht, man macht sich auch wenig Gedanken, das eine Firma wie Voxpro nun doch keine 400 Leute einstellen kann weil die Gehälter nicht dafür geeignet sind, dass die Mitarbeiter davon eine Wohnung bezahlen könnten da Cork, was die Mieten betrifft, mittlerweile teurer als Dublin ist, das muss man erst mal schaffen.
Vor ein paar Jahren da begann der City Council von Cork die Häuser in Knocknaheeny abzureissen, wohlgemerkt als zu diesem Zeitpunkt viele Familien bereits mehr als 5 Jahre auf eine Wohnung, bzw. eine Bleibe warteten. Ich denke dass es schlimmer werden wird und ich sehe nicht, dass sich etwas ändert. Man hat, was den Hausbau betrifft, ganze Siedlungen aus dem Boden gestampft in Gegenden wo man nicht tot über dem Zaun hängen möchte zu Preisen, die absolut Utopisch waren. Man ist wieder kurz vor dem Höhepunkt und konsumiert schon wieder recht fleissig..Ich bin gespannt wie man dann eine Krise meistern will, denn ich glaube nicht, dass unsere Regierung einen Notfallpläne in der Schublade hat.

Irland ist nicht Deutschland

Ich lebe und arbeite jetzt seit 6 Jahren in Irland was eine ziemlich lange Zeit ist. Im Laufe der Zeit habe ich viele Menschen getroffen und muss ehrlich gestehen, ich bin immer noch überrascht darüber, wie naiv, oder wie dumm manche Leute sind. Damals, als ich das erste Mal für längere Zeit im Ausland lebte, da kannte ich das Land von meinen Schulferien, die ich Regelmäßig dort mit meiner Familie verbrachte. Ich wußte wie es dort aussah und welche Sprache man spricht und, das man nicht unbedingt mit Deutsch sehr weit kommt. Ich habe also, bevor ich ein Angebot annahm, mich nocheinmal auf den Hosenboden gesetzt und die Sprache gelernt, damit mein Engagement nicht wie das Hornberger Schießen ausging und blieb dort fast ein Jahr. Mein zweiter Auslandsaufenthalt brachte mich nach Österreich, immerhin behaupten die Wiener, sie sprechen das bessere Deutsch, was auch immer das sein mag. Das ganze ging ein Jahr, dann kehrte ich wieder nach Deutschland zurück, gerade wegen meiner Eltern zu denen ich eine sehr starke Beziehung hatte. 

Vor 6 Jahren, als ich nun das Angebot bekam in Irland zu arbeiten, da waren meine Eltern und mein Bruder längst gestorben, es fiel also einfacher das Land, das mein Vater all die Jahre verlassen wollte, zu verlassen und habe es nicht bereut. Zu Gute kam mir, dass ich nicht nur die Sprache spreche, sondern dass ich mich viele Jahre intensiv mit Irland, der Kultur und der Geschichte des Landes beschäftigt hatte und dies immer noch mache. Ich wusste, worauf ich mich einlasse, als ich meinen Fuß auf irischen Boden setzte und beschlossen hatte, nie wieder nach Deutschland zurückzugehen. Man sollte wohl, wen man plant auszuwandern, oder ein Jahr in einem fremden Leben möchte, voraussetzen, dass man sich umfassend über das Land, die Leute, die Sprache, die Kultur und Mentalität informiert und nicht Juppdidei ein Flugticket bucht in dem Glauben, es sei genauso wie daheim. So einer Person bin ich begegnet. Ich habe keine Ahnung wie sie auf die Idee kam, ausgerechnet in Irland arbeiten zu wollen. Vielleicht war es ein Kurztrip nach Dublin, sowie die Pubatmosphäre die diesen Plan reifen ließen. Laut eigener Aussage war sie, bevor ich sie traf, 3 Monate in einem Callcenter im Norden des Landes angestellt und ist wieder nach Deutschland zurückgegangen. Was genau dort passiert ist und warum sie wieder unbedingt nach Irland wollte ist für mich ein Buch mit Sieben Siegeln. Laut eigener Aussage plante sie wohl bei Apple anzufangen, aber die Bewerbung wurde nicht berücksichtigt also suchte sie woanders und wurde fündig, denn Deutschsprachige, die werden hier Händeringend gesucht. Nun arbeitet sie in einer irischen Firma und ist ausschließlich für den deutschen Markt zuständig, hat also 9 Stunden nur mit Deutschen zu tun und braucht nicht unbedingt die englische Sprache sprechen, was sich in der Interaktion mit den Kollegen bemerkbar macht. Ihr Englisch ist kaum vorhanden und sie versucht sich oft genug mit „Denglisch“ verständlich zu machen. Dass das nicht viel Sinn macht versteht sich von selbst. So kommen Stilblüten zu Stande wie, „I believe I was on the wrong Movie.“ Für alle die sich jetzt fragen, was das heissen mag…“Ich glaube ich bin im falschen Film.“ Da kann man nur verwundert sagen, „Hollah the Woodfairy.“ Ihr Plan ist ein Jahr in Irland zu bleiben und da sehe ich, ehrlich gesagt, eine Menge Probleme wenn sie den Job verliert. Sie war völlig verblüfft dass sie nicht automatisch Kranken- und Rentenversichert ist, also Irland keine Hängematte ist wenn man die Arbeit verliert und nicht zwei Jahre hier gearbeitet hat. Social Welfare erhält man nur, wenn man diese Zeit hier beschäftigt war. Krankengeld zahlt die Firma auch nicht, also sollte man sich zweimal überlegen ob man sich eine Krankheit leisten kann. Viele Leute die hier her kommen, informieren sich nicht ausreichend über das Land, dabei bietet das Internet zahlreiche Informationen über das Leben und die Arbeit hier in diesem Land, aber trotz all dieser Informationen gibt es Menschen die das nicht tun, oder ausgesprochen Beratungsresistent sind und sich sagen „das wird alles nicht so schlimm.“  Zurück aber zu unserem Helden der nun allen Ernstes Irland erobern will und dabei ist einen Job zu suchen und nicht begreift, dass es ohne die Landessprache nicht funktionieren wird. Dabei wird es auch nicht mit Gebaerdensprache erfolgreich laufen denn „Look hier….Ei klick….no,“ zur Erklaerung , dass sich nichts getan hat wird nicht ausreichen, oder „Look here…..-klickt auf die Tastatur-…..-klickt auf die Maus- look.“ Um das ganze zu präzisieren kommt dann noch der Verweis auf den Bildschirm mit der Zustandsbeschreibung hinzu, „black.“ Aber schliesslich lernt man ja englisch wobei man das, wenn man 9 Stunden lang mit Deutschen zu tun hat und nach Feierabend deutsches Fernsehen via Satellit schaut auch nicht lernen kann, zumal wenn das Grundverständnis fehlt.

Aber, sind wir nicht ungerecht, unser Manager ist auch nicht gerade die hellste Kerze im Leuchter. Laut eigenen Angaben hat er 15 Jahre für internationale Banken in Birmingham gearbeitet und ist laut eigenem Verstaendis Engländer, hat allerdings in seinem Job nicht viel gelernt. So ist er allen Ernstes der Meinung dass die deutsche Wirtschaft viel von England und Irland lernen kann und die deutschen Manager doch ihr Verhalten ändern sollten wenn eine Firma aus Irland anruft und gern hätte, dass der Entscheidungstraeger doch sofort alles stehen liegen lässt und mal eben in’s Internet geht weil man ihm das sagt. Mein Kollege und ich haben ihm dann ersteinmal erklärt dass die Deutschen eine andere Mentalität haben und auch nicht der CEO der Ulsterbank alles stehen und liegen lässt und mal eben unter den Schreibtisch klettert, nur weil ein Engländer/Ire das gerne hätte.

Bezogen auf Europa habe ich in der Firma die Erkenntnis erlangt, das, solange Ignoranten in Europa leben und Europa nicht als Chance begreifen, dieses Europa es enorm schwer hat sich gegen separatistische Bestrebungen zu wehren.  

Postleitzahlen

Rebelarmy Cork

Im letzten Monat wurde fast völlig unbemerkt ein System bei uns eingeführt, das angeblich das Zusammenleben der Iren revolutionieren soll und angeblich den Postbetrieb erheblich vereinfacht. Am 18 Juni verkündete RTÉ den start von Eircode, was nichts weiter ist, als die Einführung von Postleitzahlen.

Nun waere Irland nicht Irland, wenn sowas nicht mit der Einführung einer zusätzlichen Behörde und einem Medienrummel auskommen würde. Alex White, unser Minister für Kommunikation, sagte gegenüber der Presse, dass das System Irland in die Reihe anderer europäischer Staaten bringen würde und es im Prinzip ja auch nur 26 Mio € kostet. Na wer sagt’s denn, ein Schnäppchen in Anbetracht der Probleme die dieses Land immer noch hat, aber Hauptsache wir haben jetzt Postleitzahlen nach englischem Muster.
Kritiker hingegen werfen dem System vor, dass es das Land nicht genügend abdeckt und regionale Gegebenheiten, beispielsweise Orte in gaelischer Sprache gar nicht berücksichtigt.

Man kann…

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